Cholesterinsenker mit Mikronährstoffen unterstützen

Wie Mikronährstoffe Nebenwirkungen reduzieren und die Wirkung steigern

Eine Tablettenpackung Statine
Statin ist der Wirkstoff, der bei der Behandlung von erhöhtem Cholesterin im Blut eingesetzt wird. Die Mikronährstofftherapie kann hier effektiv die Therapie unterstützen. Bild: rogerashford/iStock/Thinkstock

Cholesterinsenker senken im Blut erhöhte Cholesterinwerte. Allerdings hemmen sie auch die Bildung wichtiger Mikronährstoffe im Körper, was Nebenwirkungen verursachen kann. Erfahren Sie, welche Mikronährstoffe das sind und wie bestimmte Mikronährstoffe außerdem die Wirkung des Medikaments sicherstellen.

Tipp

Möchten Sie erfahren, wie Mikronährstoffe bei den Anwendungsgebieten von Statinen eingesetzt werden können, finden Sie weitere Informationen dazu in den Artikeln zu erhöhten Cholesterinwerten, Gefäßverkalkung und Bluthochdruck.

Cholesterinsenker: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Wie wirken Cholesterinsenker?

Cholesterinsenker sind verschreibungspflichtige Medikamente, die bei erhöhten Cholesterinwerten den Cholesterinspiegel im Blut senken. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Typen. In Deutschland werden sogenannte Statine am häufigsten eingesetzt.

Info

Statine hemmen im Körper ein Enzym, das eine Vorstufe von Cholesterin aufbaut. Durch die Hemmung des Enzyms wird in den Zellen weniger Cholesterin gebildet. Das Cholesterin aus der Nahrung gelangt nun aus dem Blut in die Zellen und wird anstelle des körpereigenen Cholesterins verwendet − zum Beispiel zum Aufbau von Zellumhüllungen, sogenannten Membranen. Dadurch sinken die Cholesterinwerte im Blut.

Zu den Statinen zählen die Medikamentenwirkstoffe Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin, Pravastatin, Rosuvastatin oder Simvastatin. Sie sind als Tabletten erhältlich

Info

Statine werden auch CSE-Hemmer genannt. CSE steht für Cholesterin-Synthese-Enzym-Hemmer.

Einsatzgebiete von Cholesterinsenkern

Illustration einer Gefäßablagerung
Wenn das LDL-Cholesterin im Blut zu hoch ist, besteht die Gefahr, dass es sich im Blut ablagert und dort die Blutgefäßwände dauerhaft beschädigt. Bild: blueringmedia/iStock/Thinkstock

Cholesterinsenker werden eingesetzt, um erhöhte Cholesterinwerte zu senken. Erhöhte Cholesterinwerte steigern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Besonders gefährlich wird es, wenn das schlechte Cholesterin, sogenanntes LDL-Cholesterin, zu hoch ist. Das LDL-Cholesterin kann sich in den Gefäßen ablagern und die Wände der Blutgefäße beschädigen.

Bei folgenden Krankheiten werden Cholesterinsenker eingesetzt, wenn die Cholesterinwerte zu hoch sind:

Nebenwirkungen: Statine verursachen oft Muskelschmerzen

Die häufigste Nebenwirkung von Statinen sind Muskelschmerzen und eine Ermüdung der Muskulatur: Statine zerstören vermutlich die Kraftwerke der Muskelzellen und greifen dadurch in die Energieversorgung des Muskels ein. Eine Statin-Unverträglichkeit ist die Folge. Bestimmte Mikronährstoffe stärken die Kraftwerke der Zellen. Dadurch werden Muskelschmerzen nachweislich verringert.

Zudem kann es zu weiteren Nebenwirkungen kommen, die allerdings nicht durch Mikronährstoffe abgeschwächt werden können.

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Mann greift sich an sein Schulterblatt
Eine Therapie mit Statinen hat einige Nebenwirkungen. Die häufigsten sind Muskelschmerzen und eine Ermüdung der Muskulatur. Bild: horillaz/iStock/Thinkstock

Nebenwirkungen vermeiden und Wirkung sicherstellen

Coenzym Q10 verringert Muskelschmerzen bei Statin-Einnahme

Hintergrund und Wirkweise

Cholesterin und Coenzym Q10 entstehen aus dem gleichen Grundbaustein und benötigen für die Bildung das gleiche Enzym. Da Statine dieses Enzym hemmen, um die Cholesterinproduktion zu senken, ist auch die Bildung von Coenzym Q10 eingeschränkt. Viele medizinische Studien zeigen, dass Personen, die Statine einnehmen, geringere Coenzym-Q10-Spiegel haben.

Bei den meisten Patienten kann die Einnahme von Coenzym Q10 zusätzlich zum Statin Muskelschmerzen und Muskelschwäche um die Hälfte senken. Coenzym Q10 wird benötigt für die Energiegewinnung in den Kraftwerken der Zellen. Fehlt Coenzym Q10, ist die Energieproduktion in den Zellen gestört. Dieser Energiemangel ist vermutlich mitverantwortlich für die Muskelschmerzen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Coenzym Q10

Illustration Chemisches Element
Die Statine hemmen im Körper auch die Bildung des Enzyms Q10. Deshalb sollte das Enzym zusätzlich in ausreichender Dosierung eingenommen werden. Bild: Ekaterina79//iStock/Thinkstock

Begleitend zur Einnahme von Cholesterinsenkern werden 100 bis 300 Milligramm  Coenzym Q10 am Tag empfohlen. Am besten nimmt man Coenzym Q10 zu einer Mahlzeit ein: Etwas Fett in der Nahrung fördert die Aufnahme im Darm.

Coenzym Q10 kommt in zwei unterschiedlichen Formen vor: Als sogenanntes Ubiquinon (normales Coenzym Q10) und als Ubiquinol. Ubiquinol ist deutlich teurer, dafür aber bereits aktiviert und für den Körper direkt verfügbar. Das aktive Ubiquinol ist besonders geeignet, wenn es auf eine schnelle Wirkung ankommt. Zudem wird es im Darm besser aufgenommen.

Tipp

Sinnvolle Kombination: Coenzym Q10 und Carnitin ergänzen sich in ihrer Wirkung: Während Coenzym Q10 dafür sorgt, dass die Kraftwerke der Zellen Energie bilden, transportiert Carnitin die hierfür benötigen Fettsäuren.

Coenzym Q10 im Blut

Der Gehalt an Coenzym Q10 im Blut lässt sich bestimmen. Allerdings ist die Aussagekraft gering: Der Körper gleicht Schwankungen im Blut schnell aus, indem er Coenzym Q10 aus seinen Speichern freisetzt. Werte im Blutserum sollten im Idealfall bei über 2,25 Milligramm pro Deziliter liegen, damit Coenzym Q10 seine günstigen Wirkungen erfüllt.

Dieser Wert dient allerdings der Orientierung und ist kein Richtwert. Das bedeutet nicht, dass grundsätzlich Coenzym Q10 eingenommen werden muss, wenn der Wert darunter liegt. Bei der Frage nach einer Coenzym-Q10-Ergänzung muss auf jeden Fall das entsprechende Beschwerdebild berücksichtigt werden, zum Beispiel Muskelschmerzen bei Einnahme von Cholesterinsenkern: Treten Muskelschmerzen auf, ist die Bestimmung des Spiegels nicht notwendig.

Vitamin D ist Voraussetzung für eine gute Statin-Wirkung und senkt Nebenwirkungen

Hintergrund und Wirkweise

Studien belegen, dass Cholesterinsenker wirksamer waren, wenn die Teilnehmer keinen Vitamin-D-Mangel hatten und zusätzlich Vitamin D einnahmen: Gemeinsam mit Vitamin D senkte das Statin die Cholesterinwerte um bis zu 22 Milligramm pro Deziliter stärker als alleine. In einer anderen Studie war das Statin sogar wirkungslos, wenn die Studienteilnehmer einen Vitamin-D-Mangel aufwiesen.

Bei einem Vitamin-D-Mangel kommt es zudem häufiger zu Muskelschmerzen – wie eine hochwertige Review-Studie zeigt. Eine Review-Studie ist eine hochwertige wissenschaftliche Veröffentlichung, in der Forscher mehrere Studien zu einem Thema kritisch begutachten.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin D

Begleitend zur Einnahme von Statinen werden am Tag zwischen 1.000 und 2.000 Internationale Einheiten Vitamin D empfohlen.

Bei einem Vitamin-D-Mangel kann die Dosierung allerdings auch höher liegen. Weitere Informationen zur richtigen Dosierung bei einem Mangel finden Sie im Artikel zu Vitamin D.

Am besten nimmt man Vitamin D zu den Mahlzeiten ein. Es ist ein fettlösliches Vitamin und kann im Darm nur aufgenommen werden, wenn Fett vorhanden ist. Geringe Mengen Fett aus Lebensmitteln reichen schon aus.

Vitamin D im Labor bestimmen lassen

Bei Einnahme von Cholesterinsenkern sollte idealerweise der Vitamin-D-Spiegel im Blut gemessen werden: Nur so kann ein möglicher Vitamin-D-Mangel wirksam ausgeglichen werden.

Im Labor wird eine Vitamin-D-Form bestimmt, die im Blut zirkuliert – das sogenannte 25-(OH)-Vitamin D. Dazu wird Blutserum verwendet, das ist die Blutflüssigkeit ohne die Blutzellen.

Expertenwissen

Optimale Vitamin-D-Werte im Blutserum liegen zwischen 40 und 60 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) oder zwischen 100 und 150 Nanomol pro Liter (nmol/l).

Dosierungen auf einen Blick

Orthomolekular-medizinische Empfehlung bei Cholesterinsenker-Einnahme
Coenzym Q10100 bis 300 Milligramm (mg)
Vitamin D1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten oder je nach Vitamin-D-Spiegel

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Cholesterinsenker-EinnahmeOptimalwerte
Vitamin D40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) oder
100 bis 150 Nanomol pro Liter (nmol/l)
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Zusammenfassung

Statine verringern zwar den Cholesteringehalt im Blut und damit das Risiko verschiedener Folgeerkrankungen, allerdings hemmen sie auch die Produktion des Mikronährstoffs Coenzym Q10. Coenzym Q10 ist wichtig für die Energiegewinnung der Zellen und für die Funktion des Herzens. Ein Coenzym-Q10-Mangel ist mitverantwortlich für eine Unverträglichkeit der Statine. Darüber hinaus ist Vitamin D eine Voraussetzung, damit Statine richtig wirken können. In vielen medizinischen Studien ließen sich Muskelschmerzen durch Coenzym Q10 nachweislich senken, während Vitamin D die Wirksamkeit der Statine steigert.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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