ADHS alternativ behandeln

Mit Mikronährstoffen die Gehirnfunktion normalisieren

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) tritt bei Kindern und Erwachsenen auf. Typische Symptome sind eine gestörte Aufmerksamkeit, Konzentrationsschwäche und Impulsivität. Eine Reihe von Mikronährstoffen kann die Nervenfunktion verbessern und ADHS-Symptome lindern. Hier erfahren Sie, wie sie im Rahmen der Mikronährstoffmedizin eingesetzt werden.

Brille und Tabletten auf einem Blatt Papier mit der Aufschrift Diagnose ADHS
Bei Kindern und Erwachsenen mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist die Aufmerksamkeit gestört: Die Betroffenen lassen sich leicht ablenken und leiden unter Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit. Die Mikronährstoffmedizin setzt Nährstoffe ein, die die Nervenfunktion verbessern und ADHS-Symptome lindern können. Bild: AndreyPopov/iStock/Getty Images Plus

Ursachen und Symptome

Beim Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist die Aufmerksamkeit gestört. Typische Symptome sind Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit. Die Betroffenen lassen sich leicht ablenken und reagieren stark impulsiv. Auch Leistungsschwäche, langsame Reaktionen sowie Stimmungsschwankungen gehören zu den Kennzeichen.

Meist treten die ersten Anzeichen vor dem sechsten Lebensjahr auf. Bei Babys kann sich ADHS in Form von Schlafproblemen oder Unruhe zeigen. Bei Kleinkindern sind typische Kennzeichen Hyperaktivität, Wutausbrüche und eine langsamere motorische Entwicklung. Schulkinder fallen oft auf, da sie den Unterricht stören: Sie wirken wie kleine Chaoten. In der Pubertät kann ADHS mit Ängstlichkeit, Trotz oder Depressionen einhergehen. ADHS kann sich im Alter bessern. Schätzungen zufolge haben 30 bis 50 Prozent auch als Erwachsene noch Symptome. Erwachsene können aufgrund von ADHS Schwierigkeiten im Beruf oder Partnerschaftsprobleme haben.

Info

Es gibt im Internet eine Reihe von ADHS-Tests oder Selbsttests, mit deren Hilfe sich erkennen lassen soll, ob ein Kind oder ein Erwachsener ADHS hat. Besteht tatsächlich der Verdacht auf ADHS, kann die Diagnose nur ein qualifizierter Arzt stellen.

Es gibt auch das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne das Merkmal Hyperaktivität. In diesem Fall spricht man von ADS.

Die Ursache von ADHS und ADS ist nicht abschließend geklärt. Mediziner gehen davon aus, dass die Signalübermittlung im Gehirn gestört ist. Knackpunkt dabei sind Nervenbotenstoffe wie Dopamin, Noradrenalin oder Serotonin, die Signale zwischen Nervenzellen beeinflussen. Bei Menschen mit ADHS kommt es hier zu Störungen.
Warum das so ist, kann nicht eindeutig beantwortet werden. Es ist wahrscheinlich, dass eine Vielzahl möglicher Faktoren die Entstehung von ADHS begünstigt:

Genetik: ADHS ist vererbbar. Bestimmte Gene können die Stoffwechselstörung im Gehirn beeinflussen.

Schwangerschaft: Kinder haben ein erhöhtes ADHS-Risiko, wenn die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol trinkt, raucht, Drogen oder bestimmte Medikamente nimmt, zum Beispiel Arzneimittel gegen Asthma oder Antipsychotika gegen Schizophrenie. Auch bakterielle Infektionen oder Virusinfektionen während der Schwangerschaft können eine Rolle spielen.

Entzündungen: Wenn die erbliche Veranlagung für ADHS besteht, können Entzündungsprozesse im Körper den Ausbruch der Krankheit begünstigen. Forscher gehen davon aus, dass das Immunsystem bei ADHS eine wichtige Rolle spielt, da Menschen mit ADHS häufig auch unter anderen Erkrankungen wie Allergien, Neurodermitis oder Asthma leiden.

Ernährung: Es gibt Hinweise, dass auch eine falsche Ernährung die Entstehung von ADHS beeinflusst, zum Beispiel ein zu geringer Anteil an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren sowie ein Zink- und Magnesiummangel.

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Ziele der Behandlung

Wie wird ADHS klassisch behandelt?

Kind macht Hausaufgaben mit einer Frau
Eine bedeutende Rolle bei der ADHS Behandlung spielt die Psycho- und Verhaltenstherapie, bei der die Betroffenen unter anderem Strategien für den Umgang mit ADHS erlernen. Bild: KatarzynaBialasiewicz/iStock/Getty Images Plus

ADHS ist nicht heilbar. Die Behandlung von ADHS bei Kindern und Erwachsenen zielt darauf ab, die Symptome und Folgen der Erkrankung einzudämmen. Die Therapie besteht aus mehreren Elementen:

Eine bedeutende Rolle spielt die Psycho- und Verhaltenstherapie, bei der die Betroffenen unter anderem Strategien für den Umgang mit ADHS erlernen. Entwicklungsverzögerungen werden durch spezielle Förderangebote, Logo- und Ergotherapie ausgeglichen.

Zur Behandlung von ADHS kommen auch Medikamente zum Einsatz – in den meisten Fällen der Wirkstoff Methylphenidat (Ritalin®, Medikinet®, Concerta®), unter bestimmten Bedingungen auch Amphetamine (wie Dexamphetamin, zum Beispiel Attentin®, oder Lisdexamphetamin, zum Beispiel Elvanse®). Beide Arzneimittel sind Psychostimulanzien und verlängern die Wirkdauer der Nervenbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin. Dadurch erhöhen sie die Fähigkeit zur Konzentration und Wahrnehmung sowie die Lernfähigkeit.

Ziele der Mikronährstoffmedizin

Die Mikronährstoffmedizin stellt die Versorgung des Gehirnstoffwechsels mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen sicher. Einige Pflanzenstoffe fördern zudem die kognitive Leistungsfähigkeit und können auf diese Weise dazu beitragen, Symptome bei ADHS zu lindern. Empfohlen werden:

  • Omega3-Fettsäuren für Aufbau, Funktion und Schutz der Nervenzellen
  • Zink unterstützt die Wirkung aktivierender Nervenbotenstoffe und schützt die Nerven vor oxidativem Stress.
  • Magnesium für Energieproduktion und Nervensignale
  • Vitamin B6 lindert ADHSSymptome.
  • Ginseng und Ginkgo für Aufmerksamkeit und Gedächtnis
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Behandlung mit Mikronährstoffen

Omega-3-Fettsäuren steigern die Nervenaktivität

Wirkweise von Omega-3-Fettsäuren bei ADHS

Omega 3 aus Kapseln auf einen Holzuntergrund gelegt
Bei Betroffenen mit ADHS ist der Anteil an Omega-3-Fettsäuren im Blut oft erniedrigt. Bild: emiliozv/iStock/Getty Images Plus

Gehirn und Nervensystem brauchen Omega-3-Fettsäuren, insbesondere Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA), um optimal zu funktionieren: DHA spielt eine wichtige Rolle beim Aufbau der Membranen (Umhüllungen) von Nervenzellen und der Hirnfunktion – es ist wichtig für das Lernen und die Konzentrationsfähigkeit. Bei Betroffenen mit ADHS ist der Anteil an Omega-3-Fettsäuren im Blut oft erniedrigt. Übersichtsarbeiten über die aktuelle Studienlage zeigen, dass die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren ADHS-Symptome deutlich verbessert: Je höher die EPA-Dosis, desto mehr verbesserten sich die Beschwerden.

In direkten Vergleichen mit ADHS-Medikamenten zeigte sich, dass die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zu 40 Prozent so wirksam war wie der Wirkstoff Methylphenidat. Die Nebenwirkungen von Omega-3-Fettsäuren waren dabei allerdings deutlich schwächer.

Omega-3-Fettsäuren wirken außerdem antientzündlich: Sie dämmen Entzündungsprozesse im Körper ein, die bei genetischer Veranlagung für ADHS möglicherweise einen Ausbruch der Erkrankung auslösen. Es gibt außerdem Hinweise, dass Omega-3-Fettsäuren oxidativen Stress reduzieren, der bei ADHS vermehrt auftritt.

Omega-3-Fettsäuren: Dosierung und Einnahmeempfehlung bei ADHS

Zur Behandlung von ADHS bei Kindern empfehlen Mikronährstoff-Experten 500 bis 2.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) täglich aus Fischölpräparaten. Besonders wirksam sind Präparate mit einem hohen EPA-Anteil (560 Milligramm). Erwachsene können bis zu 5.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag einsetzen.

Fischölpräparate sollten immer zu den Mahlzeiten eingenommen werden: Nur so gelangen sie gut aus dem Darm in das Blut.

Achten Sie bei Fischöl auf die Qualität und kaufen Sie nur besonders gereinigte Präparate, die frei von unerwünschten Rückständen sind, wie Schwermetalle oder Schadstoffe.


Den Omega-3-Status im Labor bestimmen lassen

Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren wird durch den Omega-3-Index bestimmt. Das geschieht im Rahmen einer Blutuntersuchung, bei der der Anteil von EPA und DHA in den roten Blutzellen gemessen wird. Bei fünf Prozent sind fünf von 100 Fettsäuren in den Blutzellen Omega-3-Fettsäuren. Idealerweise sollte der Index über acht Prozent liegen, im Durchschnitt liegt er zwischen fünf und acht Prozent.

Zu beachten bei der Einnahme von Blutverdünnern

Omega-3-Fettsäuren verdünnen das Blut. Dadurch kann der Bedarf an blutverdünnenden Arzneimitteln (Falithrom®, Marcumar®) abnehmen. Wenn Sie gleichzeitig Blutverdünner und Omega-3-Präparate ab einer Dosierung von 1.000 Milligramm einnehmen, sollten Sie die Gerinnungswerte engmaschig kontrollieren lassen. Der Arzt passt dann gegebenenfalls die Dosierung der Blutverdünner an.

Menschen mit Blutgerinnungsstörungen sollten Omega-3-Präparate nicht einnehmen.

Zink optimiert die Wirksamkeit der Gehirnbotenstoffe

Wirkweise von Zink bei ADHS

Illustration eines menschlichen Gehirns mit Kennzeichnung der Synapsen
Oxidativer Stress schädigt die Nervenzellen. Wissenschaftler vermuten, dass dieser auch mit Verhaltensauffälligkeiten im Rahmen von ADHS in Verbindung steht. Bild: Naeblys/iStock/Getty Images Plus

Zink spielt eine wichtige Rolle für die Gehirn- und Nervenfunktion: Es hilft, den aktivierenden Nervenbotenstoff Dopamin zu regulieren. Mangelt es an Zink, ist das Gehirn außerdem anfälliger für oxidativen Stress, der bei Menschen mit ADHS häufiger vorkommt. Oxidativer Stress schädigt die Nervenzellen. Wissenschaftler vermuten, dass oxidativer Stress auch mit Verhaltensauffälligkeiten im Rahmen von ADHS in Verbindung steht.

Bei Kindern mit ADHS ist der Zinkgehalt in den Zellen häufiger niedriger als bei gesunden Kindern. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass der Zinkgehalt direkt mit der Schwere der ADHS-Symptome zusammenhängt. Erste klinische Studien zeigen, dass die Einnahme von Zinkpräparaten einen positiven Effekt bei ADHS hat – sowohl als alleinige Therapiemaßnahme als auch in Verbindung mit dem ADHS-Wirkstoff Methylphenidat.

In der Summe schnitten einige, aber nicht alle medizinischen Studien mit Zink positiv ab. Zink wird vor allem in Regionen mit einer schlechten Zinkversorgung als erfolgversprechende Behandlung diskutiert.

Zink: Dosierung und Einnahmeempfehlung bei ADHS

Bei ADHS wird empfohlen, Zink in einer Dosierung von 10 bis 25 Milligramm täglich einzunehmen. Ideal sind organische Zinkverbindungen wie Zinkcitrat oder Zinkgluconat: Sie werden im Darm gut aufgenommen.

Zudem sollte Zink zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Das verbessert nicht nur die Aufnahme, sondern auch die Verträglichkeit für den Magen.

Zu beachten bei Nierenerkrankungen

Bei einer chronischen Nierenschwäche oder anderen Nierenerkrankungen sollte Zink nicht zusätzlich über Mineralstoffpräparate eingenommen werden. Geschwächte Nieren können Zink nicht richtig ausscheiden, der Zinkgehalt im Blut würde zu hoch werden.

Magnesium verbessert die Signalübertragung

Wirkweise von Magnesium bei ADHS

Illustration von Synapsen und Nervenzellen
Mineralstoffe werden gebraucht, damit Nervenbotenstoffe gebildet werden und optimal funktionieren können. Bild: solvod/iStock/Getty Images Plus

Es gibt Hinweise darauf, dass ein Mangel an Mineralstoffen die Entstehung von ADHS beeinflusst. Mineralstoffe werden gebraucht, damit Nervenbotenstoffe gebildet werden und optimal funktionieren können. Insbesondere der Mineralstoff Magnesium spielt eine wichtige Rolle für die Dopamin- und Serotonin-Übertragungen im Gehirn, die bei ADHS gestört sind. Magnesium wird außerdem für den Energiestoffwechsel gebraucht und fördert die Durchblutung.

ADHS-Patienten leiden häufig unter Magnesiummangel. Allerdings ist die Wirksamkeit von Magnesiumpräparaten noch nicht bewiesen: Erste Studien mit einer Dauer von zwei bis sechs Monaten verliefen jedoch positiv. Jetzt muss Magnesium noch in hochwertigen Studien geprüft werden. Besonders bei einem Magnesiummangel kann die gezielte Ergänzung von Magnesium sinnvoll und vielversprechend sein.

Magnesium: Dosierung und Einnahmeempfehlung bei ADHS

Zur richtigen Dosierung bei Kindern sollte ein Arzt befragt werden. Als Faustregel gilt: Rund 6 Milligramm Magnesium pro Kilogramm Körpergewicht. Bei einem Körpergewicht von 35 Kilogramm entspricht das 200 Milligramm täglich.

Bei Erwachsenen empfehlen Mikronährstoffmediziner mindestens 200 Milligramm Magnesium täglich.

Tipp

Da eine erhöhte Magnesiumzufuhr zu Durchfällen führen kann, sollten Sie Magnesium in mehreren kleinen Dosierungen zu den Mahlzeiten über den Tag verteilt einnehmen. Dauerhaft sollte ein Erwachsener ohne Blutkontrolle nicht mehr als 250 Milligramm täglich einnehmen.

Magnesium im Labor bestimmen lassen

Um einen Magnesiummangel zu erkennen, wird der Magnesiumgehalt im Vollblut gemessen. Als normal gelten Werte von 1,38 bis 1,5 Millimol Magnesium pro Liter Vollblut. Ein Wert unter 1,38 Millimol pro Liter deutet auf einen Mangel hin.

Zu beachten bei der Einnahme von Medikamenten und Nierenschwäche

ADHS-Medikamente mit dem Wirkstoff Dexamphetamin (Attentin®) können den Magnesiumspiegel im Blut erhöhen. Magnesium sollte dann nicht ohne einen Bluttest langfristig eingesetzt werden.

Magnesiumpräparate können die Wirkung von Antibiotika aus der Gruppe der Gyrasehemmer (Ciprobay®, Tavanic®) oder Tetrazykline (Aknosan®, Tefilin®) herabsetzen.

Bei chronischen Nierenerkrankungen sollte Magnesium nicht zusätzlich über Präparate eingenommen werden, da geschwächte Nieren es nicht vollständig ausscheiden können.

Vitamin B6 lindert Symptome

Wirkweise von Vitamin B6 bei ADHS

Vitamin B6 spielt eine wichtige Rolle beim Stoffwechsel in den Nervenzellen, insbesondere beim Energiestoffwechsel oder der Funktion der Nervenbotenstoffe Dopamin und Serotonin. Bei Erwachsenen mit ADHS wurde vermehrt ein Vitamin-B6-Mangel festgestellt: Je schwerer der Mangel, desto ausgeprägter waren auch die ADHS-Symptome.

Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen konnten vorläufige Studien zeigen, dass sich durch die gezielte Einnahme von Vitamin B6 die Serotoninspiegel normalisierten und die mangelnde Aufmerksamkeit bei ADHS verbessert werden konnte.

Weitere Studien sind allerdings nötig, um sagen zu können, ob Vitamin B6 bei allen Betroffenen die Symptome verbessert. Personen mit ADHS sollten aber in jedem Fall auf ihre Vitamin-B6-Zufuhr achten, um einen Mangel zu vermeiden.

Vitamin B6: Dosierung und Einnahmeempfehlung bei ADHS

Für Kinder mit ADHS empfiehlt die Mikronährstoffmedizin, bis zu 15 Milligramm Vitamin B6 pro Tag einzunehmen. Dabei richtet sich die Dosierung nach dem Körpergewicht: 0,6 Milligramm Vitamin B6 pro Kilogramm Körpergewicht. Erwachsene sollten mindestens 15 Milligramm Vitamin B6 ergänzen.

 

Tipp

Vitamin B6 arbeitet bei der Serotoninproduktion mit anderen Mikronährstoffen zusammen. Daher sollte Vitamin B6 in Form von Kombinationspräparaten zusammen mit Zink und Magnesium eingenommen werden.

Zu beachten in Schwangerschaft und bei der Einnahme von Epilepsiemedikamenten

Obwohl eine gute Versorgung mit Vitamin B6 in der Schwangerschaft wichtig ist, sollten Sie hoch dosierte Vitamin-B6-Präparate in Schwangerschaft und Stillzeit nur einnehmen, wenn ein Mangel nachgewiesen worden ist. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Frauenarzt.

Vitamin B6 kann in hohen Dosierungen (5 Milligramm) die Wirkung von Epilepsie-Medikamenten abschwächen. Zu den betroffenen Wirkstoffen gehören Phenobarbital (Luminal®) und Phenytoin (Phenhydan®, Zentropil®). Wenn Sie diese Medikamente einnehmen, sollten Sie daher nicht mehr als 5 Milligramm Vitamin B6 pro Tag einnehmen.

Ginseng steigert die Nervenfunktion

Wirkweise von Ginseng bei ADHS

Ginseng Wurzeln und Pulver
Die Inhaltsstoffe der Ginsengwurzel haben eine positive Wirkung auf das Nervensystem, da sie unter anderem die Lernfähigkeit und die Gedächtnisleistung verbessern. Bild: eskymaks/iStock/Getty Images Plus

Die aktiven Inhaltsstoffe der Ginsengwurzel heißen Ginsenoside. Diese Pflanzenstoffe haben eine Reihe positiver Effekte auf das Nervensystem: Sie verbessern unter anderem die Lernfähigkeit, die Gedächtnisleistung und die Aufmerksamkeit. Ginsenoside erhöhen die Menge der Nervenbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn und können somit auch ADHS-Symptome verbessern.

Eine kleinere Studie zeigt, dass Kinder mit ADHS, die über einen Zeitraum von mehreren Wochen hinweg Ginsengpräparate einnahmen, aufmerksamer wurden und sich weniger hyperaktiv verhielten als die ADHS-Patienten, die ein Scheinmedikament bekamen.

Ginseng: Dosierung und Einnahmeempfehlung bei ADHS

Täglich werden zwischen 1.000 und 2.000 Milligramm Ginseng-Extrakt empfohlen. In ersten Studien war vor allem Roter Koreanischer Ginseng (Panax Ginseng) wirksam. Ginseng-Extrakt sollte zusammen mit einer Mahlzeit eingenommen werden.

Empfohlen wird die Einnahme von Ginsengpräparaten erst bei Kindern ab zwölf Jahren. In ersten Studien wurde der Einsatz von Ginseng bereits bei Kindern ab sechs Jahren erprobt. Sprechen Sie jedoch in jedem Fall mit Ihrem Arzt oder Kinderarzt, bevor Sie Ginseng bei Kindern anwenden. Eine Einnahme ist nicht länger als acht Wochen erprobt.

Ginseng: zu beachten in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Medikamenten und Erkrankungen

Für den Einsatz von Ginseng in Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Studien vor. Besprechen Sie die Einnahme vorher mit Ihrem Frauenarzt.

Ginseng kann die Wirkung von Blutgerinnungshemmern des Cumarin-Typs mit den Wirkstoffen Phenprocoumon (Marcumar®, Falithrom®) oder Warfarin (Coumadin®) beeinflussen. Bei gleichzeitiger Einnahme sollten die Gerinnungswerte kontrolliert werden. Vor Operationen sollte Ginseng wegen einer möglichen Blutungsgefahr abgesetzt werden. Menschen mit Blutgerinnungsstörungen sollten keinen Ginseng einnehmen.

Zudem kann Ginseng die Wirkung von anderen Arzneimitteln verstärken oder herabsetzen. Es hemmt Enzyme in der Leber, die normalerweise die Arzneimittel umwandeln. Nimmt man regelmäßig Medikamente ein, ist es daher besser, Rücksprache mit dem Arzt zu halten.

Bei Bluthochdruck, Herzerkrankungen oder hormonabhängigen Tumoren sollte Ginseng nicht eingesetzt werden. Ginseng könnte zudem den Blutzuckerspiegel senken, weshalb bei Diabetes mellitus die Blutzuckerwerte kontrolliert werden sollten.

Ginkgo erhöht die Aufmerksamkeit

Wirkweise von Ginkgo bei ADHS

Die Blätter des Ginkgobaums (Ginkgo biloba) enthalten sekundäre Pflanzenstoffe (Ginkgoloide), die unter anderem die Funktion der Nervenbotenstoffe im Gehirn unterstützen, die für Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und Lernen wichtig sind.

Aufgrund dieser Eigenschaften wird Ginkgo-Extrakt vor allem bei Demenz eingesetzt. Doch auch Betroffenen mit ADHS kommen die Pflanzenstoffe zugute: In einer ersten Studie verbesserten sich die Lebensqualität, das hyperaktive Verhalten sowie weitere ADHS-Symptome bei Kindern. 20 Kinder mit ADHS bekamen über einige Wochen hinweg ein Ginkgo-Biloba-Präparat in einer Dosierung von bis zu 240 Milligramm pro Tag. In einer weiteren kleinen Studie wurde Ginkgo mit dem ADHS-Wirkstoff Methylphenidat verglichen: Beide Präparate waren wirksam, Ginkgo jedoch deutlich schwächer. In der Gruppe mit Methylphenidat waren allerdings Nebenwirkungen wie Appetitverlust, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit häufiger. Ginkgo könnte deshalb eine nebenwirkungsärmere Alternative sein.

Insgesamt liegen also erste Hinweise auf eine Wirksamkeit von Ginkgo bei ADHS vor. Der tatsächliche Nutzen für alle Betroffenen muss jetzt noch in größeren Studien untersucht werden.

Ginkgo: Dosierung und Einnahmeempfehlung bei ADHS

Bei ADHS werden Dosierungen von 60 bis 240 Milligramm Ginkgo-Extrakt empfohlen, mit einem Gehalt von bis zu 8 Milligramm Ginkgoloiden. Die Einnahme von Ginkgo-Extrakt bei Kindern sollte jedoch in Rücksprache mit dem Kinderarzt erfolgen.

In seltenen Fällen können Nebenwirkungen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall auftreten. Auch eine vermehrte Hyperaktivität und Aggressivität, Müdigkeit und Schwitzen wurden beobachtet.

Tipp

Achten Sie bei Ginkgopräparaten besonders auf die Qualität: Ginkgo enthält von Natur aus Ginkgolsäuren. Allerdings wirken diese in größeren Mengen schädlich. Wählen Sie deshalb einen Ginkgo-Extrakt, der den Grenzwert von 0,0005 Prozent Ginkgolsäuren nicht überschreitet.

Ginkgo: zu beachten in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Medikamenten und Krankheiten

Ginkgopräparate sollten während der Schwangerschaft oder Stillzeit nicht eingenommen werden.

Ginkgo kann die Blutungsneigung erhöhen. Wenn Sie eine Blutgerinnungsstörung haben, eine Operation bevorsteht oder Sie blutgerinnungshemmende Medikamente mit den Wirkstoffen Phenprocoumon (Falithrom®, Marcumar®) oder Warfarin (Coumadin®) einnehmen, sollten Sie auf Ginkgopräparate verzichten.

Ginkgo kann die Wirkung von Medikamenten gegen Bluthochdruck mit dem Wirkstoff Nifepedin (Adalat CC®, Procardia®) herabsetzen. Wenn Sie mit diesen Medikamenten behandelt werden, sollten Sie keine Ginkgopräparate einnehmen.

Ginkgo steht in Verdacht, bei Epilepsiepatienten Krampfanfälle auszulösen. Daher sollten Menschen mit Epilepsie besser keine Ginkgopräparate einnehmen.

Dosierungen auf einen Blick

Mikronährstoffempfehlung pro Tag bei ADHS

 

Vitamine

Vitamin B6

0,6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (mg/kg)

 

Mineralstoffe

Zink

10 bis 25 Milligramm

Magnesium

6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (Kinder)

200 bis 1.000 Milligramm (Erwachsene)

  
 

Weitere Stoffe

Omega-3-Fettsäuren (mit einem hohen EPA-Anteil)

bis 2.000 Milligramm (Kinder)

bis 5.000 Milligramm (Erwachsene)

Ginseng-Extrakt

2.000 Milligramm

Ginkgo-Extrakt

60 bis 240 Milligramm

 

Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Laboruntersuchungen bei ADHS

 

Normalwerte

Omega-3-Index:

Durchschnitt

Optimal

 

5 bis 8 Prozent

8 bis 11 Prozent

Magnesium (Vollblut)

1,38 bis 1,5 Millimol pro Liter (mmol/l)

 

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Unterstützung von Medikamenten mit Mikronährstoffen

Vitamine und Mineralstoffe verbessern die Wirkung von Methylphenidat

Es gibt eine Reihe von Mikronährstoffen, die die Wirkung von Methylphenidat (Ritalin®, Medikinet®, Concerta®) bei ADHS unterstützen und damit den Medikamentenbedarf reduzieren können:

Kombinationspräparate mit Mineralstoffen konnten in einer ersten Studie eine bessere Wirkung erzielen: Bei gleichzeitiger Einnahme von Zink, Calcium und Magnesium mit Methylphenidat verbesserte sich die mangelnde Aufmerksamkeit deutlich mehr als mit Methylphenidat und einem wirkungslosen Scheinpräparat.

In einer weiteren vorläufigen Studie verbesserten sich die abendlichen ADHS-Symptome mit 2.000 Internationalen Einheiten Vitamin D und Methylphenidat deutlich gegenüber der Vergleichsgruppe ohne Vitamin D. Die Vergleichsgruppe bekam Methylphenidat mit einem Scheinpräparat.

Um die Wirkung von ADHS-Medikamenten mit dem Wirkstoff Methylphenidat zu verstärken, werden folgende Mikronährstoffe empfohlen: 2.000 Internationale Einheiten Vitamin D, 10 bis 20 Milligramm Zink, mindestens 300 Milligramm Calcium und 6 Milligramm Magnesium pro Kilogramm Körpergewicht.

Dosierungen auf einen Blick

Mikronährstoffempfehlung pro Tag bei Methylphenidat-Einnahme

Vitamin D

2.000 Internationale Einheiten (IE)

Magnesium

6 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht (mg/kg)

Calcium

mindestens 300 Milligramm  

Zink

10 bis 20 Milligramm  

 

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Zusammenfassung

Bei Kindern und Erwachsenen mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) ist die Aufmerksamkeit gestört: Die Betroffenen lassen sich leicht ablenken und leiden unter Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit. Wenn das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ohne das Merkmal Hyperaktivität auftritt, spricht man von ADS.

Die Ursache von ADHS und ADS ist nicht abschließend geklärt. Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle, aber auch Faktoren wie Alkohol- und Medikamentenkonsum in der Schwangerschaft, Entzündungen oder eine ungesunde Ernährung können den Ausbruch von ADHS begünstigen.

Die Mikronährstoffmedizin setzt Nährstoffe ein, die die Nervenfunktion verbessern und ADHS-Symptome lindern können: Omega-3-Fettsäuren benötigt der Körper für den Aufbau und die Funktion der Nerven. Zink optimiert den Stoffwechsel der Nervenbotenstoffe und Magnesium die Energieproduktion und Signalübertragung im Gehirn. Vitamin B6 wird für den Aufbau von Nervenbotenstoffen benötigt und lindert ADHS-Symptome. Pflanzenstoffe aus Ginkgo und Ginseng erhöhen die Aufmerksamkeit.

Auch lässt sich die Wirkung des ADHS-Wirkstoffs Methylphenidat durch Mikronährstoffe verbessern: Zusammen mit Zink, Magnesium, Calcium und Vitamin D wirkt Methylphenidat besser.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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