Lycopin: der rote Pflanzenfarbstoff gegen Zellschäden

Wie Lycopin wirkt und warum es für Zellen und Gefäße so wertvoll ist

Lycopin ist ein sekundärer Pflanzenstoff. Es steckt vor allem in Tomaten. Lycopin ist wichtig zum Schutz der Zellen und Gefäße. Zum Beispiel schützt es die Haut vor UV-Strahlen der Sonne. Auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann Lycopin eingesetzt werden. Es fördert die Gesundheit der Blutgefäße und stabilisiert den Blutdruck. Lycopin kann aber noch mehr. Lesen Sie hier, wie Sie den Pflanzenstoff im Rahmen der Mikronährstoffmedizin optimal nutzen können.

Tomaten in einer Holzschale
Bekannt für einen hohen Lycopingehalt sind vor allem Tomaten. Oft werden Präparate deshalb aus Tomatenextrakt hergestellt. Bild: olvas/iStock/Getty Images Plus

Eigenschaften und Vorkommen in Lebensmitteln

Eigenschaften und Chemie: Was ist Lycopin?

Chemische Strukturformel Lycopin
Strukturformel von Lycopin. Bild: Health One Media GmbH

Lycopin ist ein roter Farb- und Schutzstoff in vielen Obst- und Gemüsesorten. Es gehört zu den Carotinoiden und ist fettlöslich. Einige Carotinoide – darunter Beta-Carotin – nutzt unser Körper, um Vitamin A zu bilden. Lycopin ist aber eine Ausnahme: Aus ihm kann kein Vitamin A hergestellt werden. Grundsätzlich ist Lycopin hitzestabil. Das bedeutet, es wird durch Erhitzen nicht zerstört.

Es gibt zwei Hauptformen von Lycopin: all-trans- und cis-Lycopin. Sie unterscheiden sich in ihrer räumlichen Anordnung. Die Formen sind ineinander umwandelbar: All-trans-Lycopin kommt hauptsächlich in Lebensmitteln vor. Im Körper überwiegt dagegen cis-Lycopin. Die cis-Form hat eine bessere Löslichkeit und schwimmt dadurch besser im Blut.

Die rote Farbkraft von Lycopin ist so stark, dass es zum Färben von Lebensmitteln benutzt wird – zum Beispiel für Pasteten und vegetarische Fisch- sowie Fleischersatzprodukte.

Welche Lebensmittel enthalten besonders viel Lycopin?

Lycopin steckt in vielen Obst- und Gemüsesorten. Eine kräftige rote Farbe ist ein Anzeichen für viel Lycopin. Der wichtigste Lycopinlieferant sind Tomaten. Aber auch Hagebutten, Wassermelonen oder Papayas sind für ihren hohen Gehalt bekannt: Je reifer die Frucht, desto mehr Lycopin steckt in ihr.

Die 5 besten Lycopin -Lieferanten

Milligramm (mg)pro 100 Kalorien (kcal)

Milligramm pro 100 Gramm (g)

Tomaten (Saft)

50 mg

8,5 mg

Tomaten (roh)

15,5 mg

3,1 mg

Guave

15,4 mg

5,4 mg

Wassermelone

13,7 mg

4,1 mg

Pampelmuse

8,9 mg

3,4 mg

 

Tipp

Viele Mikronährstoffe gehen durch Erhitzen verloren. Lycopin jedoch ist hitzestabil. Kochen und Pürieren können sogar die Verwertbarkeit steigern: Aus Tomatenmark kann der Körper Lycopin besser nutzen als aus frischen Tomaten. Die Verarbeitung der Tomaten knackt die Strukturen, in denen Lycopin gebunden ist. Zudem entsteht so eine gut aufnehmbare Form (cis-Lycopin).

Empfehlenswert ist auch etwas Fett – zum Beispiel Tomatensaucen mit Öl: Das Öl löst Lycopin heraus, sodass es gut aufnehmbar wird.

Zurück zum Anfang

Aufnahme und Funktionen im Körper

Wie Lycopin in den Körper gelangt

Die Aufnahme (Absorption) von Lycopin findet im Dünndarm statt: Im Zuge der Fettverdauung gelangt es über die Schleimhaut ins Blut und weiter zu den Organen. Allerdings ist die Lycopinaufnahme für den Körper nicht ganz einfach. Selbst nach dem Verzehr von Nahrungsmitteln mit sehr viel Lycopin gelangt oft nur ein kleiner Teil ins Blut – etwa ein bis zwei Drittel. Die Bioverfügbarkeit ist damit gering. Die Aufnahmemenge hängt vor allem von der Form des Lycopins ab und von der Quelle (cis oder trans; verarbeitet oder frisch). 

Aufgenommenes Lycopin bleibt fünf bis zehn Tage lang im Körper. Dort sammelt es sich in unterschiedlichen Mengen an: Das meiste Lycopin steckt in Nebennieren, Leber, Hoden und Prostata. Ausgeschieden wird Lycopin über den Urin. Der Teil, der nicht im Darm aufgenommen wurde, wird direkt über den Stuhl wieder aus dem Körper transportiert.

Wie wirkt Lycopin im Körper?

Lycopin wirkt als Antioxidans. Das bedeutet, es kann freie Radikale unschädlich machen. Freie Radikale entstehen zum Beispiel durch UV-Strahlen. Sie können auch ein Nebenprodukt des Stoffwechsels sein. Werden Radikale nicht abgefangen, leiden die Zellen: Die Membranen werden geschädigt und über längere Zeit altern die Zellen und sterben ab. Man spricht von oxidativem Stress.

Vom Lycopin-Schutz profitieren insbesondere:

  • Haut und Augen: Lycopin unterstützt den Aufbau eines natürlichen Sonnenschutzes. Es scheint Rötungen und Reizungen durch UV-Strahlen zu lindern. So kann es helfen, Sonnenbrand, Grauen Star und altersbedingter Makuladegeneration (AMD) vorzubeugen. Außerdem bremst Lycopin die Schädigung von Kollagenfasern. Damit wird einem Verlust der Hautfestigkeit vorgebeugt und die Hautalterung gebremst. Lycopin könnte die Haut vor Faltenbildung schützen und sie glatt und elastisch halten.
  • Herz und Gefäße: Lycopin verbessert die Funktion der Blutgefäße. Es schützt sie vor altersbedingen Veränderungen wie Entzündungen, Verdickungen und Verhärtungen. Darüber hinaus wirkt Lycopin einer Entgleisung der Blutfette entgegen und hält den Blutdruck stabil. Dadurch beugt es vermutlich Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.
  • Nerven: Lycopin schützt die Nerven vor schädlichen Einflüssen und Entzündungen. Damit könnte es auf lange Sicht altersbedingten Nervenerkrankungen vorbeugen – zum Beispiel Alzheimer und Parkinson.  
  • Leber: Leber und andere Organe sind immer wieder Giften ausgesetzt – darunter Schwermetallen wie Blei. Auch Chemikalien aus Pflanzenschutzmitteln oder natürliche Gifte von Pilzen können dem Körper schaden. Solche Gifte setzen schädliche Kettenreaktionen in den Zellen in Gang. Lycopin kann abfangend wirken. 
  • Immunsystem: Lycopin schützt möglicherweise vor Krebs. Es bremst Vorgänge, die zu Schäden an der Erbsubstanz führen und Krebs verursachen. Allerdings ist noch nicht klar, ob Lycopin gezielt gegen Krebs eingesetzt werden kann.
Illustration von oxidativem Stress
Oxidativer Stress entsteht, wenn freie Radikale die Zelle schädigen. Letztendlich stirbt die Zelle ab. Bild: ttsz/iStock/Getty Images Plus
Zurück zum Anfang

Einsatz bei Krankheiten und zum Schutz der Haut

Lycopin: Hilfe bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Der Nutzen von Lycopin bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wird seit Jahren untersucht. Lycopin kann verschiedene Wirkungen haben: Es schützt die Gefäße vor oxidativem Stress, vermindert Veränderungen an den Gefäßwänden, sorgt für gute Cholesterinwerte und für einen normalen Blutdruck.

Eine Auswertung mehrerer Studien zeigt: Je höher die Lycopinzufuhr oder die Menge im Blut, desto gesünder waren die Teilnehmer. Sie hatten weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle. Eine gute Versorgung mit Carotinoiden wie Lycopin steht zudem mit einem geringeren Sterberisiko bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung. Dies verdeutlicht eine große Beobachtungsstudie. Ähnliches zeigt eine Auswertung des Tomatenkonsums: Das Sterberisiko war 37 Prozent niedriger, wenn die Teilnehmer viele Tomaten aßen und hohe Blutwerte an Lycopin hatten. Allerdings wurde in Studien nicht immer ein Nutzen nachgewiesen. Ein Grund könnte sein, dass die Aufnahme von Lycopin zu gering war. In der betreffenden Studie wurden die Blutwerte nicht untersucht.

Die meisten Erkenntnisse stammen aus Beobachtungsstudien. Solche Studien haben eine geringere Qualität. Es fehlen noch Studien zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in denen Teilnehmer gezielt Lycopin einnehmen. Es gibt aber schon einige Studien zu verschiedenen Kennzeichen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – zum Beispiel zu erhöhten Cholesterinwerten.

Grundsätzlich lohnt sich bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Ernährung, die reich ist an Lycopin. Betroffene haben meist einen gesteigerten Bedarf an Antioxidantien. Eine Menge von 5 bis 15 Milligramm Lycopin täglich kann sich positiv auswirken.

Lycopin kann Ablagerungen in den Gefäßen reduzieren

Illustration von Blutgefäßen und Blutfetten
Lycopin kann bei der Regulierung der Blutfette helfen. Zudem verkleinerten sich bereits vorhandene Gefäßablagerungen. Bild: Naeblys/iStock/Getty Images Plus

Bei einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) sind die Wände der Blutgefäße verdickt und verhärtet. Dadurch ist der Blutfluss eingeschränkt. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall steigt. Möglicherweise wirkt Lycopin der Entstehung von Arteriosklerose entgegen: Es reduziert oxidativen Stress in den Gefäßen. Dadurch bleiben sie elastisch. Zudem hilft Lycopin bei der Regulierung der Blutfette: Blutfette können sich durch oxidativen Stress verändern, sodass sie sich in den Gefäßen ablagern. Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der Menge an Lycopin im Blut und der Dicke der Blutgefäße.

Vor allem Patienten mit leichten Ablagerungen in den Blutgefäßen könnten von Lycopin profitieren. Dies verdeutlicht eine hochwertige Studie mit über 140 Teilnehmern. Durch die Einnahme von 20 Milligramm Lycopin verringerten sich vorhandene Ablagerungen. Der Effekt war in Kombination mit dem Carotinoid Lutein noch stärker. Die Therapie dauerte ein Jahr. Eine Auswertung mehrerer Studien liefert außerdem Hinweise, dass Lycopin die Fließeigenschaften des Blutes verbessert. Nun müssen weitere hochwertige Studien bestätigen, ob Lycopin auch anderen Patienten bei Arteriosklerose hilft.

Aufgrund der ersten positiven Ergebnisse empfehlen Mikronährstoff-Experten bei beginnender Arteriosklerose eine Tagesdosis von 5 bis 15 Milligramm Lycopin. Empfehlenswert sind zudem weitere Antioxidantien wie Lutein oder Vitamine.

Cholesterinwerte im Griff dank Lycopin

Lycopin kann den Cholesterinspiegel senken. Es hemmt vermutlich die Produktion von Cholesterin sowie die Aufnahme in die Zellen. Auch könnte Lycopin die Einlagerung von Cholesterin in die Wände der Blutgefäße verringern: Es wirkt antioxidativ. Wird Cholesterin durch oxidativen Stress geschädigt, lagert es sich ab. Das führt langfristig zu einer Arterienverkalkung. Darauf deuten die Ergebnisse aus Zell- und Tierversuchen hin.

Erste Studien am Menschen belegen, dass Lycopin den Spiegel des „schlechten“ LDL-Cholesterins um bis zu 10 Prozent senkt. Die wirksame Menge lag bei 25 Milligramm Lycopin oder mehr. Diese Wirkung entspricht der von gering dosierten Medikamenten (Statinen). Forscher errechneten diesen Wert durch die Auswertung von zwölf Studien. Eingesetzt wurden lycopinhaltige Lebensmittel wie Tomatensaft und -suppe.

Auch Frauen in den Wechseljahren profitieren möglicherweise: Einer kleinen Vorstudie zufolge schützten 4 Milligramm Lycopin ähnlich gut wie eine Hormonersatztherapie. Bereits 2 Milligramm Lycopin pro Tag sorgten für knapp 15 Prozent weniger LDL-Cholesterin im Blut. Grundsätzlich steigt in den Wechseljahren die Gefahr, dass Cholesterinwerte in die Höhe gehen. Hochwertige Studien werden aufdecken, ob Lycopin auch den Cholesterinspiegel anderer Patienten senkt.

Aufgrund erster vielversprechender Ergebnisse kann die Einnahme versucht werden. Pro Tag eignet sich eine Dosierung von 2 bis 13 Milligramm Lycopin. Mikronährstoff-Experten empfehlen bei erhöhten Cholesterinwerten meist ein Präparat, das viele verschiedene Antioxidantien enthält: Sie ergänzen sich in Bezug auf den Gefäßschutz gegenseitig.

Lycopin für einen stabilen Blutdruck

Ist der Blutdruck zu hoch, drohen Schäden an den Gefäßen. Lycopin verfügt über blutdrucksenkende Eigenschaften: Es schwächt die Wirkung des blutdrucksteigernden Hormons Angiotensin ab. Zudem sorgt Lycopin indirekt dafür, dass Stickstoffmonoxid (NO) produziert wird. NO ist ein Botenstoff, der die Gefäße erweitert. Das Blut kann leichter fließen. Dadurch stabilisiert sich der Blutdruck.

Lycopin scheint jedoch nur einen bestimmten Blutdruckwert zu beeinflussen – den systolischen Wert (erster Wert). Dieser beschreibt die Anspannungsphase des Herzmuskels, in der das Blut ausströmt. Auf den diastolischen Wert (zweiter Wert) hatte Lycopin keinen Einfluss. Dies ist die Phase, in der das Herz entspannt und neues Blut einströmt. Zu diesen Ergebnissen kommen Forscher durch die Auswertung von sechs Studien.

Vor allem Übergewichtige und Personen mit leicht erhöhtem Blutdruck könnten von Lycopin profitieren. Allerdings sprechen nicht alle Studienergebnisse für eine Wirkung. Es muss noch herausgefunden werden, warum einige ansprechen und andere nicht. Dennoch ist die Einnahme einen Versuch wert. Pro Tag sind 5 bis 15 Milligramm Lycopin sinnvoll.  

Lycopin für die Haut: Sonnenschutz und gegen Falten

Die UV-Strahlung der Sonne erzeugt oxidativen Stress in der Haut. Das trägt zur Hautalterung bei: Sie wird trocken und faltig. Im Extremfall entsteht Hautkrebs. Carotinoide gelten als natürlicher Sonnenschutz: Sie federn den oxidativen Stress ab. Besonders wirksam scheint Lycopin zu sein. Zudem sorgen Carotinoide für eine natürliche Bräune, da sie sich in der Haut anreichern.

Die Wirksamkeit ist durch eine hochwertige Studie mit 65 Teilnehmern belegt: Die Einnahme von Lycopin verringerte bestimmte Enzyme, die in der Haut bei oxidativem Stress gebildet werden. Das zeigt, dass die Haut geschützt war. Die Forscher untersuchten auch, ob isoliertes Lycopin besser wirkte oder ein Tomatenpräparat mit Lycopin. Das Präparat aus Tomaten wirkte stärker. Vermutlich unterstützen die anderen Carotinoide und Pflanzenstoffe die Wirkung.

In einer anderen hochwertigen Studie testeten Forscher Lycopin in Verbindung mit Beta-Carotin und Milchsäurebakterien. Sie stellten positive Wirkungen bei einer Sonnenallergie fest: Im Vergleich zum Scheinmedikament waren weniger Rötungen der Haut sichtbar. In einer Vorstudie konnte jedoch kein Effekt nachgewiesen werden.

Mikronährstoff-Mediziner empfehlen eine Tagesdosis zwischen 10 und 15 Milligramm Lycopin, um den Eigenschutz der Haut zu stärken. Allerdings ersetzt dies keine Sonnenschutzmittel. Eine gute Wahl sind Carotinoid-Mischungen mit zum Beispiel Beta-Carotin.

Gelber Sonnenschirm
Carotinoide wie Lycopin lagern sich vor allem in der Haut ab. Dort schützen sie die Zellen vor freien Radikalen, die wiederum durch UV-Strahlen entstehen. Bild: grafxart8888/iStock/Getty Images Plus

Tipp

Die Haut muss erst ein Depot an Lycopin aufbauen. Das kann bis zu zehn Wochen dauern. Je stärker die Haut dann durch UV-Strahlung belastet wird, desto schneller ist das eingelagerte Lycopin wieder verbraucht. Für einen dauerhaften Schutz der Haut muss Lycopin also regelmäßig eingenommen werden.

Schützt Lycopin vor Prostatakrebs?

Lycopin wird eine Anti-Krebs-Wirkung zugesprochen. Dies ist vermutlich auf seine Fähigkeit zurückzuführen, oxidativen Stress zu bremsen. Lycopin reichert sich unter anderem in der Prostata an. Forscher vermuten deshalb, dass es vor Prostatakrebs schützen kann. Einige Beobachtungsstudien zeigen ein verringertes Krebsrisiko, wenn sich Männer lycopinreich ernährten. Andere Studien zeigen diesen Zusammenhang jedoch nicht.

Nahmen Männer in einer Vorstudie gezielt Lycopin ein, verringerte sich der PSA-Wert. PSA steht für „Prostataspezifisches-Antigen“. Dieser Wert wird für die Verlaufskontrolle von Prostatakrebs genutzt und könnte auch ein Erkennungszeichen für Krebs sein. Auch eine Auswertung von Studien mit Prostatakrebs-Patienten liefert positive Ergebnisse: Die Einnahme von Lycopin stand mit einer höheren Überlebensrate in Verbindung. Die Teilnehmer wurden über zwei Jahre untersucht. Sie nahmen 2 bis 45 Milligramm Lycopin pro Tag ein. Möglicherweise kann Lycopin auch verhindern, dass sich der Krebs ausbreitet: Patienten, die Lycopin einnahmen, litten seltener an Knochenkrebs als diejenigen, die ein Scheinmedikament bekamen.

Aber nicht alle Studien deuten auf einen Nutzen hin. Möglicherweise hilft Lycopin nicht jedem. So zeigte die Einnahme bei hormonell bedingtem Prostatakrebs keine Wirkung. Insgesamt fehlen noch mehr Studien, um zu belegen, dass Lycopin bei Krebs wirksam ist.

Bei anderen Erkrankungen der Prostata – zum Beispiel einer Prostatavergrößerung – empfehlen Mikronährstoff-Mediziner bereits Carotinoide wie Lycopin. Bei Prostatakrebs kann die Einnahme von Lycopin in Rücksprache mit dem Arzt versucht werden. Sinnvoll ist eine tägliche Menge von 10 bis 15 Milligramm.

 

Dosierempfehlung von Lycopin pro Tag in Milligramm (mg) 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

5 bis 15

Arteriosklerose

5 bis 15

hohe Cholesterinwerte

2 bis 13

Bluthochdruck

5 bis 15

Sonnenschutz der Haut und Falten

10 bis 15

Prostatakrebs

10 bis 15

 

Zurück zum Anfang

Einnahmeempfehlung

Lycopin: frische Tomaten oder Kapseln?

Tomatenextrakt in Pulverform
Hochwertige Präparate sollten frei von unnötigen Farb- oder Aromastoffen sein. Auch empfiehlt sich die Kombination mit anderen Carotinoiden oder antioxidativen Vitaminen. Bild: ivo_13/iStock/Getty Images Plus

Eine abwechslungsreiche Ernährung versorgt den Körper normalerweise mit ausreichend Lycopin. Eine dicke Fleischtomate liefert zum Beispiel etwa 6 Milligramm. Allerdings ist Lycopin kein lebensnotwendiger Nährstoff, sodass kein genauer Tagesbedarf bekannt ist.

Aus Lebensmitteln kann der Körper Lycopin weniger gut aufnehmen. Deshalb empfehlen Mikronährstoff-Mediziner Lycopinpräparate – vor allem dann, wenn es um den gezielten Einsatz bei Erkrankungen und genaue Dosierungen geht. Präparate sind meist als Kapseln erhältlich; weniger als Tabletten. Zudem setzen einige Kosmetikhersteller ihrer Creme Lycopin zu.

Präparate mit Lycopin sollten in jedem Fall zum Essen eingenommen werden. Dadurch verbessert sich die Aufnahme im Darm. Zum Beispiel steigern Vitamin E und eiweißhaltige Lebensmittel die Aufnahme. Aber auch Fett ist wichtig – insbesondere Öl: Ein Teelöffel Olivenöl pro lycopinhaltiger Mahlzeit transportiert den Schutzstoff besser in den Körper.

Auch sollte Lycopin über den Tag verteilt eingenommen werden: Je mehr davon auf einmal im Darm vorliegt, desto schwieriger wird es für den Körper, Lycopin zu verwerten.

Woran erkennt man ein gutes Lycopinpräparat?

Meist wird Lycopin in Verbindung mit anderen Antioxidantien empfohlen – zum Beispiel mit Carotinoiden. Oft kombinieren Hersteller Lycopin auch mit antioxidativen Vitaminen wie Vitamin C oder Vitamin E. Diese Stoffe ergänzen sich gegenseitig – nach dem Vorbild der Natur: Auch in Pflanzen tritt Lycopin niemals allein auf, sondern immer in Begleitung weiterer Verbindungen.

Bei einem Präparat, das Lycopin aus Tomaten enthält, sollten Sie darauf achten, dass der genaue Lycopingehalt bekannt ist. Dies ist meist bei einem Tomaten-Extrakt der Fall. In der Regel ist ein Extrakt auf einen ganz bestimmten Inhaltsstoff eingestellt. Bei Tomatenpulver sind die Tomaten dagegen nur getrocknet und zermahlen. Der Lycopingehalt schwankt in Pulver stark. Das macht eine exakte Dosierung unmöglich.

Hochwertige Präparate sollten zudem frei von Zusatzstoffen sein wie unnötigen Farb- oder Aromastoffen oder Zucker. Auch sollten keine Substanzen enthalten sein, die Unverträglichkeiten oder Allergien auslösen. Ein Beispiel ist Laktose, die zur Herstellung von Tabletten verwendet wird.

Zurück zum Anfang

Überdosierung und Wechselwirkungen

Lycopin: Sind Überdosierungen und Unverträglichkeiten möglich?

Grundsätzlich ist Lycopin gut verträglich. Experten zufolge liegt die vertretbare maximale Dosis bei 75 Milligramm pro Tag. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Lycopinpräparate eine Obergrenze von 15 Milligramm pro Tag. Diese Menge ist langfristig sicher.

Auch Dosierungen von 100 Milligramm für kurze Zeit blieben ohne augenscheinliche Beschwerden. Die Unbedenklichkeit solch hoher Dosen Lycopin ist jedoch nicht durch Langzeitbeobachtungen abgesichert.

Carotinoide können langfristig zu einer Gelbfärbung der Haut führen. Dies gilt vor allem für Beta-Carotin. Für Lycopin sind solche Nebenwirkungen bisher aber nicht festgestellt worden.

Sind Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich?

Bisher wurden keine Wechselwirkungen zwischen Lycopin und Medikamenten festgestellt.

Zurück zum Anfang

Zusammenfassung

Lycopin ist ein sekundärer Pflanzenstoff. Er gehört zur Gruppe der Carotinoide. Vor allem Tomaten sind reich an Lycopin. Im Körper fängt Lycopin hauptsächlich freie Radikale ab und schützt die Zellen vor oxidativem Stress. Wer vermehrt oxidativem Stress ausgesetzt ist, benötigt mehr Lycopin.

In der Mikronährstoffmedizin wird Lycopin bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt. Es schützt Blutgefäße und hemmt Entzündungsprozesse. Dies ist bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Bluthochdruck von Nutzen. Auch auf die Blutfettwerte kann es positiv wirken: Lycopin senkt das schlechte LDL-Cholesterin.

Zudem profitiert die Haut: Lycopin wird in der Haut eingelagert. Dort schützt es die Zellen vor einer vorzeitigen Alterung. Verzehren Männer täglich lycopinreiche Lebensmittel, reduziert sich dadurch vermutlich das Risiko für Prostatakrebs. Zusammen mit anderen Antioxidantien wie Vitamin C und E ist Lycopin besonders wirksam. Eingenommen werden sollte es zur Mahlzeit: Fett verbessert die Aufnahme.

Zurück zum Anfang

Verzeichnis der Studien und Quellen

Alipanah, N. et al. (2009): Low serum carotenoids are associated with a decline in walking speed in older women. J Nutr Health Aging 13(3):170-5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19262947, abgerufen am: 27.06.2019.

Ames, B.N. (2018): Prolonging healthy aging: Longevity vitamins and proteins. Proceedings of the National Academy of Sciences 115 (43) 10836-10844. https://www.pnas.org/content/115/43/10836.long, abgerufen am: 27.06.2019.

Amtsblatt der Europäischen Union (2009): ENTSCHEIDUNG DER KOMMISSION vom 28. April 2009 zur Genehmigung des Inverkehrbringens von Lycopin aus Blakeslea trispora als neuartige Lebensmittelzutat gemäß der Verordnung (EG) Nr. 258/97 des Europäischen Parlaments und des Rates. https://www.bfr.bund.de/cm/343/lycopin_aus_blakeslea_trispora.pdf , abgerufen am: 13.08.2019.

Arab, L. et al. (2002): Lycopene and the lung. Exp Biol Med (Maywood) 227(10):894-9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12424331, abgerufen am: 01.07.2019.

Bahonar, A. et al. (2017): Carotenoids as Potential Antioxidant Agents in Stroke Prevention: A Systematic Review. Int J Prev Med. 14;8:70. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28983399, abgerufen am: 26.06.2019.

Basu, A. et al. (2007): Tomatoes versus lycopene in oxidative stress and carcinogenesis: conclusions from clinical trials. Eur J Clin Nutr 61(3):295-303. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16929242, abgerufen am: 27.06.2019

Biesalski, H.K. et al. (2010): Ernährungsmedizin. 4. Aufl. Georg Thieme Verlag Stuttgart.

Biesalski, H.K. (2016): Vitamine und Minerale. Indikation, Diagnostik, Therapie. Georg Thieme Verlag Stuttgart New York.

Chen, D. et al. (2019): A review for the pharmacological effect of lycopene in central nervous system disorders. Biomedicine & Pharmacotherapy 111, 791-801. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0753332218374869?via%3Dihub, abgerufen am: 24.06.2019.

Chen, H.N. et al. (2018): Lycopene and tomato and risk of cardiovascular diseases: A systematic review and meta-analysis of epidemiological evidence. Critical Reviews in Food Science and Nutrition 59:1, 141-158. https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/10408398.2017.1362630?journalCode=bfsn20, abgerufen am: 28.06.2019.

Chen, J. et al. (2019): Lycopene/tomato consumption and the risk of prostate cancer: a systematic review and meta-analysis of prospective studies. J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo) 59(3):213-23. https://www.jstage.jst.go.jp/article/jnsv/59/3/59_213/_pdf/-char/en, abgerufen am: 01.07.2019.

Cheng, H.M. et al. (2017): Tomato and lycopene supplementation and cardiovascular risk factors: A systematic review and meta-analysis. Atherosclerosis 257:100-108. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28129549, abgerufen am: 28.06.2019.

Costa-Rodrigues, J. et al. (2018): Can lycopene be considered an effective protection against cardiovascular disease? Food Chem.15;245:1148-1153. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29287334, abgerufen am: 28.06.2019.

Evans, J.A. und Johnson, E. J. (2010): The Role of Phytonutrients in Skin Health. Nutrients. 2(8): 903–928. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3257702/#B130-nutrients-02-00903, abgerufen am: 26.06.2019.

Fielding, J. M. et al. (2005): Increases in plasma lycopene concentration after consumption of tomatoes cooked with olive oil.  Asia Pac J Clin Nutr.14(2):131-6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15927929, abgerufen am: 24.06.2019.

Fuhrman, B. et al. (1997): Hypocholesterolemic effect of lycopene and beta-carotene is related to suppression of cholesterol synthesis and augmentation of LDL receptor activity in macrophages. Biochem Biophys Res Commun 28;233(3):658-62. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9168909?dopt=Abstract, abgerufen am: 30.06.2019.

Grether-Beck, S. et al. (2017): Molecular evidence that oral supplementation with lycopene or lutein protects human skin against ultraviolet radiation: results from a double-blinded, placebo-controlled, crossover study. Br J Dermatol 176(5):1231-1240. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27662341, abgerufen am: 01.07.2019.

Gröber, U. (2011): Mikronährstoffe. Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. 3. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart.

Hedayati, N. et al. (2019): Protective effect of lycopene against chemical and natural toxins: A review. Biofactors 45(1):5-23. https://iubmb.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1002/biof.1458, abgerufen am: 27.06.2019.

Ito, J. et al. (2006): Cardiovascular Disease Mortality and Serum Carotenoid Levels: a Japanese Population-based Follow-up Study. J of Epidemiology 16 (4): 154-160. https://www.jstage.jst.go.jp/article/jea/16/4/16_4_154/_article, abgerufen am: 28.06.2019.

Jacques , P.F. et al. (2013): Relation of Lycopene Intake and Consumption of Tomato Products to Incident Cardiovascular Disease. Br J Nutr 28; 110(3): 545–551. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3710301/, abgerufen am: 28.06.2019.

Jatoi, A. et al. (2007): A tomato-based, lycopene-containing intervention for androgen-independent prostate cancer: results of a Phase II study from the North Central Cancer Treatment Group. Urology 69(2):289-94.https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17320666, abgerufen am: 01.07.2019.

Kong, K.W. et al. (2010): Revealing the Power of the Natural Red Pigment Lycopene. Molecules 15(2): 959–987. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6263198/, abgerufen am: 03.07.2019.

Li, X. & Xu, J. (2013): Lycopene Supplement and Blood Pressure: An Updated Meta-Analysis of Intervention Trials. Nutrients 5(9): 3696–3712. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3798929/, abgerufen am: 30.06.2019.

Lopes, L.B. et al. (2010): Topical Delivery of Lycopene using Microemulsions: Enhanced Skin Penetration and Tissue Antioxidant Activity. Journal of Pharmaceutical Sciences 99 (3): 1346-1357. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022354915327350, abgerufen am: 30.06.2019.

Marini, A. et al. (2014): Prevention of polymorphic light eruption by oral administration of a nutritional supplement containing lycopene, β-carotene, and Lactobacillus johnsonii: results from a randomized, placebo-controlled, double-blinded study. Photodermatol Photoimmunol Photomed  30(4):189-94. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24283388, abgerufen am: 30.06.2019.

Misra, R. et al. (2006): LycoRed as an alternative to hormone replacement therapy in lowering serum lipids and oxidative stress markers: A randomized controlled clinical trial. The Journal of Obstetrics and Gynaecology Research 32 (3), 299-304. https://obgyn.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/j.1447-0756.2006.00410.x, abgerufen am: 30.06.2019.

Mozos, I. et al. (2018): Lycopene and Vascular Health. Front Pharmacol. 23;9:521. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29875663, abgerufen am: 26.06.2019.

Petyaev, I.M. (2016): Lycopene Deficiency in Ageing and Cardiovascular Disease. Oxid Med Cell Longev. 2016: 3218605. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4736775/, abgerufen am: 24.06.2019.

Rao, A.V. et al. (1999): Serum and Tissue Lycopene and Biomarkers of Oxidation in Prostate Cancer Patients: A Case-Control Study. Nutrition and Cancer 33:2, 159-164. https://www.tandfonline.com/action/showCitFormats?doi=10.1207%2FS15327914NC330207, abgerufen am: 26.06.2019.

Ried, K. & Fakler, P. (2011): Protective effect of lycopene on serum cholesterol and blood pressure: Meta-analyses of intervention trials. Maturitas 68(4):299-310. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21163596, abgerufen am: 30.06.2019.

Schilcher, H. et al. (2007): Leitfaden Phytotherapie. 3. Aufl. Elsevier GmbH München – Jena

Schwarz, S. et al. (2008): Lycopene inhibits disease progression in patients with benign prostate hyperplasia. J Nutr 138(1):49-53. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18156403, abgerufen am: 01.07.2019.

Shao, A. & Hathcock, J.N. (2006): Risk assessment for the carotenoids lutein and lycopene. Regul Toxicol Pharmacol 45(3):289-98. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16814439, abgerufen am: 03.07.2019.

Souyoul, S.A. et al. (2018): Nutraceuticals: A Review. Dermatol Ther (Heidelb) 8(1): 5–16. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5825326/, abgerufen am: 24.06.2019.

Stahl, W. et al. (2001): Dietary tomato paste protects against ultraviolet light-induced erythema in humans. J Nutr. 131(5):1449-51. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11340098, abgerufen am: 24.06.2019.

Stahl. W. & Sies, H. (2012): β-Carotene and other carotenoids in protection from sunlight. Am J Clin Nutr. 96(5):1179S-84S. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23053552/, abgerufen am: 24.06.2019.

Wu, W.B. et al. (2007): Inhibitory effect of lycopene on PDGF-BB-induced signalling and migration in human dermal fibroblasts: a possible target for cancer. Biochem Soc Trans. 35(Pt 5):1377-8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17956356, abgerufen am: 25.06.2019.

Zou, Z.Y. et al. (2014): Effects of lutein and lycopene on carotid intima-media thickness in Chinese subjects with subclinical atherosclerosis: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Br J Nutr 111(3):474-80. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24047757, abgerufen am: 28.06.2019.