Amyotrophe Lateralsklerose: Therapie mit Mikronährstoffen unterstützen

Bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und andere Stoffe können helfen, die Lebensqualität bei ALS zu verbessern

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine Erkrankung des Nervensystems. Dabei sterben nach und nach Nervenzellen ab, die für Muskelbewegungen zuständig sind. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zu Lähmungen. Die Betroffenen werden zunehmend in ihrer Beweglich- und Selbstständigkeit eingeschränkt. Die ALS-Krankheit ist bisher nicht heilbar – ihr Voranschreiten kann aber positiv beeinflusst werden. Hierzu tragen auch bestimmte Mikronährstoffe bei. Lesen Sie, welche Mikronährstoffe das sind und wie sie richtig angewendet werden.

Ursachen und Symptome

Was ist ALS und welche Ursachen gibt es?

Die amyotrophe Lateralsklerose (kurz ALS) ist eine Erkrankung des Nervensystems. Sie betrifft die Nervenzellen, die für die Steuerung von Muskelbewegungen verantwortlich sind (Motoneurone). Diese sterben nach und nach ab, was mit Funktionsverlusten und Lähmungen einhergeht. ALS ist selten: Von 100.000 Menschen leben etwa drei bis acht mit der Diagnose.

Die Ursache ist in vielen Fällen unbekannt. Meist tritt die ALS-Krankheit spontan auf (80 bis 90 Prozent der Fälle). Dennoch scheint es bei ALS eine erbliche (genetische) Komponente zu geben: Bei vielen Betroffenen wurden verschiedene krankhafte Veränderungen des Erbguts festgestellt.

Expertenwissen

Etwa 25 Prozent mit einer familiären ALS und 10 Prozent mit einer sporadischen Form zeigen eine Mutation des Superoxid-Dismutase-Gens (SOD1). Dieses enthält die Informationen für das Enzym Superoxid-Dismutase (SOD), eines der wichtigsten Abwehrsysteme für oxidativen Stress. Früher glaubte man, dass durch die Mutation seine antioxidative Wirkung nachlässt und es so zu Nervenschäden bei ALS kommt. Allerdings ist das nicht das Problem: Die Mutation verändert den Bauplan des Enzyms, weshalb es sich nicht richtig auffalten kann. Es entstehen „Enzymklumpen“ (Proteinaggregate), die sich als schädlicher „Abfall“ ansammeln.

Wahrscheinlich spielen auch Umwelteinflüsse eine Rolle: Mögliche Risikofaktoren für die ALS-Krankheit sind der regelmäßige Kontakt mit aggressiven Chemikalien, Schwermetallbelastungen, Virusinfektionen und Kopfverletzungen. Tabakrauch scheint der häufigste Risikofaktor zu sein: Mit dem Rauch können Schwermetalle in den Körper gelangen und sich anreichern.

Welche Symptome treten bei ALS auf?

Es gibt verschiedene ALS-Formen, die unterschiedlich ausgeprägt sind – je nachdem, wo die betroffenen Nervenzellen im Körper liegen. Frühe Symptome bei ALS sind oft körperliche Schwäche und Muskelzucken. Betroffen sind je nach Form die Schluck-, Kau- oder Atemmuskulatur sowie Arme oder Beine. Meist beginnen die Muskelzuckungen an einer einzelnen Stelle und breiten sich nach und nach auf den ganzen Körper aus.

Im zunehmenden Krankheitsverlauf nimmt die Mimik durch den Funktionsverlust der Gesichtsmuskeln ab. Auch die Fähigkeit, zu sprechen und zu schlucken, geht zurück. Ist die ALS-Krankheit fortgeschritten, kommt es zu starken Krämpfen und Lähmungen.

Nach der Diagnose versterben Betroffene oft innerhalb von zwei bis fünf Jahren – meist infolge einer Lungenentzündung. Sie entsteht durch die Lähmung der Atemmuskulatur und der gestörten Schluckfähigkeit.

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Ziele der Behandlung

Was umfasst die klassische Therapie bei amyotropher Lateralsklerose?

ALS ist derzeit nicht heilbar. Ziel der Therapie ist es, die Symptome zu lindern und die Überlebenszeit zu verlängern. Dazu gibt es bislang einzig den Medikamenten-Wirkstoff Riluzol (zum Beispiel Teglutik®, Rilutek®).

Info

In den USA und Japan ist noch ein weiteres Medikament zur Behandlung von ALS zugelassen: Edaravon (Radicava®). Die Zulassung muss in Europa noch geprüft werden. Das Mittel kann aber importiert werden.

Der Erhalt der Lebensqualität und eine (möglichst) selbstständige Lebensführung sind wichtige Bestandteile der Therapie. Oft wird wegen der hohen seelischen Belastung auch eine Psychotherapie empfohlen. Weitere Maßnahmen sind:

  • Heilmitteltherapie: Physio- und Ergotherapie dienen dem weitestgehenden Erhalt der Beweglichkeit, der Förderung der Muskel-Restfunktion und der Linderung von Krämpfen. Mit Logopädie werden Sprach- und Schluckstörungen behandelt.
  • Ernährungstherapie: Ist das Schlucken nicht mehr möglich, kann die Ernährung über die Vene erfolgen. Alternativ kann eine Magensonde (PEG) durch die Bauchdecke gelegt werden.
  • Beatmung: Viele ALS-Patienten haben Atemprobleme und Luftnot. Ein Beatmungsgerät hilft, dies zu lindern, und kann lebensverlängernd wirken.

Weiterhin werden gegen die Symptome Medikamente eingesetzt:

  • Verschleimung: Medikamente wie Acetylcystein (oder N-Acetylcystein, zum Beispiel ACC®, NAC®) oder Ambroxol (wie Mucosolvan®) helfen dabei, den Schleim zu lösen. Bei Atemnot wird zudem der Wirkstoff Theophyllin (Euphyllin®, Euphylong®) eingesetzt.
  • Verkrampfung des Kehlkopfmuskeln: Wirkstoffe wie Pantozol (Pantozol®) und Metoclopramid (etwa Gastrosil®, Paspertin®) wirken entkrampfend.
  • Krämpfe und Muskelzuckungen: Zur Linderung werden Chininsulfat (Limptar®) und Carbamazepin (etwa Tegretal®, Timonil®) angewendet.
  • Depression: Antidepressiv wirkende Medikamente können bei depressiven Verstimmungen oder Depressionen helfen. Wirkstoffe sind zum Beispiel Fluoxetin (Fluxet®, Mutan®) und Amitryptilin (Tryptizol®).
  • Schmerzen: Um die Schmerzen zu lindern, werden Opioide eingesetzt wie Tilidin (etwa Tilicomp® beta) und Tramadol (etwa Tramabeta®).
  • Atemnot und Angst: In der letzten Lebensphase wird Morphin (etwa Morph® oder Sevredol®) gegen die Atemnot eingesetzt. Besteht zudem Angst, können zusätzlich angstlösende Medikamente (wie Lorazepam, etwa Tolid®, Tavor®) verordnet werden.
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Ziele der Mikronährstoffmedizin

Die Mikronährstoffmedizin hat das Ziel, die klassische Therapie zu unterstützen, um die Beschwerden zu lindern. Verschiedene Mikronährstoffe wirken entzündungshemmend und verringern oxidativen Stress. Das kann die Nervenzellen schützen und möglicherweise das Voranschreiten der Krankheit verlangsamen.

Darüber hinaus können Mikronährstoffe Begleiterscheinungen abschwächen. Dazu gehören zum Beispiel Verschleimungen der Lunge, Muskelkrämpfe oder Depressionen.

Besonders bewährt haben sich:

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Behandlung mit Mikronährstoffen

Antioxidantien gegen oxidativen Stress bei amyotropher Lateralsklerose

Wirkweise von Antioxidantien

Oxidativer Stress steht vermutlich mit ALS in Zusammenhang: Betroffene zeigen erhöhte Werte. Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C und Selen fangen freie Radikale ab. Damit schützen sie die Nervenzellen vor oxidativem Stress. Denn oxidativer Stress entsteht, wenn ein Übermaß an freien Radikalen herrscht.

Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass eine Ernährung mit reichlich Antioxidantien den Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen kann. Zudem könnte eine Vitamin-E-reiche Ernährung einen gewissen Schutz vor ALS bieten: Die Auswertung von fünf verschiedenen Personengruppen (Kohorten) zeigt, dass ALS zu 50 Prozent seltener auftrat, wenn die Personen gut mit Vitamin E versorgt waren. Der vorbeugende Effekt konnte auch beobachtet werden, wenn Vitamin E als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt wurde – wobei hier aber nur Frauen profitierten.

Bei einer bestehenden ALS hilft die gezielte Einnahme jedoch vermutlich nicht. Das zeigt die Auswertung von teils hochwertigen Studien. Die Forscher weisen aber darauf hin, dass der Zeitpunkt der Ergänzung wichtig sein könnte. Unklar ist daher, ob Antioxidantien in jedem Stadium der Erkrankung ohne Wirkung sind oder nur bei fortgeschrittener ALS. Wurde die Vitamin-E-Einnahme allein betrachtet, zeichnete sich in einer hochwertigen Studie eine leichte Wirkung auf die Bewegungsfähigkeit ab.

Eine Ernährung mit reichlich Antioxidantien ist vermutlich wichtig zur Vorbeugung von ALS. Möglicherweise können Antioxidantien auch das Voranschreiten der Krankheit positiv beeinflussen. Bedenken zu Antioxidantien bei ALS liegen nicht vor. Die Einnahme ist daher einen Versuch wert.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Antioxidantien

Bei ALS empfehlen Mikronährstoff-Experten ein Präparat, das eine Kombination aus möglichst vielen verschiedenen Antioxidantien enthält: Niedrig dosiert unterstützen sie sich in ihrer Wirkung und regenerieren sich gegenseitig. Bei ALS können folgende Dosierungen pro Tag sinnvoll sein:

  • 200 bis 400 Milligramm Vitamin C,
  • bis zu 50 Milligramm Vitamin E sowie
  • 50 Mikrogramm Selen.

Manchmal empfehlen Mikronährstoff-Experten auch eine höhere Vitamin-E-Dosierung. In Studien wurden zum Beispiel zweimal 500 Milligramm pro Tag eingesetzt. Ohne Absprache sollte die tägliche Einnahme maximal 50 Milligramm nicht überschreiten.

Tipp

Ein gutes Präparat sollte auch pflanzliche Antioxidantien enthalten. Vor allem eine Ernährung mit reichlich Beta-Carotin und Lutein wirkte sich in Beobachtungsstudien positiv aus. Andere pflanzliche Antioxidantien sind Grüntee-Catechine, OPC oder Curcumin.

Für eine optimale Verträglichkeit sollten die Präparate mit einer Mahlzeit eingenommen werden. Achten Sie bei Kombinationspräparaten mit Vitamin C darauf, dass Selen als Natriumselenat enthalten ist. Die Aufnahme von Natriumselenit wird durch Vitamin C gebremst.

Antioxidantien im Labor bestimmen lassen

Bei ALS kann es sinnvoll sein, wenn der Arzt untersucht, ob oxidativer Stress herrscht. So kann zum Beispiel beurteilt werden, ob die Dosierung an Antioxidantien ausreicht, um freie Radikale abzufangen. Um oxidativen Stress zu messen, haben Labore unterschiedliche Methoden. Daher ist immer das Ergebnis des jeweiligen Labors gültig.

Zudem wird empfohlen, den Selenstatus bei einer regelmäßigen Einnahme kontrollieren zu lassen, um eine Über- oder Unterversorgung zu vermeiden. Idealerweise wird Selen im Vollblut bestimmt. Diese Messung ist aussagekräftiger, da sie die Langzeitversorgung widerspiegelt. Optimale Selenwerte liegen bei 120 bis 150 Mikrogramm pro Liter Vollblut.

Antioxidantien: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Vitamin C verbessert die Eisenaufnahme. Personen mit einer Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) sollten Vitamin C deshalb nur unter ärztlicher Aufsicht ergänzen.

Patienten mit Nierenerkrankungen sollten keine Selenpräparate einnehmen, ohne dass ein Arzt ihren Selenspiegel im Blut überprüft hat. Durch eine eingeschränkte Nierenfunktion kann die Selenausscheidung vermindert sein. Dadurch besteht die Gefahr einer Überdosierung.

Vitamin C setzte im Tierversuch die Wirkung des Blutkrebsmedikaments Bortezomib (zum Beispiel Velcade®) herab. Es sollte deshalb während einer solchen Therapie ausschließlich nach Absprache mit dem Arzt ergänzt werden.

Schützt Vitamin D die Nervenzellen von ALS-Betroffenen

Wirkweise von Vitamin D

Vitamin D nimmt eine Sonderstellung unter den Vitaminen ein: Es wird mithilfe von Sonnenstrahlen in der Haut selbst gebildet. Vitamin D ist für gesunde Nervenzellen wichtig und kann zu ihrem Schutz beitragen. Zudem wirkt es entzündungshemmend. Daher könnte Vitamin D das Voranschreiten von ALS verlangsamen. Ein möglicher Nutzen wurde schon in Zell- und Tierstudien gezeigt.

In Studien an Menschen konnte eine Wirkung bisher aber noch nicht bewiesen werden. Ein Übersichtsartikel zeigt die Tendenz, dass die Ergänzung von Vitamin D keinen Vorteil für ALS-Patienten hat. Auch auf die Bewegungsfähigkeit hatte Vitamin D keinen Einfluss – so das Ergebnis einer Vorstudie. Grundsätzlich gibt es aber noch zu wenige Studien, um eine abschließende Bewertung abzugeben.

Da Menschen, die sich schlecht oder nicht bewegen können, oft zu wenig Sonnenlicht bekommen, sind sie sehr anfällig für einen Vitamin-D-Mangel. Diesem vorzubeugen, ist wichtig. Dadurch kann auch der Entstehung weiterer Erkrankungen entgegengewirkt werden – zum Beispiel Depressionen. Vitamin D hat wahrscheinlich einen Einfluss auf die Stimmung.

Auch vermuten Forscher einen Zusammenhang zwischen einem Mangel und Schmerzen. Zwar ist ALS keine Erkrankung, die sich typischerweise durch Schmerzen äußert, dennoch können sie infolge der Krämpfe auftreten. Ein Vitamin-D-Mangel sollte daher bei ALS ausgeglichen werden. Das könnte die Lebensqualität verbessern.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin D

Die tägliche Einnahmeempfehlung von Mikronährstoff-Experten für Vitamin D liegt zwischen 1.000 und 2.000 Internationalen Einheiten, wenn der Vitamin-D-Status im Blut unbekannt ist. Generell wird aber bei ALS empfohlen, den Vitamin-D-Spiegel messen zu lassen. Bei einem nachgewiesenen Mangel sind höhere Dosierungen nötig.

Da Vitamin D fettlöslich ist, sollte es mit einer vollwertigen Mahlzeit eingenommen werden. Das Fett aus dem Essen ist wichtig, damit Vitamin D gut im Darm aufgenommen wird.

Vitamin D im Labor bestimmen lassen

Generell raten Experten dazu, die Versorgung mit Vitamin D regelmäßig zu kontrollieren. Der Vitamin-D-Status wird in der Blutflüssigkeit (Blutserum) ermittelt. Dabei bestimmt das Labor die Transportform Calcidiol (25-OH-Vitamin D). Für einen bestmöglichen gesundheitlichen Nutzen sollte der Vitamin-D-Spiegel zwischen 40 und 60 Nanogramm pro Milliliter liegen.

Vitamin D: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Personen mit Nierenerkrankungen sollten Vitamin D nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen: Sie haben oft einen gestörten Mineralstoffhaushalt und manchmal zu hohe Calciumspiegel. Da Vitamin D die Calciumaufnahme im Darm fördert, können die Calciumspiegel im Blut zu stark ansteigen. Auch Personen mit calciumhaltigen Nierensteinen müssen aufpassen.

Bei der entzündlichen Bindegewebserkrankung Sarkoidose (Morbus Boeck) sollte Vitamin D nicht ohne ärztliche Kontrolle eingenommen werden: Auch Sarkoidose-Patienten haben häufig hohe Calciumspiegel im Blut.

Entwässerungsmedikamente (Diuretika) aus der Gruppe der Thiazide senken die Ausscheidung von Calcium über die Nieren – der Calciumspiegel im Blut ist erhöht. Werden Thiazide eingenommen, sollte bei der Ergänzung von Vitamin D der Calciumspiegel regelmäßig überprüft werden. Das gilt für die Wirkstoffe Hydrochlorothiazid (Esidrix®), Xipamid (Aquaphor®) und Indapamid (Natrilix®).

5-HTP verbessert möglicherweise die Muskelfunktion

Wirkweise von 5-HTP

Die Heilpflanze Griffonia (afrikanische Schwarzbohne) liefert 5-Hydroxytryptophan (5-HTP). Dies ist eine Vorstufe des Glückshormons Serotonin. 5-HTP erhöht den Serotoninspiegel im Blut, weshalb es möglicherweise ALS-Patienten helfen kann, die von einer Depression betroffen sind.

Doch nicht nur das: Die für die Bewegung zuständigen Nervenzellen besitzen viele Rezeptoren für Serotonin. Allerdings ist der Serotoninstoffwechsel bei ALS-Betroffenen beeinträchtigt. Der Körper kompensiert den Mangel mit einer hohen Freisetzung von Glutamat. Damit wird aber die Schädigung der Nervenzellen weiter gefördert – so die Vermutung von Wissenschaftlern. Hier könnte Serotonin ansetzen, um die Nervenzellen zu schützen.

Erste Tierversuche zeigen, dass 5-HTP als Vorstufe von Serotonin die Muskelfunktion verbessern und die Lebenszeit von Patienten mit ALS verlängern könnte. Studien am Menschen müssen nun belegen, ob 5-HTP bei ALS wirksam ist.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von 5-HTP

Bei ALS empfehlen Mikronährstoff-Experten versuchsweise die tägliche Einnahme von 150 bis 250 Milligramm 5-HTP. Die Einnahme von 5-HTP sollte stets unter ärztlicher Kontrolle und nicht dauerhaft erfolgen. Da nicht klar ist, ob der Wirkstoff zur Suchterscheinungen führen kann, sollte die Einnahme nicht länger als zwei Monate erfolgen. Es fehlen Langzeituntersuchungen.

Um die Verträglichkeit für den Magen zu erhöhen, ist die Einnahme zum Essen sinnvoll. Achten Sie dann jedoch darauf, dass die Mahlzeit eiweißarm ist – damit 5-HTP ausreichend ins Gehirn gelangen kann. Ein hoher Gehalt an Kohlenhydraten fördert die Aufnahme.

Tipp

5-HTP wird idealerweise in Kombination mit Vitamin B6 eingenommen. Vitamin B6 ist wichtig, damit aus 5-HTP Serotonin gebildet werden kann.

5-HTP: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte kein 5-HTP eingenommen werden: Es fehlen Untersuchungen, die eine Unbedenklichkeit belegen.

Personen mit schweren Leber- und Nierenerkrankungen sollten 5-HTP nicht einnehmen. Eine geschwächte Leber oder Niere können es möglicherweise nicht richtig abbauen oder ausscheiden. Auch Personen mit Magen-Darm-Erkrankungen sollten besser keine 5-HTP-Präparate einnehmen. Der Wirkstoff könnten chronische Entzündungen der Darmschleimhaut fördern.

5-HTP sollte nicht in Kombination mit Antidepressiva eingenommen werden, die in den Serotoninstoffwechsel eingreifen. Dazu gehören Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Fluoxetin (Fluxet®, Fluxetin-CT®) und Escitalopram (Cipralex®, Escitalex®), trizyklische Antidepressiva wie Clomipramin (Anafranil®) sowie tetrazyklische Antidepressiva wie Mirtazapin (Remergil®, Mirtagamma®). Auch auf die Einnahme von Tryptophan oder SAM (S-Adenosyl-Methionin) sollte verzichtet werden. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass dann ein Serotoninüberschuss (Serotoninsyndrom) droht.

Daneben gibt es Medikamente gegen Schmerzen, Migräne und Parkinson, die nicht gemeinsam mit 5-HTP genommen werden dürfen, da sie auch auf den Serotoninhaushalt wirken. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Kann N-Acetylcystein das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen?

Wirkweise von N-Acetylcystein

Aus N-Acetylcystein (NAC) bildet der Körper die Aminosäure Glutathion. Glutathion ist eines der wichtigsten körpereigenen Antioxidantien. Da oxidativer Stress vermutlich eine Rolle beim Fortschreiten von ALS spielt, könnte N-Acetylcystein hier ansetzen. Tierversuche zeigen, dass N-Acetylcystein die Funktion der Nervenzellen verbesserte.

Darüber hinaus ist N-Acetylcystein ein wirksamer Schleimlöser. Bei ALS kann es daher in der Begleittherapie eingesetzt werden, um zähen Schleim in den Atemwegen zu lösen. Dadurch kann der Schleim leichter abgehustet werden.

In Studien am Menschen konnte die Wirkung einer N-Acetylcystein-Einnahme bisher allerdings nicht eindeutig nachgewiesen werden. Forscher fanden durch eine Auswertung der Studiensituation und eine vorläufige Studie keine Besserung des Krankheitsverlaufs. Einzelnen älteren Fallberichten zufolge führte die regelmäßige Einnahme von N-Acetylcystein nach 12 bis 17 Monaten aber zu einem Erhalt der Griffkraft und einem langsameren Fortschreiten der Krankheit.

Theoretisch kann N-Acetylcystein bei ALS helfen – möglicherweise aber nur einigen der Betroffenen. Insgesamt ist die Ergänzung von N-Acetylcystein aber einen Versuch wert, da es gut verträglich ist.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von N-Acetylcystein

Mikronährstoff-Experten empfehlen zum Schutz der Nerven und Lösen des Schleims die Einnahme von 200 bis 400 Milligramm N-Acetylcystein pro Tag.

Die Einnahme von N-Acetylcystein sollte mit den Mahlzeiten erfolgen. Dadurch ist es besser verträglich für den Magen. Zudem wird die Verträglichkeit gesteigert, wenn N-Acetylcystein über den Tag verteilt eingenommen wird. Wichtig für eine gute Schleimlösung ist, dass viel Wasser getrunken wird (2 Liter pro Tag).

N-Acetylcystein: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Schwangere und Stillende sollten die Einnahme von N-Acetylcystein mit dem Arzt absprechen. Es liegen derzeit nur wenig Daten zur Sicherheit vor.

Asthmatiker sollten die Einnahme von N-Acetylcystein mit dem Arzt besprechen. Es kann in seltenen Fällen zu allergischen Reaktionen mit einer Verengung der Atemwege kommen. Eine Rücksprache mit dem Arzt gilt auch für Personen mit einem Geschwür im Magen oder Darm: N-Acetylcystein könnte Blutungen auslösen.

Personen mit einer Histaminintoleranz sollten besser auf die Einnahme von N-Acetylcystein verzichten. Der Stoff hemmt den Histaminabbau und könnte Beschwerden auslösen.

N-Acetylcystein sollte nicht mit Hustenstillern eingenommen werden, da sie den Hustenreflex bremsen. So würde die Gefahr eines Sekretstaus in den Atemwegen steigen. Betroffene Wirkstoffe sind zum Beispiel Codein (wie Tussoret®) und Dextromethorphan (Dextro Bolder®, Silomat®).

Da N-Acetylcystein bei zeitgleicher Einnahme mit Antibiotika ihre Wirkung verringern kann, sollte ein Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden eingehalten werden. Es handelt sich um Wirkstoffe wie Tetracyclin (Tetracyclin Wolff®) und Penicillin (Penicillin Sandoz®).

Arzneimittel mit Nitroglycerin (wie Corangin®, Nitrangin) stellen die Blutgefäße weit. Sie werden bei Herzerkrankungen eingesetzt. N-Acetylcystein kann die gefäßerweiternde Wirkung verstärken und sollte nur nach Absprache mit dem Arzt mit den Medikamenten kombiniert werden. Es kann eine Anpassung der Dosis nötig sein.

Coenzym Q10 für einen optimalen Energiehaushalt der Muskelzellen

Wirkweise von Coenzym Q10

Coenzym Q10 ist an der Energieproduktion in den Kraftwerken der Zellen (Mitochondrien) beteiligt. Besonders Nerven- und Muskelzellen brauchen viel Energie. ALS-Patienten zeigen oft defekte Mitochondrien (Mitochondriopathie). Es kommt zu Störungen im Energiehaushalt. Coenzym Q10 könnte dem entgegenwirken.

Darüber hinaus kann Coenzym Q10 die Nervenzellen vor oxidativem Stress schützen, denn es ist ein wichtiges Antioxidans. ALS-Betroffene haben oft höhere Werte für verbrauchtes (oxidiertes) Coenzym Q10. Das heißt, freie Radikale können nicht mehr ausreichend abgefangen werden.

Es gibt erste Vorstudien mit Coenzym Q10 bei ALS-Patienten. Eine Wirkung ist bisher allerdings nicht eindeutig bewiesen. Die Anwendung erwies sich aber als verträglich und sicher. Aufgrund seiner Wirkungen ist Coenzym Q10 daher Bestandteil der Mikronährstoffmedizin bei ALS.  

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Coenzym Q10

Zur unterstützenden Therapie raten Mikronährstoff-Experten dazu, 100 bis 300 Milligramm Coenzym Q10 pro Tag zu ergänzen. Vor allem die Form „Ubiquinol“ könnte sinnvoll sein, denn es ist die aktive (reduzierte) Form und kann direkt freie Radikale abfangen.

Da Coenzym Q10 fettlöslich ist, sollte es zum Essen eingenommen werden. Das Fett aus der Nahrung verbessert seine Aufnahme im Darm.

Coenzym Q10: zu beachten bei Medikamenteneinnahme

Coenzym Q10 kann die Wirkung bestimmter Blutgerinnungshemmer herabsetzen. Betroffen sind Vitamin-K-Antagonisten (Cumarin-Derivate) wie die Wirkstoffe Phenprocoumon (Marcumar®, Falithrom® und Marcuphen®) und Warfarin (Coumadin®). Da diese Wechselwirkung bereits bei geringen Dosierungen auftritt, sollte die Einnahme mit dem Arzt abgesprochen sein. Er kann die Blutgerinnungswerte (Quick- oder INR-Wert) kontrollieren.

Lindert Magnesium Muskelzucken und Krämpfe bei ALS?

Wirkweise von Magnesium

Magnesium ist wichtig für die Muskelfunktion. Fehlt es, können sich die Muskeln nicht entspannen und es kommt zu Muskelkrämpfen. Zudem scheint Magnesium (ähnlich wie das ALS-Medikament Riluzol) bestimmte Andockstellen im Gehirn zu blockieren, sodass der Botenstoff Glutamat weniger gut wirkt. Bei ALS liegt vermutlich eine Störung des Glutamat-Stoffwechsels vor. Ein Überschuss an Glutamat schädigt die Nervenzellen. Magnesium könnte also vor Muskelkrämpfen schützen und Einfluss auf das Voranschreiten der Erkrankung nehmen.

Beobachtungsstudien zeigen, dass viele Betroffene zu wenig Magnesium über die Ernährung aufnehmen. Allerdings ist ein Zusammenhang zwischen Magnesium und ALS nicht in jeder Untersuchung bestätigt worden. Forscher gehen davon aus, dass ein Magnesiummangel für bestimmte Menschen riskanter ist als für andere: Personen mit einer erblichen Vorbelastung oder häufigem Kontakt zu Schwermetallen könnten bei einem Magnesiummangel öfter ALS entwickeln.

Die Einnahme von Magnesium wurde in Studien bisher nicht untersucht. Ob Magnesium bei ALS vor Krämpfen schützt oder Krämpfe lindert, ist ebenfalls unklar. Da ein Magnesiummangel die Krämpfe bei ALS allerdings verschlimmern könnte, sollte unbedingt auf eine ausreichende Versorgung geachtet werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Magnesium

Mikronährstoff-Experten empfehlen bei Muskelkrämpfen 150 bis 300 Milligramm Magnesium pro Tag. Magnesium wird am besten vertragen, wenn es zum Essen eingenommen wird.

Tipp

Verbindungen, die im Darm schnell aufgenommen werden, sind organische Verbindungen. Dazu gehört zum Beispiel Magnesiumcitrat oder auch Magnesiumbisglycinat. Achten Sie daher auf organisches Magnesium, wenn es um eine schnellere Wirkung geht.

Magnesium im Labor bestimmen lassen

Bei ALS kann es sinnvoll sein, zu prüfen, ob ein Magnesiummangel vorliegt. Die Messung erfolgt optimalerweise im Vollblut, da Magnesium überwiegend in den roten Blutzellen vorkommt. Die Normalwerte betragen zwischen 1,38 und 1,50 Millimol pro Liter Vollblut.

Magnesium: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Personen mit einer Funktionsstörung der Niere sollten Magnesium nur nach Absprache mit dem Arzt ergänzen. Geschwächte Nieren scheiden Magnesium schlechter aus. Dadurch könnte es zu einer Überversorgung kommen.

Auf eine zeitgleiche Einnahme von Magnesium mit bestimmten Antibiotika sowie Osteoporose-Medikamenten (Bisphosphonate) sollte verzichtet werden. Der Grund ist: Magnesium kann sie unwirksam machen. Halten Sie daher einen Abstand von zwei Stunden ein. Dazu gehören:

  • Antibiotika: Gyrasehemmer wie Enoxacin (etwa Enoxor®) und Ofloxacin (etwa Floxal®); Tetrazykline wie Tetracyclin (etwa Supramycin®) und Doxycyclin (etwa Vibramycin®)
  • Bisphosphonate wie Alendronat (Fosamax®, Binosto®) oder Etidronat (zum Beispiel Etidronat Jenapharm®)

Helfen entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren bei ALS?

Wirkweise von Omega-3-Fettsäuren

Die Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) hemmt die Bildung bestimmter entzündlicher Botenstoffe, die bei ALS in den Nervenzellen verstärkt vorkommen. Gleichzeitig fördert EPA die Produktion antientzündlicher Botenstoffe. Da Entzündungen der Nervenzellen das Voranschreiten der Krankheit fördern, könnte die Ergänzung von Omega-3-Fettsäuren bei ALS helfen.

Bewiesen ist eine Wirkung bisher aber nicht, im Gegenteil: Einige Labor- und Tierstudien liefern negative Ergebnisse. Omega-3-Fettsäuren erhöhten den oxidativen Stress in den Nerven und standen mit einer Beschleunigung der ALS in Verbindung, wenn eine bestimmte Genmutation vorlag (SOD1). Allerdings wurde eine vergleichsweise hohe Dosierung von 300 Milligramm EPA pro Kilogramm eingesetzt. Bei einem Gewicht von 70 Kilogramm wären dies 21.000 Milligramm EPA pro Tag.

Beobachtungsstudien mit Menschen sprechen demgegenüber dafür, dass eine gute Versorgung mit „normalen“ Omega-3-Mengen vor ALS schützt – oder den Ausbruch der Krankheit verzögert. In zwei anderen Studien beobachteten Forscher auch weniger ALS-Fälle, wenn insbesondere viele mehrfach ungesättigte Fette verzehrt wurden.

Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass hochwertige Fette die Nervenfunktion bei ALS verbessern könnten, wenn das richtige Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren eingehalten wird. Vor allem die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure wirkt entzündungsfördernd. Sie kommt in Fleisch, Milchprodukten oder Eiern vor.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Omega-3-Fettsäuren

Hochwertige Omega-3-Fettsäuren sollten regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Eine gute Quelle für EPA ist Fisch. Alternativ kann die Ernährung bei ALS mit Omega-3-Präparaten ergänzt werden. Mit zum Beispiel 1.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag erreicht man eine gute Versorgung. Die Einnahme sollte mit dem Arzt abgesprochen werden, damit Omega-3-Fettsäuren bei ALS nicht überdosiert werden.

Omega-3-Fettsäuren sollten zum Essen eingenommen werden. Dadurch können sie gut vom Darm in den Körper transportiert werden.

Omega-3-Fettsäuren im Labor bestimmen lassen

Bei ALS kann es sinnvoll sein, die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren zu messen. Gut geeignet ist der Omega-3-Index. Dabei wird ihr Gehalt in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) gemessen. Die Menge der Omega-3-Fettsäuren wird mit Prozent angegeben und liegt idealerweise zwischen 8 und 11 Prozent.

Omega-3-Fettsäuren: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Omega-3-Fettsäuren sollten nicht eingenommen werden, wenn plötzlich eine Lebererkrankung auftritt. Gleiches gilt bei einer akuten Bauchspeicheldrüsen- oder Gallenblasenentzündung.

Omega-3-Fettsäuren haben eine blutverdünnende Wirkung. Bei einer Blutgerinnungsstörung sollte die Einnahme daher zuvor mit dem Arzt abgeklärt werden. Auch vor einer geplanten Operation sollte besprochen werden, ob das Omega-3-Präparat vorübergehend abgesetzt werden muss.

Ab einer Dosierung von 1.000 Milligramm können Omega-3-Fettsäuren die Wirkung von Blutgerinnungshemmern verstärken. Betroffene sind Cumarin-Derivate wie Phenprocoumon (Marcumar®), Acetylsalicylsäure (Aspirin®), Heparin (Clexane®) und Apixaban (Eliquis®). Eine Rücksprache mit dem Arzt wird empfohlen.

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung pro Tag bei ALS
 Vitamine
Vitamin Ebis 50 Milligramm (mg)
Vitamin C200 bis 400 Milligramm
Vitamin D1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten (IE)
  
 Mineralstoffe
Selen50 Mikrogramm (µg)
Magnesium150 bis 300 Milligramm
  
 Sonstige Stoffe
5-HTP

150 bis 300 Milligramm (in Rücksprache mit dem Arzt)

N-Acetylcystein200 bis 400 Milligramm
Coenzym Q10100 bis 300 Milligramm
Omega-3-Fettsäuren

1.000 Milligramm (in Rücksprache mit dem Arzt)

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei ALS
 Normalwerte
Selen (Vollblut)120 bis 150 Mikrogramm pro Liter (µg/l)
Vitamin D40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml)
Magnesium (Vollblut)1,38 bis 1,50 Millimol pro Liter (mmol/l)
Omega-3-Indexüber 8 Prozent (%)

 

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Unterstützung von Medikamenten mit Mikronährstoffen

Vitamin E könnte die Wirkung von Riluzol verbessern

Der Wirkstoff Riluzol (zum Beispiel Teglutik®, Rilutek®) ist das Basismedikament bei ALS. Möglicherweise kann Vitamin E die Behandlung unterstützen. Es liegen zwei hochwertige Studien vor – allerdings mit unterschiedlichen Ergebnissen:

  • In einer Studie verlangsamte sehr hoch dosiertes Vitamin E (5.000 Milligramm pro Tag) das Fortschreiten von ALS nicht, wenn es zusammen mit Riluzol eingenommen wurde.
  • In der anderen Studie wurden Überlebenszeit und Bewegungsfunktion durch täglich 1.000 Milligramm Vitamin E zwar nicht verbessert, die Erkrankung verlief aber milder und der oxidative Stress nahm ab.

Versuchsweise können 500 bis 1.000 Milligramm Vitamin E pro Tag im Rahmen einer Vitamin-E-Therapie ergänzt werden. Eine ärztliche Begleitung wird in jedem Fall empfohlen.

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung pro Tag bei Riluzol-Einnahme
Vitamin E500 bis 1.000 Milligramm (mg)

 

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Zusammenfassung

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine schwere Nervenerkrankung. Durch die Zerstörung von Nervenzellen kommt es zu Muskelkrämpfen und Lähmungen. Die Betroffenen werden in ihrer Mobilität und Eigenständigkeit zunehmend eingeschränkt. ALS kann bisher nicht geheilt werden. Die Behandlung kann das Leben aber verlängern. Ziel ist es, den Betroffenen so viel Lebensqualität wie möglich zu bewahren.

Die Mikronährstoffmedizin kann dabei helfen, oxidativen Stress zu senken. Oxidativer Stress steht im Verdacht, den Verlauf ungünstig zu beeinflussen. Experten empfehlen deshalb ein Präparat, das möglichst viele verschiedene Antioxidantien enthält wie Vitamin E, Vitamin C, Selen, N-Acetylcystein und Coenzym Q10.

Für eine gute Lebensqualität sollte einem Vitamin-D-Mangel in jedem Fall vorgebeugt werden. Vitamin D kann Depressionen abschwächen. Auch der Pflanzenstoff 5-HTP aus Griffonia hilft bei Depressionen: Er ist der Vorläufer des Botenstoffs Serotonin, der auch als Glückshormon bekannt ist. Zudem könnte Serotonin dazu beitragen, die Nervenzellen zu schützen.

Ein Magnesiummangel sollte bei ALS ebenfalls nicht vorliegen. Denn dadurch können Muskelkrämpfe verstärkt werden. Möglicherweise kann eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren vor ALS schützen. Dass auch die Behandlung damit unterstützt werden kann, ist aber nicht gesichert.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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