Nebenwirkungen von Pemetrexed mit Mikronährstoffmedizin vorbeugen und verringern

Vitaminmangel während der Chemotherapie vermeiden und Nebenwirkungen reduzieren

Pemetrexed wird bei einer Chemotherapie gegen Lungenkrebs angewandt. Es hemmt die Zellteilung, löst aber Nebenwirkungen aus. Pemetrexed reduziert die Wirkung von Folsäure und hemmt die Aufnahme von Vitamin B12. Dadurch ist das Medikament schlecht verträglich. Lesen Sie hier, wie Sie mit Vitaminen Nebenwirkungen vorbeugen und reduzieren können.

Arzt hält eine Röntgenaufnahme eines Burstkorbs
Zur Behandlung von Lungenkrebs wird Pemetrexed eingesetzt, es ist ein Mittel, das die Vermehrung von Krebszellen reduziert (Zytostatikum). Es hat einen ähnlichen Aufbau wie Folsäure und wird von denselben Enzymen verwendet. Bild: utah778/iStock/Getty Images Plus

Pemetrexed: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Wie wirkt Pemetrexed?

Pemetrexed ist ein Mittel, das die Vermehrung von Krebszellen reduziert (Zytostatikum). Es hat einen ähnlichen Aufbau wie Folsäure und wird von denselben Enzymen verwendet. Pemetrexed stört dadurch zum Beispiel den Aufbau von neuem Erbgut, da Folsäure hierzu benötigt wird. Das bremst das schnelle Wachstum der Krebszellen. Gesunde Zellen wachsen in der Regel langsamer und werden von Pemetrexed weniger beeinflusst.

Der Wirkstoff Pemetrexed ist in unterschiedlichen Arzneimitteln erhältlich, zum Beispiel in Alimta® CC-Pharma, Alimta® Lilly Deutschland, Alimta® Kohlpharma und Pemetrexed Stada®. Pemetrexed wird als Infusion verabreicht.

Einsatzgebiete von Pemetrexed

Pemetrexed ist ein Arzneistoff und wird in der Krebsmedizin (Onkologie) zur Behandlung von verschiedenen Lungenkrebserkrankungen eingesetzt. Pemetrexed wird auch in Kombination mit dem Medikament Cisplatin angewandt. Ziel ist es, das Überleben beim Lungenkarzinom zu verlängern. Es kommt bei folgenden Lungenkrebserkrankungen zum Einsatz:

  • Lungenkrebs mit Tochtergeschwulsten (Metastasen): Pemetrexed wird alleine angewendet, wenn andere Medikamente nicht ausreichend wirken. Es kann nur eingesetzt werden, wenn der Krebs nicht von oberflächlichen Schleimhautzellen der Bronchien ausgeht (beim nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom).
  • Lungenkrebs zusammen mit Brustfellkrebs (Pleuramesotheliom): Pemetrexed wird gleichzeitig mit dem Krebsmittel Cisplatin eingesetzt.

Brustfellkrebs: Wenn der Krebs nicht auf andere Medikamente reagiert und keine Operation möglich ist, wird Pemetrexed zusammen mit dem Mittel Cisplatin angewendet.
 

Info

Etwa drei von vier Personen mit Lungenkrebs bekommen die Diagnose „nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom“: Unter dem Mikroskop sehen die Krebszellen größer aus als normale Zellen.

Nebenwirkungen: Pemetrexed verursacht oft einen Vitaminmangel und Blutarmut

Pemetrexed kann die Lebenszeit für Menschen mit Lungenkrebs verlängern. Da das Medikament ein Gegenspieler von Folsäure und Vitamin B12 ist, kann dadurch ein Mangel an diesen beiden Vitaminen entstehen. Durch diesen Vitaminmangel können die schädigenden Wirkungen und Nebenwirkungen von Pemetrexed verstärkt werden. Dazu gehören neben Blutbildveränderungen und Blutarmut (Anämie) auch Immunschwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Durchfall, Verstopfung, Verdauungsstörungen, Nervenschäden mit Gefühlsstörungen (Polyneuropathie) sowie Schleimhautentzündungen im Mund und Rachen. Weitere häufige Nebenwirkungen von Pemetrexed sind:

  • Haarausfall
  • Hautreaktionen, Bindehautentzündung
  • Funktionsstörung von Leber, Herz, Magen und Nieren, Nierenschwäche
  • Müdigkeit, Muskelschwäche

Gegen einige der Nebenwirkungen können Vitamine helfen: Folsäure und Vitamin B12 verbessern Blutbildveränderungen, Schleimhautschäden und Durchfall.

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Nebenwirkungen vermeiden

Folsäuremangel durch die Einnahme von Folsäure ausgleichen

Hintergrund und Wirkweise

Pemetrexed ist ein Gegenspieler von Folsäure. Es erzeugt einen Folsäuremangel. Um schädigenden Wirkungen vorzubeugen und das Medikament verträglicher zu machen, empfehlen Arzneimittelkommissionen die Einnahme von Folsäure. Einzelne Fallberichte zeigen, dass Folsäure (in Kombination mit Vitamin B12) die Nebenwirkungen von Pemetrexed verringert. Die Vitamine konnten beispielsweise Blutbildveränderungen, Durchfall und Schleimhautschäden verringern. Daher wird Pemetrexed meist mit Folsäure und Vitamin B12 verabreicht.

Zudem gibt es Hinweise, dass Folsäure in Kombination mit Vitamin B12 die Überlebensrate bei den Patienten erhöht. Laborversuche haben gezeigt, dass Folsäure zusammen mit Vitamin B12 die Wirkung von Pemetrexed verbessert.

Folsäure ist ein überlebenswichtiges Vitamin. Es ist bedeutsam für die Zellteilung, die Blutbildung, das Nervensystem und es hat wichtige Entgiftungsfunktionen. Ein Folsäuremangel zeigt sich etwa durch Infektanfälligkeit, Appetitmangel, Müdigkeit und Nervenschäden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Folsäure

Arzneimittelkommissionen empfehlen, eine Woche (mindestens aber fünf Tage) vor Beginn der Therapie mit Pemetrexed 350 bis 1.000 Mikrogramm Folsäure täglich einzunehmen. Die Einnahme sollte über den gesamten Zeitraum der Therapie erfolgen und weitere 21 Tage nach der letzten Behandlung fortgeführt werden. Folsäure ist am besten mit den Mahlzeiten verträglich. Die Einnahme auf nüchternen Magen ist weniger gut bekömmlich.

Tipp

Die Hälfte aller Menschen kann Folsäure aufgrund von genetischen Besonderheiten nicht richtig verarbeiten. Deshalb sollte die aktive Wirkform der Folsäure angewendet werden. Sie ist unter der Bezeichnung 5-Methyltetrahydrofolsäure (5-MTHF) verfügbar.

Zu beachten bei Medikamenteneinnahme

Lebensmittel die Folsäure beinhalten
Folsäure reduziert in hoher Dosierung die Wirkung einiger Arzneimittel gegen Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Trimethoprim (Infectotrimet®), Proguanil (Paludrine®) und Pyrimethamin (Daraprim®). Bild: Lisovskaya/iStock/Getty Images Plus

Folsäure reduziert in hoher Dosierung die Wirkung einiger Arzneimittel gegen Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Trimethoprim (Infectotrimet®), Proguanil (Paludrine®) und Pyrimethamin (Daraprim®). Die Einnahme hoher Mengen Folsäure verstärkt möglicherweise einige Nebenwirkungen von bestimmten Medikamenten gegen Krebserkrankungen. Betroffen sind die Wirkstoffe 5-Fluorouracil (Actikerall®, Benda 5 FU®) und Capecitabin (Xeloda®). Wenn Sie eine Kombinationstherapie erhalten, sprechen Sie die Einnahme mit dem behandelnden Arzt ab.

Höhere Verträglichkeit von Pemetrexed durch Vitamin B12

Hintergrund und Wirkweise

Pemetrexed hemmt die Aufnahme von Vitamin B12. Um möglichen Schäden durch die Behandlung vorzubeugen und dessen Verträglichkeit zu erhöhen, wird die Ergänzung von Vitamin B12 mit Pemetrexed empfohlen.

Vitamin B12 hilft zusammen mit Folsäure, die zellschädigende Substanz Homocystein abzubauen. Homocystein ist ein schädliches Stoffwechselprodukt, das laufend entgiftet werden muss. Es wird vermutet, dass zu hohe Homocysteinwerte Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Depression begünstigen können. Eine andere wichtige Aufgabe von Vitamin B12 ist die Aktivierung von Folsäure, damit der Körper sie verwenden kann.

Vitamin B12 ist ein wichtiges Nervenvitamin: Es schützt die Nervenzellen und ist für die Bildung von Nervenbotenstoffen unerlässlich. Vitamin B12 ist zudem an der Blutbildung beteiligt sowie an der Bildung von Erbsubstanz (DNA), an der Zellteilung und an einem intakten Immunsystem.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin B12

Um die Verträglichkeit der Therapie mit Pemetrexed zu verbessern und Nebenwirkungen zu lindern, empfehlen Arzneimittelkommissionen eine Injektion mit 1.000 Mikrogramm Vitamin B12 in den Muskel. Idealerweise wird Vitamin B12 mit Folsäure kombiniert.

Vitamin B12 sollte dabei vor der ersten Anwendung von Pemetrexed gespritzt werden. Nach jedem dritten Behandlungszyklus sollte eine erneute Ergänzung mit Vitamin B12 erfolgen. Sie kann dann auch intravenös am Behandlungstag zusammen mit Pemetrexed erfolgen.

Vitamin B12 und Homocystein im Labor bestimmen lassen

Begleitend zur Pemetrexed-Therapie kann die Kontrolle des Vitaminstatus im Blut sinnvoll sein. Die Versorgung mit Vitamin B12 kann anhand des Serums (Blutflüssigkeit ohne Blutzellen) ermittelt werden. Optimal ist die Messung von Vitamin B12 als Holotranscobalamin (HoloTC). Liegen die Werte von Holotranscobalamin über 54 Pikomol pro Liter Blutserum, ist die Versorgung ausreichend. Bei Werten unter 35 Pikomol pro Liter besteht ein Mangel.

Während der Behandlung mit Pemetrexed kann auch der Homocysteinwert wiederholt geprüft werden. Mediziner ermitteln das Homocystein im Blutplasma. Die Normwerte liegen zwischen 5 bis 9 Mikromol pro Liter.

Dosierungen auf einen Blick

Mikronährstoff-Empfehlung während der Pemetrexed-Behandlung pro Tag

Folsäure

350 bis 1.000 Mikrogramm (µg)

Vitamin B12

1.000 Mikrogramm eine Woche vor Behandlungsbeginn (Injektion in den Muskel)

1.000 Mikrogramm jeweils nach jedem dritten Zyklus oder intravenös am letzten Behandlungstag zusammen mit Pemetrexed

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei einer Pemetrexed-Behandlung

Vitamin B12 (HoloTC)

über 54 Pikomol pro Liter Serum (pmol/l)

Homocystein

5 bis 9 Mikromol pro Liter Plasma (µmol/l)

 

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Zusammenfassung

Pemetrexed wird zur Behandlung von Lungenkrebserkrankungen eingesetzt. Das Arzneimittel ist ein Gegenspieler von Folsäure und stört deshalb dessen Funktion. Auch die Aufnahme von Vitamin B12 im Darm ist durch Pemetrexed beeinträchtigt. Ein Mangel an Folsäure und Vitamin B12 begünstigt die Entstehung von Nebenwirkungen der Krebstherapie.

Um einem Mangel vorzubeugen und den Bedarf auszugleichen, sind die Einnahmen von Folsäure und Vitamin B12 unverzichtbar. Folsäure beugt schädigenden Wirkungen von Pemetrexed vor und verbessert die Verträglichkeit, wenn es rechtzeitig vor Beginn, während und nach der Behandlung eingenommen wird. Vitamin B12 hat vergleichbare schützende Eigenschaften wie Folsäure.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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