
Der biologische und degenerative Prozess des Alterns betrifft alle Organsysteme des menschlichen Körpers. Damit einhergehend kommt es zu einer fortschreitenden Einschränkung zahlreicher physiologischer Funktionen. Nicht zuletzt sind davon die Verdauung und damit auch die Aufnahme von Nährstoffen betroffen.
Ein aktueller Artikel im Bundesgesundheitsblatt von Forschenden am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) beschäftigt sich mit den physiologischen Besonderheiten im Alter und insbesondere der Versorgung mit Mikronährstoffen. Das Ergebnis zeigt einen verbreiteten Mangel verschiedener Vitamine und Mineralstoffe. Die Crux daran: Ein Mangel kann die Alterungsprozesse wiederum beschleunigen und verschiedene Krankheiten begünstigen.
Vielfältige Ursachen für eine verringerte Mikronährstoffzufuhr
Im Alter landet in der Regel weniger auf dem Teller, denn das Sättigungsgefühl stellt sich schneller ein. Dies liegt unter anderem an einer verlangsamten Passage durch den Magen-Darm-Trakt, die durch die abnehmende Beweglichkeit von Speiseröhre, Magen und Darm bedingt ist. So entleert sich der Magen langsamer, der sich gleichzeitig nicht mehr so stark dehnen kann. Auch die verzögerte Passage durch den Dickdarm – und damit häufig verbundener Verstopfung – sorgen für weniger Hunger. Zudem benötigen ältere Menschen in der Regel weniger Kalorien, da sie weniger Muskeln besitzen und weniger aktiv sind.
Hinzu kommt eine Reihe an typischen altersbedingten Faktoren, die zusätzlich eine verminderte Nahrungsaufnahme bedingen. Dazu gehören zum Beispiel eine verringerte Speichelbildung und Schluckstörungen sowie Zahnprobleme und -verluste. Auch Verdauungsstörungen und eine ungenügende Aufnahme aus dem Darm (intestinale Malabsorption) spielen vielfach eine Rolle. Zudem nehmen Geruchs- und Geschmackssinn sowie das Sehen mit steigendem Alter ab. Dadurch sinkt oft die Lust auf das fade wirkende Essen. Darüber hinaus können soziale Isolation, Depressionen oder kognitive Defizite Gründe für eine verminderte Nahrungsaufnahme sein. Manchmal ist auch das niedrige Einkommen eine Ursache für eine unzureichende Ernährung.
Auch eine Behandlung mit den GLP1-Rezeptoragonisten (Glucagon-like-Peptid-1-Rezeptoragonisten) wie Semaglutid (Ozempic®, Wegovy®) und Tirzepatid (Mounjaro®) kann Ursache für eine zu geringe Nahrungsaufnahme sein, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die Wirkstoffe werden zur Behandlung von Diabetes oder Adipositas eingesetzt und fördern ein starkes Sättigungsgefühl.
Allerdings: Wer weniger isst, nimmt auch weniger Nährstoffe zu sich. Obendrein können Medikamente die Bioverfügbarkeit von Mikronährstoffen beeinflussen – und ältere Menschen nehmen häufig sogar mehrere Medikamente ein.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass Ältere ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung haben, da sie aus den genannten Gründen seltener die empfohlenen täglichen Makro- (insbesondere Eiweiß) und Mikronährstoffmengen erreichen. Dies kann Alterungsprozesse verstärken und die Entstehung oder das Fortschreiten von Krankheiten begünstigen. Dagegen kann ein bewusster Lebensstil mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung, die alle Nährstoffe in ausreichender Menge liefert, dazu beitragen, altersassoziierte Veränderungen hinauszuzögern und Krankheiten vorzubeugen, wie die Forschenden betonen.
Dabei gilt: Mikronährstoffmängel nehmen etwa ab dem 65. Lebensjahr zu, besonders stark sogar bei über 80-jährigen Personen, wie die Forschenden der KORA-Age-Studie betonen. Diese Studie untersuchte den Mikronährstoffstatus 1079 älterer Menschen von 65–93 Jahren in Hinblick auf subklinische Vitamin-D-, Folsäure-, Vitamin-B12- und Eisenmängel. Eine fehlende oder nur unregelmäßige Einnahme von Mikronährstoffpräparaten gehörten genau wie hohes Alter, Bewegungsmangel oder Gebrechlichkeit zu den unabhängigen Variablen für subklinische Mikronährstoffmängel.
Gibt es typische Alterungsmerkmale?
Forschende beschrieben im Jahr 2013 neun Kennzeichen des Alterns, die sie im Jahr 2023 erweiterten. Die 12 Kennzeichen des Alterns („Hallmarks of aging) treten mit dem Altern auf und können den Alterungsprozess beschleunigen, bieten aber auch die Möglichkeit durch Behandlungsmaßnahmen (therapeutische Interventionen) den Alterungsprozess zu bremsen. Diese Kennzeichen sind:
- Genomische Instabilität: Eine erhöhte Rate an Veränderungen im Erbgut kann verschiedene Krankheiten – insbesondere Krebserkrankungen – begünstigen.
- Telomerverkürzung: Telomere sind spezielle Strukturen, die das Ende des Erbguts (der DNA beziehungsweise der Chromosomen) stabilisieren und schützen. Mit jeder Zellteilung verkürzen sie sich; sind sie sehr kurz, verliert die Zelle die Fähigkeit, sich zu teilen.
- Epigenetische Veränderungen: Biochemische Modifikationen der DNA – die beispielsweise durch den Lebensstil geschehen können – verändern die Ablesefähigkeit des Erbguts und dienen als Schalter für die Genaktivität.
- Verlust der Proteostase: Die Proteinhomöostase beschreibt einen Gleichgewichtszustand der Eiweiße einer Zelle und umfasst deren Bildung, Faltung und Abbau. Im Alter geht das Gleichgewicht verloren. Betrifft dies zum Beispiel das Gehirn, kann sich eine Demenz entwickeln.
- Gestörte Makroautophagie: Die Autophagie ist ein zellulärer Selbstreinigungs- und Recyclingprozess. Er sorgt für den Abbau gealterter Zellstrukturen (Organellen) und (fehlerhafter) Eiweißkomplexe.
- Deregulierte Nährstoffwahrnehmung: Ein Netzwerk verschiedener Signalwege erkennt den Ernährungs- und Stressstatus des Körpers und reguliert darüber den Stoffwechsel, die Aktivierung von Reparaturmechanismen und Autophagie sowie die Entzündungskontrolle.
- Mitochondriale Dysfunktion: Die Mitochondrien, die „Kraftwerke der Zellen“, sorgen für Energie. In diesem Prozess entstehen auch reaktive Sauerstoffverbindungen („freie Radikale“), die Entzündungen und Zelltod begünstigen können. Mit zunehmendem Alter lässt die Mitochondrienfunktion nach und es entstehen mehr Radikale.
- Zelluläre Seneszenz: Gealterte Zellen können sich nicht mehr teilen, bleiben aber stoffwechselaktiv und schütten entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Sammeln sie sich an, können sie umliegendes Gewebe schädigen und so Erkrankungen auslösen.
- Stammzellerschöpfung: Sogenannte Stamm- oder Vorläuferzellen können sich durch Differenzierung in spezialisierte Zellen umwandeln und ersetzen alte Zellen, dienen also der Reparatur von Gewebe. Daneben können auch bereits ausdifferenzierte Zellen in Stammzellen zurückverwandelt werden und die Regeneration von Gewebe fördern. Mit dem Alter nimmt die Zahl der Stammzellen ab und die Fähigkeit zur Rückverwandlung sinkt. Das beeinträchtigt die Regenerationsfähigkeit.
- Veränderte interzelluläre Kommunikation: Im Alter geht die Konzentration der Hormone zurück, die Signalübertragung zwischen Zellen und Organen wird schwächer oder fehlerhaft. Zudem senden Zellen vermehrt Entzündungssignale aus.
- Chronische Entzündung: Im Alter nehmen Entzündungen im Körper zu, so dass Forschende den Begriff des „Entzündungsalterns“ („Inflammaging“) geprägt haben. Parallel geht die Funktion der Immunabwehr zurück.
- Dysbiose: Die Darmflora (Darmmikrobiota) unterstützt nicht nur die Verdauung und schützt vor Krankheitserregern, sondern beeinflusst zahlreiche Vorgänge im Körper. Sie produziert unter anderem kurzkettige Fettsäuren und weitere Moleküle, die als Signalgeber in den menschlichen Stoffwechsel eingreifen und sogar auf das Gehirn wirken können. Doch im Alter nehmen die Vielfalt und die Zahl nützlicher Darmbakterien ab, während sich potenziell schädliche Mikroorganismen ausbreiten.
Welche Mikronährstoffe fehlen im Alter?
Bei einer Mangelernährung werden oft alle Mikronährstoffe in zu geringen Mengen verzehrt, besonders kritisch ist die Versorgung jedoch bei bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen. Dazu gehören:
Vitamine
- Vitamin D
- B12
- Folat
Mineralstoffe
- Magnesium
- Eisen
- Calcium
Dabei sehen die Verfassenden der Übersichtsarbeit insbesondere die Vitamine D und B12 sowie den Mineralstoff Magnesium als beachtenswert an. Eine ausreichende Aufnahme dieser Mikronährstoffe kann allerdings auch in anderen Bevölkerungsgruppen kritisch sein.
Vitamin D-Versorgung: Sonne allein reicht oft nicht
Vitamin D ist eigentlich kein echtes Vitamin, da unser Körper diese Hormonvorstufe größtenteils selbst herstellen kann, und wir über die Nahrung nur einen kleinen Anteil aufnehmen. Dabei geschieht die Vitamin-D-Bildung hauptsächlich in der obersten Hautschicht, der sogenannten Oberhaut (Epidermis) – vorausgesetzt sie bekommt ausreichend UV-Strahlung ab.
Mit zunehmendem Alter verringert sich jedoch die Fähigkeit der Haut, Vitamin D3 zu produzieren: Sie kann um mehr als die Hälfte abnehmen. Im Winterhalbjahr reicht die Sonnenintensität in unseren Breiten ohnehin nicht für die Vitamin-D-Produktion.
Zudem setzen sich viele ältere Menschen seltener dem Sonnenlicht aus – insbesondere, wenn ihre Mobilität eingeschränkt ist. Auch der Anteil an unbedeckter Haut ist bei ihnen normalerweise geringer als bei jüngeren Personen.
Wie hoch sollte der Vitamin-D-Spiegel sein?
Um die Vitamin-D-Versorgung zu beurteilen, wird in der Regel die 25(OH)D-Konzentration (25-Hydroxyvitamin D3 = Transport- und Speicherform von Vitamin D) im Blut (Serum) gemessen. Als Referenzwerte (in Bezug auf die Knochengesundheit) gelten laut Robert-Koch-Institut (RKI):
- < 30 nmol/l = mangelhafte Versorgung
- 30–50 nmol/l = suboptimale Versorgung
- ≥ 50 nmol/l = ausreichende Versorgung
Laut RKI liegen bei rund 15 Prozent der deutschen Erwachsenen von 18 bis 79 Jahren die Vitamin D-Blutwerte unter dem Schwellenwert für einen ausgeprägten Vitamin D-Mangel, während nur gut 38 Prozent ausreichend versorgt sind. In der KORA-Age-Studie, die Personen im Alter von 65 bis 93 Jahren einschloss, wiesen 52,0 Prozent der Teilnehmenden niedrige 25(OH)D-Konzentrationen auf. Auch im Sommer hatten immerhin noch 46,9 Prozent einen erniedrigten Vitamin-D-Spiegel. Dabei stieg der Mangel mit dem Alter an. So hatten
- 43,8 Prozent der 65- bis 74-Jährigen und
- 74,2 Prozent der 85- bis 93-Jährigen
einen Serum-25(OH)D-Wert unter 50 nmol/L, waren also mangelhaft versorgt.
Vitamin-D: Mikronährstoffpräparate oder Lebensmittel?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) schätzt die angemessene Vitamin-D-Zufuhr bei einer fehlenden körpereigenen Bildung für Erwachsene auf 20 µg pro Tag. Diese empfohlene tägliche Zufuhr erreichen viele Menschen in Deutschland laut der Nationalen Verzehrsstudie II nicht. Insbesondere Personen über 65 Jahren – nämlich 94 Prozent der Männer und 97 Prozent der Frauen – nehmen zu wenig Vitamin D auf.
Die mit Abstand wichtigste Vitamin-D-Quelle in Lebensmitteln ist (fetter) Fisch. Daneben liefern Leber, Fette (vor allem mit Vitamin D angereicherte Margarine), Eigelb sowie Milch und Milcherzeugnisse (wie beispielsweise Käse) das fettlösliche Vitamin.
Da die übliche Ernährung normalerweise nicht ausreicht, um den empfohlenen Wert für die Zufuhr zu erreichen, ist bei fehlender Eigensynthese eine ergänzende Einnahme von Mikronährstoffpräparaten mit Vitamin D notwendig – am besten täglich in kleinen Mengen.
Das „Sonnenvitamin“ ist entscheidend für die Calciumaufnahme aus dem Darm und die Knochengesundheit. Zudem unterstützt es die Muskeln sowie das Immunsystem. Ist die Vitamin-D-Konzentration erniedrigt, führt dies zu verminderter Knochenbildung beziehungsweise zu verstärktem Knochenabbau, zu Muskelschwund und stärkerer Gebrechlichkeit, aber auch zu einem beeinträchtigtem Immunsystem.
Was stört die Vitamin B12-Versorgung?
Vitamin B12 (Cobalamin) wird von Mikroorganismen hergestellt und von Tieren über die Nahrung aufgenommen. Quellen für die menschliche Ernährung sind daher tierische Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte. Vegan lebende Personen müssen das Vitamin mit Mikronährstoffpräparaten zuführen.
Laut der Nationalen Verzehrsstudie II erreichen 10 Prozent der älteren Männer und 26 Prozent der älteren Frauen in Deutschland den täglichen Schätzwert für eine angemessene Vitamin B12-Zufuhr nicht. In der KORA-Age-Studie wiesen etwa 27 Prozent der Teilnehmenden eine niedrige Vitamin-B12-Konzentration auf.
Ein Vitamin-B-12-Mangel wird unter anderem mit Schwäche und Müdigkeit sowie Konzentrationsproblemen, mit einer gestörten Blutbildung sowie Nervenschäden (Neuropathien), aber auch bestimmten Demenzformen und beschleunigtem kognitiven Abbau in Verbindung gebracht. Denn Vitamin B12 ist unter anderem wichtig für den Energiestoffwechsel, die normale Nervenfunktion und eine normale Blutbildung.
Eine Vitamin-B12-Unterversorgung kann verschiedene Ursachen haben. So ist das Vitamin in der Regel an Nahrungseiweiße gebunden. Um es abzuspalten, ist ausreichend Magensäure notwendig. Wer zu wenig Magensäure hat, kann deshalb einen Vitamin-B12-Mangel entwickeln. Das geschieht beispielsweise bei langfristiger Einnahme von sogenannten Säureblockern (wie Protonenpumpenhemmern, PPI). Gerade bei älteren Personen ist eine Dauermedikation mit PPI häufig; viele nehmen die Mittel auch auf eigene Faust ein (apotheken-, aber nicht rezeptpflichtige Präparate).
Um anschließend im Darm aufgenommen zu werden, muss das Vitamin B12 in unserem Körper an ein Transporteiweiß (Intrinsic Factor) gebunden sein, der im Magen gebildet wird. Viele Ältere leiden jedoch an einer chronischen Entzündung der Magenschleimhaut. Die entzündeten Zellen können das notwendige Transporteiweiß nicht bilden und das Vitamin kann im Darm nicht aufgenommen werden.
Wer regelmäßig das Diabetesmedikament Metformin einnimmt, kann ebenfalls einen B12-Mangel entwickeln. Denn Metformin hemmt die Calcium-abhängige Aufnahme im Darm.
Magnesium-Mangel: Nicht immer offensichtlich
Der Mineralstoff Magnesium ist für zahlreiche Vorgänge im Körper notwendig – unter anderem für den Energiestoffwechsel und die Muskelfunktion, aber auch für die Knochengesundheit und die Blutdruckregulation. Insgesamt ist Magnesium als Cofaktor an mehr als 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt.
Die Magnesiumkonzentration im Blut gesunder Menschen liegt relativ konstant zwischen 0,75 und 0,95 mmol/l. Werte unter 0,75 mmol/l gelten als niedrig, unter 0,7 mmol/l zeigen einen Mangel an. Allerdings versucht unser Körper, die Magnesiumzufuhr, die Aufnahme im Darm (intestinale Resorption), die Ausscheidung über die Nieren (renale Ausscheidung), die Speicherung von Magnesium in den Knochen und den Magnesiumbedarf verschiedener Gewebe im Gleichgewicht zu halten. Ist zu wenig Magnesium vorhanden, wird die Aufnahme im Darm erhöht und die Ausscheidung über die Nieren verringert. Oder Magnesium wird aus den Zellen oder sogar den Knochen freigesetzt, um den Spiegel aufrechtzuerhalten. Das führt auf Dauer zu einem zellulären Magnesiumdefizit und kann auch die Knochen schädigen. Gleichzeitig verschleiert dies den Mangel.
Ist bei gleichbleibender Magnesiumkonzentration im Blutserum die Magnesiumkonzentration in den Körperzellen vermindert, sprechen Fachleute von einem chronischen latenten Magnesiummangel. Dieser ist bei älteren Erwachsenen in westlichen Ländern weit verbreitet, da die empfohlene Zufuhr oft nicht erreicht wird und die Aufnahme im Darm altersbedingt nachlässt. Zudem kann eine eingeschränkte Nierenfunktion, die im Alter häufig auftritt, Ursache für eine verminderte Rückresorption des Mineralstoffs sein. Entwässerungsmittel (Diuretika) steigern ebenfalls den Magnesiumverlust über den Urin. Gleichzeitig können sie zu einem Kaliummangel führen. Auch andere Medikamente können den Magnesiumhaushalt beeinflussen – und Ältere nehmen meist sogar mehrere Medikamente ein. Zudem können manche Krankheiten den Magnesiumbedarf erhöhen. So ist beispielsweise bei Typ-2-Diabetes die Urinmenge erhöht – so wird auch vermehrt Magnesium ausgeschieden.
Ein Magnesiummangel kann nicht nur zu Muskelkrämpfen, Zittern und Schwindel führen, sondern auch altersbedingte Erkrankungen – wie Osteoporose, atherosklerotische Gefäßerkrankungen, Herzinfarkt und Bluthochdruck, aber auch Depressionen – begünstigen.
Wie sieht die Versorgung mit Folat, Eisen und Calcium aus?
Neben den Vitaminen D und B12 sowie dem Mineralstoff Magnesium kommen auch Mangelzustände bei Folat, Eisen und Calcium im Alter häufiger vor, wie die Forschenden des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung betonen.
Könnte eine Folat-Anreicherung helfen?
Folat (natürliche Form) oder Folsäure (synthetische Form), auch Vitamin B9, ist ein wasserlösliches Vitamin, das insbesondere in grünem Blattgemüse, in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen, aber auch in Leber und Eiern vorkommt. Ein Mangel kann auftreten, wenn zu wenige Lebensmittel mit Folat verzehrt werden. Gründe dafür können unter anderem eine verringerte Verträglichkeit beispielsweise von Vollkorn oder Zahnprobleme, aber auch Mühe bei der Zubereitung sein. Aber Folat kann auch durch Lagerung und die Zubereitung verloren gehen (bis zu 70-90 Prozent des Folat-Gehalts), da es sehr empfindlich ist: Es ist wasserlöslich, hitze-, licht- und sauerstoffempfindlich. So kommt es zu hohen Verlusten, wenn Gemüse in viel Wasser sehr lange gekocht wird.
Ein Folat-Mangel kann zu Müdigkeit, Schlaflosigkeit und einer speziellen Form der Blutarmut (megaloblastischer Anämie) führen, bei der große, unreife Blutzellen vorhanden sind. Zudem können kognitiven Beeinträchtigungen und Depressionen auftreten. Folat hat eine Funktion bei der Zellteilung und unterstützt somit auch die Blutbildung. Zudem trägt das B-Vitamin zur normalen psychischen Funktion bei.
Etwa zehn Prozent der Teilnehmenden an der KORA-Age-Studie hatten niedrige Folsäurewerte. In Ländern mit Folsäure-Anreicherung – wie den USA oder Brasilien – weisen dagegen weniger als fünf Prozent der Erwachsenen ab 60 Jahren einen Folsäuremangel auf.
In den USA ist die Anreicherung von Getreideprodukten – wie Weizen- und Maismehl oder Frühstücksflocken – mit Folsäure seit 1998 gesetzlich vorgeschrieben. Menge: 140 µg Folsäure pro 100 Gramm. Ziel war es, den Folsäure-Spiegel in der Bevölkerung zu erhöhen und damit auch Neuralrohrdefekte bei Neugeborenen zu reduzieren. Die Zahl der Geburten mit Neuralrohrdefekten ist auch wie gewünscht zurückgegangen.
Europa hat die verpflichtende Anreicherung nicht übernommen. Für die meisten der dafür angegebenen Gründe sieht ein Experte keine Belege. Eine hohe Folat- oder Folsäure-Zufuhr kann jedoch einen Vitamin-B12-Mangel verschleiern.
In Deutschland können verschiedene freiwillig mit Folsäure angereicherte Lebensmittel – wie beispielsweise Speisesalz oder auch Frühstücksflocken – gekauft werden.
Eisen: ein zentrales Spurenelement
Eisen, das mengenmäßig häufigste Spurenelement im menschlichen Körper, ist für verschiedene Vorgänge im Energie- und Substratstoffwechsel notwendig. Dort ist es ein Bestandteil verschiedener Enzyme. So ist es auch in der Elektronentransportkette (Atmungskette) in den Mitochondrien, die der Energiegewinnung dient, unverzichtbar. Für kognitive Funktionen ist Eisen ebenfalls wichtig. Seine bekannteste Aufgabe ist allerdings der Sauerstofftransport in Form des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin – und als Myoglobin in Muskeln.
Ein Eisenmangel führt zu Blässe, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche, Schwindel sowie Kopfschmerzen. Ist er stärker ausgeprägt, können auch Atemnot, Lethargie und Demenz sowie eine Blutarmut (Anämie) die Folge sein. Einen Hinweis können auch eingerissene Mundwinkel (Mundwinkelrhagaden) liefern.
Generell ist Eisenmangel der weltweit häufigste Nährstoffmangel. Die KORA-Age-Studie bescheinigte 11 Prozent der Teilnehmenden (65 – 93 Jahre) einen erniedrigten Eisenspiegel. Aber auch hier stieg der Anteil unzureichend versorgter Personen mit dem Alter. Einen subklinischen Eisenmangel besaßen Teilnehmende im Alter von:
- 65-74 Jahren: 8,4 Prozent,
- 75-84 Jahren: 11,4 Prozent,
- 85–93 Jahren: 20 Prozent.
Warum ist die Versorgung mit Calcium auch im Alter wichtig?
Der Mineralstoff Calcium ist insbesondere für gesunde Zähne und Knochen nötig, deshalb sind Zahnprobleme sowie Osteoporose bei anhaltendem Calciummangel die Folge. Da der Körper die Calciumkonzentration im Blut aufrechterhalten will, wird bei einer ungenügenden Zufuhr Calcium aus den Knochen gelöst. Knochenerweichung (Osteomalzie) und Osteoporose können zu Knochenbrüchen führen, die die Lebensqualität einschränken und durch Immobilisierung Alterungsprozesse beschleunigen können.
Laut der Nationalen Verzehrsstudie II erreichen 46 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen die empfohlene tägliche Calciumzufuhr nicht. Insbesondere im Alter bestehen Defizite: Die Altersgruppe der 65-80-jährigen Männer sowie Frauen ab 51 Jahren liegen deutlich unterhalb der Referenzwerte für die Zufuhr.
Eine wichtige Quelle für Calcium sind Milch und Milchprodukte (nur nicht Quark). Im Alter besteht häufiger eine Laktoseintoleranz, so dass diese Lebensmittel von den Betroffenen deutlich seltener verzehrt werden. In diesen Fällen kann auf calciumreiche Mineralwässer und Gemüse (wie zum Beispiel Brokkoli) ausgewichen werden.
Für die Aufnahme von Calcium aus dem Darm ist auch eine gute Vitamin-D-Versorgung wichtig; für den Einbau in die Knochen muss ausreichend Vitamin K zur Verfügung stehen.
Fazit: Mikronährstoffversorgung im Auge behalten
Im Alter nimmt die Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen häufig ab. Dabei gilt: Je älter, desto stärker. Daher sollten Betroffene und Angehörige, aber auch pflegende und therapeutisch tätige Personen ihr Augenmerk auf eine adäquate Versorgung mit den notwendigen Makro- und Mikronährstoffen richten. Ist die empfohlene Aufnahme über die Ernährung nicht erreichbar, kann eine gezielte Einnahme hochwertiger Mikronährstoffpräparate – nach individueller Prüfung – sinnvoll sein. Eine Überdosierung sollte jedoch vermieden werden.
Zusammenfassung
Mit zunehmendem Alter verändern sich zahlreiche körperliche Prozesse, die Einfluss auf die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen haben. Veränderungen im Magen‑Darm‑Trakt, eine eingeschränkte Aufnahmefähigkeit im Darm sowie altersbedingte Einschränkungen von Sinneswahrnehmungen und ein geringerer Appetit können dazu führen, dass wichtige Mikronährstoffe nicht mehr in ausreichender Menge aufgenommen werden. Studien zeigen, dass insbesondere die Versorgung mit Vitamin D, Vitamin B12 und Folat sowie mit den Mineralstoffen Magnesium, Eisen und Calcium im Alter häufig kritisch ist.
Eine unzureichende Mikronährstoffversorgung steht dabei in engem Zusammenhang mit altersassoziierten Veränderungen verschiedener Organsysteme und körperlicher Funktionen. Sie kann unter anderem den Energiehaushalt, die Knochengesundheit, die Muskel‑ und Nervenfunktion sowie kognitive Prozesse beeinflussen. Besonders problematisch ist, dass Mikronährstoffmängel oft lange unbemerkt bleiben, da Symptome unspezifisch sind oder sich schleichend entwickeln.
Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung bildet die wichtigste Grundlage, um den Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen zu decken. Im höheren Lebensalter kann es jedoch sinnvoll sein, die eigene Versorgung bewusster zu betrachten und regelmäßig zu überprüfen. Dabei sollten individuelle Lebensumstände, Ernährungsgewohnheiten und gesundheitliche Faktoren berücksichtigt werden. Ziel ist es, eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen und altersbedingten Veränderungen möglichst frühzeitig entgegenzuwirken.
FAQ
Warum haben Ältere häufig einen Mikronährstoffmangel?
Mit zunehmendem Alter verändern sich viele körperliche Funktionen. Dazu gehört unter anderem auch die Verdauung. Zudem können ein geringerer Appetit sowie ein nachlassender Geruchs‑ und Geschmackssinn, aber auch Einsamkeit oder Depressionen und Demenz zu einer geringeren Nahrungsaufnahme führen. Dadurch kann es schwieriger werden, alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe in ausreichender Menge über die Ernährung aufzunehmen.
Woran lässt sich eine unzureichende Mikronährstoffversorgung erkennen?
Eine unzureichende Versorgung mit wichtigen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen bleibt oft lange unbemerkt, da Symptome unspezifisch sein können. Veränderungen zeigen sich häufig erst bei Blutuntersuchungen oder im Zusammenhang mit allgemeinen Beschwerden wie Müdigkeit oder verminderter Belastbarkeit.
Hilfreich kann es sein, wenn Angehörige oder pflegende Personen abschätzen können, welche Mengen an welchen Lebensmitteln verzehrt werden. Daneben sollten jedoch auch Auswirkungen der eingenommenen Medikamente auf bestimmte Mikronährstoffe beachtet werden.
Warum ist die Vitamin D Versorgung im Alter besonders kritisch?
Vitamin D wird zum großen Teil durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. Mit zunehmendem Alter nimmt diese Fähigkeit der Haut jedoch deutlich ab. Gleichzeitig halten sich viele ältere Menschen seltener im Freien auf oder setzen weniger Haut dem Sonnenlicht aus. Dadurch kann die körpereigene Vitamin‑Bildung sinken, insbesondere im Winterhalbjahr. Auch über die Ernährung wird meist nur ein vergleichsweise kleiner Anteil des fettlöslichen Vitamins aufgenommen, weshalb eine ausreichende Versorgung im Alter häufiger nicht erreicht wird.
Was beeinträchtigt die Vitamin B12 Versorgung im Alter?
Vitamin B12 wird überwiegend über tierische Lebensmittel aufgenommen und muss im Körper mehrere Aufnahmeschritte durchlaufen. Mit zunehmendem Alter können sich diese Prozesse verändern: So kann zum Beispiel die Magensäureproduktion vermindert sein oder die Magenschleimhaut entzündet. Dadurch kann die Aufnahme von Vitamin B12 aus der Nahrung eingeschränkt sein. Auch bestimmte Medikamente können die Versorgung beeinflussen, weshalb niedrige Vitamin‑B12‑Spiegel bei älteren Menschen vergleichsweise häufig sind.
Was kann helfen, die Mikronährstoffzufuhr im Alltag zu verbessern?
Eine vielfältige Ernährung mit frischen, nährstoffreichen Lebensmitteln bildet die wichtigste Grundlage. Dazu gehören Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse sowie – je nach Ernährungsform – auch tierische Lebensmittel. In bestimmten Situationen kann es sinnvoll sein, die eigene Nahrungsauswahl quantitativ und qualitativ zu betrachten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt Empfehlungen für die tägliche Zufuhr von Makro- und Mikronährstoffen – teilweise differenziert nach Alter und Geschlecht. Können die empfohlenen Mengen mit der Ernährung nicht erreicht werden, kann eine gezielte Supplementierung sinnvoll sein.
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