Medikamente als Magnesiumräuber

Wenn Medikamente und Magnesium sich in die Quere kommen

Magnesiumkapseln auf Schild
Magnesium ist ein wichtiger, essenzieller Mineralstoff, den der Körper nicht selbst herstellen kann. Darum ist es umso wichtiger, dass Patienten bei der Einnahme von Medikamenten, besonders wenn diese über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, auf eine ausreichende Magnesiumversorgung über die Ernährung achten. Bild: Dmitrii Khvan/iStock/Getty Images Plus

Nebenwirkung: Magnesiummangel

Viele Medikamente gehen im Körper die gleichen Wege wie Magnesium. Sie werden genauso im Darm aufgenommen, ähnlich verstoffwechselt oder zusammen über die Nieren ausgeschieden. Nimmt man also ein oder mehrere Medikamente ein, besteht ein Risiko für Wechselwirkungen. Medikamente können deshalb die Wirkung von Magnesium verringern, indem sie einen Mangel hervorrufen. Dies trifft vor allem bei Medikamenten zu, die für eine längere Zeit eingenommen werden müssen. Langfristig kann ein Magnesiummangel schwere Folgen haben, denn Magnesium ist ein essenzieller Mikronährstoff. Das heißt, unser Körper kann nicht einfach mehr davon produzieren – wir müssen Magnesium immer mit der Nahrung aufnehmen. 

Info

Magnesium hat im Körper zahlreiche Funktionen. Zum Beispiel wird es zur Energiegewinnung in den Kraftwerken der Zellen (Mitochondrien) benötigt. Alles über Magnesium erfahren Sie hier

Auf welche Weise können Medikamente einen Magnesiummangel verursachen?

Medikamente nehmen hauptsächlich über zwei Mechanismen Einfluss auf den Magnesiumhaushalt:

  • pH-Wert: Der pH-Wert im Verdauungstrakt beeinflusst die Aufnahme von Magnesium. Damit Magnesium aus seinen Verbindungen gelöst werden kann, ist Magensäure nötig. Viel Säure bedeutet einen niedrigen pH-Wert. Steigt jedoch der pH-Wert, sinkt die Löslichkeit der Magnesiumverbindungen. Magnesium kann dann nur schlecht aufgenommen werden. Medikamente, die die Bildung von Magensäure hemmen, lassen den pH-Wert ansteigen. Diese Medikamente werden als Säureblocker (Protonenpumpenhemmer) bezeichnet und oft bei Sodbrennen oder Magengeschwüren eingesetzt. Studien zeigen, dass die langfristige Einnahme von Säureblockern zu einem Magnesiummangel führen kann. Der Mangel kann zudem Auswirkungen auf den Calciumhaushalt haben sowie auf ein bestimmtes Hormon – das Parathormon. Calcium und Parathormon sind zusammen mit Magnesium für gesunde Knochen unverzichtbar. Zu den Säureblockern gehören zum Beispiel die Wirkstoffe Omeprazol (wie Antra MUPS® oder Gastracid®) und Pantoprazol (wie Rifun® und Pantozol®). Sie können inzwischen auch rezeptfrei in der Apotheke gekauft werden. Rezeptfrei bedeutet jedoch nicht nebenwirkungsfrei.
  • Magnesiumtransporter: Damit Magnesium durch den Körper wandern kann, sind spezielle Transporter nötig. Durch solche Transporter gelangt es zum Beispiel in die Zelle hinein – oder wieder heraus. Auch steuern die Transporter, ob Magnesium aus dem Blut in die Nieren gelangt.Forscher haben festgestellt, dass Säureblocker solche Transporter stören können. Vor allem aber stören Entwässerungsmittel (Diuretika) die Magnesiumtransporter [Link auf Diuretika] in der Niere. Dazu gehören Thiazide mit dem bekannten Wirkstoff Hydrochlorothiazid (HCT; zum Beispiel Esidrix®). Ärzte verschreiben ihn oft bei Bluthochdruck. Studien zeigen, dass Thiazide die Rückgewinnung von Magnesium in den Nieren herabsetzen. Diese Rückgewinnung ist jedoch wichtig, damit nicht zu viel Magnesium ausgeschieden wird und dem Körper verloren geht. Je länger Bluthochdruck-Patienten Thiazide einnehmen, desto größer ist das Risiko für einen Magnesiummangel.

Tipp

Vor allem bei Bluthochdruck sollten Sie auf eine gute Magnesiumversorgung achten. Magnesium wirkt blutdrucksenkend. Schon die Ergänzung von 100 Milligramm Magnesium täglich senkt das Bluthochdruckrisiko um 5 Prozent. Dies berechneten Forscher in einer Studienauswertung (Metastudie).

Probleme, welche die Nebenwirkungen auf den Magnesiumhaushalt verstärken

Je weiter die Lebenserwartung steigt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir von mehreren Krankheiten gleichzeitig betroffen sind. Dazu zählen vor allem ernährungsbedingte Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes. Das hat zur Folge, dass Ärzte auch mehrere Medikamente verordnen. Damit steigt das Risiko für Nebenwirkungen – auch auf den Magnesiumhaushalt. Weitere Medikamente, die den Magnesiumhaushalt stören, sind übrigens Abführmittel, Insulin bei Diabetes oder die Antibabypille.

Hinzu kommt: Im Mittel nehmen wir zu wenig Magnesium über die Nahrung auf. Laut der Nationalen Verzehrsstudie erreichen ein Drittel der Menschen in Deutschland nicht die empfohlenen 300 bis 350 Milligramm Magnesium pro Tag. Magnesium zählt daher zu den möglichen Mangelnährstoffen.

Die heutige Ernährung sorgt dafür, dass wir schlecht mit Magnesium versorgt sind: Von 1914 bis 2018 haben Lebensmittel wie Kohl, grüner Salat, Tomaten und Spinat etwa 90 Prozent ihres Gehaltes an Magnesium und anderen Mikronährstoffen verloren. Softdrinks enthalten zum Beispiel viel Phosphorsäure: Sie setzt die Magnesiumaufnahme herab. Zudem führt langes Kochen zu Magnesiumverlusten der Lebensmittel.

Empfehlung für die Praxis

Im medizinischen Alltag sollte bei der Verschreibung von Medikamenten immer an Magnesium gedacht werden. Die Kontrolle des Magnesiumspiegels im Blut ist deshalb empfehlenswert, um einen Mangel zu erkennen. Ideal ist die Bestimmung im Vollblut. Vollblut enthält alle Blutzellen, in denen Magnesium überwiegend zu finden ist. Nur ein geringer Teil schwimmt dagegen in der Blutflüssigkeit (Serum). In der Praxis wird Magnesium jedoch meist im Serum bestimmt. Die Messung ist ungenauer. Zur Vermeidung eines durch Medikamente ausgelösten Magnesiummangels haben sich meist 100 bis 300 Milligramm täglich bewährt. Einige Experten geben auch Empfehlungen für die Zufuhr anhand des Körpergewichts: Pro Kilogramm braucht man 4 bis 6 Milligramm Magnesium. Bei 70 Kilogramm sind dies 280 bis 420 Milligramm. Gut geeignet ist organisches Magnesium – zum Beispiel Magnesiumcitrat. Ideal ist auch magnesiumreiches Mineralwasser (über 100 Milligramm pro Liter).

Verzeichnis der Studien und Quellen

Gröber, U. (2019): Magnesium and Drugs. Int J Mol Sci. 2019 May; 20(9): 2094. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6539869/, abgerufen am: 04.09.2019.

Gröber, U. et al. (2015): Magnesium in Prevention and Therapy. Nutrients. 2015 Sep; 7(9): 8199–8226. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4586582/, abgerufen am: 04.09.2019.

Max Rubner-Institut (2008): Ergebnisbericht Teil 2. Nationale Verzehrsstudie II. Die bundesweite Befragung zur Ernährung von Jugendlichen und Erwachsenen. Karlsruhe https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf, abgerufen am: 04.09.2019.

Über den Autor

Uwe Gröber

Uwe Gröber ist Leiter der Akademie für Mikronährstoffmedizin in Essen und Autor zahlreicher Publikationen, Fachbücher und Buchbeiträge. Er studierte Pharmazie an der Johann-Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt und zählt zu den führenden Mikronährstoffexperten Deutschlands mit seinen Spezialgebieten Pharmakologie, Mikronährstoffmedizin, Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Mikronährstoffen, Metabolic Tuning, Ernährungs-, Sport- und Präventivmedizin sowie komplementäre Verfahren in der Diabetologie und Onkologie (z.B. Tumoranämie). Neben seiner medizinisch-wissenschaftlichen Beratungstätigkeit ist er europaweit seit Jahren aktiv in der Aus- und Fortbildung von Ärzten, Apothekern und Ernährungswissenschaftlern tätig, unter anderem als Dozent an der Dresdner International University (DIU) zudem ist er aktives Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Onkologie (PRIO) der deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Porträt Uwe Gröber