
Menschen, die bereits Hautkrebs hatten, besitzen ein erhöhtes Risiko, erneut daran zu erkranken. Nicotinamid, eine Form des Niacins (Vitamin B3), wird in der Vorbeugung gegen (weißen) Hautkrebs erforscht. Eine aktuelle US-Studie legt nahe, dass die Einnahme von Nicotinamid mit einem geringeren Risiko für die Entstehung von Hautkrebs verbunden sein kann. Insbesondere Rückfälle (Rezidive) könnten durch dieses B-Vitamin vermindert auftreten.
Was hat die Studie untersucht?
Die US-amerikanische Studie war als retrospektive Kohortenstudie angelegt. Das bedeutet, die Gesundheit einer Gruppe Menschen wurde im Rückblick betrachtet. Eingeschlossen waren mehr als 33.800 Veteranen, also ehemalige Angehörige der US-Streitkräfte, deren Gesundheitsdaten aus einem Register abgerufen wurden. Der betrachtete Zeitraum umfasste die Spanne vom 1. Oktober 1999 bis 31. Dezember 2024. Ausgewertet wurden die Daten Anfang 2025. Dabei untersuchten die Forschenden den Zusammenhang zwischen einer Nicotinamid-Einnahme und der Entwicklung von (weißem) Hautkrebs. Sie schauten insbesondere, ob nach einem ersten Auftreten von Hautkrebs eine Einnahme des B-Vitamins das Risiko, erneut Hautkrebs zu entwickeln, senken konnte.
Hintergrund: Eine 2015 veröffentliche australische Studie mit 386 Teilnehmenden, die in den vorangegangenen fünf Jahren mindestens zwei Nicht-Melanom-Hautkrebserkrankungen entwickelt hatten, zeigte eine Reduzierung der Neuerkrankungsraten von Nicht-Melanom-Hautkrebs (um 23 Prozent) und Vorstufen von weißem Hautkrebs (aktinischen Keratosen) (um 15 Prozent) bei Hochrisikopatienten durch eine 12-monatige Vitamin-B3-Einnahme. Verglichen wurden zweimal täglich 500 mg Nicotinamid gegen Placebo.
Weniger Hautkrebs-Rückfälle durch Nicotinamid
Insgesamt nahmen 12 287 Personen der Veteranenstudie über mindestens 30 Tage zweimal täglich 500 mg Nicotinamid ein. Davon waren knapp 95 Prozent Weiße und nur 2 Prozent Frauen. Ihr mittleres Alter betrug 77,2 Jahre. Ihnen gegenübergestellt wurden 21.479 passende Personen, die kein Nicotinamid erhalten hatten (mittleres Alter 76,9 Jahre).
Die Studie schloss auch 1.334 Menschen (3,9 Prozent) ein, die Empfänger von Organtransplantaten waren. Organtransplantierte weisen ein deutlich erhöhtes Hautkrebsrisiko auf als die Allgemeinbevölkerung. Dies wird auf die Immunsystem-unterdrückende (immunsuppressive) und Krebs-auslösende (karzinogene) Wirkung der Medikamente zurückgeführt, die zur Unterdrückung der Abstoßungsreaktion eingenommen werden müssen.
Nach einer Nicotinamid-Einnahme traten 10.994 Fälle von Basalzellkarzinom und 12.551 Fälle von kutanem Plattenepithelkarzinom auf, die beide zum sogenannten weißen Hautkrebs zählen (siehe Kasten). Das war laut der Autoren eine Risikoreduktion um 14 Prozent – also ein deutlich geringeres Risiko, diesen Hautkrebs zu entwickeln – gegenüber keiner Einnahme.
Nahmen die Studienteilnehmenden Nicotinamid erst nach einem ersten Hautkrebsfall ein, betrug die Risikoreduktion sogar 54 Prozent – verglichen mit keiner Einnahme. Wurde die Therapie erst nach weiteren Hautkrebsfällen begonnen, nahm die Risikoreduktion jedoch ab.
Das verminderte Risiko betraf
- (weißen) Hautkrebs insgesamt,
- Basalzellkarzinome und
- Plattenepithelkarzinome,
wobei die Risikoreduktion bei den Plattenepithelkarzinomen am ausgeprägtesten war.
In einem Kommentar zu der Studie wurden allerdings die statistische Auswertung und die Ableitung der „Risikoreduktion“ kritisiert.
Bei Empfängern von Organtransplantaten war das Risiko dagegen nicht signifikant reduziert, obwohl auch bei Ihnen die frühzeitige Anwendung von Nicotinamid mit einem verringerten Auftreten von Plattenepithelkarzinomen verbunden war. Hier muss weiter geforscht werden, inwieweit die Immunschwächung eine Rolle spielt.
Info
Wie wird Hautkrebs eingeteilt?
Bei Hautkrebs werden mehrere Formen unterschieden:
- Weißer (heller) Hautkrebs (Nicht-Melanom)
- Basalzellkarzinom (Basaliom): Die häufigste Form, oft als kleine, perlmuttartige Knötchen mit feinen Äderchen.
- Plattenepithelkarzinom (Spinaliom): Häufig an sonnenexponierten Stellen; raue, teilweise schuppige Oberfläche.
- Krebsvorstufen, wie beispielsweise die aktinische Keratose
- Schwarzer Hautkrebs (Melanom): Hier sind die Pigmentzellen der Haut (Melanozyten) entartet, das heißt, sie vermehren sich unkontrolliert.
- Seltene Hautkrebsformen
Der weiße Hautkrebs tritt öfter auf, bildet aber selten Metastasen (Ableger). Der bösartige schwarze Hautkrebs bildet häufiger Metastasen und ist daher gefährlicher. Er wird vielfach erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt.
Welche Mengen an Nicotinamid dürfen eingenommen werden?
Der menschliche Körper kann Niacin aus der Aminosäure Tryptophan selbst bilden. Um den Tagesbedarf von 11-16 mg zu decken, ist jedoch eine Zufuhr über die Nahrung notwendig. Gute Quellen für Niacin sind tierische Produkte wie Fisch, Fleisch, Innereien, Eier und Milchprodukte. Aber auch pflanzliche Lebensmittel wie Mungobohnen, Erdnüsse, Cashewkerne, Vollkornprodukte und Pilze enthalten Niacin. Dabei wird in der Regel nicht zwischen Nicotinamid und Nicotinsäure unterschieden. Das ist allerdings bei Mikronährstoffpräparaten relevant.
Gegen weißen Hautkrebs wurden Mikronährstoffpräparte eingesetzt, die die Form Nicotinamid (Nicotinsäureamid) enthielten – und zwar in hoher Dosierung (zweimal 500 mg täglich).
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt jedoch, in Nahrungsergänzungsmitteln nicht mehr als 160 mg Nicotinamid pro Tag zu überschreiten. Bei mehr als 16 mg Nicotinamid pro Tagesdosis sollten Schwangere auf die Einnahme der Produkte verzichten. Als tolerierbare zulässige Obergrenze für die Aufnahme des Nährstoffs (Tolerable Upper Intake Level, UL) – bei dauerhafter täglicher Einnahme – gibt die Europäische Behörde fürLebensmittelsicherheit (EFSA) 900 mg für Erwachsene an.
Bei Nicotinsäure sollten es laut BfR pro Tagesverzehrempfehlung eines Produkts nicht mehr als 4 mg sein, für Inosithexanicotinat (= Inositolniacinat) nicht mehr als 4,4 mg. Der UL der EFSA liegt für beide Formen bei 10 mg pro Tag für Erwachsene.
Fazit zu Nicotinamid und weißem Hautkrebs
Wer nach der Diagnose „weißer Hautkrebs“ frühzeitig Nicotinamid einnimmt, kann anscheinend sein Risiko für ein erneutes Auftreten verringern. Allerdings sollte eine hochdosierte Einnahme nur unter ärztlicher Aufsicht – und individuell auf eine mögliche weitere Medikamenteneinnahme abgestimmt – erfolgen.
Hinweis: Eine Einnahme von Nicotinamid ersetzt nicht die Verwendung von Sonnenschutzmitteln und regelmäßige Hautuntersuchungen beim Dermatologen für Hochrisikopatienten.
Verzeichnis der Studien und Quellen
Aponet.de. Hautkrebs: Seltener Rückfälle mit Nahrungsergänzungsmittel Nicotinamid. Stand: 25.09.2025. Hrsg.: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. (ABDA) https://www.aponet.de/artikel/hautkrebs-seltener-rueckfaelle-mit-nahrungsergaenzungsmittel-nicotinamid-32239
Breglio KF et al. Nicotinamide for Skin Cancer Chemoprevention. JAMA Dermatol. 2025 Nov 1; 161 (11): 1140-1147. https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/article-abstract/2838591
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Höchstmengenvorschläge für Niacin in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Stand: 2024. https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengenvorschlaege-fuer-niacin-in-lebensmitteln-inklusive-nahrungsergaenzungsmitteln.pdf, zuletzt abgerufen am 15.05.2026
Chen AC et al. A Phase 3 Randomized Trial of Nicotinamide for Skin-Cancer Chemoprevention. N Engl J Med. 2015 Oct 22; 373 (17): 1618-26. https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa1506197
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Ausgewählte Fragen und Antworten zu Niacin. Stand: 10.09.2025. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/niacin/, zuletzt abgerufen am 15.05.2026
Krebsliga Schweiz. Hautkrebs. Stand: Mai 2023. https://www.krebsliga.ch/ueber-krebs/krebsarten/hautkrebs, zuletzt abgerufen am 15.05.2026
Onko-Internetportal. Hautkrebs: Basis-Infos für Patienten und Angehörige. https://www.onko-portal.de/basis-informationen-krebs/krebsarten/hautkrebs/basis-infos-fuer-patienten.html, zuletzt abgerufen am 15.05.2026
Van Ammers M & AH Chong. Skin Cancer in Solid Organ Transplant Recipients: A Review. Am J Clin Dermatol. 2026 Mar; 27 (2): 329-347. https://link.springer.com/article/10.1007/s40257-026-01016-3
