Nebenwirkungen von Antibiotika eindämmen

Probiotika helfen gegen Antibiotika-bedingten Durchfall

Antibiotika wirken gegen Bakterien, die Infektionen verursachen (wie zum Beispiel Hautentzündungen oder Harnwegsinfekte). Allerdings töten Antibiotika nicht nur die krankmachenden, sondern auch die „guten“ Bakterien ab. Dann vermehren sich manchmal schlechte Bakterien sehr stark. Das kann zu Folgeerkrankungen wie Durchfall führen. Hier erfahren Sie, wie Sie das Risiko für Durchfall durch Probiotika reduzieren oder die Erholung bei bereits aufgetretenem Durchfall beschleunigen können.

Blisterpackung mit Kapseln
Antibiotika sind Arzneimittel, die gegen bakterielle Infektionen wirken. Sie kommen zum Beispiel bei Harnwegsinfekten, Lungenentzündungen, Wundinfektionen oder nach Operationen zum Einsatz. Bild: Fahroni/iStock/Getty Images Plus

Antibiotika: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Wie wirken Antibiotika?

Antibiotika sind Medikamente, die auf unterschiedliche Weise gegen Bakterien wirken: Sie greifen zum Beispiel die Zellwand eines Bakteriums an, stören seinen Eiweißstoffwechsel oder schädigen das Erbgut (DNA) der Bakterien.

Es gibt verschiedene Arten von Antibiotika. Sie lassen sich aufgrund ihrer Wirkung in zwei Antibiotikagruppen einteilen:

Bakterizide Antibiotika stoppen das Wachstum der Erreger und töten sie ab. Dazu gehören Antibiotika aus der Gruppe der Glykopeptide wie Vancomycin oder Penicilline (β-Lactame) wie Amoxicillin und Penicillin V.

Bakteriostatische Antibiotika verhindern, dass Bakterien wachsen und sich im Körper vermehren, allerdings ohne sie zu töten. Die Bakterien können sich nach dem Absetzen weiter vermehren, wenn das Immunsystem nicht selbst aktiv wird. Dazu gehören Tetracycline wie Doxycyclin, Makrolid-Antibiotika wie Erythromycin und Sulfonamide wie Sulfamerazin.

Als Arzneimittel sind Antibiotika verschreibungspflichtig und werden in der Regel nur für eine kurze Zeit eingenommen. Dieser Zeitraum ist für jedes Medikament fest vorgegeben. Antibiotika sollte man nicht vor Ende dieses Zeitraums absetzen, da sie sonst nicht richtig wirken können.

Info

Werden Antibiotika zu häufig eingesetzt, steigt das Risiko für Resistenzen. Dann lernen die Bakterien, sich gegen die Antibiotika zu schützen. Sie geben diese Fähigkeit über ihre Gene an die nachfolgenden Generationen weiter und sogar an andere Bakterienarten. So verbreiten sich Antibiotikaresistenzen. Das ist ein großes Problem, da immer mehr krankheitserregende Bakterien nicht mehr mit Antibiotika bekämpft werden können. Um diese Entwicklung aufzuhalten, sollten Antibiotika nur sparsam und gezielt eingesetzt werden.

Einsatzgebiete von Antibiotika

Schaubild zum Vergleich einer gesunden und einer entzündeten Blase
Typische Einsatzgebiete sind unter anderem Harnwegsinfekte, Wunden, Borreliose oder Ekzeme. Bild: Dr_Microbe/iStock/Getty Images Plus

Antibiotika kommen hauptsächlich zur Bekämpfung von bakteriellen Infektionen zum Einsatz. Typische Einsatzgebiete sind:

  • Harnwegsinfekte: Bei Harnwegsinfekten, wie zum Beispiel einer Blasenentzündung, gelangen Keime meist aus dem Darm in die Harnwege und lösen hier eine Entzündung aus.
  • Wunden und Akne: Bei Akne oder Wunden wirken Antibiotika gegen die Bakterien, die die Talgdrüsen und die Haut besiedeln.
  • Borreliose: Borrelien sind Bakterien, die durch Zeckenbisse auf den Menschen übertragen werden und die Krankheit Borreliose auslösen können.
  • Ekzem oder Neurodermitis: Eine Infektion mit Bakterien kann bei Neurodermitis einen Schub auslösen oder bereits bestehende Hautekzeme verschlechtern. Dann unterstützen Antibiotika die Abheilung.
  • Helicobacter-Eradikationstherapie: Das Bakterium Helicobacter pylori kommt im Magen vor und löst dort Erkrankungen wie zum Beispiel eine Gastritis (Magenschleimhautentzündung) oder Magengeschwüre aus. Im Rahmen einer Helicobacter-pylori-Eradikation werden die Bakterien durch Antibiotika beseitigt.
  • Akute Bronchitis: Bei einer akuten Bronchitis durch Erkältungsviren kommt es manchmal zusätzlich zu einer Infektion durch Bakterien, die ebenfalls die Schleimhaut der Bronchien entzünden oder eine Lungenentzündung auslösen.
  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis): Eine Nasennebenhöhlenentzündung wird zwar meist durch Erkältungsviren verursacht. Die mangelnde Durchlüftung und der Schleim der Nasennebenhöhlen bietet aber auch gute Bedingungen für Bakterien. Es folgt daher manchmal eine bakterielle Infektion.

Nebenwirkungen von Antibiotika

Antibiotika sind oft lebensrettend, allerdings haben sie häufig auch Nebenwirkungen. Zum Beispiel schädigen sie die guten Bakterien im Darm, die für ein gesundes Darmklima sorgen. Antibiotika verändern die natürliche Darmflora und ermöglichen es, dass sich krankmachende Bakterien, wie Clostridium difficile, im Darm vermehren. Dadurch kann es zu Antibiotika-bedingtem Durchfall kommen.

Gerade bei lange andauerndem Durchfall können Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe nicht optimal aufgenommen werden – es besteht die Gefahr eines Mangels. Mikronährstoffmediziner empfehlen dann meist zusätzlich ein Mikronährstoffpräparat, das alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe enthält wie B-Vitamine; aber auch Vitamine für das Immunsystem wie Vitamin C.

Info

Die gestörte Darmflora kann auch Ursache des Leaky-Gut-Syndroms sein, bei dem Schadstoffe über die undichte Darmwand in den Körper gelangen und Beschwerden wie Unwohlsein, Kopf- oder Bauchschmerzen auslösen.  

Je nach Antibiotikum treten weitere Nebenwirkungen auf wie Gelenkbeschwerden, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oder Pilzinfektionen.

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Nebenwirkung vermeiden

Probiotika bringen die Darmflora wieder ins Gleichgewicht

Hintergrund und Wirkweise von Probiotika

Löffel mit Pulver und eine weiße Dose
Bestimmte Probiotika-Präparate können sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern eingesetzt werden, um Durchfälle zu verhindern und abzuschwächen. Bild: nadisja/iStock/Getty Images Plus

Probiotika enthalten Keime wie Bakterien und Hefen, die dem Darm auf unterschiedliche Weise nützen: Zum einen besiedeln die probiotischen Keime den Darm und entziehen den krankmachenden Keimen die Nährstoffe. Dadurch können sich die schädlichen Keime nicht vermehren. Probiotika sorgen auch für ein saures Milieu im Darm, das die Vermehrung der „schlechten“ Bakterien unterdrückt. Die Säuren stärken gleichzeitig die Barrierefunktion des Darms, denn sie sorgen für die Ernährung und Abdichtung der Darmschleimhaut. Dann können keine krankheitserregenden Bakterien oder schädliche Produkte aus dem Darm in den Körper eindringen. Zusätzlich verbessern die „guten“ Mikroorganismen die Immunabwehr und helfen zum Beispiel bei der Bildung von Antikörpern.

Damit verhindern Probiotikapräparate Durchfälle nach einer Antibiotikatherapie. Treten sie doch auf, verlaufen sie kürzer und weniger schwer. Die zusammenfassende Auswertung der verfügbaren hochwertigen Studien (Meta-Analysen) zeigt, dass Probiotika gut wirken. Besonders bewährt haben sich die Hefe Saccharomyces boulardii und Bakterien wie Bifidobakterien sowie Laktobazillen (zum Beispiel Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus casei). Sie können sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern eingesetzt werden, um Durchfälle zu verhindern und abzuschwächen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Probiotika bei Antibiotika-bedingtem Durchfall

Mikronährstoffmediziner empfehlen, begleitend zu Antibiotika standardmäßig auch probiotische Bakterienmischungen einzunehmen – idealerweise bereits zu Beginn der Antibiotikatherapie. Wichtig ist ein Einnahmeabstand von zwei bis drei Stunden zum Antibiotikum, da es sonst direkt die probiotischen Bakterien abtöten würde.

Tipp

Besonders sinnvoll ist die Kombination mit unverdaulichen Ballaststoffen (Präbiotika), die direkt in den Darm gelangen und von den probiotischen Bakterien als Nahrung genutzt werden – zum Beispiel resistente Dextrine oder Stärke.

Die Behandlung wird ein bis zwei Monate nach der Antibiotikatherapie fortgesetzt, sodass sich die Darmflora ausreichend erholen kann. Die Dosierung sollte täglich bei 1 bis 20 Milliarden (1 bis 20 x 109) Keimen liegen. Auf Präparaten wird die Dosierung meist in koloniebildenden Einheiten (KBE) angegeben.

Damit die Probiotika den Magen in hoher Zahl überleben, sollten sie mit ausreichend Wasser oder zu einer leichten Mahlzeit eingenommen werden. Es gibt Probiotika als Pulver zum Einrühren oder als Kapsel zu kaufen. Damit Probiotika vor der Magensäure geschützt sind, bieten einige Hersteller auch säureresistente Kapseln an.

Sinnvoll kann auch ein Präparat mit der Hefe Saccharomyces boulardii sein: Die Hefe wird durch Antibiotika nicht abgetötet und kann deshalb zeitgleich eingenommen werden. Mischungen mit probiotischen Bakterien haben sich allerdings gut bewährt, sodass sie bevorzugt werden sollten. Bei Bakterien ist dann ein zeitlicher Abstand notwendig.


Probiotika nicht bei Immunschwäche einnehmen

Probiotika können für Menschen, die ein stark geschwächtes Immunsystem haben, gefährlich werden: Personen mit zentralen Venenzugängen, Schwerkranke, frisch Operierte oder Menschen, deren Immunsystem etwa im Rahmen einer Chemotherapie herabgesetzt ist, sollten nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt Probiotikapräparate einnehmen.

Dosierungen auf einen Blick

Mikronährstoffempfehlung bei Antibiotika pro Tag

Probiotika

1 bis 20 Milliarden Keime (1 bis 20 x 109 kolonienbildende Einheiten (KBE) mit Laktobazillen,
Bifidobakterien und Saccharomyces boulardii)

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Zusammenfassung

Antibiotika sind Arzneimittel, die gegen bakterielle Infektionen wirken. Sie kommen zum Beispiel bei Harnwegsinfekten, Lungenentzündungen, Wundinfektionen oder nach Operationen zum Einsatz.

Neben den krankmachenden Bakterien greifen Antibiotika jedoch auch die „guten“ Bakterien im Körper an. Als Folge tritt Durchfall häufig als Begleiterkrankung im Rahmen einer Antibiotikatherapie auf.

Probiotika helfen, Antibiotika-bedingten Durchfall vorzubeugen, verkürzen bestehende Durchfälle und bringen die Darmflora danach wieder ins Gleichgewicht.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

Becattini, S. et al. (2016): Antibiotic-Induced Changes in the Intestinal Microbiota and Disease. Trends Mol Med. 2016 Jun; 22(6): 458–478. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4885777/, abgerufen am: 23.07.2018.

Blaabjerg, S. et al. (2017): Probiotics for the Prevention of Antibiotic-Associated Diarrhea in Outpatients-A Systematic Review and Meta-Analysis. Antibiotics 2017 Oct 12; 6(4). https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29023420, abgerufen am: 23.07.2018.

Borsch, J. (2018): Saccharomyces nicht in der Nähe von Schwerkranken. Im Internet: https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/01/22/saccharomyces-nicht-bei-schwerkranken-oder-immunsupprimierten, abgerufen am: 23.07.2018.

Bundesärztekammer und Kassenärztliche Vereinigung (2018): Patienteninformation: Helicobacter-Infektion. Oktober 2016. Im Internet: https://www.patienten-information.de/mdb/downloads/kip/verdauungsorgane/helicobacter-infektion-kip.pdf, abgerufen am: 23.07.2018.

Deutsche Borreliose Gesellschaft (2010): Leitlinien – Diagnostik und Therapie der Lyme-Borreliose. Im Internet: http://www.borreliose-gesellschaft.de/Texte/Leitlinien.pdf, abgerufen am: 23.07.2018.

Gröber, U. (2018): Arzneimittel und Mikronährstoffe – Medikationsorientierte Supplementierung. 4. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Gröber, U. (2015): Interaktionen, Arzneimittel und Mikronährstoffe. 2. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

Helmholtz Zentrum München (2017): Neurodermitis: Nutzen von Antibiotika bei infiziertem Ekzem fraglich. Im Internet: https://www.allergieinformationsdienst.de/aktuelles/news/news/article/neurodermitis-nutzen-von-antibiotika-bei-infiziertem-ekzem-fraglich.html, abgerufen am: 23.07.2018.

Na, X. et al. (2011): Probiotics in Clostridium difficile Infection. J Clin Gastroenterol. 2011 Nov; 45 (Suppl): 154–158. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5322762/, abgerufen am: 23.07.2018.

Schröder, O. et al. (2006): Die Antibiotika-assoziierte Diarrhö. Z Gastroenterol 2006; 44(2): 193–204. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2005-858978, abgerufen am: 23.07.2018.

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