Fachkreis-Newsletter Extra: Säure-Basen-Haushalt und Schmerz

Säure-Basen-Haushalt und Schmerz

Schmerz ist das häufigste Symptom, mit dem Patientinnen und Patienten ärztliche oder heilpraktische Konsultationen aufsuchen. Ein grundlegender biochemischer Faktor gerät dabei häufig aus dem Blickfeld: der lokale und systemische Säure-Basen-Status des Gewebes. Die Forschung liefert heute eine molekulare Erklärung dafür, inwieweit Veränderungen des pH-Werts im Gewebe (Übersäuerung) an Schmerzprozessen beteiligt sein können. Erfahren Sie mehr über den Zusammenhang zwischen Schmerz und dem Säure-Basen-Haushalt – und wie Sie diesen bei Ihren Patientinnen und Patienten positiv beeinflussen können.

Rheumatoide Arthritis (RA) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Gelenke angreift. Dabei fällt der pH-Wert der Gelenkflüssigkeit auf bis zu 6,0. Was diese Übersäuerung auf das immunologische Umfeld im Gelenk bewirkt, war bislang nicht gut verstanden. Genau das haben die Forscher untersucht. 


Schon seit mehreren Jahren konnte gezeigt werden, dass eine Gewebeazidose – definiert als ein lokaler Abfall des pH-Werts unter physiologische Werte – ein gemeinsames Merkmal zahlreicher schmerzhafter Zustände ist: Entzündungen, ischämische Ereignisse, Sepsis, Wunden, Infektionen, Tumorerkrankungen und degenerative Gelenkprozesse gehen regelmäßig mit einer lokalen Ansäuerung einher (Hajjar, Zhou. 2023).

Der Mechanismus ist evolutionär sinnvoll: Protonen gehören zu den ersten Signalmolekülen, die verletztes Gewebe freisetzt. Sie fungieren als unmittelbares Alarmsignal für umliegende Nervenfasern. Der pH-Abfall kann dabei erheblich sein: In der Synovialflüssigkeit bei rheumatoider Arthritis werden pH-Werte von durchschnittlich 6,6 gemessen, anstatt der physiologischen Werte von etwa 7,4-7,8; bei der Osteoarthritis liegt der pH-Wert bei 7,55 (Martin et al. 2025). Nach einem chirurgischen Eingriff bleibt der pH im Gewebe bis zu vier Tage abgesenkt und korreliert signifikant mit dem Schmerzverhalten – ein Hinweis darauf, dass eine Gewebeazidose auch postoperativen Schmerz wesentlich mitbedingt. (Woo et al. 2004).


In diesem Interview erläutert Prof. Jürgen Vormann, Gründer und Leiter des Instituts für Prävention und Ernährung (IPEV), die Bedeutung einer basischen Therapie.


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