Schmerzmittel und Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl

Wie Mikronährstoffmedizin den Bedarf an entzündungshemmenden Schmerzmitteln senkt und Nebenwirkungen verringert

Omega-3-Kapseln
Aus langkettigen Omega-3-Fettsäuren produziert der Körper antientzündliche Botenstoffe. Deshalb unterstützen EPA und DHA die Wirkung von bestimmten Schmerzmitteln ideal. Bild: Gam1983/iStock/Getty Images Plus

Wirkweise von entzündungshemmenden Schmerzmitteln

Entzündungshemmende Schmerzmittel werden in der Fachsprache „nicht steroidale Antirheumatika“ genannt. Bekannte Wirkstoffe sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure (wie Aspirin®), Ibuprofen (wie Ibuhexal®) oder Diclofenac (wie Voltaren® oder Diclac®).

Die Medikamente hemmen bestimmte Enzyme (Cyclooxygenasen). Diese Enzyme sind normalerweise für die Herstellung von Botenstoffen (Prostaglandine wie Prostaglandin E2) nötig, die wiederum das Entzündungsgeschehen anfeuern und gleichzeitig Schmerzen verursachen. Durch die Hemmung der Enzyme werden weniger solcher Botenstoffe produziert und eine entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung setzt ein.

Info

Nicht steroidale Antirheumatika werden vor allem zur Linderung der rheumatoiden Arthritis angewendet. Es handelt sich um eine entzündliche Erkrankung der Gelenke. Daher kommt auch der Begriff „Antirheumatika“. Oft wird rheumatoide Arthritis auch als Rheuma bezeichnet. Streng genommen fallen unter den Begriff „Rheuma“ aber noch andere rheumatische Erkrankungen.

Ansatzpunkte von Omega-3-Fettsäuren zur Schmerzlinderung

Omega-3-Fettsäuren sind in der Mikronährstoffmedizin die wichtigsten Helfer bei Entzündungen und damit auch bei Schmerzen. Sie greifen, ähnlich wie entzündungshemmende Schmerzmittel, in die Bildung von Botenstoffen ein. Das gilt vor allem für die langkettigen Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Diese kommen hauptsächlich in Fischöl vor.

Folgende Wirkweisen sind bekannt:

  • Hemmung der Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe (wie Prostaglandin E2): Die Enzyme, die solche Botenstoffe herstellen, brauchen einen Ausgangsstoff. Als Ausgangsstoff kommen entweder Omega-3-Fettsäuren infrage – oder Omega-6-Fettsäuren, darunter hauptsächlich Arachidonsäure. Aus Arachidonsäure stellt der Körper jedoch entzündungsfördernde Botenstoffe her. Diese fachen die Entzündung weiter an. Kommen EPA und DHA ins Spiel, verdrängen sie Arachidonsäure von den Enzymen und der Körper bildet entzündungshemmende Botenstoffe.
  • Auflösen und Beenden der Entzündung: EPA und DHA sind außerdem wichtig für die Produktion bestimmter fettähnlicher Signalmoleküle (Resolvine, Protektine und Maresine). Docken diese Signalstoffe an Eiweiße des Immunsystems an (Transkriptionsfaktor Nf-κB), führt das zur Auflösung (englisch „to resolve“) und Beendigung der Entzündungen.

Darüber hinaus werden weitere Wirkweisen vermutet, die aktuell erforscht werden.

Expertenwissen

 Kürzlich haben Forscher nachgewiesen, dass EPA und DHA in die beiden Endocannabinoide Docosahexanoyl-Ethanolamid (DHEA) und Eicosapentaenoyl-Ethanolamid (EPEA) umgewandelt werden. Diese Endocannabinoide sind wiederum Vorstufen der Epoxide Epoxyeicosatetraensäure-Ethanolamid (EEQ-EA) und Epoxydocosapentaensäure-Ethanolamid (EDP-EA). Sie befinden sich vor allem im Gehirn und in peripheren Organen.

Die beiden Epoxide reduzieren die Konzentration entzündungsfördernder Botenstoffe und steigern die Konzentration entzündungshemmender und neuromodulatorischer Botenstoffe. Dadurch hemmen sie dosisabhängig Entzündungen (Endocannabinoid-Signalweg). Diese Wirkung kann zum Teil durch die Interaktion mit Cannabinoid-2-Rezeptoren im Immunsystem erklärt werden.

Empfehlung: Omega-3-Fettsäuren als natürliche Schmerzstiller

Bei der Therapie mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln (nicht steroidalen Antirheumatika) empfiehlt sich die regelmäßige Einnahme von Omega-3-Fettsäuren. Auf diese Weise kann der Bedarf der Medikamente verringert werden, was gleichzeitig mit einer niedrigeren Rate an Nebenwirkungeneinhergeht. Entzündungshemmende Schmerzmittel schädigen zum Beispiel die Magen-Darm-Schleimhaut, wenn sie regelmäßig über eine längere Zeit eingenommen werden.

Sinnvoll ist eine Dosierung nach dem Köpergewicht: Eine 60 Kilogramm schwere Person kann unterstützend 2.400 Milligramm EPA und DHA täglich ergänzen (40 Milligramm EPA und DHA pro Kilogramm Körpergewicht). Gute Quellen sind Fischöl. Vegetarier oder Veganer können auf Algenöl in Form von Kapseln zurückgreifen.

Ratsam ist auch eine ausreichende Versorgung mit Antioxidantien wie Vitamin C, E und Selen sowie mit Vitamin D. Für Vitamin D werden auch schmerzlindernde Wirkungen vermutet. Gleichzeitig sollte die Ernährung so wenig wie möglich entzündungsfördernde Arachidonsäure enthalten. Dazu eignet sich eine vegetarische Ernährung mit Milchprodukten am besten (lakto-vegetarisch). Arachidonsäure ist vor allem in Fleisch und Eiern enthalten.

Verzeichnis der Studien und Quellen

Gröber, U. (2018): NSAID und langkettige maritime ω-3-Fettsäuren. OM – Zs. f. Orthomol. Med. 2018; 16: 1–2.

Gröber U. (2018): Arzneimittel und Mikronährstoffe. Medikationsorientierte Supplementierung. 4. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart.

Gröber, U. (2011): Mikronährstoffe. Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. 3. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart.

McDougle D. R. et al. (2017): Anti-inflammatory ω-3 endocannabinoid epoxides. Proc Natl Acad Sci USA 2017 Jul 25;114(30):E6034-E6043. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28687674/, abgerufen am: 29.04.2020.

Senftleber, N. K. et al. (2017): Marine Oil Supplements for Arthritis Pain: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Trials. Nutrients 2017; 9 (1). pii: E42. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28067815/, abgerufen am: 29.04.2020.

Über den Autor

Uwe Gröber

Uwe Gröber ist Leiter der Akademie für Mikronährstoffmedizin in Essen und Autor zahlreicher Publikationen, Fachbücher und Buchbeiträge. Er studierte Pharmazie an der Johann-Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt und zählt zu den führenden Mikronährstoffexperten Deutschlands mit seinen Spezialgebieten Pharmakologie, Mikronährstoffmedizin, Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und Mikronährstoffen, Metabolic Tuning, Ernährungs-, Sport- und Präventivmedizin sowie komplementäre Verfahren in der Diabetologie und Onkologie (z.B. Tumoranämie). Neben seiner medizinisch-wissenschaftlichen Beratungstätigkeit ist er europaweit seit Jahren aktiv in der Aus- und Fortbildung von Ärzten, Apothekern und Ernährungswissenschaftlern tätig, unter anderem als Dozent an der Dresdner International University (DIU). Zudem ist er aktives Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Onkologie (PRIO) der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG).

Porträt Uwe Gröber