Hyaluronsäure: neue Therapie bei entzündlichen Erkrankungen?

Abbau von Hyaluronsäure im Gewebe führt zu Entzündung und Schmerz

Person hält ihr schmerzendes Handgelenk
Bildunterschrift: Beginnt eine Entzündung, wird Hyaluronsäure abgebaut. Das verschlimmert die Entzündung und verursacht Schmerzen. Bild: Anut21ng/iStock/Getty Images Plus

Was macht Hyaluronsäure im Körper?

Hyaluronsäure hat vielseitige Aufgaben. Sie sorgt in den Gelenken für die Gleitfähigkeit, sodass keine Reibung zwischen den Knorpeln entsteht. Auch die Sehnen werden mit Hyaluronsäure geschmiert. In der Haut sorgt Hyaluronsäure für die Bindung von Wasser. Außerdem ist sie für gesunde Gewebe unentbehrlich.

Forscher haben neue wichtige Funktionen entdeckt: Hyaluronsäure ist an Entzündungen und Schmerzen beteiligt. Beginnt eine Entzündung, wird Hyaluronsäure abgebaut. Die Bruchstücke lösen Signale aus, welche die Entzündung verschlimmern und Schmerzen verursachen.

Darüber hinaus gibt es viele Hinweise, wie man den Abbau von Hyaluronsäure reduzieren könnte. Dadurch ließen sich Entzündungen und Schmerzen bekämpfen.

Was löst den Abbau von Hyaluronsäure aus?

Zur Zerstörung von Hyaluronsäure im Körper führen

  • UV-Licht: Es schädigt Hyaluronsäure in der Haut und trägt zur Faltenbildung bei.
  • Oxidativer Stress: Er zerlegt Hyaluronsäure zu Bruchstücken, die Signale für Entzündungen auslösen.
  • Saure Umgebung: Entzündungen erzeugen ein saures Milieu, welches den Abbau von Hyaluronsäure weiter steigert.

In anderen Situationen baut der Körper gezielt Hyaluronsäure ab. Sie muss dann entsorgt und ersetzt werden. In der Regel normalisiert sich die Situation schnell wieder. Aber bei bestimmten Erkrankungen läuft der Prozess aus dem Ruder. Dazu gehören Infektionen, Gewebeschädigungen wie Wunden und Krebs.

Wird Hyaluronsäure abgebaut, hat das viele Folgen für das Gewebe. In den Gelenken kommt es zum Beispiel zu einer Schädigung des Knorpels (Arthrose). Er wird weniger fest und durchlässig. Forscher versuchen daher diesen wichtigen Prozess zu verstehen und gezielt zu beeinflussen.

Therapie mit Hyaluronsäure

Bekannt ist, dass Hyaluronsäure bei Gelenkschmerzen helfen könnte. Neu ist, dass sie vermutlich auch bei entzündlichen Erkrankungen breiter eingesetzt werden kann:

  • Gelenkschmerzen (Rücken-, Knie, Schulter, Nackenschmerzen, Entzündungen am Knie)
  • Blasenentzündung
  • entzündliche Darmkrankheiten
  • Hautentzündungen (Dermatitis, Wunden, Falten)
  • Schleimhautentzündung (Mund-, Zahnfleischentzündung)
  • trockene, entzündliche Augen
  • Atemwegserkrankungen (trockene Nase, Asthma, COPD, Allergien)

Noch gibt es nicht zu jedem Einsatzgebiet hochwertige Studien. Es liegen aber bereits einige Studien vor zu Hyaluronsäure bei Arthrose und Knieschmerzen. Bei Blasenentzündung wurden bisher nur Kombinationspräparate mit anderen Stoffen eingesetzt.

Hyaluronsäure: Abbau verhindern und Aufbau fördern

Um den Abbau von Hyaluronsäure zu bremsen, sollte man auf Folgendes achten:

Daneben kann man den Aufbau von Hyaluronsäure fördern, indem man sie über Präparate ergänzt. Der Darm ist in der Lage, Hyaluronsäure-Moleküle aufzunehmen. Sie gelangen unverdaut ins Blut und von dort ins Bindegewebe. Allerdings braucht es dazu eine intakte Darmflora: Einige Bakterien bauen Hyaluronsäure ab.

Hyaluronsäure einnehmen

Hyaluronsäure ist in tierischen Lebensmittel enthalten. Bei Haut- oder Gelenkproblemen kann man Hyaluronsäure hoch dosiert ausprobieren: Für die Hyaluronsäure-Therapie gibt es verschiedene Nahrungsergänzungsmittel. Man sollte darauf achten, dass sogenannte hochmolekulare Hyaluronsäure enthalten ist.

Wie viel Hyaluronsäure pro Tag einnehmen? In Studien wurden bei Gelenkbeschwerden 40 bis 200 Milligramm eingesetzt. Die Dauer der Behandlung betrug bis zu einem Jahr und war sehr verträglich. Begleitend zur Einnahme ist viel trinken wichtig, mindestens ein Glas Wasser, damit Hyaluronsäure quellen kann. Werden die Beschwerden nicht besser, sollte man einen Experten aufsuchen.

Zu anderen entzündlichen Erkrankungen gibt es noch keine Daten. Man sollte sich daher vor der Einnahme von einem Mikronährstoff-Experten beraten lassen. Bei Vernarbungen und Fibrosen sollte Hyaluronsäure nicht eingesetzt werden, da die körpereigene Produktion und der Abbau bereits sehr hoch sind.

Verzeichnis der Studien und Quellen

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Marinho, A. et al. (2021): Hyaluronic Acid: A Key Ingredient in the Therapy of Inflammation. Biomolecules. 2021 Oct; 11(10): 1518. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8533685/, abgerufen am 11.03.2024.

Schiavi, M.C. et al. (2019): Orally Administered Combination of Hyaluronic Acid, Chondroitin Sulfate, Curcumin, and Quercetin in the Prevention of Postcoital Recurrent Urinary Tract Infections: Analysis of 98 Women in Reproductive Age After 6 Months of Treatment. Female Pelvic Med Reconstr Surg. 2019 Jul/Aug;25(4):309-312. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/29389678/, abgerufen am 11.03.2024.

Williams, D.L. & Mann, B.K. (2021): Efficacy of a Crosslinked Hyaluronic Acid-Based Hydrogel as a Tear Film Supplement: A Masked Controlled Study. Biomolecules. 2021 Oct; 11(10): 1518. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC8533685/, abgerufen am 11.03.2024.

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