Hochdosiertes Vitamin D gegen Hautschäden durch Krebstherapie?

Kleine Fallserie zeigt positives Ergebnis einer hochdosierten Vitamin-D-Einnahme bei Krebspatientinnen und -patienten

Sonnenlicht ist die wichtigste natürliche Quelle für Vitamin D. Für eine hochdosierte Einnahme stehen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel zur Verfügung. Bild: LFO62/iStock/Getty Images Plus

Eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung sind bei Krebs feste Behandlungssäulen. Sie können jedoch die Haut schädigen und so die Fortsetzung der Therapie gefährden. Die Einnahme von hochdosiertem Vitamin D könnte die Lösung sein, wie eine kleine Fallserie aus den USA berichtet.

Was ist der Anlass der Untersuchung?

Patientinnen und Patienten mit Krebs erhalten häufig eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung, die in mehreren Sitzungen abläuft. Dabei kann die Haut in Mitleidenschaft gezogen werden, und sogenannte toxische („giftige“) Hauterscheinungen können auftreten:

  • Beim toxischen Erythem unter einer Chemotherapie reagiert die Haut mit einer nicht-allergischen Entzündung, vor allem an Körperstellen, die reich an Drüsen sind. Denn die Haut scheidet Wirkstoffe der Therapie lokal aus. Das kann das Hautgewebe reizen – insbesondere, wenn sie (unter Pflaster oder Verbänden) schwitzt.
  • Die akute Strahlendermatitis tritt sehr häufig auf, vor allem dann, wenn die Haut das Ziel der Bestrahlung ist. Durch die Zellschäden kommt es zu einer entzündlichen Reaktion der Haut. Diese geht mit Rötung, Schwellung und Schuppung einher, die wiederum Juckreiz und Schmerzen auslösen können.

Ist die Haut durch die Krebsbehandlung geschädigt, wird die Therapie häufig unterbrochen. Deshalb sind Maßnahmen notwendig, die eine rasche Besserung herbeiführen können. Eine Möglichkeit besteht darin, hochdosiertes Vitamin D einzunehmen: 100.000 Internationale Einheiten Cholecalciferol (Vitamin D3) oder Ergocalciferol (Vitamin D2).

Vitamin D mit schneller Genesung verbunden

Die Untersuchung erfolgte an einer kleinen Gruppe Betroffener: Von 19 Frauen und 14 Männern (mittleres Alter: etwa 60 Jahre) wiesen

  • 28 jeweils ein toxisches Syndrom aufgrund einer Chemotherapie und
  • 5 eine akute Strahlendermatitis

auf. Sie erhielten ein oder zwei Gaben hochdosiertes Vitamin D.

Ergebnisse:

  • 26 von 30 Betroffenen (87 %) erfuhren innerhalb von 10 Tagen nach der Einnahme eine Linderung ihrer Beschwerden. Im Median lag die Zeit bei 5 Tagen; bei Patienten, die stationär behandelt wurden, sogar bei nur drei Tagen.
  • Die ärztliche Beurteilung des Erythems nach einer fünfstufigen Skala ergab ebenfalls eine deutliche Besserung. Dabei sank der mittlere Erythem-Score von 4,36 zu Beginn auf 2,21 am 10. Tag.
  • Unter der hochdosierten Vitamin-D-Gabe veränderte sich der Calcium-Spiegel im Blut nicht nennenswert.
  • Zudem gab es keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse.
  • Aufgrund der raschen Abheilung kam es bei 24 der 33 Studienteilnehmenden (73 %) zu keinerlei Unterbrechung der Krebstherapie.

Fazit: Hochdosiertes Vitamin D ist sichere Behandlungsoption

Die kleine Fallserie legt nahe, dass hochdosiertes Vitamin D bei Patientinnen und Patienten, die durch eine Krebsbehandlung (Chemotherapie oder Bestrahlung) Hautschäden erfahren, eine schnelle und sichere Behandlungsoption darstellt. Die schnelle Linderung der Beschwerden kann helfen, Behandlungsunterbrechungen zu vermeiden.

Info

Wie kann die Haut von Vitamin D profitieren?

Unter genügender Sonneneinstrahlung kann die menschliche Haut selbst Vitamin D produzieren und den ganzen Körper versorgen, weshalb die Hormonvorstufe auch als „Sonnenhormon“ bezeichnet wird. Im Winter muss der Körper von seinen Reserven zehren – nicht selten tritt dann ein Mangel auf.

Die Haut selbst profitiert von einer ausreichenden Versorgung mit dem Sonnenvitamin: Zum einen hat Vitamin D eine Funktion bei der Zellteilung und ist für die Zellerneuerung notwendig. Zum anderen trägt Vitamin D zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Dadurch hilft es unter anderem, Entzündungen zu regulieren und die Hautbarriere zu stärken.

Beispielsweise dominieren bei der atopischen Dermatitis (Neurodermitis) bestimmte schädliche Bakterien (Staphylococcus aureus), die Entzündungen verstärken und die Hautintegrität beeinträchtigen können. Vitamin D kann verschiedene Gene und Signalwege beeinflussen:

  • Es hemmt die übermäßige Bildung von Th2-Zellen, einer Untergruppe der T-Helfer-Zellen. Dominieren Th2-Zellen, begünstigt dies Allergien und Neurodermitis.
  • Es fördert regulatorische T-Zellen (Treg), die ein überaktives Immunsystem bremsen und so Entzündungen beruhigen können (Schutz vor Allergien).
  • Es begünstigt die Bildung körpereigener Eiweiße der angeborenen Immunabwehr, sogenannter antimikrobieller Peptide. Diese können Bakterien (wie S. aureus), Pilze und Viren abtöten.
  • Es unterstützt die Bildung wichtiger Struktureiweiße in der Epidermis (= oberste Hautschicht), wie zum Beispiel Filaggrin. Dieser Eiweißbaustein sorgt für eine gute Hautbarriere.

Zudem reguliert Vitamin D die Reifung der Hautzellen (Zelldifferenzierung) und die Gewebereparatur (Reepithelisierung). Und nicht zuletzt weisen Labor- und Tierstudien auf eine photoprotektive Wirkung – also einen Schutz vor übermäßiger UV-Bestrahlung – durch Vitamin D hin.

Verzeichnis der Studien und Quellen

Bikle DD. Vitamin D Metabolism and Function in the Skin. Mol Cell Endocrinol. 2011 Jun 1; 347 (1-2): 80–89. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3188673/

Blady K et al. Vitamin D in Atopic Dermatitis: Role in Disease and Skin Microbiome.
Nutrients. 2025 Nov 16; 17 (22): 3584. https://www.mdpi.com/2072-6643/17/22/3584#The_Role_of_Vitamin_D_in_the_Pathogenesis_and_Treatment_of_Atopic_DermatitisImmune_Pathways_Linking_the_Microbiota_and_Atopic_Dermatitis

Caroline Guignot (2026): Toxische Hautirritationen werden unterschätzt: Das sind die Nebenwirkungen der alten und neuen Krebsmedikamente. Medscape (Deutsch) 20.01. 2026. https://deutsch.medscape.com/viewarticle/wenn-krebstherapien-unter-haut-gehen-neue-medikamente-neue-2026a10001g,h, zuletzt abgerufen am 05.08.2026

Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See (2025): Vitamin D bei Hautproblemen. Stand: 28. März 2025.  https://magazin.knappschaft.de/vitamin-d-bei-hautproblemen/

Deutsches Ärzteblatt (2026): Hoch dosiertes Vitamin D könnte kutane Nebenwirkungen der Krebstherapie lindern. Stand: 17. Juli 2026. https://www.aerzteblatt.de/news/hoch-dosiertes-vitamin-d-konnte-kutane-nebenwirkungen-der-krebstherapie-lindern-fe0a70cc-cb91-4e01-95db-4cf1a8b531ec, zuletzt abgerufen am 05.08.2026 

Ghilescu, V (2021): Radiogene Dermatitis – Akut- und Spätfolgen. Der Privatarzt digital. 30.8.2021. https://www.der-privatarzt.de/artikel/radiogene-dermatitis-dermed, zuletzt abgerufen am 05.08.2026  

Linus Pauling Institute (Oregon State University) (2011): Vitamin D and Skin Health. https://lpi.oregonstate.edu/mic/health-disease/skin-health/vitamin-D, zuletzt abgerufen am 05.08.2026.

Patil, MK et al. (2026): High-Dose Oral Vitamin D for Toxic Effects of the Skin Associated With Chemotherapy and Radiation. JAMA Dermatol. 2026 Jul 15: e262267. https://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/article-abstract/2851627

Rößler, A (2026): Hochdosis Vitamin D bei Hautschäden wirksam. Pharmazeutische Zeitung 17.07.2026. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/hochdosis-vitamin-d-bei-hautschaeden-wirksam-166882/, zuletzt abgerufen am 05.08.2026

 

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