Tetracycline stören die Vitamin-C-Aufnahme

Wie Sie durch die Mikronährstoffmedizin einen Mangel ausgleichen

Tetracycline sind Antibiotika und bekämpfen ein breites Spektrum von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien ausgelöst werden. Unter der Einnahme von Tetracyclinen kommt es jedoch zu einer erhöhten Ausscheidung von Vitamin C. Das kann sich negativ auf die Abwehrkräfte auswirken, da Vitamin C wichtig für das Immunsystem ist. Lesen Sie hier, wie Sie mithilfe der Mikronährstoffmedizin Nebenwirkungen der Tetracycline verringern können.

Verschiedene Blisterpackungen mit bunten Pillen
Tetracyline zählen zu den Breitbankantibiotika, das heißt, dass sie ein breites Spektrum an Bakterien bekämpft. Aus diesem Grund wird es bei vielen Infektionskrankheiten eingesetzt. Bild: Cioncabogdana/iStock/Getty Images Plus

Tetracycline: Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen

Wirkmechanismus

Tetracycline sind Antibiotika. Die Wirkung der Tetracycline beruht auf einer Hemmung der Eiweißproduktion von Bakterien. Die Bakterien brauchen Eiweiße für ihren Stoffwechsel und für die Struktur ihrer Zellhülle. Tetracycline stören dadurch das Wachstum von Bakterien. Ruhende Bakterien werden aber nicht angegriffen.

Auf dem Markt verfügbare Substanzen sind:

  • Doxycyclin (zum Beispiel Aknefug Doxy®, Antodox®, Doxakne®, Doxyderma®, DoxyHexal®, Doxymono®, Oraycea®)
  • Minocyclin (zum Beispiel Aknefug Mino®, Aknosan®, Minakne®, Skid®, Skinocyclin®, Udima®)
  • Lymecyclin (zum Beispiel Tetralysal®)
  • Tigecyclin (zum Beispiel Tygacil®), als Reserveantibiotikum bei schweren Infektionen und Resistenzen

Einsatzgebiete von Tetracyclin

Da unterschiedliche Bakterienarten (zum Beispiel grampositive, gramnegative und zellwandlose Bakterien) mit Tetracyclinen bekämpft werden können, haben diese Medikamente ein breites Wirkungsspektrum. Sie werden deshalb auch zu den Breitbandantibiotika gezählt und hauptsächlich bei folgenden Infektionskrankheiten angewendet:

  • Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und bei Infektionen der unteren Atemwege: akute Phase der chronischen Bronchitis, Lungenentzündung, bakterielle Nasennebenhöhlenentzündung und Mittelohrentzündung
  • innerliche Behandlung von Hautkrankheiten: Akne und Rosazea (Hautkrankheit mit Gesichtsrötung)
  • Infektionen der Geschlechts- und Harnorgane: Harnröhrenentzündung, bakterielle Prostataentzündung oder Gonorrhoe (Tripper) und Syphilis (bei Penicillinallergie)
  • Infektionen des Magen-Darm-Traktes: Durchfallerkrankungen wie Cholera und Shigellen-Ruhr oder durch Campylobacter oder Yersinien
  • Borrelien-Infektion (Haut, Nervensystem und Gelenke)

Nebenwirkungen: Tetracycline verursachen Magen-Darm-Beschwerden

Tetracycline können einen Vitamin-C-Mangel begünstigen, da die Ausscheidung über die Nieren durch Tetracycline gesteigert wird. Im Rahmen der Mikronährstoffmedizin wird deshalb Vitamin C empfohlen, um einen Mangel als Nebenwirkung zu vermeiden.

Auch können Tetracycline Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen verursachen. Häufig sind zudem Entzündungen der Schleimhäute, was die Aufnahme der Mikronährstoffe im Darm zusätzlich erschweren kann. Da Tetracycline auch gegen die „guten“ Darmbakterien wirken, stören sie die Darmflora. Durchfall ist meist die Folge.

Tipp

Mehr zum Thema Durchfall finden Sie in unserem allgemeinen Übersichtstext zur Einnahme von Antibiotika.

Weitere Nebenwirkungen von Tetracyclinen sind:

  • Veränderung des Blutbildes wie Blutarmut (Anämie)
  • Überempfindlichkeitsreaktionen wie Hautausschlag, erhöhte Lichtempfindlichkeit und allergische Schwellungen im Gesicht, an Händen und Füßen (angioneurotisches Ödem)
  • Infektionen mit resistenten Bakterien oder mit Hefepilzen, zum Beispiel im Bereich von Mund und Rachen, Scheide oder Darm

Info

Tetracycline können zu Veränderungen an den Zähnen, aber auch an Nägeln und Knochen führen. Es kommt zu gelblich bis braunen Verfärbungen und zu einer Unterentwicklung des Zahnschmelzes. Diese Schäden sind dauerhaft. Tetracycline sollten deshalb nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit und nicht bei Kindern vor dem achten Lebensjahr eingesetzt werden, da sie mit Calcium im kindlichen Zahnschmelz eingelagert werden.

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Nebenwirkungen vermeiden

Vitamin-C-Mangel ausgelöst durch Tetracycline ausgleichen

Hintergrund und Wirkweise

Vitamin C ist essenziell für das Immunsystem. Es ist vor allem bei der ersten Abwehr von Infekten wichtig. In weißen Blutkörperchen – den Zellen für die Immunabwehr – ist Vitamin C besonders hoch konzentriert. Vitamin C regt die Bildung von bestimmten Immunzellen und Abwehrstoffen an. Zudem ist Vitamin C ein wichtiges Antioxidans, das freie Radikale einfängt, die während Entzündungsreaktionen im Körper auftreten.

Tetracycline können die Ausscheidung von Vitamin C über die Nieren fördern. In einer kleinen Vorstudie sank der Vitamin-C-Spiegel in den Immunzellen bei einer Behandlung mit Tetracyclinen um mindestens die Hälfte. Bei der Kontrollgruppe, die keine Tetracycline einnahm, zeigte sich dieser Rückgang nicht. Zwei der mit Tetracyclinen behandelten Patienten wiesen ebenfalls eine erhöhte Ausscheidung von Vitamin C über den Urin auf.

Wird ein Mangel an Vitamin C nicht ausgeglichen, wirkt sich dies negativ auf das Immunsystem aus. Eine Schwächung der Abwehrkräfte wiederum begünstigt weitere Infekte durch Viren oder Bakterien. Ein Vitamin-C-Mangel ist daher besonders während einer Behandlung mit Tetracyclinen sehr ungünstig.

Dosierung und Einnahmeempfehlung

Vitamin C geschrieben mit Citrusfrüchten
Tetracycline steigern die Vitamin-C-Ausscheidung über die Niere. Außerdem ist Vitamin C bei Infektionskrankheiten besonders wichtig, da es das Immunsystem stärkt. Bild: Chinarius/iStock/Getty Images Plus

Bei einer Behandlung mit Tetracyclinen empfehlen Mikronährstoff-Experten die Einnahme von 200 bis 500 Milligramm Vitamin C täglich – idealerweise in Form von Kapsel.

Bei Dosierungen über 200 Milligramm sinkt die Aufnahme von Vitamin C im Darm. Daher sollte bei höheren Vitamin-C-Dosierungen die Einnahme über den Tag verteilt werden – zum Beispiel zweimal 200 Milligramm. Nehmen Sie Vitamin C zu einer Mahlzeit ein, um die Verträglichkeit zu verbessern.

Tipp

Gute Vitamin-C-Verbindungen: Basische Verbindungen wie Calciumascorbat sind besonders verträglich. Auch ist retardiertes („verzögertes“) Vitamin C zu empfehlen: Bei Retard-Verbindungen ist Vitamin C so „verpackt“, dass es über einen Zeitraum von bis zu zwölf Stunden freigesetzt wird und gleichmäßige Wirkspiegel im Blut erreicht werden. Das ist besonders bei Infektionen sinnvoll.

Vitamin C im Labor bestimmen lassen

Besonders bei langen oder schweren Infektionen, bei denen Tetracycline über längere Zeit verschrieben werden, kann es sinnvoll sein, den Vitamin-C-Spiegel von einem Arzt bestimmen zu lassen.

Vitamin C kann im Vollblut oder Plasma bestimmt werden. Vollblut enthält alle Blutzellen, während Plasma die Flüssigkeit des Blutes ist. Am besten lässt sich die Versorgung an der Vitamin-C-Konzentration in den weißen Blutkörperchen im Vollblut ablesen. Ideal sind 30 bis 53 Mikrogramm auf 100 Millionen Leukozyten (µg/108).

Vitamin C: zu beachten bei Medikamenteneinnahme

Unerwünschte Wirkungen zwischen Vitamin C und Medikamenten sind in der Regel nicht zu befürchten, sodass es begleitend eingenommen werden kann. Ausnahme ist der Wirkstoff Bortezomib (zum Beispiel Velcade®), der in der Krebstherapie eingesetzt wird: Vitamin C setzt im Tierversuch die Wirkung des Blutkrebs-Medikaments herab und sollte deshalb während einer solchen Therapie ausschließlich nach besonderer Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden.

Dosierungen auf einen Blick

Mikronährstoff-Empfehlung am Tag bei Tetracyclin-Einnahme

Vitamin C

200 bis 500 Milligramm (mg)

 

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Zusammenfassung

Tetracycline zählen zu den Antibiotika, die unter anderem zur Behandlung bakterieller Infektionen der Harnwege, der Haut und der Atemwege eingesetzt werden. Die Medikamente haben unterschiedliche Nebenwirkungen. Zum Beispiel fördern sie die Ausscheidung von Vitamin C über die Nieren. Ein Vitamin-C-Mangel kann sich negativ auf das Immunsystem auswirken. Unter der Einnahme von Tetracyclinen ist deshalb eine zusätzliche Versorgung mit Vitamin C empfehlenswert.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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Gröber, U. (2018): Arzneimittel und Mikronährstoffe – Medikationsorientierte Supplementierung. 4. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart.

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