Scheidenpilz mithilfe der Mikronährstoffmedizin bekämpfen

Wie bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und andere Wirkstoffe die Vorbeugung und Behandlung von Scheidenpilz unterstützen

Scheidenpilz wird durch krankheitserregende Pilze ausgelöst. Häufig tritt die Infektion in Zusammenhang mit einer Antibiotika-Behandlung, hormonellen Schwankungen oder Stress auf. Grund ist ein Ungleichgewicht der Scheidenflora, sodass sich die Pilze ungehindert ausbreiten können. Die Infektion verursacht dann Beschwerden wie Brennen und Jucken. Lesen Sie hier, welche Mikronährstoffe zur Besserung der Beschwerden beitragen und die klassische Behandlung unterstützen.

Frau hält Zettel mit dem Wort SOS vor ihren Intimbereich
Hormonelle Veränderungen oder auch eine Antibiotika-Behandlung sind die häufigsten Ursachen von Scheidenpilz. Dies stört die natürliche Scheidenflora und Pilze vermehren sich. Bild: Vchal/iStock/Getty Images Plus

Ursachen und Symptome

Pilze kommen natürlicherweise in der Scheide (Vagina) vor und rufen in der Regel keine Beschwerden hervor. Gerät die Scheidenflora, die vor allem aus verschiedenen Milchsäurebakterien besteht, jedoch aus dem Gleichgewicht, können die Pilze die Schleimhaut besiedeln und es kommt zu Scheidenpilz (Vaginalmykose). Am häufigsten sind Frauen zwischen 25 und 34 Jahren betroffen. Es gibt unterschiedliche Erreger, der wichtigste ist Candida albicans.

Verschiedene Ursachen führen zu einem Ungleichgewicht der Scheidenflora: Stress oder hormonelle Schwankungen (Einnahme der Antibabypille, Schwangerschaft, Wechseljahre) können zu einer Scheidenpilzinfektion beitragen. Auch ein geschwächtes Immunsystem, Diabetes, häufig wechselnde Sexualpartner oder übertriebene Hygiene im Intimbereich begünstigen die Infektion. Ärzte raten deshalb grundsätzlich davon ab, im Genitalbereich Intimpflege-Produkte zu verwenden: Solche Produkte können den sensiblen Säureschutzmantel der Haut angreifen.

Eine häufige Ursache ist auch eine Behandlung einer anderen Erkrankung mit Antibiotika. Antibiotika bekämpfen nicht nur krankmachende Bakterien, sie zerstören auch gesundheitsfördernde Bakterien und bringen damit die Scheidenflora durcheinander.

Scheidenpilz äußert sich durch einen starken Juckreiz, Brennen und Rötungen. Außerdem kann es zu einer Schwellung kommen. Auch vermehrter Ausfluss gehört zu den Symptomen. Dieser ist gelblich-weiß und bröckelig (ähnlich wie Quark).

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Ziele der Behandlung

Wie wird Scheidenpilz klassisch behandelt?

Zur Behandlung von Scheidenpilz werden Antipilzmittel (Antimykotika) eingesetzt wie Clotrimazol (zum Beispiel Kade Fungin®, Canesten® oder Vagisan® Myko) und Miconazol (zum Beispiel Mykoderm®, Miconazol acis® oder Daktar®). Diese Wirkstoffe greifen die Zellmembranen der Pilze an. Man setzt sie in Kombinationen aus Cremes, Salben und Zäpfchen ein, wobei die Salbe von außen aufgetragen wird und Zäpfchen in die Scheide eingeführt werden. Alternativ können auch Tabletten mit den Wirkstoffen Fluconazol (Diflucan®, Fluconazol-GRY®) oder Itraconazol (SEMPERA®, SIROS®) verordnet werden. Die Behandlungsdauer für Salben, Cremes und Zäpfchen liegt bei sieben Tagen, Tabletten sollten drei Tage lang eingenommen werden.

Kommt die Infektion mehr als viermal im Jahr vor, muss eventuell ein anderes Medikament zum Einsatz kommen und/oder der Sexualpartner mitbehandelt werden: Scheidenpilz ist ansteckend. Die Pilze können sich am eher trockenen Penis zwar weniger gut vermehren als im feuchten Milieu der Scheide, dennoch ist es sinnvoll, auch den Partner zu behandeln. Ansonsten könnte sich die Partnerin beim Sex immer wieder anstecken.

Petrischale mit Hefepilz Bakterien
Bei der Therapie eines Scheidenpilz kommen Antipilzmittel zum Einsatz. Sie hemmen das Wachstum der Pilze. Bild: Sinhyu/iStock/Getty Images Plus

Info

Es kann versucht werden, den Scheidenpilz natürlich mit Hausmitteln zu bekämpfen. Die Beschwerden können zum Beispiel mit Kamille-Sitzbädern gelindert werden. Wenn allerdings keine Besserung der Symptome eintritt, sollten Sie zum Arzt gehen.

Ziele der Mikronährstoffmedizin

Mithilfe der Mikronährstoffmedizin kann die klassische Behandlung von Scheidenpilz unterstützt werden. Ziel ist es, das Immunsystem zu stärken und die Scheidenflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, damit sich der Pilz nicht ausbreiten kann. Folgende Stoffe sind besonders empfehlenswert:

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Behandlung mit Mikronährstoffen

Probiotika für eine gesunde Scheidenflora

Wirkweise von Probiotika

Probiotika sind Mikroorganismen wie Bakterien, welche die Gesundheit fördern. Dazu gehören unter anderem Milchsäurebakterien (Laktobazillen), die wichtig für die Scheidengesundheit sind: Sie wandeln Zucker in Milchsäure um und sorgen so für ein saures Milieu in der Scheide (Absenkung des pH-Werts). In einer sauren Umgebung wachsen Pilze wie Candida albicans nur schlecht oder gar nicht. Außerdem geben Milchsäurebakterien Stoffe ab, die Krankheitserreger am Wachstum hindern oder sogar direkt schädigen. Übrigens: Frauen mit zu wenig Laktobazillen in der Scheide sind besonders anfällig für Scheidenpilz. Abgesehen davon aktivieren Probiotika das Immunsystem, wenn sie über die Verdauung in den Dickdarm gelangen.

Es gibt viele Studien und Übersichtsarbeiten, welche die Wirkung von Probiotika auf die Scheidengesundheit untersucht haben. Sie liefern viele Hinweise darauf, dass eine vaginale Probiotika-Kur dabei helfen kann, die Scheidenflora zu stärken. Besonders wirksam sind Probiotika, um nach einer Therapie mit Antibiotika die Scheidenflora wiederaufzubauen. Auch verhindern sie Rückfälle für eine erneute Pilzinfektion.

Zudem kann die orale Einnahme von Probiotika bei wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen unterstützend wirken und das Wiederauftreten von Infektionen reduzieren, wie erste Untersuchungen zeigen. Die Wirkung gilt als vielversprechend, aber weniger gut bewiesen als die vaginale Anwendung. Da Probiotika grundsätzlich gut verträglich sind, ist die Einnahme in jedem Fall einen Versuch wert.

Empfohlene Bakterienarten sind: Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus reuteri, Lactobacillus rhamnosus und Lactobacillus fermentum.  Diese Bakterien waren in Studien wirksam.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Probiotika

Zur Unterstützung der Scheidenflora gibt es spezielle Präparate mit Probiotika (Vaginaltabletten, Vaginalkapseln oder Vaginalzäpfchen). Eine Kapsel für die vaginale Anwendung enthält meist 100 Millionen Milchsäurebakterien (1 x 108 koloniebildende Einheiten). Die Anwendung wird täglich vor dem Schlafengehen empfohlen und sollte über einen Zeitraum von einer Woche erfolgen. Eine vaginale Anwendung kommt bei Mädchen vor der Geschlechtsreife nicht infrage.

Info

Als Hausmittel sollen auch in Naturjoghurt getränkte Tampons helfen. Da Joghurt jedoch verschiedene Bakterien enthalten kann, häufig hitzebehandelt oder mit Konservierungsstoffen versetzt wurde, wird das nicht empfohlen. Durch die Behandlung des Joghurts werden die Bakterien abgetötet. Ärzte empfehlen deshalb spezielle Probiotika-Präparate.

Wenn Sie Ihr Immunsystem mit der Einnahme von Probiotika unterstützen möchten, empfehlen Mikronährstoff-Experten, täglich 10 bis 20 Milliarden Bakterien einzunehmen (10 bis 20 x 109 koloniebildende Einheiten). Damit gesundheitsförderliche Effekte spürbar werden, müssen Probiotika über einen längeren Zeitraum regelmäßig eingenommen werden. Sobald man damit aufhört, nimmt auch die Zahl der probiotischen Bakterien wieder ab.

Tipp

Die Einnahme von Probiotika kann durch Präbiotika (Ballaststoffe) ergänzt werden. Präbiotika liefern den gesundheitsfördernden Bakterien ausreichend Nahrung, damit sie sich vermehren können. Zu den Präbiotika zählen zum Beispiel resistente Dextrine oder resistente Stärke.

Probiotika: zu beachten bei Erkrankungen

Illustration der Candida Infektion
Probiotika sorgen für ein saures Milieu in der Scheide. Der Erreger Candida albicans kann sich dann nur schlecht vermehren und wird letztendlich durch Probiotika verdrängt. Bild: ttsz/iStock/Getty Images Plus

Sehr geschwächte Patienten mit unterdrücktem Immunsystem, Personen mit zentralen Venenzugängen (zum Beispiel bei Chemotherapie), Herzklappenerkrankungen oder dem Kurzdarmsyndrom sollten keine Probiotika bekommen.

Einige probiotische Bakterien bilden möglicherweise Histamin im Darm. Daher kann die Einnahme von Probiotika bei einer Histaminintoleranz Beschwerden hervorrufen. Folgende Bakterienarten gehören dazu: Lactobacillus casei, Lactobacillus delbrueckii ssp. bulgaricus, Lactobacillus reuteri, Lactococcus lactis und Enterococcus faecium.

B-Vitamine könnten die Scheidenpilzbehandlung unterstützen

Wirkweise von B-Vitaminen

B-Vitamine sind für die Haut- und Schleimhautregeneration notwendig. Der Körper benötigt sie für die Zellteilung, was besonders bei angegriffenen Schleimhäuten wichtig ist. Möglicherweise können B-Vitamine deshalb den Heilungsprozess bei Scheidenpilz verbessern. Ein Mangel an B-Vitaminen geht dagegen mit Schäden an den Schleimhäuten einher. Darüber hinaus kann sich ein Mangel an zum Beispiel Folsäure  auch durch eine Immunschwäche äußern.

In der Praxis wurden bei Scheidenpilz schon erste positive Effekte von B-Vitaminen beobachtet: Eine Vorstudie und einige Tierversuche zeigen, dass die Einnahme von Präparaten mit einem Vitamin-B-Komplex eine medikamentöse Behandlung von Scheidenpilz unterstützen kann: Die Patienten, die zusätzlich B-Vitamine einnahmen, sprachen besser auf Cremes und Zäpfchen an. Diese Ergebnisse müssen allerdings weiter in hochwertigen Untersuchungen bestätigt werden.

Aufgrund der vielversprechenden Wirkungen der B-Vitamine sollte bei Scheidenpilz kein Mangel vorliegen. Die ergänzende Einnahme ist daher einen Versuch wert.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von B-Vitaminen

Bei Scheidenpilz empfehlen Mikronährstoff-Experten, täglich ein Präparat einzunehmen, das alle B-Vitamine enthält. B-Vitamine unterstützen sich in ihrer Wirkung. Besonders wichtig sind folgende B-Vitamine:

  • 2 bis 4 Milligramm Vitamin B6
  • 5 bis 15 Mikrogramm Vitamin B12 (als Methylcobalamin
  • 200 Mikrogramm Folsäure (als 5-MTHF)
  • 100 bis 130 Mikrogramm Biotin
  • 20 bis 40 Milligramm Niacin
  • 10 bis 15 Milligramm Pantothensäure

Nehmen Sie B-Vitamine am besten mit etwas Flüssigkeit zu einer Mahlzeit ein.

B-Vitamine: zu beachten bei Erkrankungen

Diabetiker mit Nierenschaden und Nierenpatienten müssen besonders umsichtig sein: Vitamin B12 sollten Nierenpatienten nicht in Form von Cyanocobalamin, sondern als Methylcobalamin einsetzen. Cyanocobalamin ist für Nierenpatienten vermutlich hoch dosiert schädlich.

Beta-Glucan aus Hefe beugt möglicherweise wiederkehrenden Infektionen vor

Wirkweise von Hefe-Beta-Glucan

Beta-Glucan ist ein natürlicher Bestandteil der Zellmembranen der Scheidenpilzerreger. Es hilft dabei, das Innere der Pilzzellen gegenüber der Umwelt abzuschirmen, und trägt zur Stabilität der Zellen bei. Anhand der Beta-Glucane in den Membranen der Pilze kann der Körper die Erreger aufspüren. Sie zeigen ihm eine Infektion an und er aktiviert daraufhin seine Immunantwort.

Werden Beta-Glucane gezielt eingenommen, können sie das Immunsystem „trainieren“ und im Falle einer Pilzinfektion die Abwehrkräfte steigern. Wichtig für die immunfördernde Wirkung ist jedoch die Art der Beta-Glucane. Beta-Glucane aus Hefe (Bäckerhefe) sind zum Beispiel geeignete Beta-Glucane. Einige hochwertige Studien belegen, dass die Einnahme von Hefe-Beta-Glucan das Immunsystem zum Beispiel bei einer Erkältung unterstützen kann. Zu Scheidenpilz liegt bereits eine Vorstudie zur äußerlichen Anwendung von Hefe-Beta-Glucan vor: Bei Frauen mit wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen verhinderte eine örtliche Anwendung von Hefe-Beta-Glucan das erneute Auftreten der Beschwerden.

Auch wenn die Einnahme von Hefe-Beta-Glucan bei Scheidenpilz noch genauer untersucht werden muss, ist eine Ergänzung vielversprechend. Hefe-Beta-Glucan ist sehr verträglich und wird in verschiedenen Situationen zur Immunsteigerung eingesetzt. Gerade bei immer wiederkehrendem Scheidenpilz könnte Hefe-Beta-Glucan das Immunsystem stärken und weiteren Infektionen vorbeugen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Hefe-Beta-Glucan

Beta Glucan Hefe auf einem Schneidebrett
Die Beta-Glucane, die das Immunsystem stärken stecken in normaler Bäckerhefe. Sie sind speziell miteinander verknüpft, sodass sie durch die Immunzellen im Darm erkannt werden und das gesamte Immunsystem fördern. Bild: jirkaejc/iStock/Thinkstock

Zur Stärkung des Immunsystems werden generell 250 bis 750 Milligramm Beta-Glucan aus Hefe pro Tag empfohlen. Dabei ist es sinnvoll, die Gesamtmenge über den Tag verteilt einzunehmen. Präparate mit Hefe-Beta-Glucan sollten zudem zu einer Mahlzeit eingenommen werden: Dadurch verbessert sich die Verträglichkeit für den Magen.

Vitamin C stärkt die Schleimhäute

Wirkweise von Vitamin C

Vitamin C ist für ein gesundes Immunsystem unverzichtbar: Es stärkt die Barrierefunktion der Schleimhäute gegen Krankheitserreger wie Pilze. Dabei aktiviert Vitamin C bestimmte Zellen des Immunsystems. Eine schlechte Versorgung mit Vitamin C stellt einen Risikofaktor für Scheidenpilz dar. In Tierversuchen stellten Wissenschaftler zudem fest, dass eine Scheidenpilzerkrankung mit erhöhtem oxidativem Stress einhergehen kann. Vitamin C ist ein wichtiges Antioxidans, das Zellen vor Schäden durch oxidativen Stress schützt. Daher könnte Vitamin C die Behandlung von Scheidenpilz unterstützen.

Es gibt bereits Studien an Menschen, die zeigen, dass Vitamin C bei der Abwehr von Infektionen helfen kann – vor allem von Infektionen der Haut und der Harnwege. Ergebnisse aus Tierstudien deuten auch auf eine Wirksamkeit von Vitamin C gegen den Scheidenpilzerreger Candida albicans hin. Hochwertige Studien an Menschen speziell bei Scheidenpilz gibt es jedoch noch nicht. Da eine Vitamin-C-Unterversorgung jedoch das Risiko für eine Pilzinfektion erhöht und die Immunantwort schwächt, sollte ein Mangel immer vermieden werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin C

Zur Unterstützung des Immunsystems und zur Stärkung der Schleimhaut werden täglich 200 bis 500 Milligramm Vitamin C empfohlen. Die Verträglichkeit ist am besten, wenn Vitamin C zu einer Mahlzeit eingenommen wird. Präparate sind in Form von Kapseln erhältlich. Brausetabletten sind meist weniger gut geeignet, da sie unnötige Aromastoffe oder Süßungsmittel enthalten.

Tipp

Gute Vitamin-C-Verbindungen  sind basisches Calciumascorbat oder „zeitverzögertes“ (retardiertes) Vitamin C. Retardiertes Vitamin C hat zudem den Vorteil, dass es gleichmäßig über den Tag verteilt ins Blut abgegeben wird.

Vitamin C: zu beachten bei Medikamenteneinnahme und Erkrankungen

Vorsicht geboten ist bei der Einnahme von sehr hoch dosiertem Vitamin C in Kombination mit dem Antipilzmittel (Diflucan®, Fungata®). In einer Tierstudie verringerten 50 Milligramm Vitamin C pro Kilogramm Körpergewicht die Wirkung des Antipilzmittels. Bei einem Gewicht von 60 Kilogramm wäre dies bei 3.000 Milligramm Vitamin C der Fall. Niedrige Dosierungen (200 bis 500 Milligramm) beeinträchtigen die Wirkung dagegen wahrscheinlich nicht.

Vitamin C setzte im Tierversuch die Wirkung des Blutkrebs-Medikaments Bortezomib (Velcade®) herab und sollte deshalb während einer solchen Therapie nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Da Vitamin C die Eisenaufnahme verbessert, dürfen Menschen mit krankhafter Eisenüberladung (Hämochromatose) Vitamin C nur unter ärztlicher Aufsicht hoch dosiert einnehmen.

Kann Zink einer Scheidenpilzinfektion vorbeugen?

Wirkweise von Zink

Zink spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem: Es wird gebraucht, damit sich Immunzellen teilen und vermehren können. Zusätzlich wirkt es entzündungshemmend und kann Entzündungen, die bei einer Infektion entstehen, abschwächen. Auch benötigt der Körper Zink für starke Schleimhäute, da Zink an der Zellteilung beteiligt ist.

Auf der anderen Seite ist Zink auch für den Scheidenpilzerreger Candida albicans ein wichtiger Mikronährstoff, den er für das Zellwachstum braucht. Der Körper aktiviert daher bei einer Pilzinfektion einen Schutzmechanismus: Er fängt Zink an der Infektionsstelle gezielt ab, damit es den Pilzen nicht mehr zur Verfügung steht. Ein Zinkmangel wiederum macht den Pilz allerdings noch aggressiver. Momentan sind noch viele Fragen offen, inwieweit Zink bei einer Pilzinfektion helfen kann.

Bei Pilzinfektionen durch Candida albicans konzentriert man sich daher auf die Vorbeugung durch Zink. Forscher haben nämlich beobachtet, dass Frauen mit häufigen Scheidenpilz-Rückfällen niedrigere Zinkwerte im Blutserum haben als Gesunde. Deshalb macht es Sinn, im Vorfeld einen Zinkmangel zu bekämpfen, um die Abwehr zu stärken. In einer ersten hochwertigen Studie zeigte sich, dass die Einnahme von Zink tatsächlich das Auftreten einer Pilzinfektion verhinderte. Wie erfolgreich diese Strategie für alle Patienten ist, müssen weitere Studien zeigen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Zink

Besonders bei wiederkehrenden Pilzinfektionen empfehlen Mikronährstoff-Mediziner zur Unterstützung des Immunsystems die tägliche Einnahme von 5 bis 15 Milligramm Zink. Zinkpräparate sollten am besten zur Mahlzeit eingenommen werden, da sie auf leeren Magen Magenprobleme verursachen können. Außerdem ist die Zinkaufnahme in Kombination mit Lebensmitteln besser. Achten Sie zudem auf organische Zinkverbindungen wie Citrat. Sie werden grundsätzlich besser aufgenommen als anorganische (Zinkoxid).

Zink Kapseln
Besonders bei einem geschwächten Immunsystem und häufig wiederkehrendem Scheidenpilz empfehlen Experten Zinkpräparate. Bild: RomarioIen/iStock/Getty Images Plus

Zink: zu beachten bei Nierenerkrankungen und Medikamenteneinnahme

Bei einer chronischen Nierenschwäche oder anderen Nierenerkrankungen sollte Zink nicht zusätzlich eingenommen werden. Geschwächte Nieren können Zink nicht richtig ausscheiden, die Zink-Blutspiegel würden zu hoch werden.

Zink kann Antibiotika und Medikamente bei Osteoporose (Bisphosphonate) binden, was sie unwirksam macht. Deshalb empfiehlt sich ein Abstand von mindestens zwei Stunden. Beispiele für diese Medikamente sind Gyrasehemmer wie Ciprofloxacin (zum Beispiel Ciloxan®), Tetrazykline wie Tetracyclin (zum Beispiel Achromycin®) und Bisphosphonate wie Alendronat (zum Beispiel Fosamax®). Mehr Beispiele finden Sie im Zinkartikel.

Dosierungen auf einen Blick

 

Empfehlung pro Tag bei Scheidenpilz

 

 

Probiotika

Probiotika mit Laktobazillen

vaginal: 100 Millionen (1 x 108) koloniebildende Einheiten (KBE)

oral: 10 bis 20 Milliarden (10 bis 20 x 109) koloniebildende Einheiten

  
 

Vitamine

Vitamin B6

2 bis 4 Milligramm (mg)

Vitamin B12

5 bis 15 Mikrogramm (µg)

Folsäure

200 Mikrogramm

Biotin

100 bis 130 Mikrogramm

Niacin

20 bis 40 Milligramm

Pantothensäure

10 bis 15 Milligramm

Vitamin C

200 bis 500 Milligramm

  
 

Mineralstoffe

Zink

5 bis 15 Milligramm (zur Vorbeugung)

  
 

Sonstige

Hefe-Beta-Glucan

250 bis 750 Milligramm

 

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Zusammenfassung

Bei Scheidenpilz ist das Gleichgewicht der Scheidenflora gestört und krankheitserregende Pilze besiedeln die Schleimhaut der Scheide. Dies führt unter anderem zu Juckreiz und Brennen. Mithilfe von Antipilzmitteln lässt sich die Infektion bekämpfen. Doch auch die Mikronährstoffmedizin kann helfen, die Beschwerden zu lindern:

Probiotika wie Laktobazillen tragen zu einer gesunden Scheidenflora bei. Sie senken den pH-Wert in der Scheide, sodass Pilze in der sauren Umgebung keine Möglichkeit haben zu wachsen. Probiotika werden oft vaginal eingesetzt, zum Beispiel in Form von Zäpfchen. Sie können jedoch auch über den Darm das Immunsystem stärken, wenn sie als Kapseln oral eingenommen werden.

B-Vitamine sind wichtig für die Schleimhautregeneration und unterstützen vermutlich die Behandlung mit Antipilzmitteln, sodass sich die Beschwerden schneller lindern lassen. Beta-Glucan aus Hefe „trainiert“ das Immunsystem und könnte so vor allem bei wiederkehrenden Scheidenpilzinfektionen helfen. Vitamin C stärkt die Schleimhäute und die Abwehrkräfte. Zink hat ebenfalls eine positive Wirkung auf das Immunsystem und kann vorbeugend bei häufigen Rückfällen eingenommen werden.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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