
Stoffwechselerkrankungen wie Adipositas (Fettleibigkeit) und Diabetes gehen in der Regel mit chronischen geringgradigen Entzündungen des Fettgewebes einher. Omega-3-Fettsäuren greifen laut Studien in die Entzündungsprozesse ein. Allerdings sind Studiendesign, Einnahmedauer und Dosierungen uneinheitlich. Daher liefern die Studien unterschiedliche Ergebnisse. Dennoch sieht eine aktuelle kanadische Übersichtsarbeit in Omega-3-Fettsäuren einen Ansatz, um chronische Entzündungen zu regulieren.
Wie befeuern chronische Entzündungen Stoffwechselerkrankungen?
Chronische, unterschwellige Entzündungen – auch als stille Entzündungen bezeichnet – stören Regulationsprozesse des Körpers. Beispielsweise verändern sie den Zucker- und Fettstoffwechsel und blockieren die Insulinwirkung, so dass sich eine sogenannte Insulinresistenz entwickelt. Zudem können sie die Blutgefäße schädigen. Diese Störungen können den Weg für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Krebs ebnen, die mit starkem Übergewicht verbunden sind.
Insbesondere das „Bauchfett“, also das Fett, welches die Körperorgane einhüllt (viszerales Fett) löst diese chronischen geringgradigen (subklinischen) Entzündungen aus. Es wird – im Gegensatz zum subkutanen Fettgewebe (Unterhautfettgewebe) – als ungesundes Fettgewebe bezeichnet.
Welche Effekte zeigen Omega-3-Fettsäuren auf stille Entzündungen?
Tierstudien haben gezeigt, dass Omega-3-Fettsäuren über verschiedene Signalwege die Entzündung des Fettgewebes positiv beeinflussen können: Sie steigern die Menge anti-entzündlicher Eiweiße und reduzieren die Menge entzündungsfördernder Botenstoffe (Zytokine). Die kanadische Übersichtsarbeit, die insgesamt 25 Studien einschloss, hatte das Ziel, den Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren und Entzündungen des Fettgewebes bei gesunden Menschen aufzuzeigen.
Info
Welche Omega-3-Fettsäuren gibt es?
Die drei wichtigsten Formen sind
- ALA (Alpha-Linolensäure): Diese essenzielle pflanzliche Omega-3-Fettsäure muss über die Nahrung aufgenommen werden. Sie ist beispielsweise in pflanzlichen Ölen und Samen wie Leinöl und Leinsamen, Walnussöl, Rapsöl oder Chiasamen enthalten.
Der menschliche Körper kann ALA in geringen Mengen in EPA und DHA umwandeln. - DHA (Docosahexaensäure) und EPA (Eicosapentaensäure): Sie sind insbesondere in fettem Seefisch und Mikroalgen enthalten. Da die Umwandlung aus ALA nicht ausreicht, werden auch sie meist als essenziell angesehen.
Sie sind für Herz und Blutgefäße wichtig, DHA auch für Gehirn und Sehkraft.
Daneben existieren weitere Omega-3-Fettsäuren.
Die eingeschlossenen Studien unterschieden sich erheblich im Studiendesign, in den Kontrollen, in der Dauer (3 Wochen bis 3 Jahre) und in der Anzahl der Teilnehmenden (13 bis über 300; im Alter von 18 bis 85 Jahren). Zudem wurden verschiedene Marker untersucht:
- teilweise handelte es sich um Fettgewebs-spezifische Marker, die im Blut zirkulieren, wie zum Beispiel
- Adiponectin – ein von Fettzellen gebildetes Gewebshormon
- Leptin – das Gewebshormon aus dem Fettgewebe reguliert das Hunger- und Sättigungsgefühl
In etwas mehr als der Hälfte der Studien konnten eine Omega-3-Einnahme die Adiponectin-Menge erhöhen, während weniger als ein Drittel einen Effekt auf Leptin berichtete.
- In anderen Studien wurden Gewebeproben (Biopsien) aus dem Fettgewebe entnommen und auf die Menge an Entzündungsbotenstoffen (Mediatoren) oder auf die Aktivität von Genen untersucht, die für
- Entzündungsbotenstoffe (Zytokine)
- Adipokine (Gewebshormone aus dem Fettgewebe)
- Entzündung
- Immunantwort
wichtig sind.
Während Studien zu Entzündungsmediatoren im Fettgewebe zu 100 Prozent Effekte der Omega-3-Fettsäuren sahen, berichteten dies nur zwei Drittel der Studien, die die Genaktivität (Genexpression) maßen.
Insbesondere in Studien, in denen nur ALA oder nur DHA (3 Studien) oder eine Kombination aus DHA und EPA in Dosierungen von 1,1 bis 4 mg/Tag eingenommen wurden (9 Studien), wurde die Entzündung im Fettgewebe deutlich reduziert.
Fazit: Es besteht noch Studienbedarf
Die Übersichtsarbeit berichtet von vielversprechenden und deutlichen Ergebnissen in Studien mit EPA+DHA, ALA und DHA sowie in Studien, die Biopsien auf Fettgewebsentzündung untersuchten – sowohl über Genaktivität als auch über Mediatorproduktion.
Allerdings sieht sie auch noch Forschungsbedarf und schlägt weitere umfassende Beobachtungsstudien mit größeren Teilnehmerzahlen vor, die idealerweise Gewebeproben (Biopsien) nutzen oder mehrere fettgewebsspezifische Biomarker.
Diese Studien sollten lang genug sein, um Effekte zu sehen, und zudem die Vergleichspräparate (Kontrollen) sorgfältig auswählen. Denn diese sollten die verbreitete suboptimale Ernährungsweise widerspiegeln – also die westliche Ernährungsweise mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren und n-6-Fettsäuren.
Verzeichnis der Studien und Quellen
Chon JE et al. Omega-3 Polyunsaturated Fatty Acids and Adipose Tissue Inflammation in Humans: A Scoping Review. Nutr Rev. 2025 Jul 9; 84(1): 207–230. https://academic.oup.com/nutritionreviews/article/84/1/207/8195184
EUR-Lex (16.05.2022): Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission über zulässige gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A02012R0432-20250820, zuletzt abgerufen am 29.06.2026.
Naturmed-praxis.de (05.2026): Fischöl gegen die stille Entzündung. https://www.naturmed-praxis.de/nachrichten/fischoel-gegen-die-stille-entzuendung/, zuletzt abgerufen am 29.06.2026.
NDR (02.06.2026): Lebenswichtige Omega-3-Fettsäuren: Richtige Dosierung entscheidend. https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Lebenswichtige-Omega-3-Fettsaeuren-Richtige-Dosierung-entscheidend,fettsaeuren100.html, zuletzt abgerufen am 29.06.2026.
Wikipedia-Autoren (o. D.): Omega-3-Fettsäuren. https://de.wikipedia.org/wiki/Omega-3-Fetts%C3%A4uren, zuletzt abgerufen am 29.06.2026.
