Alkoholabhängigkeit: Auswirkungen der Sucht eindämmen

Mit Vitaminen und Mineralstoffen einen Mangel und Folgeerkrankungen vermeiden

Bei Alkoholabhängigkeit nehmen viele Organe des Körpers Schaden, insbesondere die Leber und die Nerven. Zusätzlich mangelt es Alkoholikern an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen, sodass ein Mangel häufig ist. Dieser Mangel kann zu weiteren Folgeerkrankungen führen. Lesen Sie hier, wie Sie im Rahmen der Mikronährstoffmedizin gefährliche Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen vermeiden können.

Ursachen und Symptome

Alkoholabhängigkeit erkennen

Alkohol ist ein Zellgift, das den Körper schädigt. Der Leidensdruck alkoholkranker Menschen ist hoch, denn sie sind in einem Teufelskreis gefangen: Alkohol löst zwar körperliche Beschwerden aus, doch ein Verzicht auf Alkohol führt zu belastenden Entzugserscheinungen.

Wenn eine Person über eine längere Zeit regelmäßig größere Mengen Alkohol trinkt, kann eine Alkoholabhängigkeit vorliegen. Ein Konsum von täglich bis zu 24 Gramm Alkohol für Männer und 12 Gramm Alkohol für Frauen gilt als „normal“ oder „risikoarm“. Das entspricht zwei Gläsern Bier, Wein oder Sekt für Männer und jeweils einem Glas für Frauen.

Info

Achtung: Die Grenzwerte für risikoarmen Alkoholkonsum beziehen sich auf gesunde Erwachsene. Sie lassen keinen Rückschluss zu auf Alkoholabhängigkeit in der Schwangerschaft oder bei Jugendlichen.

Ein Mann sitzt mit leeren Flaschen in einem dunklen Raum
Alkoholmissbrauch führt zu vielen Problemen. Es schädigt die Leber und führt zu einer Unterversorgung von Mineralstoffen und Vitaminen.

Eine Alkoholabhängigkeit besteht laut Definition, wenn innerhalb eines Jahres mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt waren:

  • starkes Verlangen oder Zwang, Alkohol zu konsumieren
  • Kontrollverlust bezüglich Dauer und Alkoholmenge
  • körperliche Entzugserscheinungen
  • Toleranz gegenüber der Wirkung von Alkohol auf den Körper
  • Vernachlässigung anderer Interessen
  • weiterer Alkoholkonsum trotz körperlicher und/oder psychischer Schäden

Ursachen von Alkoholabhängigkeit

Die Ursache von Alkoholabhängigkeit ist nicht eindeutig geklärt. Mediziner gehen davon aus, dass ein Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren zur Alkoholkrankheit führt.

Psychische Belastungen wie Stress am Arbeitsplatz oder in der Familie können den Ausbruch einer Alkoholsucht fördern. Menschen mit Angst- oder Kontaktstörungen sind besonders gefährdet. Betroffene versuchen, Schwierigkeiten mit Alkohol zu bewältigen: Er wirkt entspannend und angstlösend. Somit hilft er kurzfristig im Umgang mit Problemen. Um diese Wirkung langfristig aufrechtzuerhalten, sind immer höhere Mengen notwendig, da sich der Körper zunehmend daran gewöhnt. Gleichzeitig steigen die Entzugssymptome, was es sehr schwierig macht, mit dem Alkoholkonsum aufzuhören.

Alkoholprobleme treten außerdem gehäuft in Familien auf. Das liegt laut Forschern daran, dass der Hang zum Alkoholabhängigkeit einerseits erblich veranlagt ist – aber auch sozial erlernt: Kinder können die Gewohnheiten der Eltern übernehmen.

Symptome und Folgen von Alkoholabhängigkeit

Vergleich einer gesunden Leber und einer an Leberzirrhose erkrankten Leber
Alkohol schädigt in hohen Mengen und auf Dauer die Leber, dadurch kommt es durch Entzündungen zu einer Vernarbung des Lebergewebes (Zirrhose). Bild: eranicle/iStock/Getty Images Plus

Alkoholiker leiden unter verschiedenen Symptomen wie Durchfall, Übelkeit und Appetitstörungen. Darüber hinaus kann es unter anderem zu starkem Schwitzen, Taubheitsgefühlen an Händen und Beinen, Entzündungen des Mund-Rachen-Raums und Zahnschäden kommen. Auch eine geringe Libido und Krampfanfälle sind möglich. Alkoholiker sind oft mangelversorgt und verlieren an Gewicht. Wenn Betroffene versuchen, auf Alkohol zu verzichten, treten Entzugserscheinungen auf. Anzeichen dafür sind Unruhe, Schlafstörungen, Kreislaufprobleme (Bluthochdruck) und Halluzinationen. Diese Beschwerden verschwinden abrupt, wenn dem Körper wieder Alkohol zugeführt wird. Die Bewältigung der Alkoholsucht ist daher sehr schwer.

Zudem können die Organe geschädigt werden: Alkohol kommt mit der Speiseröhre und dem Magen in Kontakt und führt dort zu Entzündungen der Schleimhäute. Alkohol wird in der Leber abgebaut. Bei Alkoholabhängigkeit leidet dieses Organ daher am meisten. Es kommt zu Entzündungen und im fortgeschrittenen Stadium zu einer vollständigen Vernarbung, der sogenannten Leberzirrhose.

Beim Abbau von Alkohol entstehen in der Leber giftige Substanzen (Azetaldehyd und Fettsäureethylester). Sie können auch viele andere Organe dauerhaft schädigen. Dadurch besteht die Gefahr, dass es zu weiteren schweren Folgeerkrankungen kommt, wie einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (mit Diabetes), Muskelschwund oder Herzerkrankungen sowie Bluthochdruck. Alkohol schädigt zudem die Nerven und führt zu Vergesslichkeit, geschwächter geistiger Leistungskraft, Nervenkrankheiten (Polyneuropathie) und Gehirnschäden (hepatische Enzephalopathie). Daneben kann Alkohol viele Krebsarten auslösen. In der Schwangerschaft schädigt Alkohol das ungeborene Kind.

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Ziele der Behandlung

Wie wird Alkoholabhängigkeit klassisch behandelt?

Bei einer bestehenden Abhängigkeit ist es das Ziel der Behandlung, die Betroffenen bei der Entwöhnung vom Alkohol zu unterstützen und die Entzugssymptome sowie die durch die Alkoholabhängigkeit entstanden Schäden einzudämmen.

Zu Beginn einer jeden Therapie steht die körperliche Entgiftung (Entzugstherapie). Der Alkoholkonsum kann dabei abrupt beendet werden, es sind aber auch schrittweise Dosierungsminderungen möglich. Die Entzugstherapie findet bestenfalls mit ärztlicher Begleitung statt. Medikamente mit dem Wirkstoff Clomethiazol können den Entzug erleichtern und Symptome wie Pulsanstieg, Bluthochdruck oder Angstgefühle lindern. Um einen Rückfall zu verhindern, kommen Medikamente mit dem Wirkstoffen Acamprosat  oder Naltrexon zum Einsatz. Sie mindern das Verlangen nach Alkohol. Zudem ist eine Psychotherapie empfehlenswert, um Betroffene zu stabilisieren und die Bewältigung der Entzugstherapie zu erleichtern.

In schweren Fällen kann es bei einer Entzugstherapie zu einem Alkoholentzugsdelir kommen, mit Krampfanfällen, Halluzinationen, Herz-Kreislauf-Beschwerden und Bewusstseinsstörungen. In diesen Fällen geben Ärzte krampflösende und beruhigend wirkende Medikamente, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Clomethiazol. Außerdem muss der Natrium-, Glucose- und Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen sowie bei niedrigem Spiegel Magnesium und Vitamin B1 zugeführt werden.

Ziele der Mikronährstoffmedizin

In der Mikronährstoffmedizin kommen Vitamine, Mineralstoffe und andere Stoffe zum Einsatz. Sie gleichen eine durch Alkoholabhängigkeit ausgelöste Mangelversorgung an Vitaminen und Mineralstoffen aus und können Folgeerkrankungen abmildern. Auch können einige Mikronährstoffe das Suchtverhalten regulieren und damit die Entzugstherapie unterstützen.

Zu den wichtigsten Mikronährstoffen gehören:

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Behandlung mit Mikronährstoffen

B-Vitamine: einen Mangel ausgleichen

Wirkweise von B-Vitaminen

Illustration von Nervenzellen
B-Vitamine werden für das Nervensystem benötigt, bei einem Mangel kommt es zu Nervenerkrankungen. Aus diesem Grund empfehlen Mikronährstoff-Mediziner ein Vitamin-Präparat mit allen B-Vitaminen zur Basisversorgung. Bild: K_E_N/iStock/Getty Images Plus

Die bei Alkoholabhängigkeit auftretenden Leberschäden gehen mit einer unzureichenden Versorgung an B-Vitaminen einher. B-Vitamine werden über die Leber verwertet und von hier aus in die anderen Organe transportiert. Ist die Leber durch Alkohol geschädigt, kann sie die B-Vitamine nicht mehr richtig verwerten. Alkoholkranke neigen zudem zu einer sehr einseitigen Ernährung, was den Mangel verstärkt – mit weitreichenden Folgen für den gesamten Körper:

Vitamin B1: Etwa die Hälfte der Alkoholkranken leidet unter einem Vitamin-B1-Mangel. Ein ausgeprägter Mangel kann zu einer Wernicke-Enzephalopathie führen, einer Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie ist durch Gangunsicherheit, Störungen des Sehens und psychischen Problemen wie Desorientierung und Psychosen gekennzeichnet.

Niacin (Vitamin B3): Auch ein Mangel an Niacin kommt im Rahmen von Alkoholabhängigkeit häufig vor. Folge ist die Mangelerkrankung Pellagra mit Symptomen wie Durchfall, Hauterkrankungen und Demenz.

Vitamin B6: Ein durch den Alkoholabbau entstehender Giftstoff stört die Aufnahme und Aktivierung von Vitamin B6 und fördert sogar seine Zerstörung. Gleichzeitig nehmen Alkoholiker nachweislich weniger Vitamin B6 aus der Nahrung zu sich, was den Mangel zusätzlich verstärkt. Da durch den Alkohol die Reizweiterleitung der Nerven beeinträchtigt wird, kommt es zu Empfindungsstörungen (Polyneuropathien). Vitamin B6 unterstützt die Erholung der geschädigten Nerven.

Vitamin B12: Auch Vitamin B12 steht dem Körper bei Alkoholabhängigkeit nicht ausreichend zur Verfügung. Eine Unterversorgung ist bereits bei mäßigem Alkoholkonsum möglich: Eine Vorstudie zeigt, dass der tägliche Konsum von bis zu 30 Gramm Alkohol – was in etwa zwei großen Gläsern Bier entspricht – die Vitamin-B12-Konzentration im Blutserum bereits um fünf Prozent verringert.

Folsäure: Ein Mangel an Folsäure kommt bei Alkoholabhängigkeit ebenfalls häufig vor: Bis zu 80 Prozent der chronischen Alkoholiker leiden darunter. Grund dafür ist, dass Folate aus der Nahrung im Darm und der Leber nicht richtig aufgenommen und nicht gespeichert werden können. Sie werden schnell wieder ausgeschieden.

Besonders ein kombinierter Mangel an Vitamin B12, Vitamin B6 und Folsäure führt zu Blutarmut (Anämie) und erhöhten Homocysteinwerten. Steigen die Homocysteinwerte, erhöht sich das Herzinfarktrisiko. Gleichzeitig schädigt Homocystein die Nervenzellen und löst Krampfanfälle aus. Es könnte außerdem die Sucht verschlechtern. Ein hoher Homocysteinspiegel verstärkt bei Alkoholkranken daher auch die Entzugserscheinungen.

Studien, in denen Alkoholkranke B-Vitamin-Präparate eingenommen hatten, zeigen einen Nutzen: Vitamin B1, B6 und B12 konnten in einer hochwertigen Studie Nervenschäden (Polyneuropathie) bei Alkoholikern lindern. Eine weitere hochwertige Studie zeigt außerdem, dass die Vitamin-B1-Vorstufe Benfotiamin bei betroffenen Männern Depressionen und Angst verringern kann. Vitamin B1 als Benfotiamin könnte zudem den Alkoholkonsum verringern. Eine erste hochwertige Studie gibt Hinweise darauf, dass 600 Milligramm Benfotiamin die Sucht und das Verlangen nach Alkohol eindämmt. Ob die anderen B-Vitamine Ähnliches bewirken, wurde in Studien bisher noch nicht bestätigt.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von B-Vitaminen

Bei Alkoholabhängigkeit ist es wichtig, die Basisversorgung an B-Vitaminen zu sichern: 2 bis 4 Milligramm Vitamin B1, 2 bis 3 Milligramm Vitamin B2, 13 bis 17 Milligramm Niacin, 2 bis 3 Milligramm Vitamin B6, 3 bis 6 Mikrogramm Vitamin B12 sowie 200 bis 400 Mikrogramm Folsäure täglich. Nehmen Sie B-Vitamin-Präparate am besten zu oder nach den Mahlzeiten.

Wenn bereits Folgeerkrankungen aufgetreten sind, sind in Rücksprache mit dem Arzt höhere Dosierungen nötig:

  • Pellagra: 300 Milligramm Niacin pro Tag als Nicotinamid
  • Vorbeugung von Enzephalopathie und bei Nervenschäden: 600 Milligramm Vitamin B1 pro Tag als Benfotiamin (auch als Infusion möglich)
  • erhöhte Homocysteinwerte: 1 bis 5 Milligramm Vitamin B2, 5 bis 15 Milligramm Vitamin B6, 500 Mikrogramm Vitamin B12 und 200 bis 500 Mikrogramm Folsäure pro Tag

Tipp

Hohe Dosen von Niacin als Nicotinsäure können zu einem sogenannten Flush mit Hautrötungen und Hitzegefühl führen. Nehmen Sie daher am besten Nicotinamid ein. Es wird langsamer ins Blut abgegeben und verursacht diese Nebenwirkungen nicht.

Homocysteinspiegel im Labor bestimmen lassen

Um die Versorgung mit B-Vitaminen zu untersuchen, eignet sich der Homocysteinwert. Herrscht ein Mangel an Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure, ist der Wert oft erhöht. Deshalb wird empfohlen, bei Alkoholabhängigkeit den Homocysteinwert kontrollieren zu lassen.

Der Homocysteinspiegel wird im Blutplasma bestimmt, in der Blutflüssigkeit ohne Blutzellen. Ein Wert zwischen 5 und 9 Mikromol Homocystein pro Liter gilt als normal.

B-Vitamine: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Nierenpatienten sollten Vitamin B12 nicht in Form von Cyanocobalamin, sondern als Methylcobalamin einsetzen. Hohe Dosen Cyanocobalamin sind für Nierenpatienten wahrscheinlich schädlich.

Vitamin B6 kann die Wirkung von Epilepsie-Medikamenten (Antiepileptika) mit Wirkstoffen wie Phenobarbital, Primidon, Clonazepam, Midazolam oder Valproinsäure schwächen. Wenn Sie diese Medikamente einnehmen, dürfen Sie Vitamin B6 nicht höher als 5 Milligramm pro Tag dosieren. Das Gleiche gilt für die Einnahme von Parkinson-Medikamenten mit dem Wirkstoff L-Dopa.

Vitamin D beugt Muskel- und Knochenschwäche vor

Wirkweise von Vitamin D

Personen, die regelmäßig hohe Mengen an Alkohol trinken, haben häufig niedrige Vitamin-D-Spiegel. Das gilt insbesondere für Alkoholkranke, bei denen die Leber bereits stark geschädigt ist. Vitamin D wird in der Leber in seine Transportform umgewandelt. Der Schweregrad der Leberschäden kann vermutlich durch die Einnahme von Vitamin D positiv beeinflusst werden, wie eine Vorstudie zeigt. 

Ein Mangel an Vitamin D hat oft schwerwiegende Folgen: Die im Rahmen von Alkoholabhängigkeit auftretende Muskelschwäche (Myopathie) wird möglicherweise auch durch eine Unterversorgung an Vitamin D mitverursacht. Auch die Knochen sind auf Vitamin D angewiesen, da es die Calciumaufnahme regelt. Deshalb sollte auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D geachtet werden.

Info

Nicht nur Muskeln und Knochen leiden unter dem Mangel an Vitamin D: Mit dem Vitamin-D-Spiegel verringert sich auch die Konzentration eines bestimmten Stoffes des Immunsystems (Cathelicidin). Dieser spielt eine wichtige Rolle in der Abwehr von Bakterien, wie eine Beobachtungsstudie zeigt. Das ist auch einer der Gründe, warum Alkoholiker zu schweren und wiederkehrenden Atemwegsinfekten neigen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin D

Ein Vitamin-D-Mangel sollte bei Alkoholabhängigkeit unbedingt ausgeglichen werden. Setzen Sie dazu täglich 1.000 bis 4.000 Internationale Einheiten Vitamin D ein. Die ideale Dosierung richtet sich nach den genauen Werten der Laboruntersuchung: Bei einem starken Mangel sind höhere Dosierungen nötig. Kennen Sie Ihren Vitamin-D-Spiegel nicht, sind 1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten geeignet.

Info

Bei einer alkoholgeschädigten Leber und kranken Nieren kann Vitamin D aus frei verkäuflichen Präparaten vom Körper schlechter verstoffwechselt und aktiviert werden. Dann muss der Arzt eventuell die aktive Form von Vitamin D (Calcitriol) verschreiben. Sie ist nicht ohne Rezept erhältlich.

Vitamin D gehört zu den fettlöslichen Vitaminen. Nehmen Sie es daher am besten zu einer Mahlzeit ein – das steigert seine Aufnahme im Darm. Gute Vitamin-D-Präparate enthalten auch Vitamin K2: Es sorgt dafür, dass Vitamin D optimal wirkt.

Vitamin-D-Spiegel im Labor bestimmen lassen

Ein Vitamin-D-Bluttest
Um einen Vitamin-D-Mangel zu erkennen, wird ein Bluttest empfohlen, um die ideale Dosierung zu ermitteln. Bild: jarun011/iStock/Getty Images Plus

Der Vitamin-D-Spiegel sollte regelmäßig überprüft werden – zum Beispiel zweimal im Jahr. Ob ein Mangel besteht, lässt sich im Labor herausfinden. Hier wird der Spiegel der Vitamin-D-Transportform 25(OH)-Vitamin D (Calcidiol) im Blutserum bestimmt. Ein Wert zwischen 40 und 60 Nanogramm pro Milliliter gilt als ideal.

Vitamin D: zu beachten bei Medikamenteneinnahme und Erkrankungen

Wenn Sie Vitamin D gleichzeitig mit Entwässerungsmedikamenten einnehmen, die Wirkstoffe wie Hydrochlorothiazid, Indapamid oder Xipamid enthalten, müssen Sie Ihren Calciumspiegel regelmäßig überwachen lassen. Vitamin D erhöht den Calciumspiegel im Blut, Entwässerungsmedikamente senken die Calciumausscheidung über die Nieren. So besteht die Gefahr, dass der Calciumspiegel im Blut zu stark ansteigt.

Personen mit der entzündlichen Bindegewebserkrankung Sarkoidose (Morbus Boeck) haben oft erhöhte Calciumspiegel und sollten daher besser auf Vitamin-D-Präparate verzichten.

Antioxidative Vitamine gegen Zellzerstörung

Wirkweise von Antioxidantien

Antioxidantien wie die Vitamine A, C und E schützen die Zellen im Körper. Bei Alkoholikern kommt es durch eine einseitige Ernährung häufig zu einem Mangel hinsichtlich dieser Vitamine. Außerdem stört Alkohol die Fettaufnahme, weshalb es zu einer gehemmten Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A und E kommen kann. Besonders hoch ist das Mangelrisiko bei Personen, deren Leber durch die Alkoholabhängigkeit bereits geschädigt ist. Die Leber verstoffwechselt und speichert Vitamine.

Zum Beispiel kann ein Mangel an Vitamin A zu Augenproblemen und Nachtblindheit führen. Ein Vitamin-C-Mangel zeichnet sich dagegen durch erhöhte Infektanfälligkeit, Blutungen in der Haut, Zahnverlust, Wundheilungsstörungen sowie Müdigkeit und Erschöpfungszustände aus. Ergebnisse aus Fallberichten zeigen, dass die Einnahme von Vitamin C Müdigkeit ausgleichen kann. Auch weitere Studien belegen den Nutzen von Vitaminpräparaten bei Alkoholkranken: Eine hochwertige Studie zeigt, dass Antioxidantien-Präparate den Nährstoffhaushalt von Alkoholkranken verbessern können. Das getestete Präparat enthielt 6 Milligramm Beta-Carotin, 120 Milligramm Vitamin C, 30 Milligramm Vitamin E, 20 Milligramm Zink und 100 Mikrogramm Selen.

Alkohol behindert zudem die Leberregeneration und führt zu einer hohen Belastung mit freien Radikalen (Oxidantien). Antioxidantien machen freie Radikale unschädlich und unterstützen die Leberregeneration; das zeigen Tierversuche: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Vitamin-A-Vorstufe Beta-Carotin in geringer Dosierung vor Leberschäden schützen könnte. Auch erste Vorstudien mit Alkoholkranken geben Hinweise darauf, dass Vitamin E die Leber schützen könnte. In einer kleinen hochwertigen Studie zeigt sich im Vergleich mit einem Scheinmedikament jedoch keine Besserung der Leberfunktion. Ein Mangel an Antioxidantien sollte aber in jedem Fall vermieden werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Antioxidantien

Bei Alkoholabhängigkeit empfehlen Mikronährstoff-Mediziner, eine gute Versorgung mit Antioxidantien sicherzustellen. Dabei empfehlen sie oft eine breite Mischung verschiedener Antioxidantien, mit zum Beispiel täglich 6 Milligramm Beta-Carotin, 200 bis 500 Milligramm Vitamin C sowie 30 Milligramm Vitamin E.

Achten Sie darauf, Beta-Carotin und Vitamin E zu einer Mahlzeit einzunehmen. Sie brauchen Fett aus der Nahrung, damit der Körper sie optimal aufnehmen kann. Die Einnahme von Vitamin C zu den Mahlzeiten verbessert die Verträglichkeit.

Antioxidantien-Status im Labor bestimmen lassen

Lebensmittel die viele Antioxidantien beinhalten
Betroffene ernähren sich sehr einseitig. Durch die Schädigung der Leber werden Nährstoffe schlechter verstoffwechselt oder gespeichert, die Folge ist ein Mangel an an antioxidativen Vitaminen und Mineralstoffen. Bild: bit245/iStock/Getty Images Plus

Es kann sinnvoll sein, den antioxidativen Status zu kontrollieren. Er zeigt an, ob das Verhältnis zwischen zellschädigenden freien Radikalen und Antioxidantien im Körper ausgeglichen ist. Es gibt unterschiedliche Methoden, den antioxidativen Status zu bestimmen. Da jedes Labor eigene Methoden und Einheiten verwendet, gelten die Angaben des jeweiligen Labors.

Zink und Selen: Zellen schützen und Wundheilung fördern

Wirkweise von Zink und Selen

Personen, bei denen durch Alkoholabhängigkeit die Leber stark geschädigt ist, haben oft zu wenig Zink im Körper, weil sie es schlechter aufnehmen und vermutlich verstärkt ausscheiden. Ein Zinkmangel führt zu Beschwerden wie Hautreizungen, Nachtblindheit, zu gestörten Geruchs- und Geschmackswahrnehmungen, einem gestörtem Immunsystem bis hin zu Beeinträchtigungen des Nervensystems.

Ergebnisse einer Beobachtungsstudie zeigen, dass bei Alkoholkranken auch der Selenspiegel niedriger ist als bei gesunden Menschen. Besonders deutlich fällt dies bei Alkoholkranken mit Leberschäden ins Gewicht. Selen ist wichtig für den Schutz der Zellen und ein funktionierendes Immunsystem. Ein Mangel könnte die Leberschäden verschlimmern.

Bei Patienten mit Leberzirrhose verbesserte die Einnahme von Zink die Leberleistung sowie den Ernährungszustand. Das zeigt eine kleine Vorstudie. Um die optimalen und allgemeingültigen Dosierungen und die Dauer der Zink- und Seleneinnahme festzulegen, sind weitere Studien notwendig. Bei der Einnahme von Selen sollten deshalb begleitend die Blutwerte kontrolliert werden, um die Dosierung an die Blutwerte anzupassen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Zink und Selen

Um einem Mangel vorzubeugen, empfehlen Mikronährstoff-Mediziner, bei Alkoholabhängigkeit täglich 10 bis 15 Milligramm Zink sowie bis zu 100 Mikrogramm Selen einzunehmen. Die Dosierungsangabe für Selen ist allerdings nur ein grober Richtwert. Idealerweise richtet sich die Dosis nach dem individuellen Selenspiegel im Blut.

Achten Sie darauf, Zink in Form von Zinkcitrat einzunehmen. Das ist eine organische Verbindung, die der Körper sehr gut verwerten kann. Wenn Sie zusätzlich Vitamin-C-Präparate bekommen, dürfen Sie diese nicht gleichzeitig mit Selen in Form von Natriumselenit einnehmen, da Vitamin C die Aufnahme von Natriumselenit behindert. Auf Nummer sicher gehen Sie, wenn Sie auf Präparate setzen, die Selen in Form von Natriumselenat enthalten.

Selenspiegel im Labor bestimmen lassen

Bei der zusätzlichen Einnahme von Selen wird empfohlen, die Selenspiegel im Blut kontrollieren zu lassen. Bei einem Mangel kann eine höhere Dosierung nötig sein. Genauso kann es auch zu einer Überdosierung kommen, wenn Selen lange in hohen Mengen eingenommen wird.

Der Selenspiegel sollte idealerweise im Vollblut bestimmt werden. Normale Werte liegen zwischen 120 und 150 Mikrogramm pro Liter.

Zink und Selen: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Kranke Nieren können Zink und Selen nicht richtig ausscheiden – es besteht die Gefahr eines Überschusses. Personen mit Nierenschwäche sollten Zink und Selen nicht einnehmen oder nur dann, wenn die Blutspiegel kontrolliert werden.

Zink bindet Antibiotika mit Wirkstoffen wie Ciprofloxacin oder Tetracyclin sowie Osteoporose-Medikamente (sogenannte Biphosphonate) mit Wirkstoffen wie Alendronat oder Clodronat. Wenn Sie diese Medikamente einnehmen, dürfen Sie Zinkpräparate nur zeitversetzt mit einem Abstand von mindestens zwei Stunden einnehmen.

Magnesium verbessert die Funktion der Leberzellen

Wirkweise von Magnesium

Langfristige Alkoholabhängigkeit führt in vielen Fällen zu einem Mangel an Magnesium. Dieser ist auf eine unzureichende Zufuhr sowie eine erhöhte Ausscheidung zurückzuführen. Durch Durchfälle und Magen-Darm-Blutungen, die bei Alkoholabhängigkeit häufig auftreten, verliert der Körper zusätzlich Magnesium. Ein Magnesiummangel verschlimmerte in Tierversuchen den Leberschaden.

Daneben kann ein Magnesiummangel eine Depression verstärken. Depressionen treten häufig bei Alkoholkranken und während des Entzuges auf. Es gibt Hinweise darauf, dass die gezielte Einnahme von Magnesium depressive Symptome abschwächen könnte.

Magnesium wird unter anderem für eine gesunde Funktion der Muskeln, Zellen und Nerven gebraucht. Zwei hochwertige Studien zeigen, dass die Einnahme von Magnesiumpräpararaten bei Alkoholikern den Magnesiumhaushalt und die Muskelkraft verbessern sowie Zellschädigungen bremsen kann. Dadurch steigen die Überlebenschancen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Magnesium

Bei Alkoholabhängigkeit wird empfohlen, täglich 300 bis 400 Milligramm Magnesium einzunehmen.

Wenn mehr als 250 Milligramm eingenommen werden, sollte die Menge auf mehrere Portionen aufgeteilt werden. Ab 250 Milligramm kann es nämlich bei einem empfindlichen Darm zu harmlosem Durchfall kommen. Wenn Dosierungen über 250 Milligramm dauerhaft eingesetzt werden, sollte ein Arzt die Blutwerte überwachen.

Tipp

Übermäßiger Alkoholkonsum führt leicht dazu, dass der Körper übersäuert. Achten Sie daher darauf, Präparate einzusetzen, die Magnesium in basischen Verbindungen enthalten, zum Beispiel als Magnesiumcitrat. Das schützt den Körper vor einer Übersäuerung.

Magnesiumspiegel im Labor bestimmen lassen

Besonders bei Dosierungen über 250 Milligramm Magnesium pro Tag wird empfohlen, den Magnesiumspiegel im Blut zu kontrollieren. Magnesium sollte idealerweise im Vollblut bestimmt werden, da diese Untersuchung am aussagekräftigsten ist. Vollblut enthält im Gegensatz zum Blutserum alle roten Blutzellen, in denen Magnesium hauptsächlich vorkommt. Normale Werte sollten zwischen 1,38 und 1,50 Millimol Magnesium pro Liter Blut liegen.

Magnesium: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Geschwächte Nieren scheiden Magnesium nicht richtig aus. Um einen Überschuss zu vermeiden, sollten Personen mit Nierenschwäche keine hoch dosierten Magnesiumpräparate einnehmen.

Vorsicht geboten ist auch bei gleichzeitiger Einnahme von bestimmten Antibiotika sowie Osteoporose-Medikamenten. Magnesium bindet diese Medikamente und beeinträchtig ihre Wirkung. Halten Sie daher einen Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden ein. Betroffen sind:

  • Gyrasehemmer: Ciprofloxacin, Enoxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin und Ofloxacin
  • Tetrazykline: Tetracyclin, Doxycyclin und Minocyclin
  • Bisphosphonate: Alendronat, Clodronat, Etidronat, Ibandronat, Pamidronat, Risedronat und Tiludronat

Probiotika unterstützen den Darm

Wirkweise von Probiotika

Alkohol beeinträchtigt viele Organe – auch den Darm. Hier stört er das natürliche Darmmilieu, indem zum Beispiel „gute“ Darmbakterien verdrängt werden und krankmachende Bakterien freie Bahn haben. Krankmachende Bakterien produzieren Giftstoffe wie Ammoniak, die die Darmwand schädigen und sie durchlässig machen. Die dadurch steigenden Ammoniakspiegel im Blut können das Gehirn zusätzlich zum Alkohol schädigen.

Info

Ein Problem bei Alkoholabhängigkeit ist die hepatische Enzephalopathie. Dies ist eine Schädigung des Gehirns, die durch die Leber bedingt wird. Die Leber ist unser „Entgiftungsorgan“ und baut zum Beispiel schädliches Ammoniak ab. Wird die Leber zunehmend durch Alkohol geschädigt, funktioniert die Entgiftung nicht mehr. Ammoniak reichert sich im Blut an und schädigt zum Beispiel das Gehirn. So kommt es zu einer hepatischen Enzephalopathie.

Probiotika enthalten probiotische („gute“) Bakterienstämme, die das Darmmilieu positiv beeinflussen und die Darmwand abdichten. Probiotika säuern den Darm an. Das hemmt das Wachstum der Giftstoff-produzierenden Bakterien. Vorstudien zeigen, dass Probiotika alleine sowie in Kombination mit Präbiotika (Ballaststoffen) die Darmflora verbessern, den Ammoniakgehalt im Blut senken und die Leber schonen können.

Der positive Einfluss von Probiotika ist bisher nur an Menschen mit Leberzirrhose belegt, bei denen die Leberzirrhose auch andere Ursachen als eine Alkoholabhängigkeit haben kann. Weitere hochwertige Studien werden zeigen, wie gut Probiotika speziell bei Alkoholabhängigkeit geeignet sind. Aufgrund der geringen Nebenwirkungen der Probiotika kann eine Unterstützung des Darms jedoch in jedem Fall vorteilhaft sein.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Probiotika

Probiotikapräparate in Kapselform
Probiotika als Kapseln oder Pulver können den Darm unterstützen. Sorgen Sie für das richtige Bakteriengleichgewicht im Darm, um die Bildung von Giftstoffen, die die Leber zusätzlich belasten, zu verrringern. Bildnachweis: RomarioIen/iStock/Getty Images Plus

Bei Alkoholabhängigkeit wird empfohlen, täglich Probiotika-Mischungen mit 1 bis 20 Milliarden (1 x 109 bis 20 x 109) koloniebildender Einheiten einzunehmen. Die Präparate sollten insbesondere Laktobazillen und Bifidobakterien enthalten. Damit eine Wirkung eintritt, müssen Probiotika regelmäßig eingenommen werden. Setzen Sie die Präparate ab, verschwinden die probiotischen Bakterien wieder aus dem Darm.

Achten Sie auf Präparate, in denen Probiotika mit Präbiotika wie resistente Dextrine kombiniert werden. Präbiotika sind Ballaststoffe, die den probiotischen Bakterien als Nahrung dienen. Sie unterstützen damit die Wirkung.

Probiotika: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Für Menschen, die ein stark geschwächtes Immunsystem haben, können Probiotika gefährlich werden. Daher sollten schwerkranke, frisch operierte oder sehr alte Personen sowie Menschen, deren Immunsystem etwa im Rahmen einer Chemotherapie herabgesetzt ist, nur in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt Probiotika einnehmen.

Acetyl-L-Carnitin vermindert das Verlangen nach Alkohol

Wirkweise von Acetyl-L-Carnitin

Carnitin spielt eine wichtige Rolle für die Stoffwechselprozesse in den Körperzellen. Es transportiert Fettsäuren zur Energieproduktion in die Zellkraftwerke (Mitochondrien). Außerdem ist es wichtig für die gesunde Funktion des zentralen Nervensystems. Bei Alkoholikern sind die Carnitinspiegel häufig erniedrigt. Aus Alkohol entstehen Giftstoffe (sogenannte Fettsäureethylester), die für die alkoholbedingten Schäden an den Organen mitverantwortlich sind. Die Carnitinverbindung Acetyl-L-Carnitin senkt den Spiegel an diesen Giftstoffen im Blut und kann die durch die Alkoholabhängigkeit verursachten Stoffwechselprobleme in den Zellen verringern.

In einer hochwertigen kleinen Studie blieben Alkoholkranke, die bereits einen Entgiftung gemacht hatten, durch die Einnahme von Acetyl-L-Carnitin länger trocken und das Verlangen nach Alkohol nahm ab. Nach 90 Tagen jedoch war das Suchtverhalten sowohl mit als auch ohne Acetyl-L-Carnitin gleich stark. Außerdem zeigte sich durch Acetyl-L-Carnitin weniger Empfindungslosigkeit bei den Untersuchten. Dieser Zustand wird in der Medizin Anhedonie genannt. Darunter versteht man die Unfähigkeit, Lust oder Freude zu fühlen. Bereits nach zehn Tagen wurde der Effekt deutlich, eine längere Behandlung brachte keine weitere Steigerung. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Acetyl-L-Carnitin kurzzeitig helfen kann, das Verlangen nach Alkohol zu vermindern und die Gefühlslage zu verbessern.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Acetyl-L-Carnitin

Bei Alkoholabhängigkeit empfehlen Mikronährstoff-Experten, täglich 1.000 bis 2.000 Milligramm Acetyl-L-Carnitin einzunehmen. Nehmen Sie die Präparate möglichst morgens ein, da Acetyl-L-Carnitin stimulierend wirkt und – abends eingenommen – den Schlaf erschweren kann. Sinnvoll ist außerdem die Einnahme zur Mahlzeit. Das verbessert die Verträglichkeit.

Acetyl-L-Carnitin: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Carnitin kann bei Diabetikern die Zuckerwerte verbessern. Wird Carnitin gleichzeitig mit blutzuckersenkenden Medikamenten eingenommen, besteht die Gefahr einer Unterzuckerung. Hierzu zählen unter anderem Metformin und Sulfonylharnstoffe wie Glibenclamid. Eventuell muss die Dosierung der Medikamente angepasst werden. Eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels und eine Absprache mit dem Arzt sind empfehlenswert.

Menschen mit Funktionsstörungen der Nieren (chronische Niereninsuffizienz) sollten die Einnahme von hoch dosierten Carnitinpräparaten (über 1.000 Milligramm) mit dem Arzt absprechen. Zwar zeigen betroffene Patienten häufig einen Mangel an Carnitin, die Langzeiteinnahme wurde bei Nierenpatienten allerdings noch nicht ausreichend untersucht. Bei Krebserkrankungen sollte die Einnahme ebenfalls mit dem Arzt abgesprochen werden.

Carnitin kann in sehr seltenen Fällen die Wirkung von Blutgerinnungshemmern vom Cumarin-Typ (Vitamin-K-Antagonisten) verstärken. Zu diesen Medikamenten zählen Ethylbiscoumacetat, Phenprocoumon und Warfarin. Die Einnahme von Carnitin sollte deshalb bei Einnahme dieser Medikamente mit dem Arzt abgesprochen werden. Der Arzt kann den Gerinnungsfaktor (INR-Wert) kontrollieren.

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung pro Tag bei Alkoholabhängigkeit

 

Vitamine

Vitamin B1

zur Basisversorgung

bei Nervenschäden

 

2 bis 4 Milligramm (mg)

600 Milligramm

Vitamin B2

2 bis 3 Milligramm

Niacin

zur Basisversorgung

bei Pellagra

Vitamin B6

zur Basisversorgung

 

13 bis 17 Milligramm

300 Milligramm

 

2 bis 3 Milligramm

Vitamin B12

3 bis 6 Mikrogramm (µg)

Folsäure

200 bis 400 Mikrogramm

Beta-Carotin (Vitamin-A-Vorstufe)

6 Milligramm

Vitamin C

200 bis 500 Milligramm

Vitamin D

1.000 bis 4.000 Internationale Einheiten (IE)

Vitamin E

30 Milligramm

  
 

Mineralstoffe

Zink

10 bis 15 Milligramm

Selen

bis zu 100 Mikrogramm

Magnesium

300 bis 400 Milligramm

  
 

Sonstige Stoffe

Probiotika

1 bis 20 Milliarden (1 x 109 bis 20 x 109)koloniebildende Einheiten (KBE)

Acetyl-L-Carnitin

1.000 bis 2.000 Milligramm

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Alkoholabhängigkeit

 

Normalwerte

Homocystein (Blutplasma)

5 und 9 Mikromol pro Liter (µmol/l)

Vitamin D (Blutserum)

40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml)

Antioxidantien-Status

Werte sind abhängig vom Labor und der verwendeten Methode

Selen (Vollblut)

120 bis 150 Mikrogramm pro Liter (µg/l)

Magnesium (Vollblut)

1,38 bis 1,50 Millimol pro Liter (mmol/l)

 

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Zusammenfassung

Von Alkoholabhängigkeit spricht man, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig größere Mengen Alkohol getrunken werden. Starker Alkoholkonsum schädigt viele Organe im Körper, insbesondere die Leber. Aber auch Folgeerkrankungen wie Nervenkrankheiten, Gehirnschäden (Enzephalopathien) oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten durch den übermäßigen Alkoholkonsum auf. Ebenfalls ist bei Alkoholikern ein Nährstoffmangel sehr häufig.

In der Mikronährstoffmedizin kommen Vitamine und Mineralstoffe zum Einsatz, die bei hohem Alkoholkonsum schlechter aufgenommen werden. Damit wird ein Mangel vermieden und das Risiko für Folgeerkrankungen kann gesenkt werden. Besonders B-Vitamine sind wichtig für den Schutz und die Gesundheit von Nerven und Gehirn. Vitamin D könnte den Schweregrad der Leberschäden mindern und vor Muskel- und Knochenschwäche bei Alkoholsucht schützen.

Antioxidantien wie die Vitamine A, C, E und Selen verhindern die Zerstörung der Zellen und können möglicherweise Schädigungen der Leber mindern. Zink schützt die Nervenfunktion, stärkt das Immunsystem und könnte den Ernährungszustand verbessern. Magnesium verbessert möglicherweise das Überleben, stärkt die Muskeln und könnte Depressionen nach einem Alkoholentzug mildern. Probiotika hemmen dagegen Giftstoff-produzierende Bakterien im Darm und können bei Leberzirrhose einen Beitrag zum Schutz des Gehirns leisten. Außerdem könnten Acetyl-L-Carnitin und Benfotiamin das Verlangen nach Alkohol bei dem Entzug vermindern.

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