Cycloserin mit Mikronährstoffmedizin verträglicher machen

Wie Vitamine Nebenwirkungen von Cycloserin reduzieren und Schäden vorbeugen

Chemische Formel für Cycloserin
Cycloserin ist ein Antibiotikum, das bei Tuberkulose eingesetzt wird. Es verursacht häufig Nebenwirkungen und kann zum Beispiel die Verfügbarkeit von Vitaminen senken oder so den Homocysteinspiegel erhöhen. Bild: bankrx /iStock/Getty Images Plus

Cycloserin ist ein Antibiotikum, das bei Tuberkulose eingesetzt wird. Es verursacht häufig Nebenwirkungen und kann zum Beispiel die Verfügbarkeit von Vitaminen senken und so den Homocysteinspiegel erhöhen. Dann drohen unter Umständen Folgeerkrankungen. Sie erfahren hier, welche Vitamine besonders wichtig sind, um einige Nebenwirkungen von Cycloserin zu lindern.

Cycloserin: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Wie wirkt Cycloserin?

Cycloserin (genauer D-Cycloserin) gehört zu den Antibiotika. Je nachdem, wie hoch Cycloserin dosiert ist, hemmt es das Wachstum von Bakterien, oder es tötet sie ab. Cycloserin verhindert dabei den Aufbau von Zellwänden, indem es die dafür notwenigen Enzyme hemmt. Die Bakterien können dadurch schlechter wachsen und sterben häufig. Gut erforscht ist die Wirkung gegen das Bakterium Mycobaterium tuberculosis, das die Infektionskrankheit Tuberkulose verursacht.
In Deutschland wird eine Variante von Cycloserin – das Terizidon – verwendet. Terizidon ist als Kapseln erhältlich.

Einsatzgebiete von Cycloserin

Cycloserin ist ein Arzneimittel zur Behandlung von Tuberkulose. Eingesetzt wird es meist nur, wenn die Therapie mit anderen Antibiotika erfolglos ist. Der Wirkstoff scheint auch die Psyche und das Nervensystem zu beeinflussen. In diesem Bereich wird aber noch geforscht. Cycloserin wird daher in diesem Bereich noch nicht eingesetzt.

Tuberkolose-Bakterien in der Lunge
Cycloserin ist ein Arzneimittel zur Behandlung von Tuberkulose. Eingesetzt wird es meist nur, wenn die Therapie mit anderen Antibiotika erfolglos ist. Bild: Dr_Microbe/iStock/Getty Images Plus

Nebenwirkungen: Cycloserin verursacht oft Vitamin-B6-Mangel und Nervenprobleme

Ein Mangel an Vitamin B6 (Pyridoxin) gehört zu den unerwünschten Wirkungen von Cycloserin. Dieser Mangel könnte mit einigen der Nervenbeschwerden zusammenhängen, die bei Einnahme von Cycloserin auftreten können.

Bei der Einnahme von Cycloserin als Terizidon treten beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern und Schlaflosigkeit auf. Selten oder gelegentlich kommt es zu Krämpfen, Depressionen oder intensiven Hochgefühlen (Manie), aber auch Angstgefühlen. Selten oder gelegentlich können Verdauungsstörungen vorkommen wie zum Beispiel Übelkeit, Bauchschmerzen und Verstopfung. Beobachtet wurden auch Hautausschlag, Blasen- und Geschwürbildung.

Die Mikronährstoffmedizin kann einige dieser Nebenwirkungen lindern:

  • Vitamin B6 behebt den Vitamin-B6-Mangel, der durch Cycloserin ausgelöst wird.
  • Folsäure und Vitamin B12 senken das Risiko für Nervenstörungen und Folgeerkrankungen.
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Nebenwirkungen vermeiden

Vitamin-B6-Verluste ausgleichen und Nebenwirkungen auf das Nervensystem lindern

Hintergrund und Wirkweise

Lebensmittel mit Vitamin B6
Vitamin B6 ist bedeutsam für den Stoffwechsel von Eiweißen. Gleichzeitig fördert Vitamin B6 die Bildung von Botenstoffen (Hormonen) des Nervensystems und die Wirkung mancher Hormone. Bild: 13-Smile/iStock/Getty Images Plus

Hochwertige Studien zeigen, dass Cycloserin einen Mangel an Vitamin B6 auslöst und dadurch Nebenwirkungen verstärken kann. Hierfür sind mehrere Vorgänge verantwortlich:

  • Cycloserin hemmt Enzyme, die für die Umwandlung zu wirksamem Vitamin B6 gebraucht werden. Ohne diese Aktivierung kann Vitamin B6 vom Körper nicht verwendet werden.
  • Cycloserin steigert die Ausscheidung von Vitamin B6 über den Urin.

Vitamin B6 ist bedeutsam für den Stoffwechsel von Eiweißen. Gleichzeitig fördert Vitamin B6 die Bildung von Botenstoffen (Hormonen) des Nervensystems und die Wirkung mancher Hormone.

Zu den Zeichen eines Mangels an Vitamin B6 gehören zum Beispiel Brennen und Kribbeln auf der Haut, Muskelzuckungen und Krämpfe, aber auch Appetitmangel, Durchfall, Erbrechen, Entzündungen der Haut und Blutarmut. Daher wird grundsätzlich empfohlen, bei einer Behandlung mit Cycloserin Vitamin B6 einzunehmen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin B6

Mikronährstoffmediziner empfehlen die tägliche Einnahme von 25 bis 50 Milligramm Vitamin B6 pro 250 Milligramm Cycloserin, um die Verluste auszugleichen. Bei einem starken Mangel werden auch bis 100 Milligramm pro Tag vorübergehend eingesetzt. Bei empfindlichem Magen empfiehlt sich, Vitamin B6 zusammen mit einer Mahlzeit einzunehmen.

Vitamin B6 im Labor bestimmen lassen

Die aktive Wirkform von Vitamin B6, Pyridoxal-5-Phosphat (PLP), kann im Vollblut bestimmt werden. Vollblut enthält alle Zellen im Blut, im Gegensatz zum Blutserum (Flüssigkeit des Blutes ohne Blutzellen). Normale Werte sollten zwischen 11,3 und 22,5 Mikrogramm pro Liter Vollblut liegen.

Zu beachten in der Schwangerschaft/Stillzeit und bei Medikamenteneinnahme

Nehmen Sie während der Schwangerschaft oder Stillzeit hoch dosiertes Vitamin B6 nur nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. In sehr hohen Dosierungen (über 5 Milligramm) schwächt Vitamin B6 die Wirkungen von Epilepsie- und Parkinson-Medikamenten ab. Sprechen Sie die Dosierung mit Ihrem Arzt ab. Zu den betroffenen Epilepsie-Wirkstoffen gehören Phenobarbital (Luminal®) und Phenytoin (Phenhydan®, Zentropil®). Bei Parkinson sind Medikamente mit dem Wirkstoff L-Dopa (Levodopa) betroffen (zum Beispiel Levopar®, Madopar®, Duodopa® und Stalevo®).

Folsäure beugt Blutarmut und einem erhöhten Homocysteinspiegel vor

Hintergrund und Wirkweise

Folsäure ist wichtig für die Zellteilung und damit für die Blutbildung. Folsäure spielt auch im Stoffwechsel eine wichtige Rolle – insbesondere beim Eiweißstoffwechsel. Für Menschen mit Tuberkulose ist Folsäure besonders wichtig: In ersten Studien wurde nämlich gezeigt, dass der Folsäurespiegel von Personen mit einer unbehandelten Tuberkulose oft erniedrigt ist.

Ein Folsäuremangel zeigt sich beispielsweise durch Blutarmut (Anämie), Müdigkeit und Schleimhautschäden im Mund und Darm. Im extremen Fall drohen Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Folge eines Folsäuremangels ist außerdem ein erhöhter Homocysteinspiegel.

Homocystein ist ein schädlicher Stoff, der zwar ständig im Stoffwechsel entsteht, aber laufend entgiftet werden muss. Für den Homocysteinabbau werden B-Vitamine wie Folsäure (sowie Vitamin B6 und B12) gebraucht. Wenn sich Homocystein anreichert, kann es zu Folgeerkrankungen kommen: Es erhöht sehr wahrscheinlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Thrombosen oder Entzündungen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Folsäure

Zur Vorbeugung eines Folsäuremangels empfehlen Mikronährstoffmediziner, 200 bis 400 Mikrogramm Folsäure täglich einzunehmen. Da Folsäure beim Abbau von Homocystein eng mit anderen B-Vitaminen zusammenarbeitet, sollten auch Vitamin B12 und B6 ergänzt werden. Vitamin B12 überführt zum Beispiel die Speicher- und Transportform von Folsäure in die aktive Wirkform.

Folsäure wird am besten zu den Mahlzeiten eingenommen, da es auf nüchternen Magen weniger gut verträglich ist.

Tipp

Jeder zweite Mensch kann Folsäure nicht richtig verwerten. Grund ist eine genetische Eigenart. Bei dieser gestörten Folsäureverwertung sollte die aktive Wirkform der Folsäure angewendet werden. Sie ist unter der Bezeichnung 5-Methyltetrahydrofolsäure (5-MTHF) erhältlich.

Folsäure und Homocystein im Labor bestimmen lassen

Folsäure-Test
Es ist sinnvoll bei der Einnahme von Cycloserin den Homocysteinwert während der Behandlung regelmäßig überprüfen zu lassen. Bild: jarun011/iStock/Getty Images Plus

Folsäure wird in den roten Blutzellen bestimmt. Daran kann die langfristige Versorgungslage abgelesen werden. Im optimalen Fall liegt der Spiegel in den Blutzellen (Erythrozyten-Folat) zwischen 250 bis 400 Mikrogramm pro Liter.

Bei der Einnahme von Cycloserin ist es sinnvoll, den Homocysteinwert während der Behandlung regelmäßig überprüfen zu lassen. Der Arzt bestimmt das Homocystein im Blutplasma. Als Normwerte gelten 5 bis 9 Mikromol pro Liter.

Vitamin B12 fördert die Blutbildung und senkt den Homocysteinspiegel

Hintergrund und Wirkweise

Vitamin B12 ist an der Blutbildung beteiligt: Es wird gebraucht, damit die Vorläuferzellen der Blutkörperchen heranreifen. Vitamin B12 ist zudem für funktionierende Nervenzellen und andere Stoffwechselprozesse wie die Energieproduktion unerlässlich.

Während der Einnahme von Cycloserin kann es in einigen Fällen zu einem Vitamin-B12-Mangel kommen. Dazu gibt es Hinweise aus ersten Studien. Ein Vitamin-B12-Mangel verursacht Blutarmut. Auch zeigt sich der Mangel durch Schwäche und durch viele Symptome des Nervensystems, wie Konzentrations- und Sehprobleme, Gereiztheit bis Verwirrung. Der Allgemeinzustand und die Verdauung sind mitunter beeinträchtigt.  

Zudem lässt ein Vitamin-B12-Mangel die Homocysteinwerte im Blut ansteigen: Mehrere hochwertige Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten Homocysteinspiegel und Vitamin-B12-Mangel. Um Homocystein abzubauen, werden verschiedene Vitamine aus der B-Gruppe gebraucht, wie Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin B12

Zur Vorbeugung eines Vitamin-B12-Mangels während der Therapie mit Cycloserin empfehlen Mikronährstoffmediziner, 10 Mikrogramm täglich einzunehmen. Im Idealfall sollte Vitamin B12 mit anderen Vitaminen kombiniert werden (Vitamin B6 und Folsäure). Sie arbeiten im Stoffwechsel zusammen.

Vitamin B12 sollte am besten zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden: Bei leerem Magen kann es zu Magenschmerzen kommen.

Vitamin B12 und Homocystein im Labor bestimmen lassen

Die beste Methode zur Messung von Vitamin B12 ist die Bestimmung von Holotranscobalamin (HoloTC) im Blutserum. Serum ist die Blutflüssigkeit ohne die Blutzellen. Die Werte sollten über 54 Pikomol Holotranscobalamin pro Liter Blutserum liegen. Bei Werten unter 35 Pikomol pro Liter liegt ein Mangel vor.

Um auf die Versorgung mit Vitamin B12 zu schließen, bestimmen Ärzte auch die Homocysteinwerte im Blut. Als Normwerte gelten 5 bis 9 Mikromol pro Liter.

Dosierungen auf einen Blick

Mikronährstoffempfehlung während der Cycloserin-Einnahme am Tag

Vitamin B6

25 bis 50 Milligramm (mg) pro 250 Milligramm Cycloserin

Folsäure

200 bis 400 Mikrogramm (µg)

Vitamin B12

10 Mikrogramm

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Cycloserin-Einnahme

 

Normalwerte

Vitamin B6 (PLP)

11,3 bis 22,5 Mikrogramm pro Liter (µg/l) Vollblut

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Cycloserin-Einnahme

über 5,9 Mikrogramm pro Liter Serum

Vitamin B12 (HoloTC)

über 54 Pikomol pro Liter (pmol/l) Serum

Homocystein

5 bis 9 Mikromol pro Liter (µmol/l) Plasma

 

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Zusammenfassung

Das Antibiotikum Cycloserin wird zur Behandlung der Tuberkulose eingesetzt. Es verursacht einen Vitamin-B6-Mangel: Das Medikament verhindert die Umwandlung von Vitamin B6 in dessen aktive Wirkform und es fördert die Ausscheidung über den Urin. Daher sollte bei einer Cycloserin-Therapie immer Vitamin B6 begleitend eingenommen werden.

Außerdem wurden bei Patienten mit Tuberkulose geringe Folsäurewerte gemessen und selten auch niedrige Vitamin-B12-Werte. Die Zufuhr von Folsäure und Vitamin B12 unterstützt die Blutbildung und senkt gemeinsam mit Vitamin B6 einen hohen Homocysteinspiegel. Dadurch kann es zu einer Reduktion der Nebenwirkungen kommen, möglicherweise auch zu Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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