Neugeborenen-Screening wird um Vitamin-B12 erweitert

Die Neugeborenen-Untersuchung umfasst demnächst auch einen möglichen Vitamin B12-Mangel

Früherkennung für einen gesunden Start ins Leben: Das Neugeborenen-Screening wird ab 2026 um den Test auf Vitamin-B12-Mangel erweitert. Bild: AntonioGuillem/iStock/Getty Images Plus

Das zuständige Gremium hat beschlossen, das Neugeborenen-Screening unter anderem um die Untersuchung auf einen Vitamin B12-Mangel auszuweiten.

Warum wird auf Vitamin B12 untersucht?

Vitamin B12 ist notwendig für die Zellteilung und insbesondere für die Bildung von Blutzellen. Auch zum Aufbau der Nervenhüllen (Myelinscheiden) wird das Vitamin benötigt. Ein unbehandelter Vitamin B12-Mangel kann Entwicklungsstörungen und Blutarmut verursachen. Daher hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das neugeborenen-Screening auf die Untersuchung des Vitamins ausgeweitet.

Bei einem festgestellten B12-Mangel besteht die Behandlung des Neugeborenen aus der Gabe von Vitamin B12. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Der Vitamin B12-Mangel ist erblich bedingt. In diesem Fall muss lebenslang Vitamin B12 gegeben werden.
  • Die Mutter hatte einen Vitamin B12-Mangel. Hier ist nur eine kurzzeitige Vitamin B12-Gabe notwendig.

Info

Vitamin B12-Mangel nimmt zu

Geschätzt weist etwa jeder Zehnte in Deutschland einen Vitamin B12-Mangel im Blut auf. Insbesondere im Alter nimmt die Mangelsituation zu, aber auch immer mehr Jüngere – darunter Schwangere – sind betroffen.

Ursachen eines Vitamin B12-Mangels sind

  • vegetarische/vegane Ernährung, da Vitamin B12 aus tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch, Meeresfrüchten und Eiern sowie Milchprodukten stammt.
    Es wird Menschen, die sich vegan ernähren empfohlen, Vitamin B12 als Mikronährstoffpräparat einzunehmen. Insbesondere Schwangere und Stillende sollten auf einen guten Vitamin B12-Spiegel achten.
  • Mangel des Transporteiweißes Intrinsic Factor, der das Vitamin B12 aus der Nahrung bindet und so die Aufnahme aus dem Darm ermöglicht.
  • Mangel an Magensäure, da Vitamin B12 an Eiweiße gebunden aufgenommen wird und die Magensäure das Vitamin aus der Nahrung löst
  • chronische Entzündung der Magen- oder Darmschleimhaut, da dadurch entweder zu wenig Transporteiweiß Intrinsic Factor gebildet wird oder die Aufnahme des daran gebundenen Vitamins im Darm gestört ist
  • Einnahme von bestimmten Medikamenten wie gegen Diabetes (Metformin) oder gegen zu viel Magensäure (PPI)
  • regelmäßiger (erhöhter) Alkoholkonsum
  • Alter, da sich mit den Jahren die Produktion des Transporteiweißes verringert und damit auch weniger Vitamin B12 aufgenommen werden kann

Ein Mangel macht sich oft erst mit Verzögerung bemerkbar, da unser Körper Vitamin B12 als einziges wasserlösliches Vitamin in größeren Mengen speichern kann. Speicherort ist die Leber.

Mögliche Symptome eines Vitamin B12-Mangels sind:

  • Blutarmut, dadurch blasse Haut
  • Depressionen
  • eine brennende Zunge
  • Gangunsicherheit mit erhöhter Sturzneigung
  • Gedächtnisstörungen
  • Haarausfall
  • Infektanfälligkeit
  • Kopfschmerzen
  • Kribbeln in Armen, Beinen und Füßen
  • Müdigkeit, Konzentrationsschwäche
  • Muskelschwäche
  • Sensibilitätsstörungen bis hin zu Lähmungen
  • Verwirrtheit

Zur Behebung eines Vitamin B12-Mangels wird das Vitamin hochdosiert eingenommen: zwischen 250 und 1.000 Mikrogramm täglich werden empfohlen. Das ist über die Nahrung nicht möglich, weshalb auf entsprechende Mikronährstoffpräparate zurückgegriffen werden muss.


Was ist das Neugeborenen-Screening?

Alle Neugeborene in Deutschland werden – mit Einverständnis der Eltern – in der Regel am dritten Tag auf verschiedene angeborene Stoffwechselerkrankungen untersucht. Denn diese Erkrankungen können unbehandelt zu Organschäden oder Behinderungen – im schlimmsten Fall auch zum vorzeitigen Tod – führen. Betroffen ist etwa eines von 1000 Kindern.

Für dieses Neugeborenen-Screening wird dem neuen Erdenbürger etwas Blut aus der Ferse entnommen und auf eine Filterkarte aufgebracht. Diese geht noch am gleichen Tag ins Labor. Ergebnisse liegen meist innerhalb von 24 Stunden vor.
Bei einem auffälligen Ergebnis werden die Eltern kontaktiert, es erfolgt eine zweite Blutabnahme für eine Kontrolluntersuchung. Gibt der Befund abermals Hinweise auf eine Erkrankung, wird das in einer weiteren Untersuchung abgeklärt und bei Bedarf eine Behandlung eingeleitet.

Was umfasst das Screening?

Die Neugeborenen werden auf seltene angeborene Störungen untersucht, die Erkrankungen

  • des Stoffwechsels,
  • des Hormonsystems,
  • des Blutsystems,
  • des Immunsystems und
  • des neuromuskulären Systems

umfassen. Dazu zählt beispielsweise die Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose (Cystische Fibrose), bei der die Drüsen zähflüssige Sekrete bilden. Diese stören unter anderem die Lungenfunktion.

Neu hinzukommen ab Mai 2026 Untersuchungen auf die seltenen Stoffwechselerkrankungen

  • Homocystinurie (Störung des Aminosäurestoffwechsels),
  • Methylmalonazidurie (gestörter Abbau von Amino- und Fettsäuren) und
  • Propionazidämie (gestörter Abbau von Propionyl-CoA, einer Zwischenstufe im Abbau bestimmter Amino- und Fettsäuren)

sowie auf einen Vitamin B12-Mangel.

Die Frist soll den Screening-Laboren Zeit geben, die entsprechenden Geräte anzuschaffen.

Verzeichnis der Studien und Quellen

Flexikon (DocCheck) (21.05.2025): Neugeborenenscreening. https://flexikon.doccheck.com/de/Neugeborenenscreening, zuletzt abgerufen am 22.05.2025.

Ärzteblatt (16.05.2025): Neugeborene werden künftig auf Vitamin-B12-Mangel sowie seltene Stoffwechselerkrankungen untersucht. https://www.aerzteblatt.de/news/neugeborene-werden-kunftig-auf-vitamin-b12-mangel-sowie-seltene-stoffwechselerkrankungen-untersucht-67711403-42df-4b12-aa95-0edca152cc9d, zuletzt abgerufen am 22.05.2025.

Gemeinsamer Bundesausschuss (04.2024): Versicherteninformation zum erweiterten Neugeborenen-Screening. https://www.g-ba.de/downloads/17-98-2235/2024-03-21_G-BA_Versicherteninformation_Erweitertes-Neugeborenen-Screening_bf.pdf, zuletzt abgerufen am 22.05.2025.

Universitätsklinikum Heidelberg (o. D.): Neugeborenenscreening – Dietmar-Hopp-Stoffwechselzentrum. https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fachliche-zentren/dietmar-hopp-stoffwechselzentrum/neugeborenenscreening, zuletzt abgerufen am 22.05.2025.

NDR (23.07.2024): Vitamin-B12-Mangel: Wenn die Nerven leiden. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Vitamin-B12-Mangel-Wenn-die-Nerven-leiden,vitamine144.html, zuletzt abgerufen am 22.05.2025.

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