Migräneattacken können durch Probiotika verringert werden

In einer hochwertigen Studie stellten Forscher fest: Probiotika senkten die Häufigkeit und Stärke von Migräneanfällen.

Illustration eines Gehirns schwebt über Händen
Eine Verbindung zwischen der Darmflora und unserem Nervensystem ist schon lange Thema in der Forschung. Die Darmflora reguliert die Barrierefunktion, Entzündungen und Nervensignale aus dem Darm an das Gehirn, dies kann auch bei Migräne eine Rolle spielen. Bild: Natali_Mis/iStock/Getty Images Plus

Was wurde untersucht?

In einer kürzlich veröffentlichten Studie untersuchten Forscher, ob ein Probiotikum mit verschiedenen Bakterienarten Einfluss auf Migräneattacken hat. Das Präparat enthielt 14 verschiedene Bakterienstämme, unter anderem mit Bifidobacterium, Lactobacillus und Streptococcus thermophilus.

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Probiotika sind laut Definition kleinste Lebewesen (Mikroorganismen) wie Bakterien, die lebend im Darm ankommen und die Darmflora fördern. Auf diese Weise haben sie für den Menschen einen gesundheitlichen Nutzen.

Die Forscher stellten fest, dass Probiotika nachweislich die Häufigkeit und die Stärke einer Migräneattacke von Betroffenen reduzieren können, die an gelegentlicher (episodischer) Migräne litten. Dieser Effekt war auch bei Personen zu sehen, die von chronischer Migräne betroffen waren. Von einer chronischen Migräne spricht man, wenn die Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat auftreten. Bei chronischer Migräne konnte durch die Einnahme des Probiotikums sogar die Dauer eines Anfalls gesenkt werden.

Wie war die Studie aufgebaut?

Mehrere Studien haben die Wirksamkeit von Probiotika bei Migräne bereits untersucht: In Vorstudien hatten Probiotika ebenfalls eine Wirkung, in einer hochwertigen Studie aus dem Jahr 2017 dagegen nicht. Bei der neuen Studie handelt es sich nun um eine erste hochwertige Studie mit positiven Effekten.

In dieser Studie wurde die Probiotikaeinnahme mit einem Scheinpräparat (Placebo) verglichen. Das ist eines der Kriterien, die eine hochwertige Studie auszeichnet. Denn gibt es kein Placebo, könnten sich die Teilnehmer die Wirkung auch eingebildet haben. Man nennt dies „Placebo-Effekt“.

Zudem war die Studie randomisiert und doppelblind. Das heißt, die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip entweder in die Probiotika-Gruppe oder in die Placebo-Gruppe eingeteilt. Doppelblind bedeutet, dass weder die Forscher noch die Studienteilnehmer wussten, welches Präparat sie bekamen. Die Einnahme erfolgte 10 Wochen lang. Insgesamt nahmen 79 Personen teil: 40 Patienten mit episodischer Migräne und 39 mit chronischer Migräne. Damit ist die Studie allerdings eher klein.

Wie wirken Probiotika bei Migräne?

In der vergangenen Zeit gab es immer mehr Studien, die auf einen Zusammenhang zwischen dem Darm und dem Gehirn hindeuten – die sogenannte Darm-Hirn-Achse. Eine gestörte Darmflora wird mit Erkrankungen des Nervensystems oder mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen in Verbindung gebracht. Auch bei Migräne wird ein gestörtes Bakteriengleichgewicht diskutiert.

Forscher vermuten, dass probiotische Bakterien die Barrierefunktion im Darm verbessern und so weniger schädliche Stoffe in den Körper gelangen. Zudem regulieren sie das Immunsystem und können dadurch Entzündungen verringern. Allerdings wurde bisher noch nicht nachgewiesen, dass Entzündungswerte bei Migränepatienten durch Probiotika gesenkt werden. Eine weitere Annahme von Wissenschaftlern ist ein direkter Einfluss auf das Nervensystem: Darmnerven senden Signale an das Gehirn, die bei einer gestörten Darmflora verändert sein können. Die genauen Wirkmechanismen müssen aber noch genau erforscht werden.

Fazit für die Praxis

Bisher ist die Studienlage von Probiotika bei Migräne noch nicht ganz so gut wie bei anderen Mikronährstoffen – zum Beispiel Vitamin B2 und Magnesium. Forscher müssen künftig in weiteren hochwertigen Studien mit einer größeren Teilnehmerzahl untersuchen, ob die positive Wirkung bestätigt werden kann. Aufgrund der geringen Nebenwirkungen sind Probiotika jedoch vielversprechend und einen Versuch wert, wenn andere Mikronährstoffe nicht anschlagen.

Damit Probiotika lebend im Darm ankommen, müssen sie in ausreichender Menge eingenommen werden. Empfohlen wird eine Dosierung von mindestens einer Milliarde Bakterien (1 x 109 kolonienbildende Einheiten). Besser sind jedoch mehr – zum Beispiel 10 Milliarden (10 x 109) Bakterien. Probiotika kommen zwar auch in Lebensmitteln vor – zum Beispiel Sauerkraut – die Menge ist jedoch gering im Vergleich zu speziellen Präparaten. Zudem müssen Probiotika regelmäßig eingenommen werden. Sobald man damit aufhört, verschwinden die probiotischen Bakterien aus dem Darm wieder und die Wirkung lässt nach.

Verzeichnis der Studien und Quellen

Cutler, N. (2019): Gut-brain axis: RCT shows gut-friendly probiotic improves migraine symptoms. William Reed Business Media Ltd 2019. https://www.nutraingredients.com/Article/2019/01/30/Gut-brain-axis-RCT-shows-gut-friendly-probiotic-improves-migraine-symptoms, abgerufen am: 13.03.2019.

Dai, Y.J. et al. (2017): Potential Beneficial Effects of Probiotics on Human Migraine Headache: A Literature Review. Pain Physician. 2017 Feb;20(2):E251-E255. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28158162, abgerufen am: 13.03.2019.

de Roos, N.M. et al. (2015): The effects of the multispecies probiotic mixture Ecologic®Barrier on migraine: results of an open-label pilot study. Benef Microbes. 2015;6(5):641-6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25869282, abgerufen am: 13.03.2019.

de Roos, N.M. et al. (2017): The effects of a multispecies probiotic on migraine and markers of intestinal permeability-results of a randomized placebo-controlled study. Eur J Clin Nutr. 2017 Dec;71(12):1455-1462. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28537581, abgerufen am: 13.03.2019.

Martami, F. et al. (2019): The effects of a multispecies probiotic supplement on inflammatory markers and episodic and chronic migraine characteristics: A randomized double-blind controlled trial. Cephalalgia. 2019 Jan 8:333102418820102. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30621517, abgerufen am: 13.03.2019.

Straube, A. et al. (2018): Migraine prophylaxis with a probiotic. Results of an uncontrolled observational study with 1,020 patients. MMW Fortschr Med. 2018 Nov;160(Suppl 5):16-21. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30367437, abgerufen am: 13.03.2019.


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