Jodmangel trotz gesunder Ernährung?

Ein pflanzenbasierter Ernährungsstil kann zu einem Jodmangel führen

Jod ist insbesondere in tierischen Lebensmitteln enthalten, deshalb kann eine überwiegend pflanzliche Ernährung zu einer ungenügenden Jodversorgung führen. Zudem werden jodhaltige Fertiggerichte seltener mit jodiertem Salz hergestellt. Bild: photka/iStock/Getty Images Plus

Generell ist Deutschland ein Jodmangelgebiet. Zwar kann seit den 1980er Jahren Speisesalz mit Jod angereichert werden, aber aktuell werden immer weniger Lebensmittel mit jodiertem Salz produziert. Gleichzeitig führt der Trend zu pflanzenbetonter Ernährung häufig zu einer zu geringen Aufnahme des wichtigen Spurenelements.

Wo liegt das Problem?

Seefisch und Meeresfrüchte sind gute Jodquellen. Sie werden aber von einem großen Teil der deutschen Bevölkerung wenig oder gar nicht verzehrt. Fleisch, Eier und Milch sind ebenfalls gute Lieferanten für das Spurenelement, da das Tierfutter in der Regel mit Jod angereichert wird. Dagegen enthält heimisches Gemüse und Getreide nur wenig Jod, da die Böden in Deutschland als jodarm gelten.

Info

Algenprodukte: Risiko für Jodüberschuss
 

Beim Verzehr von Algenprodukten ist Vorsicht angeraten: Sie könnten einen ungesunden Jodüberschuss liefern. Das BfR stuft getrocknete Algenprodukte mit einem Jodgehalt von > 20 mg/kg als gesund­heitsschädlich ein und rät vom Verzehr ab. 

Aus Sicherheitsgründen gilt die Empfehlung, die Gesamttageszufuhr von Jod für Erwachsene sollte die Aufnahmemenge von 500 µg/Tag generell nicht überschreiten.

Neben einzelnen jodreichen Lebensmitteln spielt vor allem die Ernährungsweise insgesamt eine Rolle. Da sich immer mehr Menschen pflanzenbasiert oder sogar ganz vegetarisch oder vegan ernähren, steigt das Risiko für einen Jodmangel. Generell ist eine vorwiegend pflanzliche Ernährung vorteilhaft, da sie die Umwelt und Ressourcen schont und darüber hinaus die Gesundheit fördern kann, wenn sie sinnvoll zusammengestellt ist. Profitieren können unter anderem Menschen mit

  • Übergewicht,
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Typ-2-Diabetes,
  • entzündlichen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis.

Die überwiegende Verwendung von veganen und vegetarischen Produkten sowie naturbelassenen Bio-Lebensmitteln kann allerdings das Risiko für eine unzureichende Versorgung mit Jod steigern, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits 2022 betont hat. Denn hier wird selten jodiertes Salz verwendet.

Wie viel Jod liefert der tägliche Salzkonsum?

Es ist gesünder, nicht zu viel Salz zu verzehren. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt 6 g Speisesalz/Tag (etwa ein Teelöffel) als Orientierungswert an. Viele Deutsche verzehren jedoch deutlich mehr als die empfohlene Menge. Vor allem viele Fast Food-Gerichte enthalten reichlich Salz, aber oft ist dieses nicht jodiert. Das bedeutet, trotz reichlichen Salzgenusses kann die Jodversorgung unzureichend sein.

Da die Lebensmittelhersteller nicht verpflichtet sind, ihre Produkte mit Jod anzureichern, ist der Anteil jodierter Produkte rückläufig. Das Max-Rubner-Institut (MRI) stellte in seinem Bericht zum Jodsalzmonitoring 2023 fest, dass beispielsweise bei herkömmlichen Wurstwaren der Anteil mit Jodsalz nach vorübergehendem Anstieg deutlich gesunken ist:

  • 2016: 42,5 %
  • 2020: 48,1 %
  • 2023: 35,5 %

Der Vergleich von konventionell und biologisch erzeugten Wurstwaren ergab für 2023 einen sehr unterschiedlichen Anteil mit Jodsalz:

  • konventionelle Produktion: 40,8 %
  • biologisch erzeugten Produkte: 8,1 %

Auch der Trend zu nicht-jodiertem Gourmet-Salz sorgt für eine schlechtere Versorgung. Viele Menschen denken, dass Meersalz genügend Jod enthalten würde, doch das ist ein Irrtum. Ohne Jodzusatz enthält Meersalz von Natur aus nur Spuren von Jod. Angereichertes Salz liefert 15 bis 25 mg/kg – das wären bei 6 g täglich zwischen 90 und 150 Mikrogramm Jod pro Tag.

Die DGE empfiehlt folgende Jodmengen:

  • Erwachsene: 150 µg/Tag
  • Schwangere: 220 µg/Tag
  • Stillende: 230 µg/Tag

Die Verwendung von Jodsalz reicht nicht immer aus, die empfohlenen Mengen aufzunehmen. Trotzdem empfehlen Fachleute, zuhause konsequent Jodsalz bei der Speisenzubereitung zu nutzen. Zudem könnte die Einnahme von Mikronährstoffpräparaten (Supplementation) sinnvoll sein. Für Schwangere und Stillende gibt die DGE entsprechende Empfehlungen:

  • Schwangere sollten zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit jodiertem Speisesalz täglich ein Supplement mit 100 µg (bis 150 µg) Jod einnehmen.
  • Während der Stillzeit sollte zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung mit jodiertem Speisesalz ein Supplement mit 100 µg/Tag eingenommen werden.

Bei Schilddrüsenerkrankungen sollte vor der Supplementierung unbedingt ärztlicher Rat eingeholt werden.

Am besten wird vor der Einnahme von Jod der Jodstatus per Urintest erfasst und die Ernährungsweise abgefragt. Unterstützend kann die Menge des Schilddrüsenhormons TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) gemessen werden, dessen Wert bei Jodmangel erhöht ist.

Hausärzte und -ärztinnen sollten neben ihren Schwangeren und Stillenden auch vegan lebende Patientinnen und Patienten im Blick behalten.

Was kann die Jodversorgung stören?

Bestimmte chemische Stoffe können als sogenannte Goitrogene („Strumabildner“) einen Kropf, also eine Schilddrüsenvergrößerung, verursachen. Sie werden anhand ihrer Wirkung in 3 Gruppen eingeteilt. Sie wirken, indem sie

  • die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen
  • die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen
  • die Bildung von organischen Jodverbindungen hemmen, was ebenfalls die Hormonproduktion beeinträchtigt

Zu den Goitrogenen zählen unter anderem Thiocyanate, die bei der Verstoffwechselung von Senfölglycosiden anfallen. Letztere sind beispielsweise in Kohlgemüse (Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl, Weißkohl und Grünkohl) enthalten. Auch Soja (und damit auch Tofu), Maniok, Limabohnen, Leinsamen, Sorghum und Süßkartoffeln wirken goitrogen. Zudem können auch manche Medikamente, Lithium, Perchlorate und das Rauchen die Jodaufnahme oder die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen.

Darüber hinaus führt eine übermäßige Jodzufuhr zu Störungen der Schilddrüsenfunktion.

Fazit: Jodversorgung überprüfen

Eine pflanzenbetonte Ernährung, insbesondere der reichliche Verzehr naturbelassener Lebensmittel, kann eine gesunde Lebensweise und die Umwelt unterstützen. Um einen Jodmangel zu vermeiden, sollte auf eine ausreichende Zufuhr von jodiertem Salz geachtet werden. Wer weder Fisch beziehungsweise Meeresfrüchte noch tierische Lebensmittel (Fleisch, Eier, Milch) in nennenswerter Menge verzehrt, sollte ärztlichen Rat einholen und seinen Jodstatus erfassen lassen. Insbesondere Frauen, die schwanger werden wollen, sollten rechtzeitig Jod supplementieren.

FAQ

Wer hat ein erhöhtes Risiko für Jodmangel?

Ein erhöhtes Risiko für einen Jodmangel haben insbesondere Menschen, die wenig oder keine tierischen Lebensmittel verzehren, etwa bei vegetarischer oder veganer Lebensweise. Auch Personen, die selten Seefisch essen oder überwiegend unverarbeitete beziehungsweise Bio-Lebensmittel ohne Jodsalz konsumieren, können unzureichend versorgt sein. Besonders wichtig ist eine ausreichende Jodzufuhr für Schwangere und Stillende, da ihr Bedarf erhöht ist.

Reicht die Verwendung von Jodsalz aus, um den Bedarf zu decken?

Jodsalz ist eine wichtige Quelle für das Spurenelement und sollte konsequent im Haushalt verwendet werden. Allerdings reicht es allein oft nicht aus, um die empfohlene tägliche Jodzufuhr sicherzustellen – insbesondere bei Personen mit erhöhtem Bedarf oder sehr jodarmer Ernährung. In bestimmten Fällen kann daher eine Supplementierung sinnvoll sein.

Sind Algen eine gute Jodquelle?

Algen können sehr hohe Jodmengen enthalten, die zudem stark schwanken können. Daher besteht bei regelmäßigem Verzehr das Risiko einer Überversorgung. Besonders getrocknete Algenprodukte können gesundheitlich problematisch sein. Sie sollten nur in kleinen Mengen und mit Blick auf den Jodgehalt konsumiert werden.


Verzeichnis der Studien und Quellen

Bach, B. (25.05.2026): Schilddrüse: Vegane Ernährung verschärft Jodmangel. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Schilddruese-Vegane-Ernaehrung-verschaerft-Jodmangel-462896.html, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (12.06.2007): Gesundheitliche Risiken durch zu hohen Jodgehalt in getrockneten Algen. https://www.bfr.bund.de/cm/343/gesundheitliche_risiken_durch_zu_hohen_jodgehalt_in_getrockneten_algen.pdf, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (17.10.2022): Rückläufige Jodzufuhr in der Bevölkerung: Modellszenarien zur Verbesserung der Jodaufnahme bei Kindern und Jugendlichen: Stellungnahme Nr. 026/2022 des BfR vom 17. Oktober 2022. https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00082755, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

DocCheck Flexikon (25.10.2022): Goitrogen. https://flexikon.doccheck.com/de/Goitrogen, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (15.09.2025): Jod. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/jod, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (o. D.): Pflanzenbasierte Ernährung. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/pflanzenbasierte-ernaehrung/, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (01.10.2023): Speisesalz. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/speisesalz, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) (2025): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Jod. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/jod/, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

Max Rubner-Institut (MRI) (05.2024): Ergebnisbericht Jodsalzmonitoring 2023. https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Themen/Produktmonitoring/MRI-Jodsalzmonitoring-2023-1_bfrei.pdf, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

ScienceDirect (o. D.): Goitrogen. https://www.sciencedirect.com/topics/veterinary-science-and-veterinary-medicine/goitrogen, zuletzt abgerufen am 27.05.2026.

 

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