Metformin mit Mikronährstoffmedizin unterstützen

Wie Vitamine und Mineralstoffe Nebenwirkungen reduzieren und die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel steigern

Metformin senkt den Blutzuckerspiegel und wird überwiegend zur Behandlung von Typ-2-Diabetes eingesetzt. Die Einnahme von Metformin kann zu Nebenwirkungen führen. Unter anderem ist ein Mangel an Vitamin B12 und Magnesium möglich. Lesen Sie, welche Folgen sich daraus ergeben und wie der gezielte Einsatz der Mikronährstoffmedizin Verluste ausgleicht und die Wirkung von Metformin verbessern kann.

Chemische Formel für Metformin
Der Wirkstoff Metformin senkt den Blutzuckerspiegel und wird deshalb bei der Behandlung von Diabetes Typ 2 benutzt. Bild: Zerbor/iStock/Getty Images Plus

Tipp

Im Rahmen der Mikronährstoffmedizin lassen sich auch erhöhte Blutzuckerspiegel senken. Erfahren Sie im Artikel zu Diabetes alles zu Vitaminen und Mineralstoffen bei Diabetes.

Metformin: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Wie wirkt Metformin?

Diabetes-Medikamente (Antidiabetika) mit dem Wirkstoff Metformin senken den Blutzuckerspiegel. Metformin hemmt die Neubildung von Zucker (Glukose) in der Leber, wodurch der Nüchtern-Blutzucker gesenkt wird. Der Wirkstoff verlangsamt außerdem die Aufnahme von Glukose im Darm und fördert die Zuckeraufnahme in die Körperzellen.

Metformin ist in Form von Filmtabletten im Handel erhältlich. Beispielpräparate sind Diabesin®, Siofor®, Mediabet®, Juformin®, Biocos® und Glucophage®.

Einsatzgebiete von Metformin

Metformin wird bei der Behandlung folgender Krankheiten eingesetzt:

  • Diabetes mellitus Typ 2 und dessen Folgeerkrankungen (insbesondere bei übergewichtigen Patienten, bei denen sich der erhöhte Blutzuckerspiegel nicht durch Ernährungs- und Bewegungstherapie normalisieren lässt)
  • Insulinresistenz
  • polyzystisches Ovar-Syndrom (PCOS)

Erwachsene können Metformin als Einzelmedikament oder zusammen mit anderen Diabetesmedikamenten sowie Insulin anwenden. Kinder ab 10 Jahren und Jugendliche nehmen Metformin als Einzelmedikament oder zusammen mit Insulin ein.

Nebenwirkungen: Metformin verursacht oft einen Vitamin-B12-Mangel

Ein älterer Mann nimmt ein Medikament mit Metformin ein
Die Einnahme von Metformin kann einen Nährstoffmangel auslösen, dessen Folgen sind Nervenstörungen oder die Steigerung des Risikos für Folgeerkrankungen von Diabetes Typ. Bild: KatarzynaBialasiewicz/iStock/Getty Images Plus

Die langfristige Anwendung von Metformin kann die Aufnahme von Vitamin B12  sowie dessen Gehalt im Blut senken. Eine Folge ist, dass Patienten eine Blutarmut (Anämie) oder Geschmacksveränderungen entwickeln. Auch ein Mangel an Magnesium ist möglich. Ziel der Mikronährstoffmedizin ist es deshalb, einen Vitamin- und Mineralstoffmangel zu vermeiden. Auch kann der gezielte Einsatz von Mikronährstoffen die Wirkung von Metformin unterstützen:

  • Mit Vitamin B12 Verluste ausgleichen.
  • Calcium reduziert Nebenwirkungen von Metformin.
  • Durch Magnesium einen Mangel vermeiden.
  • Chrom verstärkt die Wirkung von Metformin.
  • Coenzym Q10 verbessert die Energiebereitstellung.

Weitere Nebenwirkungen, besonders zu Beginn der Behandlung mit Metformin, sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitverlust. Meistens verschwinden diese Beschwerden spontan. Wenn dies nicht der Fall ist, dann sollte die Tagesdosis auf zwei oder drei Einnahmen verteilt und die Dosierung langsam gesteigert werden. Zudem können durch die Metformin-Einnahme Hepatitis, Hautrötungen oder Juckreiz auftreten. Diese Nebenwirkungen können in der Regel jedoch nicht durch Mikronährstoffe abgeschwächt werden.

Info

Metformin löst in seltenen Fällen eine Laktatazidose (Übersäuerung durch zu viel Milchsäure) aus. Bei diesem Krankheitszustand ist der pH-Wert in Gewebe und Blut erniedrigt. Diese Übersäuerung endet für die Betroffenen oft tödlich. Vor allem mit Metformin behandelte Diabetiker mit schwerer Niereninsuffizienz haben ein erhöhtes Risiko für eine Laktatazidose, da Metformin nicht ausreichend ausgeschieden wird.

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Nebenwirkungen vermeiden und Wirkung sicherstellen

Durch Metformin ausgelösten Vitamin-B12-Mangel beheben

Hintergrund und Wirkweise

Metformin hemmt die Aufnahme von Vitamin B12 und erzeugt so einen Mangel. Auch wenn die zugrunde liegenden Mechanismen bisher nicht vollständig geklärt sind, deuten Studien darauf hin, dass Metformin die Verfügbarkeit von Calcium im Darm verringert. Dadurch kommt es zu einer Störung der Aufnahme von Vitamin B12, da diese calciumabhängig ist. Eine weitere Vermutung ist, dass Metformin eine bakterielle Fehlbesiedlung im Darm verursacht. Dies kann die Vitamin-B12-Aufnahme ebenso beeinträchtigen.

Eine Auswertung über mehrere Beobachtungsstudien zeigt, dass Diabetiker, die länger als sechs Wochen Metformin einnehmen, deutlich geringere Vitamin-B12-Werte im Blut haben als Diabetiker, die kein Metformin einnehmen. Anderen Beobachtungsstudien zufolge entwickeln zwischen 10 und 30 Prozent der Metformin-Anwender im Laufe der Zeit einen Vitamin-B12-Mangel.

Ein schwerer Vitamin-B12-Mangel äußert sich durch Nervenstörungen wie Nervenschmerzen und Taubheit in Armen und Beinen. Zudem tritt häufig eine Blutarmut (Anämie) auf. Die Fähigkeit des Blutes, Sauerstoff zu transportieren, ist dadurch eingeschränkt. Das ruft Müdigkeit hervor und die Leistungsfähigkeit sinkt.

Info

Sowohl ein schlecht eingestellter Diabetes als auch ein Vitamin-B12-Mangel können Nervenerkrankungen (Neuropathien) auslösen. Die Symptome gleichen sich. Daher besteht die Gefahr, dass eine durch Vitamin-B12-Mangel ausgelöste Neuropathie unentdeckt bleibt und fälschlicherweise als diabetische Neuropathie eingestuft wird. Um schwere nicht umkehrbare Nervenschäden zu vermeiden, ist eine frühe Diagnose eines Mangels und die Einnahme von Vitamin-B12-Präparaten sehr wichtig.

Zudem benötigt der Körper Vitamin B12 gemeinsam mit Folsäure, um Homocystein abzubauen. Hohe Homocysteinwerte im Blut erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Auswertung hochwertiger Studien zeigt, dass die Anwendung von Metformin ohne die Einnahme von B-Vitaminen bei einigen Menschen zu einer Erhöhung der Homocysteinwerte führen könnte.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin B12

Um einen Mangel an Vitamin B12 auszugleichen, ist eine Dosierung von täglich 500 bis 1.000 Mikrogramm sinnvoll. Damit es erst gar nicht zu einem Vitamin-B12-Mangel durch Metformin kommt, empfehlen Mikronährstoff-Experten 250 Mikrogramm Vitamin B12 am Tag.

Sinnvoll ist die Einnahme zusammen mit einer Mahlzeit: Dadurch verbessert sich die Verträglichkeit. Hochwertige Präparate enthalten die Vitamin-B12-Verbindung Methylcobalamin anstelle von Cyanocobalamin.

Tipp

Nehmen Sie Vitamin B12 idealerweise als Kombinationspräparat zusammen mit Folsäure ein (200 bis 400 Mikrogramm). Beide Vitamine werden für den Abbau von Homocystein gebraucht.

Vitamin B12 und Homocystein im Labor bestimmen lassen

Ein Homocystein-Test
Homocysteinwerte auch Aufschlüsse über die Versorgung mit B-Vitaminen. Diese werden benötigt um Homocystein abzubauen, wenn B-Vitamine nicht vorhanden sind, kann kein Homocystein abgebaut werden. Dadruch steigen die Homocysteinwerte. Bild: jarun011/iStock/Getty Images Plus

Vitamin-B12-Werte im Blut sollten bei dauerhafter Einnahme von Metformin ein- bis zweimal jährlich vom Arzt kontrolliert werden. Dazu eignet sich am besten die Messung von Holotranscobalamin (HoloTC) im Blutserum (Flüssigkeit des Blutes). Serumwerte über 54 Pikomol pro Liter sind normal.

Auch die Homocysteinwerte sollten regelmäßig begleitend zur Metformin-Therapie überprüft werden. Besonders Diabetiker weisen meist erhöhte Homocysteinwerte auf. Als Normwerte gelten 5 bis 9 Mikromol pro Liter.

Calcium verbessert einen Vitamin-B12-Mangel bei Metformin-Therapie

Hintergrund und Wirkweise

Calcium ist notwendig, damit Vitamin B12 im Darm aufgenommen wird. Metformin kann diese Calcium-vermittelte Aufnahme von Vitamin B12 stören, indem es die Konzentration von freiem Calcium im Darm reduziert. Folglich sinkt die Aufnahmemenge von Vitamin B12 und ein Mangel kann auftreten.

In einer Vorstudie normalisierte die zusätzliche Einnahme von Calcium erniedrigte Vitamin-B12-Werte im Blut, die durch die Metformin-Therapie hervorgerufen worden waren. Möglicherweise kann die begleitende Einnahme von Calcium demnach einen Vitamin-B12-Mangel verhindern oder abschwächen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Calcium

Während einer Metformin-Therapie empfehlen Mikronährstoff-Mediziner, täglich 600 bis 900 Milligramm Calcium einzunehmen, um einem Vitamin-B12-Mangel entgegenzuwirken. Eine einzelne Dosis sollte dabei jedoch nicht mehr als 500 Milligramm betragen. Bei höheren Dosierungen empfiehlt es sich, diese über den Tag zu verteilen, zum Beispiel zweimal 300 Milligramm.

Tipp

Calciumpräparate sollten immer auch Vitamin D enthalten, um die Aufnahme von Calcium über den Darm zu verbessern – sowie Vitamin K2, das die Einlagerung von Calcium in die Knochen fördert.

Calcium: zu beachten bei Einnahme von Medikamenten und Nierenerkrankungen

Wenn Calciumpräparate gleichzeitig mit anderen Medikamenten eingenommen werden, kann die Aufnahme dieser Medikamente vermindert werden. Welche das sind, erfahren Sie im Artikel zu Calcium.

Calcium sollte nicht bei Nierenerkrankungen zusätzlich über Präparate eingenommen werden. Bei Nierenerkrankungen und Dialyse ist der Mineralstoffhaushalt gestört. Ohne ärztliche Kontrolle sollte man kein Calcium einnehmen. Auch bei calciumhaltigen Nierensteinen sollte man am besten Rücksprache mit dem Arzt halten.

Gesteigerte Magnesiumverluste ausgleichen

Hintergrund und Wirkweise

Die Einnahme von Metformin geht oft mit einem Magnesiummangel einher. Die genauen Ursachen sind jedoch noch nicht endgültig geklärt. Eine Beobachtungsstudie zeigt, dass die langfristige Einnahme von Metformin die Ausscheidung von Magnesium im Urin erhöhen kann und dadurch vermutlich die Magnesiumwerte im Blut reduziert. Magnesium ist als Bestandteil von Enzymen im Zucker- und Energiestoffwechsel beteiligt. Zudem wird Magnesium für den Transport von Zucker in die Zelle benötigt – sowie für die Freisetzung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin.

Auch unabhängig von einer Metformin-Therapie werden bei Diabetikern häufig niedrige Magnesiumwerte festgestellt. Diese wiederum gehen mit einer herabgesetzten Wirkung von Insulin einher, die das Fortschreiten der Diabetes-Erkrankung fördern kann. So werden geringe Magnesiumwerte im Blut mit Folgeerkrankungen in Verbindung gebracht, zum Beispiel mit Netzhauterkrankungen, Nierenerkrankungen, Nervenschäden und Gefäßerkrankungen.

In einer kleinen hochwertigen Studie besserte die Einnahme von täglich 300 Milligramm Magnesium über drei Monate die Blutzucker-, Blutfett-, und Blutdruckwerte deutlich. Es wurden Typ-2-Diabetiker untersucht, die hauptsächlich mit Metformin behandelt wurden. Außerdem war in der Magnesium-Gruppe eine niedrigere Metformin-Dosierung nötig als in der Gruppe, die ein Scheinmedikament einnahm.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Magnesium

Begleitend zu Metformin empfehlen Mikronährstoffmediziner, 250 bis 400 Milligramm Magnesium am Tag einzunehmen. Bei Mengen über 250 Milligramm kann es zu harmlosem Durchfall kommen. Dies kann vermieden werden, wenn die Dosierung auf mehrere Portionen aufgeteilt wird. Ohne Rücksprache mit dem Arzt sollten dauerhaft nicht mehr als 250 Milligramm Magnesium eingenommen werden.

Tipp

Achten Sie auf ein Magnesiumpräparat mit basischen Magnesiumverbindungen wie Citrat, Taurat oder Gluconat. Sie werden schnell im Darm aufgenommen und können einer Übersäuerung entgegenwirken, die bei Diabetes häufig vorkommt.

Magnesiumwerte im Labor bestimmen lassen

Lebensmittel die Magnesium beinhalten
Eine gute Magnesiumversorgung ist bei Diabetes Typ 2 wichtig, da Magnesium den Zuckerstoffwechsel reguliert. Haferflocken, Nüsse, Bananen und dunkle Schokolade sind wichtige Magnesiumlieferanten. Bild: Aamulya/iStock/Thinkstock

Bei der Einnahme von Metformin kann es sinnvoll sein, die Magnesiumwerte im Blut beim Arzt bestimmen zu lassen. Magnesium wird idealerweise im Vollblut gemessen: Es enthält die roten Blutzellen, in denen das meiste Magnesium vorliegt. Normalwerte liegen zwischen 1,38 bis 1,50 Millimol pro Liter.

Bei Diabetes ist es zusätzlich empfehlenswert, Magnesium im Blutserum, der Flüssigkeit des Blutes ohne Blutzellen, bestimmen zu lassen. Ein Mangel an Magnesium liegt vor, wenn der Wert im Serum unter 0,8 Millimol pro Liter liegt.

Magnesium: zu beachten bei Medikamenteneinnahme und Nierenerkrankungen

Magnesium kann die Wirkung einiger Medikamente herabsetzen, da es sich mit ihnen verbindet und sie so unwirksam macht. Halten Sie deshalb einen Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden ein. Folgende Medikamente sind betroffen:

  • Antibiotika (Gyrasehemmer): Ciprofloxacin (zum Beispiel Ciloxan®), Enoxacin (zum Beispiel Enoxor®), Levofloxacin (zum Beispiel Tavanic®), Moxifloxacin (zum Beispiel Avalox®), Norfloxacin (zum Beispiel Bactracid®) und Ofloxacin (zum Beispiel Tarivid®)
  • Antibiotika (Tetrazykline): Tetracyclin (zum Beispiel Achromycin®, Supramycin®), Doxycyclin (zum Beispiel Supracyclin®), Minocyclin (zum Beispiel Skinocyclin®)
  • Osteoporose-Medikamente (Bisphosphonate): Alendronat (zum Beispiel Fosamax®, Tevanate®), Clodronat (zum Beispiel Bonefos®), Etidronat (zum Beispiel Didronel®), Ibandronat (Bondronat®), Pamidronat (Aredia®), Risedronat (Actonel®) und Tiludronat (Skelid®)

Personen mit chronischer Nierenschwäche sollten Magnesium nicht zusätzlich über Präparate einnehmen. Geschwächte Nieren können überschüssiges Magnesium nicht gut ausscheiden. Es könnte zu einer Überversorgung kommen.

Chrom verstärkt die Wirkung von Metformin

Hintergrund und Wirkweise

Insulin kann seine Wirkungen nur optimal entfalten und den Blutzucker senken, wenn genug Chrom vorhanden ist: Chrom ist notwendig, damit Insulin an seinen Rezeptor binden kann und daraufhin Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt. Dadurch verstärkt Chrom die Insulinwirkung – auch wenn die genauen biochemischen Prozesse noch nicht vollständig geklärt sind.

Beobachtungsstudien weisen darauf hin, dass ein leichter Chrommangel bei Diabetikern mit erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten in Verbindung gebracht werden kann. Möglicherweise hat Chrom auch eine Rolle im Fettstoffwechsel von Diabetikern. Ein Chrommangel kann demnach die erfolgreiche Behandlung von Diabetes erschweren.

In einer hochwertigen Studie mit 43 Diabetikern, die Metformin einnahmen, verbesserte Chrom die Insulinwirkung im Vergleich zu einem Scheinmedikament deutlich. Zudem liegen teils hochwertige Studien mit verschiedenen Chromverbindungen vor, zum Beispiel Chromchlorid oder Chrompicolinat. Chrom verbesserte auch in diesen Studien bei Diabetikern die Blutzuckerkontrolle. Diese Chromverbindungen wurden jedoch noch nicht in Kombination mit Metformin getestet.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Chrom

Um die Wirkung des Insulins zu unterstützen und damit den Blutzucker zu senken, empfehlen Mikronährstoff-Mediziner bei Diabetes Typ 2, 200 bis 400 Mikrogramm Chrom täglich einzunehmen. Sinnvoll ist die Einnahme zur Mahlzeit und über den Tag verteilt, zum Beispiel morgens und abends jeweils 200 Mikrogramm Chrom.

Besonders am Anfang sollte der Blutzuckerspiegel bei einer Einnahme von Chrom begleitend zu Metformin engmaschig kontrolliert werden, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine Anpassung der Dosis. Dies trifft auch bei anderen Diabetes-Medikamenten (Antidiabetika) zu.

Chrom: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit

Chrom ist wahrscheinlich für Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit sicher. Die Einnahme von hoch dosierten Chrompräparaten (über 50 Mikrogramm) sollte nur nach kritischer Abwägung durch den Arzt erfolgen.

Coenzym Q10 schützt die Zellen und verbessert die Energiebereitstellung

Hintergrund und Wirkweise

Illustration von Blutkörperchen
Das Coenzym Q10 kann bei der Blutzuckerwerte helfen. In einer Tierstudie senkte Metformin die Blutzuckerspiegel stärker, wenn es mit Coenzym Q10 gegeben wurde. Bild: iLexx/iStock/Getty Images Plus

Zu hohe Blutzuckerwerte führen meist zu einem Überschuss an freien Radikalen. Diese sind typisch für oxidativen Stress, der wiederum Zellen schädigt, Entzündungen hervorruft und zur Entstehung von Folgeerkrankungen beiträgt. Um freie Radikale unschädlich zu machen, benötigt der Körper Antioxidantien wie Coenzym Q10 oder körpereigene Enzyme. Ein Ungleichgewicht an freien Radikalen und Antioxidantien kann auch zu einer Fehlfunktion der Kraftwerke der Körperzellen (Mitochondrien) führen. Metformin verstärkt die Schäden an den Mitochondrien zusätzlich. Dadurch kann es zu einem Energiemangel kommen.

Coenzym Q10 ist nicht nur ein Antioxidans und schützt die Mitochondrien, es ist auch für die Energiegewinnung wichtig. Typ-2-Diabetiker sind häufig schlecht mit Coenzym Q10 versorgt. Ergebnisse aus einer Beobachtungsstudie und einem Tierversuch geben Hinweise darauf, dass Coenzym Q10 die Mitochondrien schützen und deren Anzahl erhöhen kann. Einer Störung des Energiestoffwechsels wurde somit vorgebeugt.

Im Tierversuch führte die Kombination von Coenzym Q10 und Metformin zu einer stärkeren Bildung von antioxidativ wirksamen Enzymen und zu einer Verbesserung der Blutzucker- und Insulinwerte. Insulin konnte demnach besser wirken und mehr Glucose in die Zellen transportieren. Wurde Metformin ohne Coenzym Q10 eingenommen, kam es nicht zu diesen Effekten. Coenzym Q10 oder Metformin scheint bei Diabetes auch einen schützenden Effekt auf die Nieren zu haben. In einem Versuch an Ratten konnten erhöhte Nierenwerte durch Coenzym Q10 oder Metformin gesenkt werden. Dieser Effekt war bei einer kombinierten Gabe von Coenzym Q10 und Metformin stärker. Auch der Langzeitblutzucker (HbA1c-Wert) sank deutlicher.

Studien am Menschen, die einen schützenden Effekt von Coenzym Q10 in Kombination mit Metformin nachweisen, gibt es allerdings noch nicht. Zur unterstützenden Wirkung bei Diabetes liegen aber bereits positive und teils hochwertige Studien vor.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Coenzym Q10

Mikronähstoff-Mediziner empfehlen bei der Einnahme von Metformin und Diabetes 100 bis 200 Milligramm Coenzym Q10 täglich.

Coenzym Q10 sollte zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden, damit es der Körper gut aufnimmt. Das Fett aus Lebensmitteln verbessert die Coenzym-Q10-Aufnahme im Darm.

Coenzym Q10: zu beachten bei Einnahme von Blutgerinnungshemmern

Coenzym Q10 kann die Wirkung von bestimmen Blutgerinnungshemmern vermindern. Hierzu zählen sogenannte Cumarine mit den Medikamentenwirkstoffen Phenprocoumon (zum Beispiel Marcumar®, Falithrom® und Marcuphen®) und Warfarin (Coumadin®).

Diese Wechselwirkungen können schon bei Dosierungen zwischen 30 und 100 Milligramm Coenzym Q10 auftreten. Deshalb sollte die zusätzliche Einnahme von Coenzym Q10 mit dem Arzt abgesprochen werden.

Dosierungen auf einen Blick

Mikronährstoff-Empfehlung bei Metformin-Einnahme pro Tag

Vitamin B12

250 Mikrogramm (µg) zur Vorbeugung

500 bis 1000 Mikrogramm bei einem Mangel

Calcium

600 bis 900 Milligramm (mg)

Magnesium

250 bis 400 Milligramm

Chrom

200 bis 400 Mikrogramm

Coenzym Q10

100 bis 200 Milligramm

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Metformin-Einnahme

Vitamin B12 (Holotranscobalamin)

über 54 Pikomol pro Liter (pmol/l)

Homocystein

5 bis 9 Mikromol pro Liter (µg/l)

Magnesium

1,38 bis 1,50 Millimol pro Liter (mmol/l) im Vollblut

0,8 bis 1,1 Millimol pro Liter im Serum

 

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Zusammenfassung

Metformin senkt den Blutzuckerspiegel und wird häufig bei Diabetes mellitus Typ 2 eingesetzt, wenn sich durch eine ausgewogene Ernährung und Bewegung keine Besserung erreichen lässt. Metformin führt jedoch zu einem Mikronährstoffmangel. So wird die Aufnahme von Vitamin B12 vermindert. Die Folge können Nervenstörungen und Blutarmut sein, weshalb im Rahmen der Mikronährstoffmedizin die Einnahme von Vitamin B12 empfohlen wird. Calcium ist für die Aufnahme von Vitamin B12 notwendig und könnte einem Vitamin-B12-Mangel entgegenwirken. Außerdem kann es durch Metformin zu einem Magnesiummangel kommen, der mit Diabetes-Folgeerkrankungen wie Netzhaut- oder Nierenerkrankungen in Zusammenhang steht.

Chrom kann dagegen die blutzuckersenkende Wirkung von Metformin verstärken, indem es die Insulinwirkung fördert. Auch die Ergänzung von Coenzym Q10 ist sinnvoll, da es die Energieproduktion in den Zellen gewährleistet und die Mitochondrien schützt. Metformin schädigt möglicherweise die Mitochondrien. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Coenzym Q10 den Blutzuckerspiegel senken kann.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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