
Vitamin D erfüllt zahlreiche Funktionen im menschlichen Körper. Unter anderem trägt es zur Erhaltung normaler Knochen und Zähne sowie zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. Zudem wird ein Mangel während der Schwangerschaft mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftsdiabetes in Verbindung gebracht.
Darüber hinaus versorgt die Schwangere das ungeborene Kind. Daher könnte die mütterliche Vitamin-D-Versorgung auch für die Entwicklung des Kindes eine wichtige Rolle spielen. Zunehmend rückt neben der Bedeutung von Vitamin D für Knochen, Zähne und das Immunsystem auch seine Rolle bei der Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns in den Fokus der Forschung.
So liefert eine aktuelle dänische Studie Hinweise darauf, dass die Vitamin-D-Versorgung während der Schwangerschaft die spätere kognitive Leistungsfähigkeit der Kinder beeinflussen könnte.
Was hat die Studie untersucht?
Die Forschenden aus Dänemark wollten wissen, ob eine hochdosierte Vitamin-D3-Gabe während der Schwangerschaft zu einer verbesserten kognitiven Entwicklung der Nachkommen führt.
Dazu wurden Kinder im Alter von 10 Jahren auf ihre kognitiven Leistungen getestet, deren Mütter während der Schwangerschaft Vitamin D eingenommen hatten – und zwar ab der 24. Schwangerschaftswoche bis eine Woche nach der Entbindung. Die Zufuhr betrug
- entweder 400 Internationale Einheiten (IE) (= 10 µg) Vitamin D3 täglich (Standardgabe)
- oder 2400 IE (= 60 µg) täglich zusätzlich zu den empfohlenen 400 IE (hochdosierte Gabe)
Info
Wie lauten die Empfehlungen für die Vitamin-D-Zufuhr?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen (auch Schwangeren), täglich 800 IE, also 20 µg Vitamin D zuzuführen – aber nur dann, wenn sie eine unzureichende Eigensynthese durch Sonnenlicht aufweisen. Denn generell gilt: Ein regelmäßiger Aufenthalt im Freien mit ausreichender UV-Bestrahlung in den Sommermonaten kann die Eigensynthese durch die Haut und damit eine ausreichende Versorgung sicherstellen – sofern genügend unbedeckte Haut der Sonne ausgesetzt wird und der UV-Schutz nicht zu stark ist. Ein Sonnenbrand sollte jedoch vermieden werden.
Eine Vitamin-D-Einnahme kann insbesondere im Winter wichtig sein, da während der lichtschwachen Monate in Deutschland die UV-Strahlung für die Eigensynthese durch die Haut nicht ausreicht.
Viele Fachleute sprechen sich für eine tägliche Vitamin-D-Zufuhr von 1.000 – 2.000 IE aus, um einen optimalen Vitamin-D-Status zu erreichen. Für Schwangere ist es ratsam, mit Ihrer Ärztin beziehungsweise ihrem Arzt Rücksprache zu halten.
Die erforderliche Konzentration von Vitamin D im Körper kann allein durch die Ernährung nicht erreicht werden. Diese trägt normalerweise nur mit etwa 10-20 Prozent zur Versorgung bei. Laut der Nationalen Verzehrsstudie II liegt der Medianwert bei Frauen bei nur 2,2 µg Vitamin D aus Lebensmitteln pro Tag, Männer erreichen im Median 2,9 µg.
Generell scheint die tägliche Gabe von Vitamin D3 besser zu sein als eine wöchentliche oder gar monatliche Gabe.
Ob und in welcher Höhe eine Vitamin-D-Einnahme während der Schwangerschaft sinnvoll ist, sollte am besten immer individuell abgeklärt werden.
Insgesamt waren 498 Mutter-Kind-Paare eingeschlossen, die an dieser Folgestudie teilnahmen und bis zur Auswertung dabeiblieben. Die ursprüngliche randomisierte, kontrollierte (RCT-) Studie mit 700 Paaren hatte den Zusammenhang zwischen Vitamin D und Asthma untersucht, wobei die Verblindung aufgehoben wurde (nicht für die Studienleitung), als die Kinder drei Jahre alt waren. Das heißt, die Frauen und ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte erfuhren dann, welche Vitamin-D-Dosis die Frauen während ihrer Schwangerschaft erhalten hatten. Die Nachbeobachtung der Kinder fand von der Geburt bis zum Alter von 10 Jahren mit mindestens 14 Besuchen statt – bei Atemwegs-, Allergie- oder Hautsymptomen auch mit mehr Besuchen.
Während die 25(OH)D-Spiegel der Mütter
- in der 24. Schwangerschaftswoche (vor der Intervention) und
- eine Woche nach der Entbindung (nach der Intervention)
gemessen wurden, erfolgten die Messungen bei den Kindern im Alter von 6 Monaten und 6 Jahren.
Info
Wie wird der Vitamin-D-Status beurteilt?
Um die Vitamin-D-Versorgung zu bestimmen, wird der Spiegel des 25-Hydroxy-Vitamin-D (= 25(OH)-Vitamin D, Calcidiol) im Blutserum (= flüssiger Blutanteil ohne Blutzellen) gemessen. Dabei handelt es sich um die inaktive Vorstufe des Vitamins, die im Blut zirkuliert, und auch als Speicher- und Transportform dient. Je nach Labor werden die Werte in Nanomol pro Liter Blut (nmol/l) oder in Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml) angegeben:
| RKI, 2019 | European Expert | ||
| 25-(OH)-D3 (µg/l) | 25-(OH)-D3 (nmol/l) | ||
| < 12 | < 30 | Mangelhafte Versorgung | Mangel |
| 12- < 20 | 30- < 50 | Suboptimale Versorgung | Mangel |
| 20- < 30 | 50- < 75 | Ausreichende Versorgung für die Knochengesundheit | Unzureichende Versorgung |
| 30-50 | 75-125 | Ausreichende Versorgung ohne Zusatznutzen für die Gesundheit | Ausreichende Versorgung |
| > 50 | > 125 | Mögliche Überversorgung mit Risiken (z.B Hyperkalzämie) | |
| 50-60 | 125-150 | Sicher, aber kein Zielwert | |
| 60-100 | 150-250 | Potentielle Risiken | |
| > 100 | > 250 | Überversorgung, Toxizität |
Einteilung bei Kindern
nmol/L | Beurteilung | Mögliche Auswirkungen |
< 12,5 | schwerer Vitamin-D-Mangel | In der Regel mit Rachitis verbunden |
12,5 bis < 25 | moderater Vitamin-D-Mangel | wahrscheinliche Auswirkung auf den Knochenstoffwechsel |
25 bis < 50 (abhängig vom Lebensalter auch 25 bis < 75) | suboptimale Vitamin-D-Versorgung | mögliche Auswirkung auf den Knochenstoffwechsel |
Die Tests der Kinder in der Studie berücksichtigen acht verschiedene kognitive Bereiche mit insgesamt elf kognitiven Funktionen:
- Intelligenz,
- Verarbeitungsgeschwindigkeit,
- Reaktionszeit,
- Aufmerksamkeit,
- Motorik,
- Gedächtnis (verbales und visuelles Gedächtnis),
- Arbeitsgedächtnis und
- exekutive Funktionen (Flexibilität, räumliches Arbeitsgedächtnis, Planung)
Sind höhere Dosen effektiver für den Vitamin-D-Spiegel?
Zumindest in dieser Studie war die höhere Dosis effektiver als die verabreichte Standarddosis, um den Vitamin-D-Spiegel in den gewünschten Bereich zu heben.
Der mediane 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel der Frauen betrug zu Studienbeginn – also vor der Vitamin-D-Gabe – 30,3 Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml) (IQR: 23,3–36,9 ng/ml) – und lag somit ganz knapp im optimalen Bereich. 74 von 494 Frauen (15 Prozent) wiesen jedoch Werte von unter 20 ng/ml auf – hatten also einen Vitamin-D-Mangel.
Nach der Vitamin-D-Gabe lagen die Spiegel bei den Frauen median bei
- 27,5 ng/ml (IQR: 18,5–36,1 ng/ml) in der Kontrollgruppe mit Standarddosis
- 41,9 ng/ml (IQR: 34,5–51,0 ng/ml) in der Hochdosis -Gruppe
Median bedeutet: die Hälfte der Messwerte liegt oberhalb, die andere Hälfte unterhalb.
IQR = Interquartile Range (Quartilsabstand): Differenz zwischen dem oberen Quartil (75 %-Quantil, Q₃) und dem unteren Quartil (25 %-Quantil, Q2). Ein Viertel der Werte liegt über Q3, ein Viertel unter Q2, jedoch die Hälfte im Bereich zwischen Q2 und Q3.

Insgesamt erreichten 184 von 498 Teilnehmerinnen (36,9 Prozent) nach der Vitamin-D-Gabe eine 25-Hydroxy-Vitamin-D-Konzentration von 40 ng/ml oder mehr.
- 142 von 247 (57,5 Prozent) in der Hochdosisgruppe und
- 42 von 251 (16,7 Prozent) in der Standarddosisgruppe
Die Ergebnisse zeigen, dass eine regelmäßige Vitamin-D-Gabe die 25-Hydroxy-Vitamin-D-Spiegel bei schwangeren Frauen anheben kann, wobei eine Hochdosis-Gabe einer niedrigen Gabe überlegen ist. Hier ist festzuhalten, dass die DGE für Schwangere 800 IE (20 µg) Vitamin D täglich empfiehlt, also die doppelte Menge der hier verwendeten Standarddosis.
Interessant ist, dass es keinen Unterschied bezüglich des Vitamin-D-Spiegels abhängig von der Jahreszeit der Geburt gab. Man hätte eventuell einen stärkeren Mangel im Winter und Frühjahr sowie eine bessere Vitamin-D-Versorgung im Sommer erwarten können. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine regelmäßige Vitamin-D-Zufuhr – auch im Sommer – während der Schwangerschaft zur Aufrechterhaltung eines ausreichenden Vitamin-D-Spiegels sinnvoll sein kann.
Auch die klinische Leitlinie der Gesellschaft für Endokrinologie (Endocrine Society), einer internationalen medizinischen Fachgesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel, empfiehlt
- eine empirische Vitamin-D-Supplementierung für Schwangere (Empfehlung 8) und
- rät von routinemäßigen 25(OH)D-Tests während der Schwangerschaft ab (Empfehlung 9).
Die aktualisierte Leitlinie wurde im Juni 2024 veröffentlicht.
Welchen Effekt hatte die Vitamin-D-Gabe auf das Gedächtnis der Kinder?
Das Gedächtnis gehörte zu den kognitiven Funktionen bei den Kindern, das durch eine höhere Vitamin-D-Dosis an die schwangere Mutter mit einem besseren Ergebnis punktete.
Ziel der Studie war es, die Auswirkungen von Vitamin D auf die kognitiven Fähigkeiten der Kinder zu untersuchen. Beim geschätzten mittleren Intelligenzwert zeigte sich für beide Gruppen kein Unterschied. Er betrug
- 107,6 in der Hoch-Vitamin-D3-Gruppe und
- 107,8 in der Kontrollgruppe.
Bei den 11 untersuchten kognitiven Funktionen konnten die Forschenden einen positiven Zusammenhang zwischen der Vitamin-D3-Gabe an die Mütter und
- dem verbalen Gedächtnis,
- dem visuellen Gedächtnis und
- der Flexibilität bzw. dem Aufgabenwechsel
bei den Kindern im Alter von 10 Jahren feststellen. Nach einer Korrektur für multiples Testen fiel der Zusammenhang mit der Flexibilität beziehungsweise dem Aufgabenwechsel weg.
Bei den übrigen acht kognitiven Funktionen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen der Hochdosis- und der Standardgruppe.
Wie sind Vitamin-D-Spiegel bei Kindern und Kognition verbunden?
Kinder, deren Mütter in einer Studie während der Schwangerschaft 2.000 IE Vitamin D eingenommen hatten, wiesen selbst einen höheren Vitamin-D-Spiegel auf. Sie schnitten in kognitiven Tests im Alter von 3 beziehungsweise 5 Jahren besser ab.
Eine frühere amerikanische Studie zur neurologischen Entwicklung von Kindern hatte bereits auf einen möglichen positiven Effekt von Vitamin D hingewiesen. An der Studie nahmen 156 Kinder teil, deren Mütter während der Schwangerschaft ebenfalls Vitamin D eingenommen hatten – in Dosierungen von 400 IE, 2.000 IE oder 4.000 IE. Die Kinder wurden im Alter von 3 Jahren und 0 Monaten bis 5 Jahren und 11 Monaten (3–5 Jahre) auf ihre kognitiven Fähigkeiten getestet. Der Test (Brigance-Entwicklungsscreening) umfasste
- Sprache (verstehen, sprechen)
- Motorik (Fein- und Grobmotorik)
- akademische Fähigkeiten (Lesen, Rechnen)
Den Kindern wurden bei der Geburt und erneut im Alter von 3 bis 5 Jahren Blutproben entnommen und die Gesamtkonzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D bestimmt. Hier kam die Einteilung der Gesellschaft für Endokrinologie (Endocrine Society) zum Einsatz mit einem 25(OH)D-Wert
- weniger als 20 ng/ml = Mangel,
- 21–29 ng/ml = ungenügende Versorgung und
- über 30 ng/ml = ausreichende Versorgung.
Die mittlere Konzentration von 25-Hydroxy-Vitamin-D bei der Geburt hing stark mit der mütterlichen 25(OH)D-Konzentration beim ersten Besuch sowie einen Monat vor der Geburt zusammen. Dabei wiesen gut 19 Prozent der Kinder bei der Nachuntersuchung im Alter von 3 bis 5 Jahren einen Vitamin-D-Mangel auf.
Die Ergebnisse zeigen, dass höhere 25(OH)D-Konzentrationen im Alter von 3–5 Jahren mit einem besseren Abschneiden bei den Tests verbunden waren – wobei auch ein Hochschulabschluss der Mutter zu einem besseren Abschneiden führte.
Insgesamt hingen sowohl die Vitamin-D-Supplementierung der Mutter als auch der Vitamin-D-Status des Kindes mit höheren Werten in den neurologischen Entwicklungstests zusammen – auch nachdem sozioökonomische Faktoren wie mütterlicher Bildung, Familienstand, ethnischer Zugehörigkeit und genetischer Variation des Vitamin-D-bindenden Proteins (VDBP) herausgerechnet wurden.
Diese Studie zeigte Vorteile für Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft 2.000 IE Vitamin D eingenommen hatten gegenüber einer Supplementierung mit nur 400 IE. Bei 4.000 IE war – entgegen den Erwartungen – kein Zusammenhang erkennbar.

Wie beeinflusst Vitamin-D in früher Schwangerschaft Autismus und ADHS?
Das Risiko sowohl für Autismus als auch ADHS scheint für Kinder geringer zu sein, wenn Ihre Mütter in der frühen Schwangerschaft höhere Vitamin-D-Spiegel aufweisen, wie eine dänische Studie zeigt. Sie untersuchte, welchen Einfluss eine Vitamin-D3-Einnahme während der Schwangerschaft auf das Risiko von Autismus und ADHS haben kann. An dieser Studie nahmen insgesamt 700 gesunde Mutter-Kind-Paare ab der 24. Schwangerschaftswoche teil. 623 Mütter davon wurden zufällig (randomisiert) einer Gruppe zur Vitamin-D-Einnahme zugeteilt:
- Die Hochdosis-Gruppe erhielt 2.800 Internationale Einheiten (IE) Vitamin D3 pro Tag. (315 Mütter)
- Die Standarddosis betrug 400 IE Vitamin D3 pro Tag. (308 Mütter)
Die Frauen nahmen das Vitamin bis eine Woche nach der Entbindung ein.
591 Kinder der 700 Mutter-Kind-Paare wurden im Alter von 10 Jahren auf Autismus und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) getestet. Darunter waren 496 Kinder, deren Mütter Vitamin D3 eingenommen hatten: 246 in der Hochdosis- und 250 in der Standarddosis-Gruppe.
Insgesamt erhielten 16 Kinder die Diagnose Autismus – davon 12 aus den beiden Vitamin-D-Gruppen. Bei 65 Kindern wurde ADHS diagnostiziert – davon 58, deren Mütter Vitamin D3 erhalten hatten.
Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass der Vitamin-D-Status in der frühen Schwangerschaft entscheidend war. Denn ein höherer mütterlicher Spiegel von 25-Hydroxy-Vitamin-D vor der Intervention war mit einem geringeren Risiko für Autismus und einer geringeren autistischen Symptomlast verbunden. Zudem zeigte sich ein Zusammenhang zwischen einem höheren Vitamin-D-Spiegel und einem geringeren Risiko für eine ADHS-Diagnose.
Eine hochdosierte Vitamin-D3-Einnahme während der Schwangerschaft ab der 24. Schwangerschaftswoche beeinflusste das Risiko für Autismus und ADHS dagegen nicht.
Welche weiteren Vorteile kann Vitamin D in der Schwangerschaft haben?
Ist die Mutter während der Schwangerschaft gut mit Vitamin D versorgt, kann dies bei den Kindern die Knochendichte erhöhen sowie das Risiko für Ekzeme und frühkindliche Karies senken.
Generell haben sich zahlreiche Studien mit Vitamin-D während der Schwangerschaft und den Wirkungen auf Mütter und Kinder beschäftigt. Häufig unterscheiden sich dabei die Vitamin-D-Dosis und der Beginn der Supplementierung sowie untersuchte Funktionen, die sogenannten Endpunkte der Studien, und das Alter der Kinder. Beispiele sind:
- Eine britische Studien-Serie (MAVIDOS = Maternal Vitamin D Osteoporosis Study) untersuchte den Zusammenhang zwischen der Vitamin-D-Einnahme während der Schwangerschaft (ab der 14.-17. Woche bis zur Entbindung) und verschiedenen Auswirkungen – zum Beispiel
- auf die Knochendichte der Neugeborenen sowie der Kinder im Alter von 4 Jahren und erneut im Alter von 6-7 Jahren. Die Mütter erhielten hier entweder 1.000 IE Vitamin D3 oder Placebo.
Ergebnis: Bei den Neugeborenen wiesen nur Kinder, die im Winter geboren wurden, eine höhere Knochenmasse durch die mütterliche Vitamin-D-Einnahme auf. Im Alter von 4 Jahren führte die mütterliche Vitamin-D-Supplementierung zu einer höheren Knochendichte bei den Kindern in der gesamten Körperoberfläche im Vergleich zu Placebo – unabhängig von der Jahreszeit. Dieser Effekt war im Alter von 6-7 Jahren weiterhin erkennbar. - auf das Risiko der Kinder, in den ersten vier Lebensjahren an einem atopischen Ekzem (Neurodermitis), einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung, zu erkranken.
Ergebnis: Säuglinge, die mindestens einen Monat gestillt wurden, hatten im Alter von 12 Monaten ein verringertes Risiko, ein Ekzem zu entwickeln, wenn die Mutter während der Schwangerschaft Vitamin D3 eingenommen hatte. Bei Kindern, die weniger als einen Monat gestillt wurden, zeigte sich dieser Effekt nicht. Zudem war diese Wirkung im Alter von 24 beziehungsweise 48 Monaten statistisch nicht mehr signifikant.
- auf die Knochendichte der Neugeborenen sowie der Kinder im Alter von 4 Jahren und erneut im Alter von 6-7 Jahren. Die Mütter erhielten hier entweder 1.000 IE Vitamin D3 oder Placebo.

Fazit: Kind kann von mütterlicher Vitamin-D-Einnahme profitieren
Zusammenfassend deuten die vorgestellten Studien darauf hin, dass ein (zu) niedriger Vitamin-D-Status während der Schwangerschaft mit verschiedenen nachteiligen gesundheitlichen Ergebnissen bei den Nachkommen verbunden sein kann. Das betrifft sowohl Knochendichte als auch das Risiko für ein Ekzem sowie das Auftreten von Karies.
Eine Schwäche der Studien besteht darin, dass keine Aussagen getroffen wurden, inwieweit die Kinder selbst Vitamin-D-Präparate einnahmen, beziehungsweise, ob ein Unterschied zwischen den Kindern bezüglich des Aufenthaltes im Freien bestand. Denn beides wirkt sich ebenfalls auf den kindlichen Vitamin-D-Spiegel aus.
Die Studien zur Kognition müssen etwas differenzierter betrachtet werden. Bei der aktuellen dänischen Studie hatten die Mütter bereits vor der Vitamin-D-Einnahme teilweise einen ausreichend hohen 25-Hydroxyvitamin-D-Spiegel. Zudem zeigte sich kein Unterschied in der Intelligenz allgemein zwischen beiden Gruppen. Dennoch hatte die Einnahme von hochdosiertem Vitamin D3 durch die Mutter einen positiven Effekt auf das Gedächtnis des Kindes im Alter von 10 Jahren.
In einem Kommentar zu der Studie schreiben zwei Forschende, dass hier vermutlich die Signalwirkung von Vitamin D3 eine wichtige Rolle spielt, die nicht unbedingt an einen festen, allgemein gültigen Schwellenwert gebunden ist. Zumal Vitamin D im menschlichen Körper vielfältig wirkt: Es beeinflusst unter anderem
- Zellteilung und Zelldifferenzierung,
- die Genaktivität,
- den Calciumstoffwechsel,
- das Immunsystem.
Die selektiven kognitiven Effekte erklären die beiden Forschenden in ihrem Kommentar mit dem Vorhandensein von Vitamin-D-Rezeptoren in den Hirnregionen, die für das Gedächtnis und für ausführende (exekutive) Funktionen zuständig sind (Hippocampus) und betonen, dass die Signalwirkung insbesondere bei der Gehirnentwicklung entscheidend sein kann.
Achtung: Zu viel Vitamin D kann Kindern schaden
Insbesondere Babys und kleine Kinder sollen keiner direkten Sonne ausgesetzt werden, um ihre zarte Haut vor Sonnenbränden zu schützen. Daher bekommen Säuglinge in Deutschland ab der ersten Lebenswoche eine Vitamin-D-Prophylaxe, die das erste Lebensjahr und die Wintermonate des zweiten Lebensjahres (bis zum zweiten Frühsommer) abdeckt. Diese Vorsorge soll helfen, Rachitis zu vermeiden. Bei dieser Erkrankung werden die Knochen unzureichend mineralisiert und können sich verformen.
Alter | Zielgruppe | Tägliche Gabe |
Säuglinge (0–2 Jahre) | Alle Kinder bis zum zweiten erlebten Frühsommer | 400 IE |
Kinder (ab 2 Jahren) | Für bestimmte Risikogruppen bzw. bei nachgewiesenem Mangel | 800 IE |
Ältere Kinder (nach dem vollendeten zweiten Lebensjahr) sollen laut DGE nicht routinemäßig Vitamin D erhalten, sondern sich – insbesondere in den Monaten von März bis Oktober – regelmäßig im Freien aufhalten. So können sie ausreichend Sonne tanken, damit die Eigensynthese von Vitamin D in der Haut den Bedarf größtenteils abdeckt. Daneben empfiehlt sie auf eine Vitamin-D-haltige Kost zu achten.
Sollte das nicht ausreichen, um einen adäquaten Vitamin-D-Spiegel beim Kind zu erreichen, sollten für Kinder geeignete Mikronährstoffpräparate ausgewählt werden.
Viele hochdosierte Vitamin-D-Präparate für Erwachsene sind als Öl erhältlich, das tropfenweise dosiert wird. Hier besteht schnell die Gefahr einer Überdosierung, bis hin zu einer Vitamin-D-Vergiftung, wenn diese Produkte Kindern verabreicht werden.
Eine übermäßige Vitamin-D-Gabe bringt den Calciumhaushalt durcheinander und wirkt sich negativ auf die Nieren aus – mit potenziell lebensbedrohlichen Wirkungen. Daher ist es wichtig, insbesondere bei kleinen Kindern auf die richtige Dosierung zu achten.
Zusammenfassung
Eine aktuelle dänische Studie liefert Hinweise darauf, dass eine hochdosierte Vitamin-D3-Einnahme während der Schwangerschaft die Gedächtnisleistung der Kinder im Alter von 10 Jahren positiv beeinflussen könnte. Unterschiede bei der allgemeinen Intelligenz zwischen der Hochdosis- und der Standarddosisgruppe wurden jedoch nicht festgestellt.
Weitere Studien zeigen Zusammenhänge zwischen dem Vitamin-D-Status der Mutter und verschiedenen Aspekten der Gesundheit und Entwicklung der Kinder, darunter Knochengesundheit, neurologische Entwicklung und Kariesrisiko. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer ausreichenden Vitamin-D-Versorgung während der Schwangerschaft für die kindliche Entwicklung.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt gesunden Erwachsenen inklusive Schwangeren nur dann eine regelmäßige Einnahme von täglich 20 µg = 800 IE Vitamin D3, wenn sie sich selten oder nur stark bedeckt im Freien aufhalten. Dagegen spricht sich die Endokrinologische Gesellschaft für eine generelle Vitamin-D-Supplementierung bei Schwangeren aus. Hier ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll – insbesondere bei höherer Dosierung.
Während Säuglinge bis zum zweiten erlebten Frühsommer Vitamin D zur Rachitis-Vorsorge einnehmen sollen, ist für gesunde Kinder ab zwei Jahren keine regelmäßige Vitamin-D-Einnahme vorgesehen. Auf keinen Fall sollten Säuglinge oder Kleinkinder hochdosierte Vitamin-D-Produkte erhalten, die für Erwachsene vorgesehen sind, da eine Vitamin-D-Vergiftung drohen kann.
FAQ
Sollte man während der Schwangerschaft Vitamin D einnehmen?
Ob eine regelmäßige Vitamin-D-Einnahme sinnvoll ist und in welcher Dosierung sie erfolgen sollte, sollte individuell mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt besprochen werden. Vitamin D wird überwiegend durch die eigene Haut gebildet, wenn diese ausreichend Sonnenlicht erhält.
Das Vitamin ist generell wichtig, da es unter anderem zur Erhaltung normaler Knochen und Zähne sowie zu einer normalen Funktion des Immunsystems beiträgt. Da Schwangere ihr ungeborenes Kind mit dem Vitamin versorgen, ist für sie ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel besonders relevant.
Kann man Vitamin D in der Schwangerschaft über die Ernährung ausreichend aufnehmen?
Nein, die Ernährung trägt in der Regel nur einen kleinen Teil zur Vitamin-D-Versorgung bei. Den größten Teil des Vitamin D bildet der Körper normalerweise selbst – und zwar mithilfe der Sonneneinstrahlung in der Haut. Das setzt eine ausreichende Menge an UV-B-Strahlung voraus. Daher ist in den Wintermonaten die körpereigene Bildung von Vitamin D in Deutschland eingeschränkt.
Kann Vitamin D die Gehirnentwicklung des Kindes beeinflussen?
Studien deuten darauf hin, dass Vitamin D für die Entwicklung des Nervensystems und des Gehirns eine Rolle spielen könnte. In der vorgestellten dänischen Studie war eine hochdosierte Vitamin-D3-Gabe während der Schwangerschaft mit einer besseren Leistung der Kinder in einzelnen Gedächtnistests verbunden.
Führt Vitamin D zu einer höheren Intelligenz beim Kind?
Nein. In der dänischen Studie zeigte sich kein Unterschied beim allgemeinen Intelligenzwert zwischen Kindern von Müttern mit hochdosierter und standardmäßiger Vitamin-D-Zufuhr. Unterschiede wurden lediglich bei einzelnen kognitiven Leistungen – insbesondere dem Gedächtnis – festgestellt.
Welche Folgen kann ein Vitamin-D-Mangel in der Schwangerschaft haben?
Ein niedriger Vitamin-D-Status während der Schwangerschaft wird mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken in Verbindung gebracht. Studien weisen unter anderem auf mögliche Zusammenhänge mit einem erhöhten Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes bei der Mutter sowie einer geringeren Knochendichte bei den Kindern sowie einem erhöhten Risiko für frühkindliche Karies hin.
Können sich hohe Vitamin-D-Spiegel der Mutter auf das Risiko für Autismus oder ADHS auswirken?
Eine dänische Studie zeigte, dass höhere mütterliche Vitamin-D-Spiegel in der frühen Schwangerschaft mit einem geringeren Risiko für Autismus und ADHS bei den Kindern verbunden waren. Eine hochdosierte Vitamin-D-Gabe ab der 24. Schwangerschaftswoche beeinflusste dieses Risiko dagegen nicht nachweisbar.
Verzeichnis der Studien und Quellen
Aagaard et al. High-dose vitamin D3 supplementation in pregnancy and risk of neurodevelopmental disorders in the children at age 10. Am J Clin Nutr. 2024 Feb; 119 (2): 362-370. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0002916523662987
Brodmerkel, A. Ein Vitamin-D-Mangel in der Schwangerschaft erhöht beim Kind das Risiko, schon früh kariöse Zähne zu haben. Medscape Deutschland. Stand: 11.12.2025. https://deutsch.medscape.com/viewarticle/vitamin-d-mangel-schwangerschaft-karies-kind-2025a1000yrf, zuletzt abgerufen am 22.09.2026
Cooper et al. Maternal gestational vitamin D supplementation and offspring bone health (MAVIDOS): a multicentre, double-blind, randomised placebo-controlled trial. Lancet Diabetes Endocrinol. 2016 May; 4 (5): 393-402. https://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(16)00044-9/fulltext
Curtis et al. Pregnancy Vitamin D Supplementation and Childhood Bone Mass at Age 4 Years: Findings from the Maternal Vitamin D Osteoporosis Study (MAVIDOS) Randomized Controlled Trial. JBMR Plus. 2022 Jun 11; 6 (7): e10651. https://academic.oup.com/jbmrplus/article/6/7/e10651/7512275
Demay et al. Vitamin D for the Prevention of Disease: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2024 Jul 12; 109 (8): 1907-1947. https://academic.oup.com/jcem/article/109/8/1907/7685305
Eckert, N. Hochdosiertes Vitamin D in der Schwangerschaft könnte Gedächtnis der Kinder stärken. Medscape Deutschland. Stand: 01.06.2026. https://deutsch.medscape.com/viewarticle/hochdosiertes-vitamin-d-schwangerschaft-k%C3%B6nnte-2026a1000i44, zuletzt abgerufen am 22.09.2026
El-Heis et al. Maternal antenatal vitamin D supplementation and offspring risk of atopic eczema in the first 4 years of life: evidence from a randomized controlled trial. Br J Dermatol. 2022 Nov; 187 (5): 659-666. https://academic.oup.com/bjd/article/187/5/659/6966396
Frederiksen OF et al. High-Dose Vitamin D3 Supplementation During Pregnancy and Test-Based Cognitive Performance at Age 10 Years. JAMA Netw Open. 2026 May 1; 9 (5): e2611464. https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2849122
van den Heuvel, M. BfR-Warnung: Vitamin D fürs Baby – wenn aus Prophylaxe eine Vergiftung wird. Medscape Deutschland. Stand: 10.08.2026. https://deutsch.medscape.com/viewarticle/bfr-warnung-vitamin-d-f%C3%BCrs-baby-wenn-prophylaxe-2026a1000r6z, zuletzt abgerufen am 22.09.2026
Cochrane. Behandlungsregime zur Nahrungsergänzung mit Vitamin D für Frauen während der Schwangerschaft. Stand: 03.10.2019. https://www.cochrane.org/de/evidence/CD013446_regimens-vitamin-d-supplementation-women-during-pregnancy, zuletzt abgerufen am 22.09.2026
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (2025): Vitamin D. www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/vitamin-d/, zuletzt abgerufen am 22.09.2026.
Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (o. D.): Vitamin D. www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/vitamin-d/, zuletzt abgerufen am 22.09.2026.
Kinder- & Jugendärzte im Netz (2024): Vitamin-D-Mangel/Rachitisprohylaxe. www.kinderaerzte-im-netz.de/altersgruppen/das-erste-jahr/richtige-ernaehrung/vitamin-d-mangel-rachitisprohylaxe/, zuletzt abgerufen am 22.09.2026.
Bayer, Wolfgang (2024): Vitamin D: In welchen Situationen und wie hoch sollte man das Hormon dosieren? www.labor-bayer.de/de/fachinformationen/fachartikel-des-monats/fachartikel-details/vitamin-d-in-welchen-situationen-und-wie-hoch-sollte-man-das-hormon-dosieren.html, zuletzt abgerufen am 22.09.2026.
Moon et al. Pregnancy vitamin D supplementation and offspring bone mineral density in childhood follow-up of a randomized controlled trial. Am J Clin Nutr. 2024 Nov; 120 (5): 1134-1142. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0002916524007469
Max-Rubner-Institut (MRI). (2008). Nationale Verzehrsstudie II https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Institute/EV/NVSII_Abschlussbericht_Teil_2.pdf, zuletzt abgerufen am 22.09.2026
Rodgers et al. Vitamin D and Child Neurodevelopment—A Post Hoc Analysis. Nutrients 2023; 15(19): 4250. https://www.mdpi.com/2072-6643/15/19/4250
Wagner CL et al. Rethinking Vitamin D Biology in Development—From Thresholds to Trajectories. Comment. JAMA Netw Open. 2026; 9 (5): e2611401. https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2849126
Xu et al. Vitamin D Levels During Pregnancy and Dental Caries in Offspring. JAMA Netw Open. 2025; 8 (12): e2546166. https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2842164
