Niedriger Blutdruck: Was tun?

Mikronährstoffmedizin bei niedrigem Blutdruck

Niedriger Blutdruck ist, genau genommen, keine Erkrankungen, kann jedoch die Lebensqualität der Betroffenen stark einschränken. Symptome wie Übelkeit, Schwindel oder Ohnmacht sind typisch bei niedrigem Blutdruck. Erfahren Sie, welche Ursachen ein niedriger Blutdruck hat und wie Mikronährstoffe helfen, den Kreislauf zu stabilisieren. 

Frau sitzt im Bett und misst ihren Blutdruck
Vor allem junge Frauen oder sehr schlanke Personen sind von niedrigem Blutdruck betroffen. Niedriger Blutdruck ist nicht gefährlich. Es kann jedoch zu Schwindel und Ohnmacht kommen. Bild: Yelizaveta Tomashevska/iStock/Getty Images Plus

Ursachen und Symptome

Definition: was man unter niedrigem Blutdruck versteht

Das Herz pumpt Sauerstoff mit dem Blut durch die Arterien in die Organe – und das mit einem bestimmten Druck, dem Blutdruck. Liegt der Blutdruck bei Männern bei unter 110 zu 60 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) oder bei Frauen bei unter 100 zu 60 Millimeter Quecksilbersäule, spricht man von niedrigem Blutdruck  (Hypotonie).  

Die gute Nachricht ist: Im Gegensatz zu Bluthochdruck (Hypertonie) ist ein niedriger Blutdruck meist nicht gefährlich. Im Gegenteil: Ein niedriger Blutdruck kann sogar mit einer längeren Lebenserwartung verbunden sein. Durch den niedrigen Blutdruck werden die Gefäße nämlich nicht geschädigt und das Herz nicht belastet.  

Dennoch kann er unangenehme Symptome auslösen – zum Beispiel Blässe, Konzentrationsstörungen, Schlappheit und Müdigkeit. Es kann auch zu Übelkeit, Schwitzen, Schwindel bis hin zu einem Kreislaufkollaps und einer Ohnmacht kommen.

Ursachen von niedrigem Blutdruck

Manchmal sind die Gründe ganz einfach. Dazu gehören zum Beispiel: 

  • starkes Schwitzen nach Anstrengung   

  • mangelnde Flüssigkeitszufuhr 

  • chronischer Durchfall (Diarrhö) 

  • erhöhte Urinproduktion 

  • starker Blutverlust (zum Beispiel durch die Menstruation) 

Kurzfristig und vorübergehend entsteht niedriger Blutdruck zum Beispiel auch durch eine zu salzarme Ernährung, übermäßige Hitze oder nach einer OP aufgrund der Narkose. Auch in der Schwangerschaft kommt niedriger Blutdruck häufig vor. Ein weiterer Grund kann eine mangelhafte Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sein. 

Nicht immer kann eine klare Ursache für den niedrigen Blutdruck ausgemacht werden. Dann spricht man von primärer Hypotonie. Dies ist die häufigste Form. Sie ist erblich bedingt und kommt meist bei jungen Frauen vor oder sehr schlanken Personen. 

Eine sekundäre Hypotonie dagegen wird durch Erkrankungen ausgelöst – zum Beispiel durch eine Unterfunktion von Schilddrüse oder Nebenniere sowie durch Nervenerkrankungen, Herzerkrankungen oder Venenschwäche . Auch Medikamente können der Grund sein. Dazu gehören zum Beispiel Psychopharmaka wie Antidepressiva, Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen oder harntreibende Arzneimittel (Diuretika).  

Bei einer orthostatischen Hypotonie bestehen die Beschwerden nur zeitweise – und zwar dann, wenn der Betroffene zu schnell aufsteht oder sich bückt.  

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Ziele der Behandlung

Wie wird niedriger Blutdruck klassisch behandelt?

Eine Person hält ihre Hand unter den Duschkopf
Wechselduschen bringen den Kreislauf in Schwung. Dabei wird alle 90 Sekunden zwischen warmem und kaltem Wasser gewechselt. Bild: Алексей Филатов/iStock/Getty Images Plus

Niedriger Blutdruck ist nicht zwingend behandlungsbedürftig. Wenn er jedoch die Lebensqualität einschränkt oder zu Schwindel und Stürzen führt, sollte er behandelt werden.  

Oft können einfache Maßnahmen helfen: Regelmäßige Bewegung und Wechselduschen regen den Kreislauf an. Mehr Salz auf dem Speiseplan und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens 1,5 Liter pro Tag) erhöhen das Blutvolumen und damit den Blutdruck. Alkohol, Hitze und Erschöpfung sollten dagegen vermieden werden. Wenn das Blut beim Aufstehen in den Venen versackt, können auch Kompressionsstrümpfe helfen. Außerdem sollte man langsam aufstehen und sich dabei festhalten. 

Wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, können auch blutdruckerhöhende Medikamente eingesetzt werden. Dazu gehören die Wirkstoffe Midodrin (Gutron®) und Droxidopa (Northera®). In akuten Fällen kann der Arzt den Kreislauf auch mit der Infusion einer Salzlösung stabilisieren. 

Entsteht niedriger Blutdruck als Folge anderer Krankheiten, sollten auch die Grunderkrankungen behandelt werden.  

Ziele der Mikronährstoffmedizin 

Die Ursache für einen niedrigen Blutdruck kann ein Mangel an Mikronährstoffen sein. Ziel der Mikronährstoffmedizin ist es daher, einen möglicherweise bestehenden Nährstoffmangel auszugleichen. Auch können einige Stoffe helfen, den Kreislauf zu stabilisieren oder den Blutdruck kurzfristig anzuheben. 

Folgende Stoffe können sinnvoll sein: 

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Behandlung mit Mikronährstoffen

Ein Mangel an Vitamin B12 und Folsäure kann niedrigen Blutdruck verursachen

Wirkweise

Niedriger Blutdruck – genauer gesagt eine orthostatische Hypotonie – kann in manchen Fällen die Folge eines Vitamin-B12-Mangels sein. Bei älteren Menschen treten ein Mangel an Vitamin B12 sowie niedriger Blutdruck häufig zusammen auf. Ein Fallbericht zeigt, dass der niedrige Blutdruck durch den Ausgleich des Mangels behoben werden konnte. In einer Vorstudie führte die Gabe von Vitamin B12 bei älteren Menschen mit einem Mangel dazu, dass sie eine Hochlagerung des Kopfes besser tolerierten. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich der Blutdruck besserte.  

Forscher haben zudem in Beobachtungsstudien einen niedrigen Blutdruck bei Babys mit einem Vitamin-B12-Mangel beschrieben. Sie wurden von Müttern mit geringem Vitamin-B12-Status geboren und waren auch durch die Muttermilch nicht ausreichend versorgt. 

Darüber hinaus kann eine Unterversorgung mit Folsäure niedrigen Blutdruck mit beeinflussen. Daher ist es wichtig, bei niedrigem Blutdruck auf eine gute Versorgung mit Vitamin B12 und Folsäure zu achten. 

Dosierung und Einnahmeempfehlung

Mikronährstoff-Experten empfehlen für eine gute Versorgung die Einnahme von 3 bis 4 Mikrogramm Vitamin B12 und 200 bis 400 Mikrogramm Folsäure pro Tag. Bei einem nachgewiesenen Mangel kann die Dosierung in Rücksprache mit dem Arzt auch höher sein. Meist werden dann zum Beispiel 250 bis 1.000 Mikrogramm Vitamin B12 täglich eingesetzt.  

Nehmen Sie die Vitamine zusammen mit einer Mahlzeit ein. So sind sie am besten verträglich. 

Tipp

Mikronährstoff-Experten raten immer zur Folsäureform „Methyltetrahydrofolsäure“  (5-MTHF). Ein Großteil der Bevölkerung kann aufgrund einer Genvariante herkömmliche Folsäure nicht gut verstoffwechseln. 5-MTHF ist direkt verfügbar.

B12 mit Kreide an einer Tafel geschrieben
Vor allem Senioren sind häufig von einem Vitamin-B12-Mangel betroffen. Der Grund ist: die Aufnahmefähigkeit nimmt mit dem Alter ab. Bild: Professor25/iStock/Getty Images Plus

Den Vitamin-B12- und Folsäurestatus im Labor bestimmen lassen

Um herauszufinden, ob ein Vitaminmangel die Ursache für den niedrigen Blutdruck ist, können die Blutwerte untersucht werden. Um die Vitamin-B12-Versorgung zu erfassen, wird optimalerweise das sogenannte Holotranscobalamin (HoloTC) im Serum bestimmt. Blutserum ist die Flüssigkeit des Blutes ohne Zellen. Der Wert sollte über 54 Pikomol pro Liter liegen. 

Die Folat-Konzentration wird dagegen in den roten Blutzellen (Erythrozyten) bestimmt. Dieser Wert sollte zwischen 250 und 400 Mikrogramm pro Liter liegen. 

Vitamin B12 und Folsäure: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Nierenpatienten dürfen Vitamin B12 nur in Form von Methylcobalamin einnehmen und nicht als Cyanocobalamin. Die letztere Form ist für Nierenpatienten vermutlich schädlich. Dialysepatienten sollten mit ihrem Arzt über die Einnahme sprechen. 

Folsäure verringert die Wirkung von Medikamenten gegen Infektionen mit den Wirkstoffen Trimethoprim (Proloprim®, Monotrim®), Proguanil (Malarone®) und Pyrimethamin (Daraprim®). Nehmen Sie die Präparate daher nicht zeitgleich ein. 

Es gibt außerdem Hinweise, dass hoch dosierte Folsäure die Nebenwirkungen von Krebsmedikamenten verstärken könnte. Dies gilt für die Wirkstoffe 5-Fluorouracil (Efidix®) und Capecitabin (Xeloda®). Sprechen Sie bei Krebs die Einnahme von Folsäure mit dem Arzt ab. 

Calcium und Vitamin D regulieren den Blutdruck

Wirkweise

Illustrative und anatomische Darstellung eines Herzens
Calcium reguliert den Herzschlag. Bei einem Calciummangel ist der Herzschlag zu schwach und erzeugt zu wenig Druck in den Blutgefäßen. Bild: magicmine/iStock/Getty Images Plus

Der Blutdruck wird unter anderem durch die Kraft des Herzens und die Enge der Gefäße reguliert. Calcium spielt dabei eine wichtige Rolle. Es reguliert den Herzrhythmus. Ist zu wenig Calcium verfügbar, wird der Herzschlag langsamer. Zusätzlich wird die Herzkontraktion schwächer. Das bedeutet, das Herz pumpt zu schwach und erzeugt zu wenig Druck. Daneben bewirkt Calcium, dass die Gefäße enger werden. Dabei steigt der Blutdruck. Ein Mangel an Calcium kann deshalb zu niedrigem Blutdruck führen.  

Niedrige Calciumspiegel kann man bei schweren Verdauungsstörungen, in der Schwangerschaft oder Pubertät beobachten. Aber auch Senioren, Veganer und Personen mit einer Laktoseintoleranz haben ein erhöhtes Risiko für einen Calciummangel. Allerdings bleiben niedrige Calciumspiegel im Blut nicht dauerhaft bestehen, da sich der Körper an den Reserven aus den Knochen bedient. Eine Knochenentkalkung (Osteoporose) kann drohen. 

Vitamin D ist für die Aufnahme von Calcium im Darm wichtig. Darüber hinaus ist Vitamin D an der Kontrolle des Blutdrucks beteiligt. Ein Mangel wird als möglicher Auslöser für niedrigen Blutdruck diskutiert. Bisher konnten Forscher in Studien aber keinen positiven Effekt einer Vitamin-D-Einnahme bei niedrigem Blutdruck nachweisen.  

Auch wenn die Studienergebnisse noch nicht eindeutig sind, sollten ein Calcium- und Vitamin-D-Mangel bei niedrigem Blutdruck vermieden werden. Denn sie können ein mitbestimmender Auslöser für die Beschwerden wie Schwindel sein.  

Dosierung und Einnahmeempfehlung

Um einen Calciummangel zu vermeiden, empfehlen Mikronährstoff-Experten, täglich 500 bis 1.000 Milligramm Calcium einzunehmen, zum Beispiel in Form von Kapseln.   

Für eine gute Versorgung mit Vitamin D ist es ratsam, täglich zwischen 1.000 Internationalen Einheiten (im Sommer) und 2.000 Internationalen Einheiten (im Winter) einzunehmen. Idealerweise sollte der Vitamin-D-Spiegel beim Arzt kontrolliert werden, denn bei einem nachgewiesenen Mangel ist die benötigte Dosierung höher. 

Tipp

Nehmen Sie die Calcium- und Vitamin-D-Präparate zusammen mit einer Mahlzeit ein. Das steigert die Verträglichkeit. Außerdem hilft das Fett aus der Nahrung, Vitamin D im Darm aufzunehmen.

Hochwertige Calcium- und Vitamin-D-Präparate sollten auch Vitamin K2 enthalten. Vitamin K2 sorgt dafür, dass Calcium in die Knochen eingelagert wird und nicht in zu hohen Mengen im Blut bleibt. Dies könnte ansonsten zu einer Arterienverkalkung führen. 

Den Vitamin-D-Status im Labor bestimmen lassen

Die Vitamin-D-Versorgung sollte regelmäßig durch eine Blutuntersuchung kontrolliert werden – am besten zweimal im Jahr. Dazu wird die Konzentration der Transportform im Blutserum ermittelt, das 25(OH)-Vitamin D (Calcidiol). Serum ist die Blutflüssigkeit ohne die Blutzellen. Der Vitamin-D-Spiegel sollte idealerweise zwischen 40 und 60 Nanogramm pro Milliliter liegen.  

Eine Blutuntersuchung ist bei Calcium wenig hilfreich, um einen Mangel festzustellen. Der Körper deckt seinen Bedarf aus dem Knochenspeicher. Bei Verdacht auf eine längerfristige Unterversorgung kann eine Knochendichtemessung (DXA) durchgeführt werden. Sie zeigt, ob Calcium aus den Knochen gelöst wurde. 

Calcium und Vitamin D: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Bei Calcium und Vitamin D müssen Personen mit Nierenerkrankungen oder Nierensteinen aufpassen: Sie dürfen Präparate nur in Rücksprache mit dem Arzt und unter Kontrolle der Blutwerte einnehmen.  

Erhöhte Calcium-Blutwerte sprechen ebenfalls gegen die Einnahme hoch dosierter Calcium- und Vitamin-D-Präparate. Dies gilt zum Beispiel für Patienten mit der entzündlichen Bindegewebserkrankung Sarkoidose (Morbus Boeck) – aber auch für Personen mit einer Überfunktion der Nebenschilddrüse oder Knochenmarkkrebs. 

Calcium verringert die Aufnahme bestimmter Medikamente im Darm. Dazu gehören Osteoporose-Medikamente (Bisphosphonate) mit Wirkstoffen wie Alendronat (Fosamax®) oder Dinatriumclodronat (Bonefos®), Antibiotika mit Wirkstoffen wie Tetrazyclin (Tetracyclin®) oder Doxycyclin (Antodox®) sowie Schilddrüsenmedikamente mit dem Wirkstoff L-Thyroxin (Aventis®, Berlthyrox®). Halten Sie einen Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden ein. 

Vorsicht ist auch bei anderen Medikamenten geboten: Entwässernde Arzneimittel aus der Gruppe der Thiazide verringern die Ausscheidung von Calcium über die Nieren. Das gilt zum Beispiel für die Wirkstoffe Hydrochlorothiazid (Disalunil®, Esidrix®) oder Indapamid (Preterax®, Indapamid-Ratio®). Wenn Sie Thiazide einnehmen, sollte der Arzt den Calciumspiegel kontrollieren. Ansonsten besteht die Gefahr eines Calciumüberschusses. 

Eisen gewährleistet den Sauerstofftransport

Wirkweise

Eisen in Kapsel-form liegt in einer Hand
Ein Eisenmangel lässt sich oft nicht durch die Ernährung ausgleichen. Deshalb empfehlen Mikronährstoff-Experten meist Kapseln oder Tabletten. Bild: Toxitz/iStock/Getty Images Plus

Eisen ist Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin. Dieser Blutfarbstoff ist für den Sauerstofftransport zuständig. Fehlt dem Körper Eisen, kann er den Blutfarbstoff und damit die roten Blutzellen nicht korrekt bilden. Ein Eisenmangel geht mit Symptomen wie Schwindel und niedrigem Blutdruck einher. 

Eisen könnte in Kombination mit einem Medikament (Erythropoetin), das die Bildung neuer Blutplättchen fördert, die Symptome einer orthostatischen Hypotonie verbessern – insbesondere bei Patienten, die unter Blutarmut (Anämie) leiden. Darauf deutet eine erste Studie hin. 

Da ein Mangel an Eisen die Ursache für zu niedrigen Blutdruck sein kann, sollte er ausgeglichen werden. 

Dosierung und Einnahmeempfehlung

Bei nachgewiesenem Eisenmangel empfehlen Mikronährstoff-Experten etwa 20 bis 100 Milligramm Eisen pro Tag. Die individuelle Dosierung des Eisenpräparats richtet sich aber immer nach dem Spiegel im Blut. In schweren Fällen kann der Arzt auch bis zu 200 Milligramm pro Tag verordnen.  

Expertenwissen

Als Faustformel für die Eisensubstitution gilt: (Eisen-Sollwert – Eisen-Istwert in Gramm pro Deziliter (g/dl) Blut) x 250 = Gesamtdosis in Milligramm (mg).

Eisen sollte zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, da so die Aufnahme am besten ist. Allerdings kann es dadurch zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. Zur Mahlzeit sind Eisenpräparate verträglicher. Achten Sie dann jedoch darauf, dass Kaffee, Tee oder Milch nicht Bestandteil sind. Sie sind „Eisenräuber“.   

Zudem sind im Handel spezielle Eisenformen erhältlich, die verträglicher sind. Dazu gehören Eisenfumarat, Eisenbisglycinat oder Eisengluconat sowie mikroverkapseltes Eisen. Durch die Verkapselung wird die Magen-Darm-Schleimhaut weniger gereizt. 

Eisenwerte im Labor bestimmen lassen

Bei niedrigem Blutdruck sollte die Eisenversorgung überprüft werden. Dazu kann das Labor unterschiedliche Parameter bestimmen – zum Beispiel den Blutfarbstoff Hämoglobin oder das Eisenspeichereiweiß Ferritin. Optimal sind folgende Werte: 

  • Hämoglobin: über 12 Gramm pro Deziliter Blut bei Frauen, über 15 Gramm pro Deziliter Blut bei Männern. 

  • Ferritin: 23 bis 110 Mikrogramm pro Liter bei Frauen, 34 bis 310 Mikrogramm pro Liter bei Männern. 

Eisen: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Haben Sie eine schwere Erkrankung der Leber oder Niere, sollten Sie die Einnahme von Eisen mit dem Arzt besprechen. Eisen könnte sich dann im Körper anreichern und zu Schäden an den Organen führen. Dies gilt auch, wenn Sie an Parkinson leiden. 

Eisen kann die Magen- und Darmschleimhaut reizen. Wenn Sie an Entzündungen oder Geschwüren im Magen oder Darm leiden, besprechen Sie die Einnahme mit Ihrem Arzt. 

Bei einer Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) sollte kein Eisen eingenommen werden. Auch bei anderen Störungen der Eisenverwertung muss auf Eisenpräparate verzichtet werden – zum Beispiel bei bestimmten Blutarmutsformen wie einer Thalassämie (Mittelmeeranämie).  

Gichtmedikamente mit dem Wirkstoff Allopurinol (Zyloric®, Allobeta®) können die Speicherung von Eisen in der Leber erhöhen. Das ist auf Dauer schädlich.  

Auch verringert Eisen die Wirkung zahlreicher Medikamente, weshalb ein Einnahmeabstand nötig ist. Alles über Wechselwirkungen lesen Sie im Text zu Eisen. Dies trifft zum Beispiel auf das Schilddrüsenmedikament Thyroxin (L-Thyroxin®) zu. 

Ein Jodmangel kann zu Kreislaufproblemen führen

Wirkweise

Die Schilddrüse ist mit ihren Schilddrüsenhormonen das Gaspedal des Stoffwechsels. Jod spielt dabei eine Schlüsselrolle. Fehlt Jod, können die Hormone nicht gebildet werden und man spricht von einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Betroffenen sind dann müde, schlapp und frieren leicht. Auch kann eine Schilddrüsenunterfunktion Herz-Kreislauf-Probleme mit Herzschwäche und langsamem Puls verursachen. Dann sinkt der Blutdruck.  

Forscher stellten in einer ersten Beobachtungsstudie einen Zusammenhang zwischen der Jodausscheidung im Urin und dem Blutdruck fest: Je geringer die Ausscheidung, desto geringer war auch der Blutdruck. Eine geringe Jodausscheidung ist ein Anzeichen für einen Mangel. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Jod grundsätzlich für einen gesunden Blutdruck wichtig ist – auch, wenn hochwertige Studien noch fehlen. 

Bei Blutdruckproblemen und Schlappheit sollte auf einen ausgeglichenen Jodhaushalt geachtet werden. Im Idealfall wird die Jodversorgung durch Fisch und Algenprodukte gedeckt. Viele Menschen mögen allerdings keinen Fisch und sind nicht ausreichend versorgt. Jod zählt zu den Mangelnährstoffen. Andere Lebensmittel liefern vergleichsweise wenig Jod. 

Verschiedene Lebensmittel in denen Jod vorkommt
Seefisch, Meeresfrüchte und Algen sind die beste Quelle für Jod. Aber auch Salz ist ein wichtiger Jodlieferant. Denn bei uns wird Speisesalz häufig Jod zugesetzt. Bild: photka/iStock/Getty Images Plus

Dosierung und Einnahmeempfehlung

Mikronährstoff-Experten empfehlen die Ergänzung von 100 Mikrogramm Jod pro Tag. Jodpräparate sind als Kapseln oder Tabletten erhältlich. Nehmen Sie die Präparate mit etwas Flüssigkeit zu einer Mahlzeit ein. Das verbessert die Verträglichkeit. 

Tipp

Hochwertige Präparate enthalten Jod in Form von Kalium- oder Natriumjodid. Diese Verbindungen werden im Darm gut aufgenommen.

Den Jodstatus im Labor bestimmen lassen

Ein Jodmangel zeigt sich im Blut über veränderte Schilddrüsenwerte. Dann sind die Werte von Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) zu niedrig. Der TSH-Wert ist dagegen erhöht. 

Auch kann die Ausscheidung von Jod im Urin bestimmt werden. Sie sollte bei 100 bis 200 Mikrogramm pro Liter Urin liegen. Ein geringerer Wert deutet auf einen Jodmangel hin. 

Jod: zu beachten bei Schilddrüsenerkrankungen und Medikamenteneinnahme

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion wie Morbus Basedow sollte Jod mit Vorsicht eingenommen werden. Die durchschnittliche Jodaufnahme von 120 Mikrogramm täglich über die Nahrung ist jedoch unbedenklich. Ähnliches gilt für Hashimoto. Hashimoto-Patienten müssen im Normalfall ihren Jodbedarf von 200 Mikrogramm pro Tag decken – egal, ob über Lebensmittel oder Präparate. Nur auf eine Zufuhr von mehr als 200 bis 300 Mikrogramm pro Tag sollte bei einer aktiven Schilddrüsenentzündung verzichtet werden.  

Jod kann die Wirkung von Medikamenten gegen eine Schilddrüsenüberfunktion herabsetzen. Dazu gehören Wirkstoffe wie Thiamazol (Favistan®, Thyrozol®), Carbimazol (Carbistad®) oder Propylthiouracil (Propycil®). Fragen Sie Ihren Arzt, ob Jod für Sie geeignet ist. 

Zudem gibt es einige Medikamente, die Jod enthalten. Dazu zählen zum Beispiel Röntgenkontrastmittel wie Iohexol (Omnipaque®) oder Iopamidol (Iopamiro®, Scanlux®) und Desinfektionsmittel wie Povidon-Jod (Betaisodona®, Braunol®). Auch der Wirkstoff Amiodaron (Amiogamma®, Cordarex®) gegen Herz-Rhythmus-Störungen ist betroffen. Nehmen Sie diese Medikamente ein, sollten Sie auf Jodpräparate verzichten. 

Grüntee und Kaffee können den Blutdruck anheben

Wirkweise

Eine Tasse Kaffee mit Kaffeebonen auf dem Tisch
Koffein kann helfen, einen niedrigen Blutdruck kurzfristig anzuheben. Bild: ValentynVolkov/iStock/Getty Images Plus

Grüner Tee und Kaffee enthalten Koffein. Koffein ist bekannt dafür, den Blutdruck kurzfristig anzuheben. Möglicherweise verstärken andere Pflanzenstoffe aus grünem Tee diese Wirkung. Der bekannteste Pflanzenstoff ist Epigallocatechingallat (EGCG).  

Ein Überblick über die Studienlage zeigt, dass grüner Tee etwa eine halbe Stunde nach dem Genuss den Blutdruck erhöht. Ähnliches wurde für Koffein beobachtet. Noch ist aber nicht klar, ob sich die Einnahme von Grüntee-Extrakt in Form von Kapseln ähnlich auswirkt. Das Problem ist, dass Grüntee-Extrakt nicht immer Koffein enthält. 

Allerdings gibt es schon Untersuchungen, in denen Forscher einen generellen regulierenden Effekt von Grüntee-Extrakt bei Bluthochdruck fanden. Auch wenn ein solcher Effekt bei niedrigem Blutdruck noch nicht gesichert ist, kann es sich lohnen, entsprechende Präparate oder das Trinken von grünem Tee oder Kaffee auszuprobieren. 

Dosierung und Einnahmeempfehlung

Bei niedrigem Blutdruck können eine Tasse Grüntee oder Kaffee den Blutdruck kurzfristig anheben. Mögen Sie keinen grünen Tee oder Kaffee, gibt es auch Präparate mit Grüntee-Extrakt oder Koffein zu kaufen. Hier richtet sich die Dosierung nach den Angaben des Herstellers.  

Eine Tasse Grüntee liefert ungefähr 60 Milligramm EGCG. Ein Espresso liefert rund 60 Milligramm Koffein. Entsprechende Präparate sollten sich daher in diesem Dosierungsbereich bewegen. Nehmen Sie Grüntee-Extrakt und Koffein zusammen mit einer Mahlzeit ein. 

Grüntee-Extrakt und Kaffee: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme und Erkrankungen

Es gibt noch keine ausreichenden Studien zu Grüntee-Extrakt in der Schwangerschaft und Stillzeit. Schwangere und Stillende sollten zur Sicherheit keinen Grüntee-Extrakt einnehmen und auch nicht mehr als zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag trinken. Koffeinmengen von mehr als 200 Milligramm täglich steigern das Risiko für Fehl- und Frühgeburten und einem zu geringen Geburtsgewicht. 

Einige Stoffe in grünem Tee behindern die Aufnahme bestimmter Medikamente im Darm. Dazu gehören Betablocker wie der Wirkstoff Bisoprolol (Bisoprolol®, Concor®) oder Blutdrucksenker mit dem Wirkstoff Nifedipin (etwa Adalat®, Aprical®). Halten Sie einen Einnahmeabstand von mindestens vier Stunden ein. 

Außerdem kann hoch dosierter Grüntee-Extrakt die Wirkung des Krebsmittels Bortezomib (Velcade®) aufheben. Sprechen Sie bei einer Krebstherapie vorher immer mit dem behandelnden Arzt. 

Sprechen Sie die Einnahme von Koffein über Tabletten zur Sicherheit mir Ihrem Arzt ab, wenn Sie folgende Erkrankungen haben: Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Lebererkrankungen (Leberzirrhose), Angstzustände, eine Schilddrüsenüberfunktion oder Schlaflosigkeit. 

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung pro Tag bei niedrigem Blutdruck 

 

Vitamine  

Vitamin B12 

3 bis 4 Mikrogramm (µg)  

Folsäure 

200 bis 400 Mikrogramm  

Vitamin D 

1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten (IE) 

  
 

Mineralstoffe 

Calcium 

500 bis 1.000 Milligramm (mg) 

Eisen 

20 bis 100 Milligramm (bei nachgewiesenem Mangel) 

Jod 

100 Mikrogramm 

  
 

Sonstige 

Grüntee-EGCG 

60 Milligramm entsprechen ungefähr einer Tasse Grüntee 

Koffein 

60 Milligramm entsprechen ungefähr einem Espresso 

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei niedrigem Blutdruck 

 

Normalwerte 

Vitamin B12 (HoloTC) 

über 54 Pikomol pro Liter (pmol/l) 

Folsäure (Erythrozyten-Folat) 

250 bis 400 Mikrogramm pro Liter (µg/l) 

Vitamin D 

40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) 

Eisen: 

Hämoglobin 

Frauen 

Männer 

 

Ferritin: 

Frauen 

Männer 

 

 

über 12 Gramm pro Deziliter (g/dl) 

über 15 Gramm pro Deziliter 

 

 

23 bis 110 Mikrogramm pro Liter 

34 bis 310 Mikrogramm pro Liter 

Jod:  

Ausscheidung über den Urin 

TSH 

Thyroxin (T4) frei 

Trijodthyronin (T3) frei 

 

100 bis 200 Mikrogramm pro Liter 

0,4 bis 7 Milliunits pro Liter (mU/l) 

0,8 bis 2 Nanogramm pro Deziliter (ng/dl) 

2,0 bis 4,2 Nanogramm pro Milliliter 

 

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Zusammenfassung

Niedriger Blutdruck ist grundsätzlich nicht gefährlich, aber für die Betroffenen oft lästig. Symptome wie Müdigkeit und Schwindel bis hin zur Ohnmacht machen ihnen zu schaffen. Ausreichend Trinken und Salz in der Nahrung sind wichtig für einen normalen Blutdruck. Auch Bewegung darf nicht fehlen. In extremen Fällen wird niedriger Blutdruck mit Medikamenten oder Infusionen behandelt. 

In der Mikronährstoffmedizin kommen außerdem Vitamine und Mineralstoffe zum Einsatz, die den Kreislauf stabilisieren können. Ein Grund für niedrigen Blutdruck kann manchmal ein Mikronährstoffmangel sein. Dies trifft auf Vitamin B12, Folsäure, Calcium und Vitamin D zu.  

Auch Eisen- oder Jodmangel können niedrigen Blutdruck mitbedingen. Eisen gewährleistet den Sauerstofftransport, während Jod für die Bildung von Schilddrüsenhormonen gebraucht wird. Die Schilddrüse ist das Gaspedal des Stoffwechsels. Grüntee und Koffein heben dagegen den Blutdruck kurzfristig an. 

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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