Welche Rolle spielt die Ernährung bei schmerzhaften Erkrankungen?

Über die Indizes Potential Renal Acid Load (PRAL) und Net Endogenous Acid Production (NEAP) lässt sich die ernährungsbedingte Säurelast messen: Tiereiweißreiche Ernährung erzeugt hohe (saure) Werte, pflanzenbetonte Kost niedrige (basische) Werte.
Mehrere Studien zeigen konsistent, dass eine höhere Säurelast mit stärkeren Schmerzen einhergeht – über verschiedene Erkrankungen hinweg: Bei muskuloskelettalen Schmerzen und Psoriasis-Arthritis korrelieren hohe PRAL/NEAP-Werte mit höherer Krankheitsaktivität und Funktionseinschränkung (Bahrampour & Clark 2022; Öteles et al. 2024). Bei Migräne steigt das Risiko um bis zu 7-fach, Häufigkeit und Schwere der Attacken nehmen zu (Mousavi et al. 2021; Lotfi et al. 2022). In einer kürzlich veröffentlichten Studie zu diesem Thema liefern die Autoren direkte Evidenz für den Zusammenhang zwischen diätetischer Säurelast und schmerzbezogenen Outcomes bei Kniegelenksarthrose (Moludi et al. 2025). Die Ernährungssäurelast ist damit ein systematisch unterschätzter – aber einfach modifizierbarer – Schmerzfaktor.
Kann die Ernährung allein Schmerzen beeinflussen?
Ja – und die Evidenz dafür wächst. Eine pflanzliche Ernährungsintervention über acht Wochen führte bei Patienten mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen zu einer signifikanten Schmerzreduktion und besserer Lebensqualität (Towery et al. 2018). Ein aktueller systematischer Review mit Meta-Analyse aus 16 Studien bestätigt: Eine mediterrane Ernährung – reich an Gemüse, Hülsenfrüchten und basischen Lebensmitteln – ist mit einem signifikant niedrigeren Risiko für symptomatische Kniearthrose und für Osteoporose und Knochenbrüche assoziiert (Limongi et al. 2026). Dass dieser Zusammenhang bereits im Jugendalter beginnt, zeigt eine Querschnittsstudie mit mehr als 900 jungen Sportlern: Diejenigen ohne Schmerzen wiesen konsistent gesündere, gemüse- und obstbetonte Ernährungsmuster auf (Elvira-Aranda et al. 2025). Die Ernährung ist damit kein Randthema in der Schmerzmedizin – sondern ein eigenständiger, modifizierbarer Faktor.
Für welche Patienten ist eine Basensupplementierung bei Schmerzen sinnvoll?
Kurz gesagt: für alle – denn wo Schmerz herrscht, ist in der Regel auch eine lokale Gewebsazidose beteiligt, der gezielt entgegengewirkt werden kann.
Bereits vor 25 Jahren konnten wir in einer prospektiven Studie zeigen, dass eine vierwöchige Supplementierung mit basischen Mineralstoffen auf Citratbasis bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen zu einer Schmerzreduktion von 49 % führte – gemessen mit der validierten Aarhus Low Back Pain Rating Scale. Gleichzeitig stieg die Pufferkapazität des Blutes signifikant an, was den direkten Zusammenhang zwischen Säure-Basen-Haushalt und Schmerz unterstreicht (Vormann et al. 2001).
Die gleiche Supplementierungsstrategie zeigte auch bei rheumatoider Arthritis Wirkung: Eine basische Mineralstoffgabe führte zu einer signifikanten Verbesserung der Schmerzparameter (Cseuz et al. 2008).
Darüber hinaus liegen positive Befunde für weitere Schmerzentitäten vor, wie zum Beispiel bei Osteoarthritis der Hände (van Velden et al. 2015) oder bei Muskelschmerz und -erschöpfung nach Sport mit einer verbesserten Regeneration und einem reduzierten Muskelkater unter basischer Supplementierung.
Das Fazit ist klar: Unabhängig von der Schmerzentität lohnt sich die Frage nach dem Säure-Basen-Status. Wo Gewebe schmerzt, ist Azidose im Spiel – und eine gezielte Basensupplementierung stellt einen einfachen, gut verträglichen und wissenschaftlich belegten Ansatz dar, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.
Referenzen
- Bahrampour N, Clark CCT. The relationship between dietary acid load and intensity of musculoskeletal pain condition: A population-based study. Food Sci Nutr. 2022 Apr 5;10(8):2542-2549. doi: 10.1002/fsn3.2859. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/fsn3.2859
- Cseuz RM, Barna I, Bender T, Vormann J (2008). Alkaline mineral supplementation decreases pain in rheumatoid arthritis patients: a pilot study. The Open Nutrition Journal, 2:100–105. doi: 10.2174/1874288200802010100.
https://www.researchgate.net/publication/240302173_Alkaline_Mineral_Supplementation_Decreases_Pain_in_Rheumatoid_Arthritis_Patients_A_Pilot_Study - Elvira-Aranda C, Pérez-Turpin JA, Suárez-Llorca C, Pérez M, De-Castellar R. Growing Pains and Dietary Habits in Young Athletes: A Cross-Sectional Survey. Nutrients. 2025 Jul 21;17(14):2384. doi: 10.3390/nu17142384. https://www.mdpi.com/2072-6643/17/14/2384
- Limongi F, Cilona L, Guberti E, Volpe M, Maggi S, Onder G, Silano M, Zanetti M, Sieber C, Gianfredi V, Nucci D, Ragusa FS, Veronese N; Mediterranean Diet Guideline Group. Efficacy of Mediterranean diet in musculoskeletal disorders: A systematic review and meta-analysis for primary and tertiary prevention featured in the Italian National Guidelines "La Dieta Mediterranea". Nutrition. 2026 Feb;142:112950. doi: 10.1016/j.nut.2025.112950. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0899900725002680
- Lotfi K, Saneei P, Hajhashemy Z, et al. (2022). Association between dietary acid load and clinical features of migraine headaches among Iranian individuals. Scientific Reports, 12(1):2460. doi: 10.1038/s41598-022-06515-x. https://www.nature.com/articles/s41598-022-06515-x
- Moludi J, Alizadeh M, Nouri M, et al. (2025). Association of dietary acid load with inflammatory markers, oxidative stress, and clinical features in patients with knee osteoarthritis. Scientific Reports, 15(1):3313. doi: 10.1038/s41598-025-87012-9. https://www.nature.com/articles/s41598-025-87012-9
- Mousavi M, Tavallaei O, Ghavamzadeh S, et al. (2021). The association between dietary acid load and odds of migraine: a case-control survey. Neurology and Therapy, 10(1):335–348. doi: 10.1007/s40120-021-00247-2. https://link.springer.com/article/10.1007/s40120-021-00247-2
- Öteleş S, Ayan G, Ekici M, Ünal E, Bilgiç P, Kalyoncu U. The dietary acid load is associated with disease severity in psoriatic arthritis. Mod Rheumatol. 2024 Aug 20;34(5):1019-1026. doi: 10.1093/mr/road107. https://academic.oup.com/mr/article/34/5/1019/7408627
- Towery P, Guffey JS, Doerflein C, Stroup K, Saucedo S, Taylor J. Chronic musculoskeletal pain and function improve with a plant-based diet. Complement Ther Med. 2018;40:64-69. doi: 10.1016/j.ctim.2018.08.001. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0965229918305442
- van Velden DP, Reuter H, Kidd M, Müller FO. Non-allopathic adjuvant management of osteoarthritis by alkalinisation of the diet. Afr J Prim Health Care Fam Med. 21. April 2015; 7 (1): 780. doi: 10.4102/phcfm.v7i1.780. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4564851/
- Vormann J, Worlitschek M, Goedecke T, Silver B (2001). Supplementation with alkaline minerals reduces symptoms in patients with chronic low back pain. Journal of Trace Elements in Medicine and Biology, 15(2–3):179–183. doi: 10.1016/S0946-672X(01)80064-X. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0946672X0180064X
Hier finden Sie eine Übersicht von nützlichen Studien rund um das Thema Säure-Basen.
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