Flohsamen bringen den Darm auf Trab

Was können Flohsamen als pflanzliches Abführmittel leisten?

Flohsamen sind die Samen der Pflanze „Plantago ovata“. Neben den ganzen Samen können auch die Schalen der Samen verwendet werden. Sie haben ein hohes Wasserbindungsvermögen und quellen gut. In der Mikronährstoffmedizin werden sie deshalb als natürliches Abführmittel eingesetzt, denn sie regen die Darmtätigkeit an. Außerdem unterstützen sie den Erhalt einer gesunden Darmflora. Lesen Sie hier, wie Flohsamen Ihre Gesundheit außerdem noch unterstützen können.

Flohsamen
Flohsamen werden in der Mikronährstoffmedizin als natürliches Abführmittel bei Verstopfung eingesetzt. Die enthaltenen Schleimstoffe erleichtern die Darmentleerung. Bild: subodhsathe/iStock/Getty Images Plus

Eigenschaften und Funktionen im Körper

Eigenschaften von Flohsamen

Bei Flohsamen handelt es sich um die Samen der Pflanze „Plantago ovata“. Entweder können die ganzen Samen verwendet werden oder die Schalen davon (Flohsamenschalen). Flohsamen sind auch unter dem Namen „Psyllium“ bekannt (lateinisch: psyllium Floh).

Die Pflanze kommt in trockenen Gebieten vor. Daher haben die Samen eine besondere Eigenschaft: Kommen sie mit Wasser in Kontakt, quellen sie unverzüglich. Flohsamen können dabei das 40-Fache ihres Gewichts an Wasser aufnehmen und bilden so einen voluminösen Schleim. Verantwortlich dafür ist die äußerste Schicht aus komplexen Zuckerverbindungen. Sie werden deshalb auch als Schleimstoffe bezeichnet. Die Schleimstoffe bestehen zu 85 Prozent aus wasserlöslichen Fasern, die aber zum großen Teil unverdaut bleiben (Ballaststoffe).

Aufnahme und Verteilung im Körper

Aufgrund ihrer hohen Quellfähigkeit müssen Flohsamen im Rahmen der Mikronährstoffmedizin immer mit viel Wasser eingenommen werden. Sie quellen dann bereits im Magen auf. Im Magen wird weniger als ein Zehntel des Schleims zersetzt. Geringe Mengen der Zuckerverbindungen werden dann im Dünndarm aufgenommen. Für den Rest beginnt die lange Darmpassage.

Im Darm quellen die Schleimstoffe der Flohsamen noch weiter auf. Die entstehenden Schleime können zwar vom Körper nicht weiter verdaut werden, das gilt jedoch nicht für die Darmbakterien: Die Bakterien der Darmflora zersetzen die Schleimstoffe teilweise und nutzen sie als Nahrung. Dabei wandeln sie Flohsamen in Gase und kurzkettige Fettsäuren um, zum Beispiel Buttersäure (Butyrat). Diese Säuren wiederum kann der Darm aufnehmen oder selbst als Energiequelle nutzen. 

Flohsamen: Funktionen im Körper

Illustration von Probiotischen Bakterien
Unsere Darmbakterien nutzen Flohsamen als Nahrung. Dies reguliert die Darmflora und sorgt für einen gesunden Darm. Bild: Dr_Microbe/iStock/Getty Images Plus

Als Ballaststoffe haben Flohsamen im Körper verschiedene nützliche Funktionen: 

Wasserbindung: Flohsamen binden Flüssigkeit im Darm. Der Darminhalt wird dadurch weicher und voluminöser. Dabei wird die Darmwand gedehnt, was die Darmtätigkeit anregt. Die Stuhlmasse kann leichter und schneller bewegt werden. Dadurch haben Flohsamen einen leicht abführenden Effekt. Übrigens können Flohsamen auch bei Durchfall überschüssiges Wasser binden und den Stuhl auf diese Weise verdicken.  

Gesundes Darmmilieu: Aus Flohsamenfasern entstehen im Dickdarm kurzkettige Fettsäuren, zum Beispiel Essigsäure oder Buttersäure (Butyrat). Von diesen Fettsäuren ernähren sich die „guten“ Darmbakterien. Kurzkettige Fettsäuren säuern zudem den Darm an: Ein saures Milieu behindert die Vermehrung von krankmachenden Bakterien. Zudem wird die Abdichtung des Darms gefördert, sodass weniger Bakterien oder Giftstoffe in den Körper eindringen. All dies sorgt für eine gesunde Darmflora, weshalb Flohsamen auch zur Darmsanierung eingesetzt werden können.

Starke Darmschleimhaut: Kurzkettige Fettsäuren – vor allem Butyrat – ernähren die Zellen der Schleimhaut im Dickdarm (Kolonozyten), fördern ihre Regeneration und wirken entzündungshemmend bei Darmerkrankungen.

Appetitzügler: GequolleneFlohsamen dehnen den Magen und steigern dadurch das Sättigungsgefühl: Die Schleimstoffe der Flohsamen führen zu einer langsameren Magenentleerung. Dadurch sind wir länger satt – das verhindert Heißhungerattacken oder häufiges Essen.

Zucker- und Fettstoffwechsel: Eine langsamere Magenentleerung lässt den Blutzuckerspiegel weniger schnell ansteigen. Auch das wirkt gegen Heißhunger. Zudem verringern Flohsamen die Fettaufnahme und regulieren dadurch den Cholesterinspiegel.

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Einsatz bei Krankheiten und bei Übergewicht

Flohsamen: natürliches Abführmittel bei Verstopfung

Eine zu geringe Ballaststoffzufuhr ist eine häufige Ursache von Verstopfung (Obstipation). Abhilfe schaffen die Schleimstoffe der Flohsamen: Sie machen den Darminhalt gleitfähiger und erhöhen das Stuhlvolumen. Je mehr Wasser der Stuhl enthält, desto weicher wird er und kann den Darm leichter passieren. Doch auch die bakteriellen Abbauprodukte der Flohsamen tragen zum abführenden Effekt bei: Sie fördern die Darmbewegung.

Zum Einsatz von Flohsamen als Abführmittel liegen langjährige und umfangreiche Erfahrungen vor. Forscher stellten durch Auswertungen älterer Studien fest, dass Flohsamen die Darmbewegung ähnlich gut anregen wie Abführmittel. Es gibt auch zwei aktuellere Vorstudien, in denen Flohsamen bei Verstopfung halfen. Ein weiterer Pluspunkt: Es traten seltener Nebenwirkungen auf als bei Medikamenten.

In einer hochwertigen Studie verglichen Forscher zudem die Wirkung von Flohsamen mit Trockenpflaumen und Flohsamen allein bei schwerer Verstopfung: Die Verbesserungen der Verstopfung und der Lebensqualität waren gleichwertig. Allerdings war der Pflaumen-Flohsamen-Mix besser verträglich: Er sorgte für weniger Blähungen.

Flohsamen sind sanfte Mittel zur Behandlung von Verstopfung. Sie eignen sich auch für Reizdarm-Patienten mit dem vorherrschenden Symptom Verstopfung. Mikronährstoff-Experten empfehlen bei Verstopfung grundsätzlich 5 bis 20 Gramm Flohsamen pro Tag. Der abführende Effekt tritt in der Regel zwischen 12 und 24 Stunden nach der Einnahme ein – in manchen Fällen auch erst nach zwei bis drei Tagen.

Tipp

Da Flohsamen insgesamt den Stuhl weicher machen, können sie ebenfalls bei Hämorrhoiden helfen – auch bei Schwangeren. Wie Sie mit Mikronährstoffmedizin Verstopfung und Hämorrhoiden in der Schwangerschaft lindern, erfahren Sie hier.

Flohsamen helfen möglicherweise auch bei Durchfall und Stuhlinkontinenz

Aufgrund ihrer Fähigkeit, Wasser zu binden, könnten Flohsamen auch für Patienten mit Stuhlinkontinenz bei Durchfall oder flüssigem Stuhl von Nutzen sein: Der Stuhl ist durch das gebundene Wasser besser geformt und kann besser zurückgehalten werden.

In einer ersten Studie senkte ein Präparat mit Flohsamen das Auftreten von Stuhlinkontinenz der Teilnehmer um die Hälfte. Im Vergleich zu anderen Studiengruppen konnte die Stuhlmasse der Flohsamen-Gruppe zudem am meisten Wasser binden im Vergleich zu einem Präparat mit Gummi arabicum oder einem Scheinmedikament. Verglichen mit Medikamenten zur Behandlung von Durchfallerkrankungen waren Flohsamen ähnlich gut in der Wirkung. Es traten bei Flohsamen aber weniger Nebenwirkungen auf – insbesondere im Hinblick auf Verstopfung.

Zur Linderung von Durchfall und bei Stuhlinkontinenz können versuchsweise 10 bis 20 Gramm Flohsamen pro Tag eingenommen werden.

Flohsamen helfen bei entzündlichen Darmerkrankungen

Flohsamen wirken antientzündlich: Werden sie durch Darmbakterien abgebaut, entstehen im Darm kurzkettige Fettsäuren. Diese hemmen bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, wie Colitis ulcerosa, Entzündungsprozesse. In einem Tierversuch konnte die Schwere einer Darmentzündung durch Flohsamenfasern gemindert werden.

Es gibt bereits positive Ergebnisse aus Studien an Menschen: In einer ersten Studie  erhielten 105 Patienten mit einer gerade nicht aktiven Colitis ulcerosa (Remission) 10 Gramm Flohsamen, ein entzündungshemmendes Medikament oder beides zusammen. Die Rückfallrate nach sechs Monaten war in allen drei Gruppen gleich. Flohsamen könnten also genauso wirksam sein wie Medikamente. 

Eine Kombination von Flohsamen mit Probiotika verbesserte darüber hinaus die Lebensqualität der Betroffenen. Darauf weist eine Vorstudie mit 120 Patienten hin, die entweder Probiotika, Flohsamen oder beides einnahmen. Probiotika sind gesundheitsfördernde Bakterien, welche die Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen. Flohsamen dienen den Bakterien dabei als Nahrung.

Die ersten vielversprechenden Ergebnisse sprechen für einen Einnahmeversuch von Flohsamen bei Colitis ulcerosa – auch in Kombination mit Probiotika. Die in der Mikronährstoffmedizin empfohlene Dosierung liegt bei 5 bis 10 Gramm Flohsamen.

Tipp

Ein anderer entzündungshemmender Ballaststoff ist resistente Stärke. Alles über resistente Stärke bei Colitis ulcerosa erfahren Sie hier.

Flohsamen können erhöhte Cholesterinwerte senken

Flohsamen können das „schlechte“ LDL-Cholesterin leicht reduzieren. Hohe Cholesterinwerte sind ein Risikofaktor für Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Daher wird vermutet, dass die Einnahme von Flohsamen dem Entstehen dieser Erkrankungen vorbeugt. Forscher halten folgenden Mechanismus für wahrscheinlich: Flohsamen können aufgrund ihrer gelbildenden Eigenschaft Gallensäuren im Dünndarm binden und sie ausscheiden. Gallensäuren stellt der Körper aus Cholesterin her. Werden sie also vermehrt ausgeschieden, müssen aus Cholesterin neue Gallensäuren produziert werden. Der Cholesterinspiegel sinkt automatisch leicht.

Dies zeigen auch Studien: Forscher untersuchten durch eine Auswertung von acht Studien den Effekt von Flohsamen in Kombination mit einer fettarmen Diät auf zu hohes LDL-Cholesterin. Die Einnahme von 10,2 Gramm Flohsamen pro Tag konnte den LDL-Cholesterinspiegel um 7 Prozent senken im Vergleich zu einem Scheinmedikament. Für diese Auswertung berücksichtigten die Forscher Daten von knapp 700 Teilnehmern mit zu hohen Cholesterinwerten. Eine Übersichtsarbeit mit 28 Studien, in der auch gesunde Teilnehmer einbezogen wurden, bestätigt den LDL-senkenden Effekt von Flohsamen.

Auch wenn die Senkung der Blutfettwerte vergleichsweise gering ausfällt, sind die Wirkungen gut belegt. Flohsamen sind daher zusammen mit einer Ernährungsumstellung ideal bei leicht bis moderat erhöhtem Cholesterinspiegel, um den Einsatz von cholesterinsenkenden Medikamenten zu vermeiden. Die tägliche Dosis bei erhöhten Cholesterinwerten liegt bei 5 bis 10 Gramm Flohsamen. 

Patient bei Blutzuckermessung
Flohsamen helfen dabei, den Blutzucker zu regulieren. Gerade Diabetiker können davon profitieren. Bild: AndreyPopov/iStock/Getty Images Plus

Diabetes und metabolisches Syndrom: Flohsamen senken den Blutzucker

Ballaststoffe wie Flohsamen können einen wertvollen Beitrag zur Diabetes-Therapie leisten: Flohsamen verhindern ein starkes Ansteigen des Blutzuckerspiegels, indem sie die Zuckeraufnahme im Darm verzögern.

Die positive Wirkung von Flohsamen bei Diabetes Typ 2 ist gut erforscht: Es wurden 35 Studien in acht Übersichtsarbeiten ausgewertet. Die Einnahme von Flohsamen vor den Mahlzeiten führte zu einer Verbesserung der Nüchternblutzucker-Werte und des HbA1c-Wertes. Der HbA1c-Wert zeigt den Langzeitblutzucker an. Am meisten profitierten Diabetiker, die bereits Medikamente bekamen.

Flohsamen eignen sich allgemein auch als Therapieergänzung bei Stoffwechselentgleisungen – so auch beim metabolischen Syndrom. Das metabolische Syndrom ist durch Übergewicht, erhöhte Blutzucker-, Blutfett- und Blutdruckwerte gekennzeichnet. Es ist ein Risikofaktor für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Übersichtsarbeit zeigt, dass Flohsamen die Blutzuckerwerte und die Wirkung des Blutzuckerhormons (Insulin) verbessern sowie den Blutdruck und die Blutfettwerte regulieren.

Bei Diabetes Typ 2 und dem metabolischen Syndrom sollten Ballaststoffe wie Flohsamen unbedingt Bestandteil der Ernährung sein. Sinnvoll sind täglich 5 bis 10 Gramm Flohsamen – idealerweise kurz vor einer Mahlzeit.

Helfen Flohsamen beim Abnehmen?

Waage und Maßband
Als Sattmacher können Flohsamen eine Gewichtsreduktion ideal unterstützen. In Studien konnten die Teilnehmer das Übergewicht besser reduzieren. Bild: ma-no/iStock/Getty Images Plus

Ballaststoffe wie Flohsamen sind gute Sattmacher: Durch gequollene Flohsamen füllt sich der Magen und die Magenentleerung verlangsamt sich. Dadurch wird das Hungergefühl gebremst. Außerdem werden schnell verdauliche Kohlenhydrate (Zucker) verzögert aufgenommen. Dies wiederum führt zu einer besseren Blutzuckerkontrolle und weniger Heißhungerattacken. Deshalb können Flohsamen beim Abnehmen unterstützen.  

Studien verdeutlichen dies:  Wissenschaftler erforschten mit einer hochwertigen Studie ein Jahr lang den Effekt von Ballaststoffen auf das Körpergewicht. Verglichen wurden ein Produkt aus verschiedenen Ballaststoffen und eines aus Flohsamen. Reismehl diente als Kontrolle. Im Vergleich zur Kontrollgruppe reduzierte sich das Körpergewicht durch die Ballaststoffmischung und durch Flohsamen. Auch der Körperfettanteil war niedriger. An dieser Studie nahmen 159 übergewichtige Personen teil. In einer vorläufigen Studie unterstützte eine generelle ballaststoffreiche Ernährung, ergänzt durch Flohsamen, ebenfalls die Gewichtsabnahme.

Zudem fördern Flohsamen das Sättigungsgefühl. Das zeigt eine kleine hochwertige Studie mit 17 Frauen. Sie erhielten drei Tage lang 20 Gramm Flohsamenpulver mit 200 Milliliter Wasser, ein Scheinmedikament mit Wasser oder nur Wasser direkt vor den Mahlzeiten. Die Frauen, die Flohsamen einnahmen, waren satter als die anderen. Auch aßen sie im Durchschnitt weniger Fett.  

Flohsamen könnten die Kalorienaufnahme verringern und somit die Gewichtskontrolle erleichtern. Kombiniert mit mehr Bewegung dürfte der Effekt noch weit größer sein. Unterstützend zum Abnehmen empfehlen Mikronährstoff-Experten 20 bis 25 Gramm Flohsamen pro Tag – zum Beispiel 6 bis 8 Gramm vor jeder Mahlzeit.

Dosierungsempfehlungen auf einen Blick

Dosierungsempfehlung von Flohsamen pro Tag

Verstopfung

5 bis 20 Gramm (g)

Durchfall und Stuhlinkontinenz

10 bis 20 Gramm

Colitis ulcerosa

5 bis 10 Gramm

Erhöhter Cholesterinspiegel

5 bis 10 Gramm

Typ-2-Diabetes, metabolisches Syndrom

5 bis 10 Gramm (vor den Mahlzeiten)

Übergewicht

20 bis 25 Gramm (vor den Mahlzeiten)

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Einsatz bei Medikamenten

Flohsamen verbessern die Wirkung von Cholesterinsenkern (Statinen)

Zur Senkung des Cholesterinspiegels werden Statine eingesetzt. Wirkstoffe sind zum Beispiel Lovastatin (wie Lovabeta®) oder Atorvastatin (wie Sortis®). Noch ist die Ergänzung von Flohsamen zu Statinen wenig erforscht. Es gibt jedoch erste vielversprechende Ergebnisse, die für einen kombinierten Einsatz sprechen:

In einer vorläufigen Studie führte die Kombination aus Flohsamen und Statinen zu einer deutlich stärkeren Cholesterinsenkung als bei der Gruppe, die Medikamente ohne Flohsamen einnahm. Ein weiteres Plus: Weniger Patienten der Kombinationsgruppe klagten über Nebenwirkungen. Eine Vorstudie mit 36 Teilnehmern liefert zudem Hinweise, dass die Kombination von Flohsamen mit Statinen zu keinen Problemen führt.

Außerdem könnten Flohsamen den Bedarf an Statinen reduzieren: Die Einnahme von 10 Milligramm eines Statins zusammen mit 15 Gramm Flohsamen war ähnlich wirksam wie 20 Milligramm des Statins allein. Dies zeigt eine zwölfwöchige erste Studiemit 68 Patienten.

Da Statine oft Nebenwirkungen haben, kann eine Senkung der Medikamentendosis helfen, die Nebenwirkungen zu verringern. Grundsätzlich sind Statine jedoch wirksamer und sollten in keinem Fall ohne Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt oder die Dosis verändert werden. Sinnvoll können begleitend zu Statinen täglich 10 bis 15 Gramm Flohsamen sein – besonders für Personen, die sich ballaststoffarm ernähren.

Flohsamen können Diabetesmedikamente unterstützen

Flohsamen helfen dabei, den Blutzucker zu kontrollieren. Deshalb könnten sie auch die Wirkung von Diabetesmedikamenten unterstützen: Eine kleine hochwertige Studie zeigt, dass Flohsamen in Kombination mit Diabetesmedikamenten den Langzeitblutzuckerwert HbA1c deutlich senken können. 49 Typ-2-Diabetiker erhielten acht Wochen lang zu den Diabetesmedikamenten entweder 5,1 Gramm Flohsamen oder ein Scheinmedikament – jeweils vor dem Frühstück und Abendessen. Der Wirkstoff der Diabetesmedikamente war Metformin (wie Eucreas®, Glucophage®). Zudem zeigte sich, dass Metformin in der Flohsamen-Gruppe magenverträglicher war.

Weitere Studien werden zeigen, ob sich die ersten vielversprechenden Ergebnisse bestätigen lassen. Pro Tag können 10 Gramm Flohsamen sinnvoll sein. Begleitend sollten Sie regelmäßiger Ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Eventuell muss die Dosis der Diabetesmedikamente (vor allem Insulin) angepasst werden.

Dosierungsempfehlungen auf einen Blick

Dosierungsempfehlung von Flohsamen pro Tag bei Medikamenteneinnahme

Statine (Cholesterinsenker)

10 bis 15 Gramm (g)

Diabetesmedikamente (Metformin)

10 Gramm

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Einnahmeempfehlung

Wann und wie sollten Flohsamen eingenommen werden?

Flohsamen sind als ganze Samen erhältlich oder als geschrotete Samenschalen. Zudem gibt es auch spezielle Präparate mit Flohsamenpulver – entweder als Pulver zum Einrühren in Wasser oder als Kapseln. Der Vorteil von Präparaten mit Flohsamenpulver ist: Die Einnahme ist angenehmer als bei geschroteten Samenschalen. Kapseln sind oft weniger empfehlenswert, da dann meist automatisch weniger getrunken wird. Damit Flohsamen jedoch wirken und nicht selbst zu Verstopfung führen, sollten täglich 2 bis 3 Liter getrunken werden.

Die empfohlene Tagesdosis von Flohsamen liegt meist bei 5 bis 20 Gramm. Grundsätzlich ist es ratsam, die Gesamtmenge über den Tag zu verteilen – etwa zum Frühstück und zum Abendessen. Pro Dosis sollte mindestens ein Glas Wasser (200 Milliliter) getrunken werden. Als Faustregel gilt: 1 Gramm Flohsamen auf 30 Milliliter Wasser. Es kann zwei bis drei Tage dauern, bis sich die Wirkung bemerkbar macht.

Tipp

Empfehlenswert ist es zudem, den Darm langsam an die höhere Ballaststoffmenge zu gewöhnen, um Blähungen zu vermeiden: Beginnen Sie mit einer niedrigeren Dosis und verteilen Sie diese auf mehrere Portionen über den Tag – zum Beispiel zweimal jeweils 2 Gramm. Vertragen Sie diese Menge gut, können Sie die Dosis erhöhen, bis die empfohlene Menge erreicht ist.

Darreichungsform von Flohsamen
Flohsamenschalen oder Flohsamenpulver müssen in jedem Fall mit reichlich Wasser eingenommen werden, damit sie ihre gelbildenden Eigenschaften entfalten. Bild: subodhsathe/iStock/Getty Images Plus

Woran Sie gute Präparate mit Flohsamenpulver erkennen

Hersteller von hochwertigen Präparaten verzichten auf Zusatzstoffe wie Aromen oder Farbstoffe sowie Zucker, Salz und unnötige Hilfsstoffe. Auch Allergieauslöser wie Milcheiweiß und Soja sollten nicht enthalten sein und keine Stoffe, die Unverträglichkeiten auslösen wie Gluten, Laktose oder Fruktose.

Manche Präparate enthalten auch zusätzlich Probiotika. Dies ist sinnvoll, da probiotische Bakterien die Schleimstoffe aus Flohsamen als Nahrung nutzen und die Wirkung auf den Darm dadurch unterstützen. Je nach Einsatzgebiet kann auch eine Kombination mit Vitaminen und Mineralstoffen sinnvoll sein: Zum Beispiel ist bei Verstopfung auch Magnesium als Magnesiumoxid empfehlenswert.

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Überdosierung, Wechselwirkungen und Hinweise bei Erkrankungen

Können Flohsamen überdosiert werden?

Grenzwerte für eine Überdosierung von Flohsamen gibt es nicht. Wie gut Flohsamen vertragen werden, ist von Person zu Person unterschiedlich. Nimmt man zu viele Flohsamen ein, kann es zu Magen-Darm-Beschwerden kommen: Typisch sind Blähungen. Sie können vor allem zu Beginn der Einnahme auftreten. In der Regel verschwinden sie im Verlauf der Behandlung wieder. Aber auch Verstopfung kann Folge einer zu hohen Menge sein. Sorgen Sie deshalb unbedingt für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2 bis 3 Liter täglich).

Flohsamen besitzen – wenn auch ein geringes – allergenes Potenzial. Personen mit einer Überempfindlichkeit gegen Flohsamen müssen mit allergischen Reaktionen rechnen.

Sind Flohsamen in der Schwangerschaft geeignet?

Schwangere Frau liest sich eine Packungsbeilage durch
Flohsamen in der Schwangerschaft sind eine ideale Möglichkeit bei Beschwerden mit dem Stuhlgang. Gerade Verstopfungen und Hämorrhoiden zählen zu den häufigen Schwangerschaftsbeschwerden. Bild: Alter_photo/iStock/Getty Images Plus

Es spricht nichts gegen die Einnahme von Flohsamen in der Schwangerschaft. Gerade Schwangere haben oft Beschwerden mit dem Stuhlgang. Wenn eine Nahrungsumstellung allein nicht hilft, sind Flohsamen die erste Wahl, um die Darmtätigkeit anzuregen. Ballaststoffe wie Flohsamen sollten Vorrang vor allen anderen abführenden Mitteln haben.

Achtung: Flohsamen nicht zeitgleich mit Medikamenten einnehmen

Flohsamen können die Aufnahme von bestimmten Medikamenten im Darm beeinträchtigen. Betroffen sind zum Beispiel:

  • Herzglykoside (Digacin®, Lenoxin®) zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen
  • Blutverdünner des Cumarin-Typs (Falithrom®, Marcumar®)
  • der antipsychotische Wirkstoff Lithium (Quilonorm®, Priadel®)
  • Carbamazepine (carbadura®, Timonil®) gegen Epilepsie

Da Flohsamen die Darmentleerung beschleunigen, können sie zudem die Wirkung von Schilddrüsenmedikamenten hemmen: Der Wirkstoff L-Thyroxin (Eferox®, L-Thyrox®) benötigt einige Zeit, bis er im Darm aufgenommen wird. Eine zu schnelle Darmpassage reduziert die Aufnahmemenge des Medikaments im Darm.

Halten Sie daher zur Sicherheit einen Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden zwischen Flohsamen und Medikamenten ein.

 

Vorsicht bei Flohsamen und Medikamenten zur Hemmung der Darmbewegung

Um Verstopfung vorzubeugen, sollten Flohsamenpräparate nicht zusammen mit Medikamenten eingenommen werden, welche die Darmbewegung hemmen (Peristaltikhemmer). Es könnte passieren, dass die gequollenen Flohsamen nicht gut im Darm weitertransportiert werden. Zu diesen Medikamenten zählen Durchfallmittel wie der Wirkstoff Loperamid (Imodium®).

Einnahmehinweise bei Verschlusserkrankungen des Verdauungstraktes

Wenn Sie bereits einen Darmverschluss hatten oder an Verengungen der Speiseröhre, des Magens oder Darmes leiden, sollten Flohsamen nicht eingenommen werden. Gleiches gilt bei einer akuten Entzündung im Magen-Darm-Bereich oder Schluckstörungen.

Brechen Sie die Einnahme ab, wenn Sie plötzlich Magenschmerzen, Brechreiz und Übelkeit verspüren oder Blut im Stuhl entdecken. Diese Symptome könnten Alarmsignale für einen Darmverschluss sein.

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Zusammenfassung

Flohsamen sind wahre Multitalente: Flohsamen wirken reizlindernd und entzündungshemmend. Sie regulieren den Stoffwechsel, die Zucker- und Fettaufnahme und zügeln den Appetit. Ihre Haupteigenschaft, Wasser zu binden und den Stuhl weicher zu machen, dient einer gesunden Verdauung und wirkt sich positiv auf die Darmgesundheit aus. Flohsamen gelangen größtenteils unverdaut in den Darm und werden dort zu kurzkettigen Fettsäuren umgebaut. Von diesen Fettsäuren ernähren sich die guten Darmbakterien. Gleichzeitig liefern sie Energie für die Zellen der Darmschleimhaut. Flohsamen helfen so bei Verstopfung, Durchfall oder entzündlichen Darmerkrankungen.

Auch können Flohsamen in der Behandlung von Diabetes Typ 2, dem metabolischen Syndrom und hohen Cholesterinspiegeln eingesetzt werden. Möglicherweise helfen sie auch beim Abnehmen. Darüber hinaus können sie die Wirkung von Statinen (Cholesterinsenkern) und Diabetesmedikamenten unterstützen.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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