Mitochondriopathien mit Mikronährstoffen behandeln

Bestimmte Vitamine, Mineralstoffe und andere Nährstoffe stärken und schützen die Mitochondrien

Die Energie des Körpers wird in den Zellkraftwerken produziert, den Mitochondrien. Wenn sie nicht richtig funktionieren spricht man von einer Mitochondriopathie. Das Krankheitsbild ist sehr uneinheitlich und es können mehrere Organe betroffen sein. Die Symptome reichen von Müdigkeit über Herzschwäche bis hin zu epileptischen Anfällen. Lesen Sie hier, wie Sie mit Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren und pflanzlichen Wirkstoffen die Beschwerden der Mitochondriopathie behandeln und Folgeerkrankungen vorbeugen.

Abbildung einer Mitochondrie
Die Energie des Körpers wird in den Zellkraftwerken produziert, den Mitochondrien. Wenn sie nicht richtig funktionieren, spricht man von einer Mitochondriopathie. Bildnachweise: wir0man/iStock/Getty Images Plu / corbac40/iStock/Getty Images Plus

Ursachen und Symptome

Arten und Ursachen von Mitochondriopathien

Nur gesunde Mitochondrien liefern Energie: Mitochondrien sind die Kraftwerke unserer Zellen und für die Energieproduktion verantwortlich. Werden Teile der Mitochondrien geschädigt und funktionieren dadurch nicht mehr einwandfrei, kommt es zu einem Energiemangel und zu einer abnormen Ansammlung von Stoffwechselzwischenprodukten. Die Zellen und Organe können dann ihre Funktion nicht mehr korrekt ausführen. Besonders betroffen sind Gewebe mit hohem Energieverbrauch wie Herz und Nerven. Diese krankhaften Veränderungen nennen Mediziner Mitochondriopathien oder mitochondriale Erkrankungen.

Info

Energiegewinnung in den Mitochondrien: Zucker, Fette und Aminosäuren werden zunächst zu kleinen Bausteinen abgebaut. Die Prozesse nennt man zum Beispiel Glycolyse oder Beta-Oxidation und Citratzyklus. Aus den entstandenen Produkten gewinnen schließlich die Mitochondrien viel Energie: Den entscheidenden Prozess nennt man Atmungskette. Sie findet in den Membranen der Mitochondrien statt. Dabei wird unter Verbrauch von Sauerstoff die universelle Energiewährung des Körpers hergestellt, das ATP (Adenosintriphosphat). Diese ist die Grundlage für alle energieverbrauchenden Lebensvorgänge, zum Beispiel für den Stoffwechsel, Denken und alle Muskelbewegungen.

Man unterscheidet zwischen vererbten und erworbenen Mitochondriopathien:

Bei vererbten (primären) Mitochondriopathien ist die Erbsubstanz (DNA) geschädigt oder verändert, sodass wichtige Enzyme der Mitochondrien nicht richtig gebildet werden. Diese Gendefekte werden von den Eltern an die Nachkommen weitergegeben. Daher werden primäre Mitochondriopathien meist früh in der Kindheit sichtbar.

Erworbene (sekundäre) Mitochondriopathien werden im Laufe des Lebens durch zellschädigende Stoffe hervorgerufen. Sie werden mit zunehmendem Alter und andauernder Belastung der Stoffe immer häufiger. Auslöser dafür können sein:

  • Medikamente
  • Schwermetall- und Chemikalienbelastung, Rauchen
  • schwere Erkrankungen, chronische Entzündungen und Infektionen
  • Sauerstoffmangel (zum Beispiel bei Störungen der Durchblutung)
  • Belastungen des Körpers durch körperlichen oder seelischen Stress (Burn-out, Stress)
  • fehlende Mikronährstoffe und Mangelernährung
  • Störungen im Zuckerstoffwechsel und Übergewicht

Mitochondrien-schädigende Medikamente sind zum Beispiel:

  • Antibiotika wie Tetracyclin (zum Beispiel Tefilin® oder Imex®), Doxorubicin (zum Beispiel Adriblastin®) und Epirubicin (zum Beispiel Farmorubicin®)
  • Medikamente gegen Diabetes wie Metformin (zum Beispiel Diabesin®, Mediabet® und Glucophage®)
  • Antiepileptika wie Valproinsäure (zum Beispiel Convulex®, Leptilan®, Orfiril®)
  • Schmerzmittel wie Paracetamol (zum Beispiel Paracetamol-ratiopharm®, Paracetamol STADA®, Paracetamol Sandoz®) oder Ibuprofen (zum Beispiel Dolormin®, Neuralgin®)
  • Statine gegen hohe Cholesterinwerte wie Simvastatin (zum Beispiel Zocor®)
  • Medikamente gegen Krebs wie Cisplatin (zum Beispiel Cisplatin Teva®, Cis-GRY®)

Durch solche Auslöser entstehen im Körper chemisch sehr reaktive Verbindungen, die andere Moleküle zerstören können. Man unterscheitet dabei:

  • oxidativen Stress (Überproduktion von reaktiven Sauerstoff-Verbindungen und Mangel an Antioxidantien)
  • nitrosativen Stress (Überproduktion von reaktiven Stickstoff-Verbindungen und Mangel an Antioxidantien)

Symptome und Folgeerkrankungen von Mitochondriopathien

Silhouette eines Körpers
Das Krankheitsbild der Mitochondriopathie ist nicht einheitlich, sondern zeichnet sich durch unterschiedliche Symptome aus. Bild: chombosan /iStock/Getty Images Plus

Das Krankheitsbild der Mitochondriopathie ist nicht einheitlich, sondern zeichnet sich durch unterschiedliche Symptome aus. In der Regel sind mehrere Organe und Gewebe betroffen, vor allem diejenigen, die einen hohen Energiebedarf haben. Dazu zählen alle Muskeln (die Skelett- und Herzmuskulatur), das zentrale Nervensystem, die Netzhaut des Auges, die Leber und die Nieren.

Einige Betroffene haben nur leichte Beschwerden wie Muskelschwäche bei körperlicher Anstrengung, andere leiden an schweren Nervenschäden. Zunehmend wächst die Erkenntnis, dass Mitochondriopathien an der Entstehung zahlreicher Erkrankungen beteiligt sein könnten. Organabhängige Symptome und vermutete Folgen sind zum Beispiel:

Organ

Symptom

Vermutete Folgeerkrankungen

Herz

Herzflattern, Luftnot, Schwäche

Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen

Gehirn und Nerven

epileptische Anfälle, geistige Behinderung, Schlaganfall-ähnliche Zustände

Alzheimer, Migräne, amyotrophe Lateralsklerose
(ALS), Multiple Sklerose,
Parkinson, Aufmerksamkeitsdefizit-
Hyperaktivitätssyndrom (ADHS), Depressionen,
chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS),
Restless-Legs-Syndrom, Migräne

Muskeln

unwillkürliche Muskelzuckungen, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Bewegungsstörungen

mitochondriale Myopathien (Muskelerkrankungen),
Fibromyalgie

Leber und Bauchspeicheldrüse

-

Fettleber, Leberinsuffizienz, Leberversagen,
Diabetes mellitus

Niere

Wassereinlagerungen (Ödeme), Übersäuerung und Eiweißverlust über den Urin

Nierenschwäche

Augen

Sehstörungen durch Netzhautdefekte, Schädigung des Sehnervs, Lähmung der Augenmuskeln, Augenzittern

altersabhängige Makuladegeneration (AMD), Blindheit

Ohren

Schwerhörigkeit

Hörverlust, Tinnitus

Nase

Schmeck- und Riechstörung

Verlust des Geruchsinns

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Ziele der Behandlung

Wie wird Mitochondriopathie klassisch behandelt?

Älterer Mann mit einer Gehhilfe
Bisher gibt es keine Therapie, welche Mitochondriopathie heilen kann. Die Behandlungsmöglichkeiten sind insgesamt sehr begrenzt. Bild: Jacob Wackerhausen/iStock/Getty Images Plus

Bisher gibt es keine Therapie, die eine Mitochondriopathie heilen kann. Die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr begrenzt. Ziel ist es, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Um eine Verschlechterung der Beschwerden zu verhindern, sollten bestimmte Medikamente wie einige Antibiotika (Tetrazykline), Medikamente gegen Epilepsie (Valproinsäure) oder Cholesterinsenker (Statine) in Rücksprache mit dem Arzt nicht eingenommen werden.

Experten empfehlen Betroffenen, starke Reize wie Hitze, Kälte sowie Aufenthalte in großen Höhen zu vermeiden. Zudem sollte eine ausgewogene Ernährung mit mehreren kleinen Mahlzeiten pro Tag eingehalten werden. Zwei- bis dreimal wöchentlich ist ein kombiniertes Ausdauer- und Krafttraining sinnvoll – allerdings ohne die maximale Leistungsgrenze zu erreichen.

Nur für wenige Substanzen gibt es bisher wissenschaftliche Belege, dass sie zur Therapie von Mitochondriopathien eingesetzt werden können. Die klassische Medizin greift deshalb meist erst dann ein, wenn tatsächlich herausgefunden worden ist, welcher Stoff fehlt. Dazu gehören Mikronährstoffe wie Vitamin B1, Vitamin B2, Folsäure, Vitamin E, Magnesium, Coenzym Q10, Kreatin, Arginin, Alpha-Liponsäure oder L-Carnitin.

Wie der Arzt bei der Therapie vorgeht, bleibt immer eine Einzelfallentscheidung, die vom individuellen Krankheitsbefund abhängt. Zunächst sollte ein Behandlungsversuch über sechs Monate erfolgen, um zu prüfen, ob die Präparate wirksam sind. Die Folgeerkrankungen werden fachgerecht behandelt (wie etwa Diabetesmedikamente bei Diabetes oder Sehhilfen bei Augenerkrankungen).

Ziele der Mikronährstoffmedizin

Die Mikronährstoffmedizin konzentriert sich bei der Behandlung von Mitochondriopathien auf folgende Ziele:

  • Gifte beseitigen und Mitochondrien schützen,
  • Bildung neuer Mitochondrien anregen,
  • Energieproduktion unterstützen sowie
  • Entzündungen lindern.

Schutz und Stärkung der Mitochondrien kann durch die Einnahme bestimmter Mikronährstoffe erreicht werden. Diese bezeichnet man als mitotrope Nährstoffe – sie sind für die Energieproduktion in den Mitochondrien unabdingbar. Dazu zählen:

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Behandlung mit Mikronährstoffen

Coenzym Q10 schützt die Mitochondrien

Wirkweise von Coenzym Q10

Chemische Formel für Coenzym Q10
Coenzym Q10 ist ein vitaminähnlicher Stoff. Da er einen wichtigen Bestandteil der Atmungskette darstellt, ist er für den letzten Schritt in der Energieproduktion in den Mitochondrien unabdingbar. Bild: Ekaterina79 /iStock/Getty Images Plus

Coenzym Q10 ist Bestandteil der Atmungskette und für den letzten Schritt der Energieproduktion in den Mitochondrien unabdingbar. Zudem hat Coenzym Q10 antioxidative Wirkungen: Als Radikalfänger schützt es Mitochondrien vor schädlichen freien Radikalen (oxidativen Stress). Bei einem Mangel an Coenzym Q10 kommt es zu Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Muskelschwäche.

Einige Studien zeigen eine bessere Muskelstärke durch Coenzym Q10 bei Mitochondriopathien: In einer kleinen, aber hochwertigen Studie erzielten Betroffene bei einem Ausdauertest etwas bessere Ergebnisse: Sie hatten mehr Ausdauer als Teilnehmer, die kein Coenzym Q10 einnahmen. Andere Forscher fanden in Vorstudien ebenfalls heraus, dass Coenzym Q10 bei bestimmten Mitochondriopathien (Kearns-Sayre-Syndrom) Anzeichen von Muskelermüdung verringern kann. Auch das Muskelzittern als Symptom verschwand. Es gibt jedoch auch Studien, in denen Coenzym Q10 keinen Einfluss zeigte. Weitere Studien müssen folgen, um festzustellen, ob alle Patienten profitieren.

Eine schwache Mitochondrienfunktion trägt außerdem zu vielen Erkrankungen bei, zum Beispiel zu Nervenerkrankungen. Hier werden häufig niedrige Coenzym-Q10-Werte festgestellt. Es ist aber noch nicht geklärt, ob durch die Coenzym-Q10-Einnahme Nervenkrankheiten behandelt werden können. Erste Studien zeigen aber, dass es sich günstig auswirkt auf Alzheimer, Parkinson, Fibromyalgie und chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS). Auch für Depressionen, Migräne und Augenerkrankungen wie grüner Star und altersbedingte Makuladegeneration (AMD) wird eine positive Wirkung von Coenzym Q10 angenommen.

Darüber hinaus sind die Mitochondrien sehr wichtig für die Gefäße. Studien zeigen, dass Coenzym Q10 bei Gefäßerkrankungen und Sepsis (Blutvergiftung) zusammen mit anderen Schutzstoffen die Gefäßfunktion verbessern.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Coenzym Q10

Bei Mitochondriopathien empfehlen Mikronährstoff-Experten pro Tag zwischen 100 und 300 Milligramm Coenzym Q10. Am besten sollte es zu den Mahlzeiten eingenommen werden, da das Fett aus Lebensmitteln die Coenzym-Q10-Aufnahme im Darm verbessert.

Tipp

Coenzym Q10 nimmt der Körper in Form von Ubiquinol besser auf als Ubichinon. Studien zeigen, dass sich mit Ubiquinol höhere Werte im Blut erzielen lassen als mit Ubichinon. Zudem muss Ubiquinol nicht erst aktiviert werden, da es bereits die aktive Form ist.

Coenzym Q10: zu beachten bei Einnahme von Blutgerinnungshemmern

Coenzym Q10 kann die Wirkung von bestimmten Blutgerinnungshemmern herabsetzen. Hierzu zählen die Wirkstoffe Phenprocoumon (zum Beispiel Marcumar®, Falithrom® und Marcuphen®) und Warfarin (Coumadin®). Dies kann bereits für Dosierungen zwischen 30 und 100 Milligramm Coenzym Q10 auftreten. Deshalb sollte die Einnahme mit dem Arzt abgesprochen werden.

L-Carnitin: Fette in Energie umwandeln

Wirkweise von L-Carnitin

L-Carnitin ist unerlässlich für die Energiegewinnung aus Fett: Die Bausteine der Fette, die Fettsäuren, können nur in die Mitochondrien transportiert werden, wenn sie an L-Carnitin gebunden sind. L-Carnitin trägt zudem zur Entgiftung der Mitochondrien bei, indem es überschüssige mittel- und langkettige Fettsäuren abtransportiert. Bei einer unzureichenden Versorgung mit L-Carnitin sammeln sich giftige Stoffwechselzwischenprodukte in der Zelle an und es kommt zur Störung des Energiestoffwechsels.

Ein L-Carnitin-Mangel wird mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom in Zusammenhang gebracht: In einer kleinen Studie an 38 Betroffenen zeigten diejenigen mit höheren L-Carnitin-Werten weniger ausgeprägte Beschwerden als diejenigen mit niedrigem Gehalt im Blut. Auch bei Teilnehmer einer ersten klinischen Studie, die L-Carnitin einnahmen, schnitt es gut ab: L-Carnitin war deutlich besser verträglich und wirksamer als ein Kontrollwirkstoff (Amantadin). Er wird versuchsweise beim chronischen Erschöpfungssyndrom eingesetzt. Beide Stoffe erhielten die Teilnehmer zwei Monate lang. Die größten Verbesserungen durch L-Carnitin traten zwischen der vierten und achten Studienwoche auf.

Mitochondriale Myopathien sind eine Gruppe von seltenen angeborenen Muskelerkrankungen. In einer kleinen, aber hochwertigen Studie steigerte die zweimonatige Einnahme von 3.000 Milligramm L-Carnitin die Leistungsfähigkeit bei Ausdauerbelastungen deutlich stärker als die Einnahme eines Scheinmedikaments.

L-Carnitin: Dosierung und Einnahmeempfehlung

Mikronährstoff-Experten raten bei Mitochondriopathien zu 2.000 bis 4.000 Milligramm L-Carnitin täglich. Es wird empfohlen die Carnitin-Gesamtdosis über den Tag zu verteilen, zum Beispiel dreimal 1.000 Milligramm. Carnitin kann entweder zu den Mahlzeiten eingenommen werden oder unabhängig davon – die Einnahme zu einer Mahlzeit erhöht allerdings die Verträglichkeit für den Magen.

L-Carnitin: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Personen mit Nierenschwäche und Lebererkrankungen sollten die Einnahme von Carnitin mit dem Arzt absprechen, wenn die Dosierung langfristig 1.000 Milligramm pro Tag übersteigt.

Aus Carnitin entstehen bei einer gestörten Darmflora Substanzen, die in großen Mengen negativ bei Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sein könnten (TMAO, Trimethylamin-N-oxid). Eine regelmäßige Einnahme sollte bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes sowie Diabetes-Vorstufen (metabolisches Syndrom) ärztlich begleitet werden.

Wird Carnitin bei einem Herzinfarkt plötzlich abgesetzt, könnten sich dadurch die Schäden am Herzen verschlimmern. Dies zeigt ein Tierversuch. Bei einem Herzinfarkt sollte der Arzt über die Carnitin-Einnahme informiert werden.

Bei Prostata - oder Blasenkrebs ist der Fettstoffwechsel aktiviert. Bei solchen Krebsarten ist die Einnahme von Carnitin nicht zu empfehlen. Auch ist noch nicht klar, wie sich eine langfristige Carnitin-Zufuhr auf Darmkrebs auswirkt.

In seltenen Fällen verstärkt Carnitin die Wirkung von einigen Blutgerinnungshemmern. Betroffen sind Wirkstoffe vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon (Marcuphen® oder Falithrom®) und Warfarin (Coumadin®). Die Ergänzung von Carnitin sollte dann mit dem Arzt abgesprochen sein.

Carnitin kann den Blutzuckerspiegel herabsetzen. Diabetiker, die Medikamente wie Metformin (wie Siofor®, Diabesin®) oder Sulfonylharnstoffe (wie Maninil® oder Euglucon®) einnehmen, müssen eventuell die Dosierung in Rücksprache mit dem Arzt ändern. Es kann die Gefahr einer Unterzuckerung bestehen.

Alpha-Liponsäure: Cofaktor von Enzymen in den Mitochondrien

Wirkweise von Alpha-Liponsäure

Alpha-Liponsäure ist ein Cofaktor vieler Enzymsysteme, die in den Mitochondrien zur Energieproduktion gebraucht werden. Darüber hinaus ist Alpha-Liponsäure ein wichtiges Antioxidans (Radikalfänger), das die Mitochondrien schützt sowie andere Antioxidantien regeneriert – zum Beispiel Coenzym Q10.

Bei Mitochondriopathien zeigte Alpha-Liponsäure positive Effekte in Kombination mit weiteren Stoffen: In einer ersten hochwertigen Studie senkten Alpha-Liponsäure, Kreatin und Coenzym Q10 bei Betroffenen oxidativen Stress. Auch einer Abnahme der Muskelfunktion konnte entgegengewirkt werden.

Info

Kreatin braucht der Körper für die Speicherung und die schnelle Bereitstellung von Energie. Es wirkt immer dann, wenn die Mitochondrien mit der Energieproduktion nicht hinterherkommen. Deshalb wird Kreatin tendenziell bei Mitochondriopathien empfohlen, welche die Muskeln betreffen (Myopathien). In einer Vorstudie kam es durch die Ergänzung zu einer besseren Muskelkraft. Allerdings gibt es momentan noch zu wenige Daten, um die Ergänzung bei allen Formen zu empfehlen.

Zudem scheint die Kombination von Alpha-Liponsäure mit anderen mitochondrialen Nährstoffen wirksamer zu sein, wenn es um die geistige Leistung geht. Ein weiterer Nährstoff ist L-Carnitin. Beispielsweise kann Alzheimer eine Folge einer mitochondrialen Fehlfunktion sein. Insbesondere in frühen Phasen könnte das Fortschreiten der Erkrankung mit Alpha-Liponsäure laut Vorstudien stark verlangsamt werden.

Alpha-Liponsäure: Dosierung und Einnahmeempfehlung

Bei einer Mitochondriopathie empfehlen Mikronährstoff-Experten täglich 400 bis 600 Milligramm Alpha-Liponsäure. Vor allem die Kombination mit Coenzym Q10 sowie L-Carnitin ist vielversprechend.

Die Wirksamkeit von Alpha-Liponsäure ist am besten, wenn sie nüchtern eingenommen wird: Dann wird sie optimal vom Körper aufgenommen. Mineralstoffe hemmen die Aufnahme im Darm. Hochwertige Präparate mit Alpha-Liponsäure enthalten zusätzlich Biotin. Bei regelmäßiger Einnahme von Alpha-Liponsäure kann es zu einer Unterversorgung mit Biotin kommen.

Alpha-Liponsäure: zu beachten bei Medikamenteneinnahme

Alpha-Liponsäure kann die Wirkung von Medikamenten bei Diabetes erhöhen und eine Unterzuckerung bewirken. Betroffen sind Diabetesmedikamente wie Glibenclamid (zum Beispiel Euglucon®), Glimepirid (zum Beispiel Amaryl®, Glimmegama®) und Metformin (zum Beispiel Competact®, Diabesin®). Am Anfang der Alpha-Liponsäure-Therapie sollte daher der Blutzuckerspiegel öfter als sonst kontrolliert werden.

B-Vitamine sind essentiell für den Energiestoffwechsel

Wirkweise von B-Vitaminen

Lebensmittel mit Vitamin B2
Ein Energiemangel könnte dazu beitragen, dass Migräne-Attacken leichter ausgelöst werden, indem die Erregbarkeitsschwelle für Krankheitsauslöser erniedrigt wird. Bild: bit245 /iStock/Getty Images Plus

B-Vitamine sind an mehreren Stellen der Energiegewinnung wichtig:

  • Vitamin B1 schleust Kohlenhydrate zur Energiegewinnung in den Citratzyklus. Ein Mangel verursacht eine verminderte Aktivität von Vitamin-B1-abhängigen Enzymen. Folgen sind eine gedrosselte Energieproduktion und unumkehrbare Schäden der Mitochondrien.
  • Die Wirkformen von Vitamin B2 sind Teil von Enzymen, die beim letzten Schritt der Energieherstellung gebraucht werden. Zudem hilft Vitamin B2, oxidativen Stress zu vermeiden: Es ist bei der Regeneration eines Schutzstoffs (Glutathion) beteiligt. Dieser Stoff wird verbraucht, wenn aggressive Verbindungen abgefangen werden.
  • Vitamin B3 (Niacin) ist als aktive Wirkform am Abbau von Kohlenhydraten und Fetten beteiligt. Ein Mangel könnte mit einer gestörten Mitochondrienfunktion und einer geringen Energieproduktion zusammenhängen.
  • Vitamin B12 wird benötigt, damit Fette und Kohlenhydrate zu Energie umgewandelt werden. Zudem trägt es zum Schutz der Nervenzellen bei, weshalb Vitamin B12 besonders bei Nervenbeschwerden eingesetzt wird. Vitamin B12 ist ebenfalls effektiv bei der Senkung von nitrosativem Stress, da es reaktive Stickstoffverbindungen abfangen kann, die durch die Zellen des Immunsystems bei Entzündungen produziert werden.

Bei Migräne tragen vermutlich oxidativer Stress, Fehlfunktionen bei der Energieproduktion sowie Entzündungen zur Entstehung von Migräneattacken bei. Daher erwägen Wissenschaftler und Ärzte den Einsatz von Vitamin B2. Die Mehrheit der bisherigen Studien deutet darauf hin, dass Vitamin B2 die Energieproduktion der Zellen verbessert und Migräneattacken vorbeugt. Zudem treten unter Vitamin-B2-Einnahme die Attacken seltener auf, sind kürzer und weniger stark ausgeprägt.

Auch bei Autismus spielen vermutlich Mitochondriopathien eine Rolle. Aus ersten Untersuchungen ist bekannt, dass Kinder mit Autismus häufig defekte Mitochondrien aufweisen. Obwohl die Studienlage begrenzt ist, zeigten erste Versuche mit B-Vitaminen bei Betroffenen positive Effekte – besonders Vitamin B12 und Folsäure in Kombination mit Coenzym Q10 und Carnitin. Zukünftig sind weitere Studien notwendig, um die bisherigen Beobachtungen zu bestätigen.

Bei der Erbkrankheit Leigh-Syndrom liegt ein Defekt des Energiestoffwechsels durch geschädigte Mitochondrien vor. Neben Krampfanfällen leiden Patienten häufig an obstruktiver Schlafapnoe. Diese Atmungsstörung führt während des Schlafes zu einem Zusammenbruch des Rachenraumes. Dadurch werden die oberen Atemwege blockiert und die Sauerstoffversorgung beeinträchtigt. Erste Berichte zeigen, dass hoch dosiertes Vitamin B1 in Kombination mit Coenzym Q10, L-Carnitin sowie den Vitaminen C und E die Beschwerden der Schlafapnoe bei Leigh-Syndrom-Patienten lindern kann.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von B-Vitaminen

Da B-Vitamine im Stoffwechsel und bei der Energiegewinnung eng zusammenarbeiten, ist die Ergänzung des gesamten Vitamin-B-Komplexes im Rahmen der Mikronährstoffmedizin empfehlenswert. Folgende Dosierungen sind bei Mitochondriopathien sinnvoll:

  • Vitamin B1: 2 bis 5 Milligramm
  • Vitamin B2: 4 bis 7 Milligramm
  • Vitamin B12: 10 bis 15 Mikrogramm
  • Folsäure: 200 bis 400 Mikrogramm
  • Niacin: 50 bis 75 Milligramm

Manchmal empfehlen Mikronährstoff-Experten auch eine höhere Dosierung – zum Beispiel, wenn ein Mangel festgestellt wurde.

B-Vitamine: zu beachten bei Schwangerschaft und Stillzeit, Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Schwangere und stillende Frauen sollten hoch dosierte B-Vitamine nur bei einem nachgewiesenen Mangel und in Rücksprache mit dem Arzt einnehmen.

Nierenpatienten sollten Vitamin B12 nicht in Form von Cyanocobalamin einnehmen, sondern als Methylcobalamin, da hoch dosiertes Cyanocobalamin für sie vermutlich schädlich ist.

Die Einnahme hoher Dosen Niacin kann eine bestehende Gicht verschlechtern und die Wirkung des Medikaments Allopurinol (zum Beispiel Zyloric®, Allobeta®) beeinträchtigen. Wer an Gicht leidet, sollte daher eine Einnahme von Niacin mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Niacin sollte nicht gemeinsam mit bestimmten Antibiotika, den Tetracyclinen (Fluorex Plus®, Mysteclin®), eingenommen werden, da es deren Aufnahme in den Körper behindert. Empfohlen wird ein Einnahmeabstand von zwei bis drei Stunden. Auch Folsäure vermindert die Wirkung von Antibiotika mit den Wirkstoffen Trimethoprim (Infectotrimet®), Proguanil (Paludrine®) und Pyrimethamin (Daraprim®).

Niacin in Form von hoch dosierter Nicotinsäure steigert die Wirkung von Blutverdünnern (zum Beispiel Marcumar®, Falithrom®) und Blutdrucksenkern (zum Beispiel Delix®, Ramicard®, Ramiclaire®). Eine Einnahme sollte daher mit dem Arzt besprochen werden.

Magnesium schützt vor Energiemangel

Wirkweise von Magnesium

Magnesium hat vielfältige Aufgaben im Energiehaushalt: Es ist zum Beispiel an der Speicherung und Freisetzung der Energie beteiligt. Fehlt Magnesium, kommt es zu einem Energiemangel. Zudem treten bei Magnesiummangel vermehrt Muskelkrämpfe oder Kopfschmerzen auf. Eine weitere Folge ist die Entstehung von nitrosativem Stress, der eine Ursache von Defekten in Mitochondrien ist. Häufig steht ein Magnesiummangel mit Mitochondriopathien in Zusammenhang.

Chronisches Erschöpfungssyndrom: In einer ersten Studie an 138 Patienten wies ein Großteil einen Magnesiummangel auf. Gleichzeitig wurde bei ihnen eine mitochondriale Fehlfunktion diagnostiziert. Je ausgeprägter diese Fehlfunktion war, desto ausgeprägter waren die Beschwerden der Krankheit. Das zusätzliche Spritzen von Magnesium in die Muskulatur verbesserte dagegen in einer hochwertigen Studie die Symptome des chronischen Erschöpfungssyndroms sowie das emotionale Befinden. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob alle Patienten darauf ansprechen.

Nervenerkrankungen: Da Magnesium wichtig für die Weiterleitung von Nervensignalen ist, wird derzeit der Einsatz bei verschiedenen Nervenerkrankungen diskutiert. Mögliche Anwendungsgebiete sind Migräne, Epilepsie, Depressionen, Parkinson und Alzheimer. Inwiefern Magnesium bei diesen Erkrankungen wirksam ist, muss zukünftig durch Studien geprüft werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Magnesium

Bei Mitochondriopathien und den Folgeerkrankungen ist es empfehlenswert, täglich 200 bis 900 Milligramm Magnesium einzunehmen. Bei einer dauerhaften Einnahme höherer Dosierungen (über 250 Milligramm) ist es sinnvoll, wenn ein Arzt die Blutwerte überwacht.

Da Magnesium in Dosierungen von über 300 Milligramm bei empfindlichen Menschen Durchfall auslösen kann, sollte es bei höheren Mengen auf den ganzen Tag aufgeteilt werden.

Magnesium im Labor bestimmen lassen

Magnesium kommt hauptsächlich in roten Blutzellen vor. Deshalb sollte es am besten im Vollblut gemessen werden. Dieses enthält alle roten Blutzellen und eine Messung ist daher aussagekräftiger als eine Bestimmung im Serum (Blutflüssigkeit ohne rote Blutzellen). Normalwerte liegen zwischen 1,38 bis 1,50 Millimol pro Liter. Mikronährstoff-Mediziner empfehlen Patienten, ihre Magnesiumwerte ein- bis zweimal im Jahr überprüfen zu lassen.

Magnesium: zu beachten bei Medikamenteneinnahme und Nierenerkrankungen

Magnesium kann bei gleichzeitiger Einnahme mit Arzneimitteln die Wirkung herabsetzen, da es sich an sie bindet. Daher sollten Arzneimittel mit einem Abstand von mindestens zwei Stunden eingenommen werden. Dazu zählen:

  • bestimmte Antibiotika wie Ciprofloxacin (zum Beispiel Ciloxan®), Enoxacin (zum Beispiel Enoxor®), Levofloxacin (zum Beispiel Tavanic®) und Doxycyclin (zum Beispiel Supracyclin®)
  • Osteoporose-Wirkstoffe (Bisphosphonate) wie Alendronat (zum Beispiel Fosamax®, Tevanate®), Clodronat (zum Beispiel Bonefos®) oder Etidronat (zum Beispiel Didronel®)

Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen sollten Magnesium nicht zusätzlich einnehmen. Geschädigte Nieren können überschüssiges Magnesium nicht gut ausscheiden. Das Magnesium aus Mineralstoffpräparaten würde sich daher im Blut anreichern.

Antioxidantien schützen Mitochondrien vor oxidativem Stress

Wirkweise von Antioxidantien

Es gibt viele antioxidative Vitamine und Mineralstoffe. Zum Beispiel schützen die Vitamine C und E sowie der Mineralstoff Selen Mitochondrien vor oxidativem Stress. Zudem können Vitamin C und Selen auch nitrosativem Stress vorbeugen, indem sie schädliche Stickstoffverbindungen neutralisieren.

Erste kleine Studien zeigen, dass die Gabe von Vitamin C über Infusionen bei Patienten mit chronischem Erschöpfungssyndrom zur Besserung der Symptome beitragen könnte. In einer Beobachtungsstudie wiesen Fibromyalgie-Patienten deutlich niedrigere Selenwerte als gesunde Teilnehmer auf. Daher sollten Betroffene auf eine ausreichende Selenversorgung achten.

Ein weiteres wichtiges Antioxidans ist Glutathion. Forscher zeigten in einer ersten Studie, dass Betroffene mit Mitochondriopathien einen gestörten Antioxidantien-Haushalt hatten. Zum Beispiel haben sie zu wenig Glutathion. Die Ergänzung von Glutathion oder dessen Bausteinen wie Cystein und Glycin könnte daher vielversprechend sein. Darauf deuten Tierstudien und erste Studien an Menschen hin.

Insgesamt gibt es viele Hinweise, dass Antioxidantien vor Mitochondriopathien schützen. Größere Studien müssen die Ergebnisse jedoch noch bestätigen. Die Versorgung sollte ausgeglichen sein.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Antioxidantien

Bei Mitochondriopathien werden 300 bis 500 Milligramm Vitamin C, 70 bis 100 Mikrogramm Selen und 20 bis 40 Milligramm Vitamin E empfohlen. Als Basisabsicherung mit Antioxidantien sind Nährstoffpräparate mit allen acht Vitamin-E-Formen vorzuziehen (vollständiger Vitamin-E-Komplex). Gut versorgt ist man außerdem mit 50 bis 100 Milligramm Glutathion pro Tag.

Präparate sollten am besten zum Essen eingenommen werden. Einerseits sind sie so verträglicher, andererseits werden einige Mikronährstoffe so besser im Darm aufgenommen.

Info

Vitamin C kann die Aufnahme von Selen aus der Verbindung Natriumselenit hemmen. Deshalb sollte ein Einnahmeabstand von ein bis zwei Stunden zwischen Vitamin C und Selen eingehalten werden. Achten Sie bei Kombinationspräparaten darauf, dass die Verbindung Natriumselenat enthalten ist. Selen aus der Nahrung wird nicht durch Vitamin C gehemmt.

Im Labor bestimmen lassen: oxidativer Stress und Selen

Hoch dosierte Antioxidantien sollten nur so lange zugeführt werden, bis der oxidative Stress ausgeglichen ist. Um oxidativen Stress im Labor zu bestimmen, gibt es je nach Labor verschiedene Methoden – zum Beispiel der antioxidative Status (Normalwert 1,13 bis 1,57 Millimol pro Liter). Die Normalwerte können je nach Messmethode schwanken. Es gelten die jeweils von den Labors angegebenen Normalwerte.

Auch können die geschädigten Zellbestandteile gemessen werden oder die Gehalte der Antioxidantien im Blut. Empfehlenswert ist die Bestimmung von Selen. Idealerweise wird Selen im Vollblut bestimmt. Vollblut enthält alle Blutzellen und zeigt die Langzeitversorgung mit Selen. Die Werte sollten zwischen 120 und 150 Mikrogramm pro Liter liegen.

Antioxidantien: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Bei Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) sollten Sie nicht mehr als 500 Milligramm Vitamin C täglich einnehmen. Eine schwache Niere kann hohe Vitamin-C-Dosen nicht verarbeiten. Mögliche Folgen sind Harnsteine oder Oxalatablagerungen. Auch bei einer Neigung zu Nierensteinen sind hohe Vitamin-C-Mengen über 1.000 Milligramm zu vermeiden. Gleiches gilt für Selen bei Nierenerkrankungen: Selenpräparate sollten nur eingenommen werden, wenn der Selengehalt im Blut regelmäßig kontrolliert wird.

Da Vitamin C die Eisenaufnahme verbessert, sollten bei Menschen mit krankhafter Eisenüberladung (Hämochromatose) höhere Vitamin-C-Gaben nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

Hoch dosierte Antioxidantien wie Glutathion könnten die Wirksamkeit einer Krebstherapie reduzieren. Zudem könnte Glutathion das Fortschreiten von Krebs fördern. Die Ergänzung sollte deshalb mit dem Arzt abgesprochen werden.

Pflanzenstoffe könnten die Bildung neuer Mitochondrien anregen

Wirkweise von Pflanzenstoffen

Sekundäre Pflanzenstoffe sind wichtige Antioxidantien aus der Nahrung. Sie schützen Mitochondrien vor oxidativem Stress. Zudem gibt es Hinweise, dass bestimmte Pflanzenstoffe die Bildung neuer Mitochondrien anregen, zum Beispiel Epigallocatechingallat (EGCG) aus Grüntee und Curcumin aus Kurkuma. In Tierversuchen verhinderten außerdem beide Stoffe oxidativen Stress und trugen dazu bei, dass der Energiestoffwechsel in den Mitochondrien störungsfrei ablaufen konnte.

Auch die Einnahme von Anthocyanidinen, die beispielsweise in roten Trauben oder Rotwein enthalten sind, kann bei Fibromyalgie hilfreich sein. In einer kleinen hochwertigen Studie linderten Anthocyanidine Schlafstörungen und Erschöpfungssymptome deutlich stärker als ein Scheinmedikament. Zudem wird für Resveratrol eine positive Wirkung vermutet.

In Tier- und Laborstudien korrigierte Ginkgo-Extrakt Fehlfunktionen der Mitochondrien und steigerte deren Energieausbeute. Forscher vermuten, dass Ginkgo deshalb auch bei Demenzerkrankungen wie Alzheimer positiv wirkt.

Fazit: Theoretisch könnten pflanzliche Stoffe bei einer Mitochondriopathie positiv wirken. Hochwertige Studien liegen aber noch nicht vor.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Pflanzenstoffen

Mikronährstoff-Experten empfehlen bei Mitochondriopathien eine Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist. Bei Präparaten empfiehlt sich eine Kombination aus verschiedenen Pflanzenstoffen, da Pflanzenstoffe auch in der Nahrung als Mischung vorkommen. In guten Kombinationspräparaten ist die Dosierung deshalb aufeinander abgestimmt. Sinnvolle Dosierungen sind zum Beispiel:

  • 50 bis 80 Milligramm Anthocyanidine
  • 10 bis 30 Milligramm Resveratrol
  • 50 bis 80 Milligramm Ginkgo-Extrakt
  • 10 bis 30 Milligramm EGCG
  • 10 bis 30 Milligramm Curcumin

Es kann sinnvoll sein, wenn der Mikronährstoff-Experte den antioxidativen Status im Blut überwacht.

Pflanzenstoffe: zu beachten in der Schwangerschaft, bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Die aktuelle Studienlage ist nicht ausreichend, um eine Einnahme von Pflanzenstoffen bei Schwangeren oder Stillenden bedenkenlos empfehlen zu können. Eine obst- und gemüsereiche Ernährung ist dagegen kein Problem.

Curcumin sollte nicht bei Gallensteinen angewendet werden. Es regt die Produktion von Gallensäure an. Wenn ein Stein den vermehrten Gallenfluss behindert, kann das schwere Beschwerden (Gallenkolik) auslösen.

Viele Pflanzenstoffe beeinflussen den Abbau von Medikamenten. Wer Medikamente einnimmt, sollte sich von einem Arzt oder Apotheker informieren lassen. Bestimmte Pflanzenstoffe wie Ginkgo, Curcumin und Resveratrol können zudem in hoher Dosierung die Wirkung von blutverdünnenden Medikamenten verstärken. Dazu zählen zum Beispiel Acetylsalicylsäure (Aspirin®), Clopidogrel (Plavix®, Iscover®) und Warfarin (Coumadin®). Sprechen Sie zur Sicherheit mit einem Experten, ob die kombinierte Einnahme möglich ist.

Omega-3-Fettsäuren halten Entzündungen in Schach

Wirkweise von Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren wie Eicosapentaensäure (EPA) aus Fischöl wirken entzündungshemmend, indem sie die Produktion von entzündungsfördernden Substanzen herabsetzen. Darüber hinaus besitzen Omega-3-Fettsäuren antioxidative Eigenschaften. Beides senkt den oxidativen Stress auf die Mitochondrien. Omega-3-Fettsäuren werden in die Membran der Mitochondrien eingebaut, also dort, wo sie direkt gebraucht werden. Omega-3-Fettsäuren könnten deshalb die Mitochondrien schützen.

Eine erste Studie zeigt eine Verbesserung der Mitochondrienfunktion bei einer Fettleber. Daneben wurde durch Omega-3-Fettsäuren der Abbau der Mitochondrien verlangsamt, der nach körperlicher Inaktivität folgt.

Vermutlich haben Omega-3-Fettsäuren bei Erkrankungen, die mit einer Fehlfunktion der Mitochondrien in Zusammenhang stehen, einen positiven Einfluss. Dazu gehören Parkinson, Alzheimer, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Omega-3-Fettsäuren

Im Rahmen der Mikronährstoff-Medizin liegen die Dosierungen bei Mitochondriopathien meist zwischen 1.000 und 2.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag. Empfehlenswert ist ein Präparat, das EPA enthält. Omega-3-Fettsäuren sollten immer mit einer fetthaltigen Mahlzeit eingenommen werden, da sie sonst im Darm nicht gut aufgenommen werden.

Tipp

Die Omega-3-Fettsäure EPA kommt in Fischöl vor. Achten Sie bei Fischölpräparaten auf die Qualität. Hochwertige Präparate sind speziell gereinigt, sodass keine unerwünschten Rückstände enthalten sind.

Omega-3-Fettsäuren im Labor bestimmen lassen: Omega-3-Index

Mithilfe eines Bluttests kann der Anteil der Omega-3-Fettsäuren in den roten Blutkörperchen bestimmt werden – der sogenannte Omega-3-Index. Er wird in Prozent angegeben. Ein Ergebnis von fünf bis acht Prozent ist der Durchschnitt und bedeutet, dass fünf bis acht von 100 Fettsäuren in den roten Blutkörperchen wertvolle Omega-3-Fettsäuren sind. Als optimal gilt ein Wert von acht bis elf Prozent.

Omega-3-Fettsäuren: zu beachten bei Blutverdünnern sowie Leber- und Nierenerkrankungen

Hoch dosierte Omega-3-Fettsäuren können blutverdünnend wirken. Ab einer Dosierung von 1.000 Milligramm können sie deshalb die Wirkung der Blutgerinnungshemmer verstärken. Besprechen Sie daher die Einnahme mit Ihrem Arzt. Zu den Blutverdünnern zählen die Wirkstoffe Phenprocoumon (wie Marcumar®), Warfarin (Coumadin®), Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®), Heparin (Clexane®) und neue orale Antikoagulanzien wie Apixaban (Eliquis®), Dabigatran (Pradaxa®), Edoxaban (Lixiana®) und Rivaroxaban (Xarelto®). Auch wenn Sie eine Blutgerinnungsstörung haben, sollten Sie die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zuvor mit dem Arzt abklären. Gleiches gilt vor einer Operation.

Bei plötzlich auftretenden Leber- oder Nierenerkrankungen, einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung oder einer Gallenblasenentzündung sollten Omega-3-Fettsäuren nicht eingenommen werden.

Arginin und Citrullin gleichen einen Mangel an Stickstoffmonoxid aus

Wirkweise von Arginin und Citrullin

Die Aminosäuren Arginin und Citrullin verbessern die Durchblutung: Sie sind Vorstufen von Stickstoffmonoxid (NO). Dies ist ein Botenstoff, der zum Beispiel die Weitstellung der Blutgefäße antreibt. NO ermöglicht eine gute Versorgung der Gewebe mit Sauerstoff und Zucker für die Energiegewinnung.

Bei Defekten der Mitochondrien (zum Beispiel bei MELAS-Syndrom) ist ein NO-Mangel möglich: Es wird weniger davon bereitgestellt. Auch die Vorläufer von NO, Arginin und Citrullin, sind weniger verfügbar. Dadurch wird die Durchblutung schwächer. Dies kann wiederum zur Entstehung von Komplikationen beitragen, wie schlaganfallähnliche Episoden, Muskelschwäche und Übersäuerung.

In ersten Studien erhöhte die Ergänzung von Arginin die NO-Produktion und verbesserte die Durchblutung. Darüber hinaus linderte Arginin bei Betroffenen mit dem MELAS-Syndrom die schlaganfallähnlichen Episoden. In einer ersten Studie steigerte Citrullin die NO-Produktion sogar mehr als Arginin. Citrullin ist besser und länger verfügbar, da andere Organe es nicht verbrauchen. Die Ergänzung von Arginin und Citrullin könnte zudem Muskelschwäche reduzieren.

Insgesamt müssen noch hochwertige Studien folgen, um die ersten Ergebnisse zu bestätigen. Vor allem bei Mitochondriopathien mit einem NO-Mangel könnte die Ergänzung jedoch sinnvoll sein.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Arginin und Citrullin

Für eine gute Versorgung mit Arginin und Citrullin empfehlen Mikronährstoff-Experten die Ergänzung von jeweils 2.000 bis 4.000 Milligramm pro Tag. Präparate sollten am besten zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, da der Körper Arginin und Citrullin so am besten aufnimmt.

Langfristig (mehrere Monate) sollten Arginin und Citrullin nur unter Kontrolle durch einen Mikronährstoff-Experten eingenommen werden. Ist man überversorgt, könnte zu viel NO sogenannten nitrosativen Stress erhöhen. Bei längerer Einnahme wird empfohlen, Arginin und Citrullin mit Antioxidantien zu kombinieren. Sie können den Stress hemmen.

Arginin und Citrullin: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Zur Einnahme von Arginin und Citrullin in der Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Daten vor. Deshalb ist von einer Einnahme ohne ärztliche Aufsicht abzuraten.

Arginin sollte nicht bei wiederkehrenden Herpesinfektionen eingenommen werden. Es kann ruhende Viren aktivieren und eine Infektion auslösen.

Patienten mit schwerer Arteriosklerose, einem Herzinfarkt und Herzrhythmusstörungen sollten Arginin und Citrullin nur unter ärztlicher Kontrolle einnehmen. Gleiches gilt bei Nervenerkrankungen wie Demenz und Netzhauterkrankungen: Die NO-Produktion kann entgleist sein.

Citrullin und Arginin könnten den Blutzuckerspiegel senken. Eine engmaschige Blutzuckerkontrolle ist wichtig. Zudem kann bei Diabetes der NO-Stoffwechsel entgleist sein, wodurch eine dauerhafte Einnahme von Arginin und Citrullin die Insulinresistenz verstärken könnte. Die Ergänzung sollte deshalb mit dem Arzt besprochen werden.

Bei einer Nierenschwäche können Eiweiße und Aminosäuren nicht ausreichend verarbeitet und ausgeschieden werden. Daher muss eine Ergänzung bei der erlaubten Menge berücksichtigt werden. Der Arzt gibt die Werte vor. Auch bei Lebererkrankungen sollte vor der Ergänzung ein Arzt gefragt werden.

Sprechen Sie die Einnahme von Arginin und Citrullin mit Ihrem Arzt ab, wenn Sie Medikamente einnehmen, die gefäßerweiterndes NO freisetzen. Die Wirkung kann durch die beiden Aminosäuren verstärkt werden. Dazu gehören Medikamente gegen Herzerkrankungen wie Nitrate (Mono Mack®), Molsidomin (Corvaton®) und Nitroprussid (Nipruss®) sowie das Potenzmittel Sildenafil (Viagra®).

Eine verstärkende Wirkung wurde auch bei Blutdrucksenkern beobachtet. Dazu gehören beispielsweise Furosemid (Lasix®), Captopril (Cor tensobon®) und viele andere.

Dosierungen auf einen Blick

Mikronährstoff-Empfehlung pro Tag bei Mitochondriopathie

Vitamine

 

Vitamin B1

2 bis 5 Milligramm (mg)

Vitamin B2

4 bis 7 Milligramm

Vitamin B12

10 bis 15 Mikrogramm (µg)

Folsäure

200 bis 400 Mikrogramm

Niacin

50 bis 75 Milligramm

Vitamin C

300 bis 500 Milligramm

Vitamin E

20 bis 40 Milligramm

  

Mineralstoffe

 

Magnesium

200 bis 900 Milligramm

Selen

70 bis 100 Mikrogramm

  

Sonstige Nährstoffe

 

Coenzym Q10

100 und 300 Milligramm

L-Carnitin

2.000 und 4.000 Milligramm

Alpha-Liponsäure

400 bis 600 Milligramm

Glutathion

50 bis 100 Milligramm

Omega-3-Fettsäuren

1.000 und 2.000 Milligramm

Arginin und Citrullin

jeweils 2.000 bis 4.000 Milligramm

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Mitochondriopathien

 

Normalwerte

Magnesium

1,38 bis 1,50 Millimol pro Liter (mmol/l)

Antioxidativer Status

1,13 bis 1,57 Millimol pro Liter*

Selen

120 bis 150 Mikrogramm pro Liter (µg/l)

Omega-3-Index

5 bis 8 Prozent

*Werte und Einheiten sind je nach Labor und Methode sehr unterschiedlich.

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Zusammenfassung

Bei einer Mitochondriopathie ist der Energiestoffwechsel der Mitochondrien gestört oder fällt ganz aus. Bei der Behandlung von Mitochondriopathien stützt sich die Mikronährstoffmedizin auf mehrere Säulen. Eine davon ist, die Gifte zu beseitigen, welche die Mitochondrien schädigen. Daneben sollen Entzündungen gelindert und Mitochondrien vor freien Radikalen sowie anderen schädlichen Stoffen geschützt werden.

Bestimmte Mikronährstoffe, sogenannte mitotrope Nährstoffe, sind für die Energieproduktion in den Mitochondrien unentbehrlich. Sie können die Mitochondrien stärken – und dadurch den Verlauf von Mitochondriopathien positiv beeinflussen. Dazu zählen Coenzym Q10, L-Carnitin, Alpha-Liponsäure und B-Vitamine wie Vitamin B1, B2, B12, Niacin und Folsäure. Auch der Mineralstoff Magnesium wird für die Energiegewinnung in den Mitochondrien benötigt.

Antioxidantien wie die Vitamine C und E, Selen, Glutathion sowie verschiedene Pflanzenstoffe – zum Beispiel Anthocyanidine, Epigallocatechingallat und Curcumin – schützen die Mitochondrien vor Schäden durch freie Radikale. Daneben könnten einige Pflanzenstoffe die Bildung neuer Mitochondrien anregen. Omega-3-Fettsäuren wirken dagegen entzündungshemmend und dämpfen dadurch Folgen von oxidativem Stress. Arginin und Citrullin gleichen zudem einen Mangel an Stickstoffmonoxid (NO) aus, der an der Entstehung von Komplikationen beteiligt sein könnte.

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