Frau Mollnhauer, in Ihrem Institut betreuen Sie Sportler mehrerer Disziplinen – vom Einsteiger bis zum Profi – bei der Optimierung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Welche Rolle spielt bei Ihnen der Säure-Basen-Haushalt?

Mit zunehmender sportlicher Belastung sehe ich in der Praxis auch mehr Beschwerden wie Sehnenansatzreizungen, Muskelverhärtungen und Gelenkreizungen. Bei chronischer Übersäuerung wird vermehrt Knochenmasse zur Pufferung mobilisiert, was im schlimmsten Fall sogar in Ermüdungsbrüchen münden kann. Ein Grund dafür: Zu intensives oder zu häufiges Training erzeugt akute Säure- und Entzündungsreize, bevor sich der Körper vom vorherigen Reiz erholen kann und es kommt „netto“ eben nicht zum erwünschten entzündungshemmenden Trainingseffekt. Genau hier setze ich an: Zum einen passe ich das Training individuell an, zum anderen empfehle ich eine basenreiche Ernährung, ergänzt durch Basenpräparate, die zusätzlich noch 60-90 Min. vor einer hochintensiven Einheit eingenommen werden sollten, um diesem Ungleichgewicht entgegen zu wirken und die Regeneration zu unterstützen.
Welche Maßnahmen ergreifen Sie bei schmerzhaften, entzündlich geprägten Beschwerdebildern bei Ihren Patientinnen und Patienten?
Eine lokale Entzündung ist oft von einer ganzheitlichen Entzündungslast begleitet, die das System im Hintergrund überflutet. Daher kombiniere ich gezielte lokale Maßnahmen, wie myofasziale Techniken, Kinesio-Taping, Dehnübungen und durchblutungsfördernde Methoden mit einem ganzheitlichen Entzündungsmanagement. Hier steht, selbst bei nur leichtem Übergewicht, die Reduktion des viszeralen Fetts als zentrales Entzündungsorgan im Vordergrund. Um die diätetische Säurelast direkt „auf dem Teller“ zu puffern, gebe ich als Faustregel mit: Pro 100 g Eiweißträger (Fleisch, Fisch, Käse, Eier) mindestens 250 bis 300 g Gemüse, Salat oder Obst. Ergänzend zu einer eventuellen akuten Medikation hat sich eine 4- bis 8-wöchige Citratsupplementierung, kombiniert mit Magnesium zur Senkung des Muskeltonus und Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA) zur Entzündungsmodulation gut bewährt.
Sie selbst haben 2012 eine Studie zu Citratsupplementierung bei Sportlern mit Sehnenansatzreizungen veröffentlicht — was waren die zentralen Ergebnisse?
Wir haben 27 Sportlerinnen und Sportler begleitet, die seit mindestens drei Monaten mit Sehnenansatzreizungen zu kämpfen hatten, die meisten davon an der Achillessehne. Wer zusätzlich ein Basenpräparat eingenommen hat, hatte am Ende deutlich weniger Schmerzen als die Kontrollgruppe – und das, obwohl in dieser Gruppe sogar mehr trainiert wurde- denn auch die schmerzbedingten Trainingspausen gingen bei den Basen-Sportlern spürbar stärker zurück. Für mich war das ein starkes Signal: Bei hartnäckigen Sehnenbeschwerden lohnt sich der Blick auf den Säure-Basen-Haushalt – als sinnvolle Ergänzung zur klassischen Therapie.
Hier finden Sie eine Übersicht von nützlichen Studien rund um das Thema Säure-Basen.
Alle Aufzeichnungen und Handouts von Protina gesponsorten Webinaren finden Sie hier.
