Vitamin C in der Hochdosis-Therapie

Wie man insbesondere während der Grippezeit von hoch dosiertem Vitamin C profitieren kann.

Eine Person bekommt eine Infusion aus einer Orange
Vitamin C wird oft in der Grippezeit eingesetzt. Eine Alternative zu Mikronährstoffpräparaten bei aktuen Beschwerden sind Infusionen mit Vitamin C. Hiermit lassen sich höhere Blutspiegel erreichen. Bild: iStock.com/supernitram Stock-Fotografie-ID: 461122079

Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte zum Schutz vor Erkältungen

Vitamin C ist vor allem für seine antioxidative Wirkung bekannt: Es schützt die Zellen vor oxidativem Stress durch freie Sauerstoffradikale. Zudem unterstützt Vitamin C das Immunsystem, da es für die Vermehrung von Abwehrzellen wichtig ist und eine überschießende Immunantwort verhindert. Es sorgt außerdem dafür, dass die Immunzellen an den Entzündungsort wandern sowie die Erreger aufnehmen und abtöten. Daher ist das Vitamin besonders in der Grippezeit im Herbst und Winter unentbehrlich.

Wann werden hoch dosierte Vitamin-C-Präparate angewendet?

Bei kurzfristigen Beschwerden kann höher dosiertes Vitamin C eingesetzt werden, zum Beispiel bei Husten infolge einer Erkältung oder akuten Bronchitis. Vitamin C vermindert die Dauer und Schwere der Erkältung. Das Auftreten einer Erkältung wird wahrscheinlich nicht seltener. Eine Ausnahme sind möglicherweise Personen, die kurze Zeit starken körperlichen Belastungen in kalter Umgebung ausgesetzt sind – beispielsweise beim Sport unter extremen Bedingungen wie in starker Kälte oder im Rahmen eines Marathons. Dies war das Ergebnis einer Auswertung mehrerer Studien (Metaanalyse). Eingeschlossen wurden Studien mit einer Vitamin-C-Dosierung von über 200 Milligramm pro Tag.

Bei akuten Infektionen empfehlen Mikronährstoff-Experten aufgrund der Studien die tägliche Einnahme von 1.000 bis 6.000 Milligramm Vitamin C über Präparate für die Zeit der Beschwerden. Solche hohe Mengen sollten über den Tag verteilt eingenommen werden: Die Aufnahme von Vitamin C im Darm ist begrenzt. Ab einer Einzeldosis von 200 Milligramm sinkt die Aufnahme. Überschüssiges Vitamin C wird dann ausgeschieden.

Info

Die ideale Vitamin-C-Verbindung: Basische Vitamin-C-Verbindungen wie Calciumascorbat werden besser vom Darm aufgenommen als Ascorbinsäure. Eine Alternative ist retardiertes („verzögertes“) Vitamin C: Hier ist das Vitamin C in kleine Pellets „verpackt“. Das sorgt dafür, dass sich das Vitamin C über einen längeren Zeitraum und gleichmäßiger im Darm freisetzt. Bei Retard-Verbindungen ist es nicht notwendig, die Einnahme über den Tag zu verteilen. Welche der Verbindungen bei einer Erkältung am besten wirken, wurde jedoch noch nicht vergleichend untersucht.

Vitamin-C-Infusionen für höhere Blutspiegel

Was viele nicht wissen: Es gibt neben Mikronährstoffpräparaten auch die Möglichkeit, Vitamin C über die Venen (intravenös) zu verabreichen. Damit lassen sich höhere Konzentrationen im Blut erreichen als durch Präparate. Von einer hoch dosierten Vitamin-C-Infusionstherapie spricht man in der Regel ab einer Menge von 100 bis 500 Milligramm Vitamin C pro Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht etwa 7.500 bis 200.000 Milligramm Vitamin C.

In dieser Dosierung wirkt Vitamin C nicht antioxidativ, sondern prooxidativ. Das heißt, es kann die Entstehung freier Sauerstoffradikale fördern: Über biochemische Prozesse entsteht die Verbindung Hydrogenperoxid. Diese kann veränderte Zellen abtöten – zum Beispiel Zellen, die von Viren befallen sind. Gesunde Zellen werden dabei nicht geschädigt. Sie haben antioxidative Enzyme, die das Hydrogenperoxid entgiften.

Expertenwissen

Hohe Vitamin-C-Blutspiegel sind über die orale Zufuhr kaum zu erreichen: In einer Modellrechnung führte die maximal verträgliche Dosis von 3.000 Milligramm (mg) alle vier Stunden zu einer Plasmakonzentration von 220 Mikromol pro Liter (µmol/l). Eine Infusion mit 50.000 Milligramm Vitamin C entspricht einer berechneten Plasmakonzentration von 13.400 Mikromol pro Liter.

Bei kritisch kranken Patienten im Krankenhaus mit Blutvergiftung (Sepsis) oder Lungenentzündung zeigen intravenöse Vitamin-C-Gaben einen Nutzen. Eine Auswertung hochwertiger Studien (Metaanalyse) liefert Hinweise darauf, dass die Verweildauer auf der Intensivstation und im Krankenhaus sank. Ein Einfluss auf die Sterblichkeit wurde jedoch nicht festgestellt. Darüber hinaus wird aktuell der Einsatz von Vitamin-C-Infusionen bei COVID-19 diskutiert. Hochwertige Studien fehlen bislang. Jedoch könnte es vielversprechend sein. In einer Vorstudie verbesserten sich unter anderem die Sauerstoffversorgung und der Krankheitsverlauf.

Auch geben erste Zellstudien Hinweise darauf, dass hoch dosiertes Vitamin C möglicherweise Krebszellen abtötet. Daher könnte es in der begleitenden Krebstherapie eingesetzt werden. Zusätzlich wird untersucht, ob es die Nebenwirkungen einer Chemo- oder Strahlentherapie lindern kann.

Expertenwissen: So kann eine Vitamin-C-Infusion zusammengesetzt werden und das müssen Therapeuten beachten

In der täglichen Praxis hat sich die „Friedberger Grippeinfusion“ bewährt. Diese umfasst an drei bis vier aufeinanderfolgenden Tagen je eine Infusion mit:

Zusammensetzung

Dosierung

Vitamin C

7.500 bis 15.000 Milligramm (mg)

Natriumhydrogencarbonat (8,4 Prozent (%))

100 Milliliter (ml)

Zink

30 Milligramm

Magnesium

77 Milligramm

Natriumchlorid (0,9 Prozent)

200 Milliliter

Optional:

Vitamin D, intramuskulär injiziert
(in den Muskel gespritzt)

100.000 Internationale Einheiten (IE)

Grundsätzlich sollte eine häufigere Gabe anstelle einer selteneren Hochdosis-Gabe gewählt werden: Wöchentlich 50.000 Milligramm beziehungsweise zweimal wöchentlich 25.000 Milligramm sind besser als einmal im Monat 200.000 Milligramm.

Vitamin-C-Infusionen werden im Normalfall gut vertragen. Während der Infusion können erhöhter Durst und Harndrang auftreten. Selten kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, Schüttelfrost und Kopfschmerzen.

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit Niereninsuffizienz (Kontrolle von Cystatin C), Neigung zu Nierensteinen, einer Eisenspeicherkrankheit und bei Patienten mit einem erythrozytären Glukose-6-Phoshphat-Dehydrogenase-(G6PD-)Mangel. Auch Kinder unter zwölf Jahren, Schwangere und Stillende sollten sicherheitshalber keine Vitamin-C-Infusion bekommen.

Die gleichzeitige Gabe mit Antioxidantien wie Glutathion ist nicht empfehlenswert. Andernfalls wird die gewünschte prooxidative Wirkung abgeschwächt. Sind Antioxidantien angeraten, sollte ein Abstand von zwölf bis 24 Stunden eingehalten werden.

Fazit: Hoch dosiertes Vitamin C in der Erkältungszeit

Die Hochdosis-Therapie mit Vitamin C ist eine nebenwirkungsarme Möglichkeit, akute Symptome zu lindern – zum Beispiel bei einer Erkältung oder Bronchitis. Geeignet sind für die Zeit der Infektion hoch dosierte Präparate mit bis zu 6.000 Milligramm, die über den Tag verteilt eingenommen werden (zum Beispiel dreimal 1.000 bis 2.000 Milligramm). Aber Achtung: Bestimmte Personen, wie Schwangere, sollten kein hoch dosiertes Vitamin C einnehmen. Für wen das außerdem gilt, lesen Sie hier. Zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems sind Dosierungen von 200 bis 400 Milligramm für alle Erwachsenen bedenkenlos möglich.

Darüber hinaus kann die prooxidative Wirkung von Vitamin-C-Infusionen eine zusätzliche Behandlungsmethode sein. Erste vielversprechende Studien liegen vor zu schwer kranken Patienten mit Lungenentzündung und Krebs. In der Praxis werden Vitamin-C-Infusionen ebenfalls bei Erkältungen, Grippe und Co. angewendet. Sie dürfen nur von Mikronährstoff-Experten verabreicht werden. Lassen Sie sich bei Interesse am besten von einem Therapeuten beraten.

Verzeichnis der Studien und Quellen

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Über den Autor

Dr. med. Rainer Spichalsky

Dr. med. Rainer Spichalsky ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Neben der schulmedizinischen Ausbildung erwarb er weitere Fachqualifikationen als Arzt für Applied  Kinesiology,  F.X. Mayer Arzt und manuelle Therapie. Zudem ist Herr Dr. med Spichalsky zertifizierter Anti-Aging Arzt gemäß GSAAM und Orthomolekular Therapeut. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer einer ärztlichen Partnerschaftsgesellschaft ist der diplomierte Gesundheitsheitsökonom unter anderem auch Dozent für orthomolekulare Therapie.

Porträtfofo Wissenschaftlicher Beirat Dr. med. Rainer Spichalsky