Parkinson vorbeugen – ist das möglich?

Welche Ursachen Parkinson hat und wie Mikronährstoffe ihnen entgegenwirken können

Eine Frau und ein Mann stehen an einem Obststand und halten eine Birne in der Hand
Eine abwechslungsreiche Ernährung mit ausreichend Mikronährstoffen ist Vorrausetzung für einen guten Schutz der Nervenzellen. Bild: nd3000/iStock/Getty Images Plus

Neurodegenerative Erkrankungen: So häufig ist Parkinson

Wir werden immer älter. Jeder fünfte Mensch im deutschsprachigen Raum wird im Jahr 2050 über 75 Jahre alt sein. Typische Alterserkrankungen wie Alzheimer, Demenz und Parkinson spielen deshalb eine große Rolle. Denn mit dem Alter steigt die Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Morbus Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Solche Erkrankungen sind durch einen schrittweisen Untergang von Nervenzellen (Degeneration) gekennzeichnet. In Deutschland geht man von einer Gesamtzahl von circa 220.000 Parkinson-Patienten aus. Jährlich erkranken etwa elf bis 19 Personen pro 100.000 Einwohner neu. Mit steigender Lebenserwartung wird sich vermutlich auch die Zahl der Betroffenen erhöhen: Experten schätzen, dass sich die Zahl – weltweit gesehen – bis 2030 sogar verdoppelt haben wird.

Die Fragen sind daher: Ist eine Vorbeugung von Parkinson möglich und welche Rolle spielen Mikronährstoffe dabei?

Wie entsteht Parkinson?

Charakteristisch für Parkinson ist ein Abbau bestimmter Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin bilden. Dopamin steuert unter anderem unsere Körperbewegungen. Bei Parkinson führt ein Dopaminmangel zu den typischen Bewegungsstörungen (Zittern, kleinschrittiger Gang).

Bis heute sind die Ursachen von Parkinson nicht genau bekannt. Es gibt aber einige Vermutungen:

  • Oxidativer Stress: Im Stoffwechsel entstehen aggressive Sauerstoffmoleküle (freie Radikale). Normalerweise hat der Körper genug Schutzstoffe, um sie abzufangen. Funktioniert das nicht, spricht man von oxidativem Stress. Bei Parkinson stellen Forscher im Gehirn immer wieder oxidativen Stress fest – zum Beispiel, weil körpereigene Schutzmechanismen schlechter funktionieren. Das kann die Nervenzellen maßgeblich schädigen.
  • Schwermetalle und Umweltgifte: Schwermetalle wie Aluminium, Blei und Quecksilber oder auch Chemikalien – zum Beispiel aus Pestiziden – können sich im Körper ablagern. Dort setzen sie schädliche Reaktionen in Gang oder verursachen oxidativen Stress.
  • Entzündungen: Bei Betroffenen haben Forscher erhöhte Entzündungsbotenstoffe festgestellt (zum Beispiel Tumornekrosefaktor-Alpha, Interleukin 2 und 6, C-reaktives Protein). Vor allem chronische Entzündungen könnten an der Entstehung von Parkinson beteiligt sein. Zudem feuert unsere heutige Ernährungsweise solche Entzündungen weiter an: Aus ungesunden Fetten (Transfetten, Arachidonsäure) entstehen Entzündungsbotenstoffe.
  • Homocystein: Homocystein ist ein Zellgift. Es muss abgebaut werden, damit kein Schaden verursacht wird. Homocystein entsteht bei Stoffwechselprozessen. Normalerweise ist der Abbau kein Problem: Dazu benötigt der Körper B-Vitamine. Liegt jedoch ein Mangel vor, können die Homocysteinwerte ansteigen.

 

Antioxidantien gegen oxidativen Stress und Gifte

Antioxidantien schützen vor freien Radikalen, damit kein oxidativer Stress entsteht. Zu solchen Schutzstoffen zählen körpereigene Enzyme oder Substanzen aus Lebensmitteln wie Vitamine, Mineralstoffe und viele Pflanzenstoffe (zum Beispiel Curcumin, Grüntee-EGCG oder Resveratrol). Zum Nervenschutz sollten immer möglichst viele verschiedene Schutzstoffe Bestandteil der täglichen Ernährung sein.

Hervorzuheben sind Alpha-Liponsäure, Glutathion und Coenzym Q10. Sie sind in Lebensmitteln enthalten. Der Körper kann sie aber auch selbst herstellen.

Das Besondere an Alpha-Liponsäure  ist: Sie erreicht direkt das Gehirn, da sie die Schranke zwischen Blut und Gehirn überwinden kann. Zudem ist Alpha-Liponsäure in der Lage, Schwermetalle zu binden. Viele Tier- und Laborversuche zeigen, dass aus Alpha-Liponsäure und Schwermetallen Komplexe entstehen, die dann keinen Schaden mehr anrichten können. Dosierungen zum Nervenschutz und zur Entgiftung liegen zwischen 600 und 1.200 Milligramm täglich.

Glutathion

Glutathion und seine Vorstufe N-Acetylcystein sind die wichtigsten Schutzstoffe in der Leber. Zudem helfen sie bei der Entgiftung. Unsere Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan: Sie steuert, was nach der Verdauung in den Blutkreislauf und andere Organe gelangt – zum Beispiel zum Gehirn. Gut versorgt ist man mit 300 Milligramm Glutathion pro Tag.

Zudem zeigen Laborversuche, dass N-Acetylcystein bestimmte schädliche Ablagerungen bei Parkinson (Alpha-Synuclein) in den Nervenzellen abbauen kann. Für andere Antioxidantien wird dieser Effekt übrigens auch vermutet.

Coenzym Q10

Im Alter ist die Coenzym-Q10-Versorgung problematisch: Die Fähigkeit, es zu bilden und zu regenerieren, nimmt ab. Die Regeneration ist aber wichtig, damit Coenzym Q10 neue freie Radikale abfangen kann. Deshalb wird ab einem Alter von ungefähr 40 Jahren generell die Ergänzung von 100 bis 200 Milligramm täglich über Präparate empfohlen.

Eine weitere Vermutung ist, dass Coenzym Q10 unsere Zellkraftwerke (Mitochondrien) unterstützt. Eine gestörte Funktion dieser Kraftwerke (Mitochondriopathie) könnte ebenfalls die Ursache von Parkinson sein.

Mit den richtigen Fetten Entzündungen verringern

Schlechte Fette feuern die Entzündungen an. Dies betrifft vor allem die Fettsäure Arachidonsäure, die zu den Omega-6-Fettsäuren gehört. Sie findet sich in Fleisch, Eiern oder anderen tierischen Produkten, die wir eher in Maßen essen sollten – anstatt in Massen.

Tipp

Welche Lebensmittel außerdem viel Arachidonsäure enthalten, können Sie in unserer Nährstofftabelle nachschauen. Wählen Sie dazu unter „Fettsäuren“ die „Arachidonsäure“ aus.

Umgekehrt kann man mit guten mehrfach ungesättigten Fetten das Entzündungsgeschehen abschwächen. Dazu zählen vor allem die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA). Sie kommen in Fisch- oder Algenöl vor. Der Körper stellt aus ihnen antientzündliche Botenstoffe her.

Für unsere Gesundheit kommt es also auf das richtige Verhältnis der Fettsäuren an. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) sollte das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren maximal 5:1 betragen. Das bedeutet, dass bei einem Teil Omega-3-Fettsäuren höchsten 5 Teile Omega-6-Fettsäuren (vor allem Arachidonsäure) verzehrt werden sollten. Zum Nervenschutz raten Mikronährstoffexperten sogar zu einem Verhältnis von 3:1. Die Realität sieht jedoch anders aus: Das Verhältnis liegt bei 10:1 oder noch mehr.

Viele Beobachtungsstudien zeigen, dass ein hoher Konsum von Omega-3-Fettsäuren aus Fisch das Auftreten von Parkinson reduziert. Darunter ist die Rotterdam-Studie mit mehr als 5.000 Teilnehmern und einer Risikosenkung von 34 Prozent. Ein schützender Effekt dürfte ab 1.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren pro Tag denkbar sein. Wichtig ist, dass die Ernährung insgesamt umgestellt wird (wenig Arachidonsäure).

Mit B-Vitaminen Homocystein vorsorglich niedrig halten

Um den Abbau des Zellgifts Homocystein zu gewährleisten, sind B-Vitamine nötig – vor allem Vitamin B12 und Folsäure. Im Alter ist jedoch die Versorgung mit Vitamin B12 besonders kritisch: Die Aufnahme im Darm sinkt und viele Medikamente verursachen einen Mangel. Dazu zählen Magensäureblocker (Protonenpumpenhemmer) oder der Diabetes-Wirkstoff Metformin. Auch die Versorgung mit Folsäure (Folat) ist meist problematisch. Viele Menschen erreichen die empfohlene Zufuhr nicht.

Ein steigender Homocysteinspiegel steht vermutlich in Zusammenhang mit einem höheren Risiko, an Parkinson zu erkranken. Deshalb sollte zum Schutz der Nerven ein Präparat ergänzt werden, das den Tagesbedarf an B-Vitaminen deckt – mindestens 4 Mikrogramm Vitamin B12 und 200 bis 400 Mikrogramm Folsäure. Folsäure sollte immer als direkt verfügbare 5-Methyltetrahydrofolsäure (5-MTHF) enthalten sein. Eine Genvariante kann verhindern, dass Folsäure nicht optimal in 5-MTHF umgewandelt wird. Etwa die Hälfte aller Menschen ist betroffen.

Tipp

Sind die Homocysteinwerte bereits erhöht, benötigt man meist höhere Dosierungen der B-Vitamine. Alles zu Vitaminen bei erhöhten Homocysteinwerten lesen Sie hier.

Eine Illustration von Neuronen bei Parkinson
Bei Parkinson bilden sich bestimmte Eiweiß-Ablagerungen (Alpha-Synuclein) in den Nervenzellen. Dadurch sterben letztendlich die Nervenzellen ab und es kommt zum Dopaminmangel. Bild: Dr_Microbe/iStock/Getty Images Plus

Nervenschutz mit Mikronährstoffen ist unverzichtbar

Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, sind die Möglichkeiten, Parkinson zu behandeln, begrenzt – sowohl hinsichtlich der klassischen Arzneimittel und Therapien als auch der ergänzenden Mikronährstoffe. Das bedeutet nicht, dass Mikronährstoffe nicht eingesetzt werden sollten. Aber wir können von ihnen kein „Heilungswunder“ erwarten.

Dennoch können Parkinson-Patienten profitieren. Hier gilt der Grundsatz der Mikronährstoffmedizin: Es lohnt nicht, ein gutes Gleichgewicht weiter zu verbessern. Vielmehr sollten die vorhandenen Ungleichgewichte in der Biochemie des Körpers ausgeglichen werden. Alles darüber erfahren Sie im Text zu Parkinson.

Insgesamt sollten wir aber weitaus früher ansetzen, damit erst gar kein Ungleichgewicht entsteht. Dabei gilt es vor allem, unser antioxidatives Schutzsystem aufrechtzuerhalten. Zudem sind eine entzündungshemmende Ernährung und eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen Grundpfeiler für ein langes gesundes Leben.

Verzeichnis der Studien und Quellen

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Singh, A. et al. (2019): Oxidative Stress: A Key Modulator in Neurodegenerative Diseases. Molecules. 2019 Apr 22;24(8). pii: E1583. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/31013638, abgerufen am: 17.10.2019.

Über den Autor

Dr. med. Rainer Spichalsky

Dr. med. Rainer Spichalsky ist Facharzt für Allgemeinmedizin. Neben der schulmedizinischen Ausbildung erwarb er weitere Fachqualifikationen als Arzt für Applied  Kinesiology,  F.X. Mayer Arzt und manuelle Therapie. Zudem ist Herr Dr. med Spichalsky zertifizierter Anti-Aging Arzt gemäß GSAAM und Orthomolekular Therapeut. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer einer ärztlichen Partnerschaftsgesellschaft ist der diplomierte Gesundheitsheitsökonom unter anderem auch Dozent für orthomolekulare Therapie.

Porträtfofo Wissenschaftlicher Beirat Dr. med. Rainer Spichalsky