Qualität ist in der Mikronährstoffmedizin Grundvoraussetzung

Chronische Krankheiten belasten den Körper schon genug. Verunreinigungen in Mikronährstoffpräparaten dürfen daher unter keinen Umständen sein!

Verschiedene Kapseln und Pillen
Verunreinigungen und Zusatzstoffe wie Farb- und Geschmacksstoffe haben in hochwertigen Präparaten nichts zu suchen. Bild: iStock/GettyImages/tashechka

Verunreinigungen bleiben selten ohne Folgen

Mikronährstoffmedizin unterstützt die Behandlung von Krankheiten. Daher ist es Grundvoraussetzung, dass Mikronährstoffpräparate (oder Nahrungsergänzungsmittel) die höchste Qualität haben. Meist nimmt man Vitamine und Mineralstoffe einige Monate lang ein, manchmal sogar dauerhaft. Bei einer schlechten Qualität können so Tag für Tag schädliche Stoffe in den Körper gelangen.

Nicht alle Mikronährstoffpräparate haben eine gute Qualität. Untersuchungen zeigen, dass sie oft verunreinigt sind – zum Beispiel mit dopingrelevanten Substanzen wie anabolen Steroiden oder Prohormonen. Man vermutet, dass solche Verunreinigungen meist beim Herstellungsprozess passieren, da unsauber gearbeitet oder „nebenan“ etwas anderes produziert wird.

Das ist nicht nur für Sportler ein Problem, denn die Stoffe können generell gesundheitliche Nebenwirkungen haben. Daher ist es umso wichtiger, dass man auf die Qualität achtet. Und noch wichtiger ist, dass man weiß, woran man eine gute Qualität überhaupt erkennt.

Info

Für Sportler gibt es spezielle Listen oder Qualitätssiegel, mit denen sie erkennen können, ob Präparate frei von dopingrelevanten Substanzen sind. Hersteller können ihre Produkte prüfen lassen und ein Zertifikat erhalten. Beispiele sind das NSF®-Programm und die Kölner Liste®.

GMP-Herstellungsrichtlinien

Eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale sind zertifizierte Herstellungsprozesse. Hersteller sollten unbedingt nach standardisierten Qualitätszertifikaten produzieren. Ein solches Beispiel ist GMP. GMP steht für „gute Herstellungspraxis“ (englisch: Good Manufacturing Practice). Darin sind genaue Richtlinien festgelegt, die bei der Produktion eingehalten werden müssen. So wird gewährleistet, dass Nahrungsergänzungsmittel eine pharmazeutische Qualität haben – und zwar so wie ein Arzneimittel.

Zwei Untersuchungen aus der Schweiz zeigen, dass genau solche „GMP-Präparate“ nicht auffällig waren. Man schlussfolgert daher, dass alle Nahrungsergänzungsmittel, die nach strengen GMP-Richtlinien produziert werden, als risikoarm für Verunreinigungen eingestuft werden können. Präparate der Mikronährstoffmedizin sollten daher immer nach pharmazeutischen Richtlinien hergestellt sein – oder eine Zulassung als Arzneimittel haben. 

Tipp

Generell sollte man auch bei ein und demselben Präparate-Hersteller bleiben. Das reduziert das Risiko für Abweichungen in der tatsächlich enthaltenen Menge oder der Aufnahmefähigkeit des Rohstoffs im Darm. Denn es kam dadurch bereits nachweislich zu einer Vitamin-D-Vergiftung. Gleiches gilt auch für Arzneimittel: Wirkstoffidentische Arzneimittel sollten nicht während einer laufenden Behandlung gegeneinander ausgetauscht werden (Bioäquivalenz und Chargenkonformität).

Produktion in Deutschland

Auch wenn die Präparate in Deutschland hergestellt sind, sinkt das Risiko für Verunreinigungen. Denn oft stammen die verunreinigten Produkte aus dem Ausland. Speziell bei Nahrungsergänzungsmitteln von ausländischen Herstellern ist neben dopingrelevanten Substanzen zudem eine Gefährdung durch folgende Stoffe möglich: Pestizide, illegale Zutaten, natürliche Giftstoffe oder Mikroorganismen wie Bakterien.

Hinzu kommt bei Bestellungenüber das Internet aus dem Ausland: Was im Ausland als Nahrungsergänzungsmittel gilt, kann unter Umständen in Deutschland als Medikament eingestuft werden. Da es verboten ist, Arzneimittel aus dem Nicht-EU-Ausland zu importieren, können sie vom Zoll einbehalten werden. Dann erhält man die bezahlte Ware nicht. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Strafanzeige wegen des Imports illegaler Arzneimittel. Nahrungsergänzungsmittel sollten daher im Internet nur in Deutschland bestellt werden.

Achtung: Schadstoffe bei Omega 3 aus Fischöl

Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl sind einer der kritischsten Mikronährstoffe, was das Thema Schadstoffe angeht. Fische sind in unseren Meeren teils großen Umweltbelastungen ausgesetzt, sodass sich schwer abbaubare Giftstoffe in ihnen anreichern. Diese Giftstoffe isst man mit, wenn Fisch auf dem Speiseplan steht.

Fischöl-Präparate sind oft eine beliebte Alternative: Untersuchungen zeigen, dass Schadstoffe wie Dioxin und PCB (Polychlorierte Biphenyle) meist unter den vorgeschriebenen Grenzwerten liegen, wenn man die Kapseln in der empfohlenen Menge einnimmt. In der Mikronährstoffmedizin kommen aber oft höhere Dosierungen zum Einsatz – zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und das meist für einen Zeitraum von mehreren Jahren. Es kann also sein, dass sich trotz unterschrittener Grenzwerte die Schadstoffe im Körper anreichern. Man muss die Zufuhr daher auf ein Mindestmaß beschränken. Folgende Kriterien gelten für gute Präparate:

  • Entweder speziell gereinigtes Fischöl oder Krillöl, das von Natur aus reiner ist
  • Öle aus kleinen Fischen wie Sardelle oder Makrele, da sie in der Nahrungskette unten stehen und kaum Fische fressen, die wiederum mit Schadstoffen belastet sind

Zusatzstoffe wie Farb- und Aromastoffe sind überflüssig

Das Auge isst bei unserer täglichen Ernährung bekanntlich mit – allerdings ist das bei hochwertigen Mikronährstoffpräparaten überflüssig. Hier haben Farb- und Aromastoffe für den Geschmack nichts zu suchen. Zudem sollten Zusatz- und Hilfsstoffe möglichst nicht enthalten sein. Einige sind vermutlich sogar schädlich – zum Beispiel:

  • Titandioxid ist ein Weißmacher und wird zum Färben von Kapseln oder Tabletten eingesetzt. Der Stoff gilt seit 2020 als möglicherweise krebserregend, wenn er als Pulver eingeatmet wird. Auch die Einnahme könnte schädlich sein: Studien an Ratten zeigen, dass es zu Entzündungen im Darm und ersten Krebsvorstufen kam.
  • Aluminium kann als Füllstoff in den Kapseln oder als Hilfsstoff zum besseren Einkapseln eingesetzt werden. Zwar ist Aluminium in geringen Mengen völlig unproblematisch, man muss jedoch auch andere Quellen im Auge behalten. Aluminium kann zum Beispiel über Alufolie, Laugengebäcke (werden auf Aluminium-Blechen gebacken) oder Kosmetikprodukte in den Körper gelangen. Bei Nierenerkrankungen wird Aluminium schlechter ausgeschieden und kann sich im Körper anreichern.
  • Süßungsmittel sorgen vor allem bei Brausetabletten oder Pulvern für einen angenehmen Geschmack. Forscher fanden allerdings heraus, dass einige Süßstoffe wie Aspartam die Mikrobiota (Darmflora) durcheinanderbringen können. Auf Dauer könnte das zu einer Darmflora-Störung führen.

Einige Zusatzstoffe stehen zudem im Verdacht, Allergien auszulösen. Auch deshalb sollten sie nicht in hochwertigen Mikronährstoffpräparaten enthalten sein. Gleiches gilt für Stoffe, die Unverträglichkeiten hervorrufen wie Laktose oder Fruktose.

Tipp

Achten Sie auf Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform und kaufen Sie keine Brausetabletten und Co. Vor allem Brausetabletten enthalten meist unnötige Süßungsmittel oder Aromen. Auch Arzneimittel sind oft als Kapseln erhältlich.

Zusammenfassung

Voraussetzung für eine gute Wirkung ist eine hohe Qualität. Oft nimmt man Mikronährstoffpräparate für mehrere Wochen oder Monate ein, was es umso wichtiger macht, dass sie den höchsten Qualitätsstandards entsprechen. Präparate sollten daher immer nach GMP-Richtlinien produziert werden. Das gewährleistet eine pharmazeutische Qualität. Zudem sollten die Präparate aus Deutschland stammen.

Vor allem bei chronischen Krankheiten ist der Körper durch die Erkrankung schon vorbelastet. Deshalb haben Schadstoffe in den Präparaten absolut nichts zu suchen. Darüber hinaus sollten die Hersteller möglichst auf Zusatzstoffe verzichten. Das gilt für Farb- oder Aromastoffe sowie für Hilfsstoffe. Auch sie belasten den Körper nur unnötig. Qualität ist daher die Grundlage für eine erfolgreiche Mikronährstoffmedizin.

Verzeichnis der Studien und Quellen

Albrecht, M & Hiebl, M. (2012): Fischölkapseln – Untersuchungsergebnisse 2004. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/warengruppen/wc_51_nahrungsergaenzungsmittel/ue_2004_fischoelkapseln.htm, abgerufen am: 30.03.2020.

Braun, H. et al. (2010): Nahrungsergänzung im Sport. Verunreinigungen von Nahrungssupplementen – eine Quelle verbotener Substanzen? Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin. 4, 2010, 18-21. https://www.dshs-koeln.de/fileadmin/redaktion/Institute/Biochemie/PDF/NEM_Braun_2010.pdf, abgerufen am: 13.03.2020.

Chen, F. et al. (2019): Association among dietary supplement use, nutrient intake, and mortality among U.S. adults: A cohort study. Ann Intern Med, 170 (9), 604-613. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30959527/, abgerufen am: 30.03.2020.

Harpaz, D. et al. (2018): Measuring Artificial Sweeteners Toxicity Using a Bioluminescent Bacterial Panel. Molecules, 23 (10) 2018 Sep 25. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30257473/, abgerufen am: 17.03.2020. 

Köster, G. (2018): Aluminium im Essen. UGBforum 3/2018. https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/aluminium-im-essen/, abgerufen am: 13.03.2020.

Spencer, M. et al. (2016): Artificial Sweeteners: A Systematic Review and Primer for Gastroenterologists. J Neurogastroenterol Motil, 22 (2), 168-80 2016 Apr 30. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26932837/, abgerufen am: 17.03.2020.

Verbraucherzentrale Bundesverband (2017): Endlich Klartext bei Nahrungsergänzungsmitteln. https://www.verbraucherzentrale.de/aktuelle-meldungen/lebensmittel/endlich-klartext-bei-nahrungsergaenzungsmitteln-13409, abgerufen am: 27.03.2002.

Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt (2019): Schadstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln. https://www.verbraucherzentrale-sachsen-anhalt.de/en/node/13360, abgerufen am: 27.03.2020.

Winkler, H. C. et al. (2018): Critical review of the safety assessment of titanium dioxide additives in food. J Nanobiotechnology, 16 (1), 51 2018 Jun 1. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29859103/, abgerufen am: 13.03.2020.

Über den Autor

Dr. med. Rainer Spichalsky

Dr. med. Rainer Spichalsky ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Neben der schulmedizinischen Ausbildung erwarb er weitere Fachqualifikationen als Arzt für Applied  Kinesiology,  F.X. Mayer Arzt und manuelle Therapie. Zudem ist Herr Dr. med Spichalsky zertifizierter Anti-Aging Arzt gemäß GSAAM und Orthomolekular Therapeut. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer einer ärztlichen Partnerschaftsgesellschaft ist der diplomierte Gesundheitsheitsökonom unter anderem auch Dozent für orthomolekulare Therapie.

Porträtfofo Wissenschaftlicher Beirat Dr. med. Rainer Spichalsky