Eine gesunde Darmflora schützt vor Reisedurchfall

Wie Pro- und Präbiotika sowie weitere Mikronährstoffe helfen, Reisedurchfall zu vermeiden

So manchem Urlauber machen Bauchkrämpfe und wässrige Stuhlgänge zu schaffen: Etwa jeder vierte Reisende fängt sich während der eigentlich entspanntesten Zeit des Jahres einen Reisedurchfall ein. Die Übeltäter sind meist Bakterien oder Viren. Erfahren Sie hier, wie Sie mithilfe der Mikronährstoffmedizin das Immunsystem stärken und durch eine ausgeglichene Darmflora Reisedurchfall vorbeugen können.

Strandschild mit der Aufschrift W.C.
Mikronährstoffe und Probiotika helfen, Reisedurchfall vorzubeugen. Im Akutfall können sie außerdem das Immunsystem bei der Bekämpfung der Erreger unterstützen. Bild: Andrii Medvediuk/iStock/Getty Images Plus

Ursachen von Reisedurchfall

Illustration von Bakterien
Meist sind Bakterien die Verursacher von Reisedurchfall. Schlechte Hygienebedingungen sorgen dafür, dass sich die Erreger schnell vermehren. Bild: Dr_Microbe/iStock/Getty Images Plus

Der Urlaub ist die schönste Zeit des Jahres. Doch nicht alle können ihn vollends genießen. Kurze Zeit nach der Ankunft in einem fremden Land kommt es bei etwa jedem vierten Reisenden zu Magen-Darm-Beschwerden: Wer mindestens dreimal täglich wässrigen Stuhlgang hat und an einem weiteren Symptom wie Bauchschmerzen oder Krämpfen leidet, hat sich vermutlich einen Reisedurchfall eingefangen.

Vor allem Menschen, die nach Afrika, in die Andenregion oder nach Südasien reisen, klagen über Reisedurchfall. Heiße Temperaturen und oft geringe Hygienestandards sind optimale Bedingungen für Bakterien (meist Escherichia coli), um sich in Speisen und Getränken zu vermehren. Doch auch Viren (wie Noroviren, seltener Rotaviren) oder Einzeller (Protozoen) können Reisedurchfall auslösen. Besonders gefährdet sind alte und geschwächte Menschen, Säuglinge und Kinder. Außerdem kann die Einnahme bestimmter Medikamente anfälliger für Reisedurchfall machen (zum Beispiel Säureblocker).

Meistens ist Reisedurchfall harmlos und klingt von allein wieder ab. Eine mögliche Langzeitfolge ist das Reizdarmsyndrom. Es tritt bei 5 bis 10 Prozent der Personen nach einem durchgestandenen Reisedurchfall auf.

Wenige Fälle nehmen einen schweren Verlauf und der Darm entzündet sich. Hierfür sind meist Bakterien wie Salmonellen, Shigellen oder Campylobacter jejuni verantwortlich. Diese können auch andere Organe befallen und in die Blutbahn übergehen. Anzeichen für eine schwere Infektion sind blutige Stühle und Fieber.

Tipp

Es empfiehlt sich, eine kleine Reiseapotheke mit in den Urlaub zu nehmen. Mittel gegen Durchfall wie Racecadotril (zum Beispiel Tiorfan®) oder Loperamid (wie Loperamid-ratiopharm®) können rezeptfrei in der Apotheke erworben werden. Ist der Durchfall von Übelkeit begleitet, ist der Wirkstoff Dimenhydrinat (Vomex A®) das Mittel der Wahl.

Darüber hinaus ist es wichtig, die Flüssigkeit, Salze und Energie (in Form von Zucker), die der Körper durch den Durchfall verliert, wieder auszugleichen. Es gibt fertige Elektrolytlösungen. In der Not reicht auch eine Kombination aus Salzstangen, verpacktem Wasser/Cola/Limonade oder heißem Tee.

Wie Sie eine „Reiseapotheke der Mikronährstoffmedizin“ zusammenstellen und welche Mikronährstoffe bei akutem Durchfall helfen, erfahren sie hier.

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Reisedurchfall vorbeugen mit Probiotika und Mikronährstoffen

Wie kann die Mikronährstoffmedizin helfen?

Die Mikronährstoffmedizin unterstützt die Darmbarriere und kann das Immunsystem stärken. Beides ist wichtig, um Krankheitserreger abzuwehren und vor Reisedurchfall zu schützen. Kommt es zu Beschwerden, werden darüber hinaus antibakterielle und antivirale Stoffe eingesetzt, um die Infektion zu lindern und mögliche Folgen zu reduzieren. Besonders bewährt haben sich:

Bei einer bestehenden Durchfallerkrankung werden – je nach Ursache – manchmal Antibiotika verordnet. Auch die medikamentöse Behandlung von Reisedurchfall kann durch die Mikronährstoffmedizin unterstützt werden.

Tipp

Zur Vorbeugung von Reisedurchfall gilt der Spruch „Peel it, boil it, cook it or forget it“. Man sollte nur geschälte und erhitzte Nahrungsmittel verzehren. Rohe Speisen, insbesondere rohe tierische Produkte wie Milch, Fisch und Fleisch, sollten ausgespart werden.

Beim Trinken gilt: Wasser nicht direkt aus dem Hahn trinken und Eiswürfel meiden. Am besten kocht man Wasser ab oder kauft industriell abgefülltes Wasser. Filtern und chemisch reinigen (zum Beispiel mithilfe spezieller Kapseln) ist nur bedingt geeignet.

Wichtig ist außerdem, auf die Sauberkeit der Restaurants und der Speisen zu achten und das Händewaschen nicht zu vernachlässigen.

Gute Bakterien bekämpfen schlechte Bakterien im Magen-Darm-Trakt

Wirkweise von Probiotika

Probiotika-Kapseln
Probiotika sind zum Beispiel als Kapseln erhältlich. Sie können so problemlos in der Reiseapotheke mitgenommen werden. Bild: BugTiger/iStock/Getty Images Plus

Stress, Jetlag, ungewohnte Speisen und Gewürze sowie ein veränderter Biorhythmus – eine Reise kann die Bakterienzusammensetzung im Darm durcheinanderbringen (Darmflora). Die mögliche Folge: Gesundheitsförderliche Darmbakterien können Krankheitserreger nicht mehr richtig abwehren, das Risiko für Reisedurchfall steigt.

Probiotika sind gesundheitsfördernde Mikroorganismen, die mit krankmachenden Keimen konkurrieren und deren Wachstum einschränken. Insgesamt fördern Probiotika die Immunabwehr, stärken die Darmbarriere und produzieren Stoffe, die schädliche Bakterien abtöten. Manche Probiotika (wie die Hefe Saccharomyces boulardii) machen außerdem bakterielle Gifte unschädlich. Probiotika können also auf vielen Wegen bei Reisedurchfall helfen.

Forscher kommen in Übersichtsarbeiten zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Probiotika vor Reisedurchfall schützen könnte. Besonders effektiv waren Saccharomyces boulardii oder eine Mischung aus Lactobacillus acidophilus und Bifidobacterium bifidum. Auch eine Übersicht von 34 weiteren Studien verdeutlicht die Wirkung: Probiotika senkten das Risiko, an Reisedurchfall zu erkranken, um 6 bis 21 Prozent. Eine andere Auswertung mit fünf Studien bestätigt dies allerdings nicht.

Ob Probiotika helfen, scheint abhängig von den Bakterien zu sein, die den Reisedurchfall auslösen.Saccharomyces boulardii ist vermutlich besonders wirksam bei Bakterien, die Giftstoffe bilden. Das zeigen zwei Studien mit insgesamt 6.000 Reisenden. Giftstoff-bildende Bakterien sind unter anderem in Nordafrika (plus Türkei) aktiv. Dort konnte Reisedurchfall durch Probiotika um 40 Prozent gesenkt werden.

Fazit: Probiotika sind preiswert und arm an Nebenwirkungen. Auf einer Reise sind sie eine unkomplizierte Maßnahme, um das Risiko für Reisedurchfall zu senken.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Probiotika

Zur Vorbeugung von Reisedurchfall empfehlen Mikronährstoff-Experten die tägliche Einnahme von einer Milliarde (109), besser 10 bis 20 Milliarden koloniebildenden Einheiten (1 bis 20 x 109 KBE). Besonders häufig verwendet man Laktobazillen und Bifidobakterien. Wirkungsvoll ist auch die Hefe Saccharomyces boulardii. Auf dem Markt sind Kombinationspräparate erhältlich. Man kann Saccharomyces boulardii aber auch ohne Bakterien einnehmen. In Studien wurden dann Dosierungen von 250 bis 1.000 Milligramm am Tag verwendet.

Probiotika müssen längerfristig und regelmäßig eingenommen werden. Sobald man damit aufhört, nimmt auch die Zahl der probiotischen Bakterien im Darm wieder ab. Es empfiehlt sich daher, Probiotika spätestens eine Woche vor Reisebeginn, während des Urlaubs und bis zu vier Wochen danach einzunehmen. Es könnte bei individueller Empfindlichkeit zu Blähungen kommen. Dann kann es helfen, mit einer geringeren Menge zu beginnen und die Dosis langsam zu erhöhen. 

Gute Präparate zeichnen sich dadurch aus, dass sie besonders gezüchtete Keime enthalten. Sie überleben die Magensäure besser. In Gebrauch sind auch magensaftresistente Kapseln. Achten Sie darauf, dass die Bakterienstämme und Keimzahlen auf der Packung angegeben sind. Sinnvoll sind Präparate, die nicht gekühlt werden müssen, damit man sie problemlos im Koffer mitnehmen kann.

Info

Auch fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut enthalten Probiotika. Die Mengen an Bakterien in Lebensmitteln sind allerdings nicht ausreichend, damit genug Bakterien lebend im Darm ankommen und ihre Wirkung entfalten. Trotzdem sind sie wertvoll, da auch abgetötete Bakterien eine gewisse Wirkung entfalten.

Probiotika: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Sehr geschwächte Patienten mit stark unterdrücktem Immunsystem, Personen mit zentralen Venenzugängen, Herzklappenerkrankungen oder dem Kurzdarmsyndrom sollten keine Probiotika bekommen.

Einige probiotische Bakterien bilden möglicherweise Histamin im Darm. Daher kann die Einnahme bei einer Histaminintoleranz Beschwerden hervorrufen. Folgende Bakterienarten bilden möglicherweise Histamin: Lactobacillus casei, Lactobacillus delbrueckii ssp. bulgaricus, Lactobacillus reuteri, Lactococcus lactis und Enterococcus faecium.

Präbiotika fördern die gesunde Darmflora

Wirkweise von Präbiotika

Person fasst sich an den Bauch
In ersten Studien half resistente Stärke bei Durchfall. Die Teilnehmer erholten sich schneller von den Beschwerden. Bild: kirisa99/iStock/Getty Images Plus

Probiotika enthalten gesundheitsförderliche Bakterien, die sich von bestimmten Ballaststoffen ernähren. Man nennt diese auch Präbiotika. So fördert zum Beispiel resistente Stärke eine gesunde Darmflora: Aus resistenter Stärke werden kurzkettige Fettsäuren produziert. Diese machen den Stuhl saurer, was es krankmachenden Bakterien schwer macht, sich zu vermehren. Die kurzkettigen Fettsäuren fördern außerdem die Aufnahme von Wasser im Dickdarm. So wird dem Stuhl Flüssigkeit entzogen und Durchfall entgegengewirkt.

Auch bei einem bestehenden Reisedurchfall können Präbiotika die Beschwerden lindern. In einer ersten Studie verkürzte die Einnahme von resistenter Stärke zusammen mit einer Standardtrinklösung (orale Rehydrationslösung) die Durchfalldauer bei Erwachsenen mit starken wässrigen Durchfällen. Auch der Flüssigkeitsverlust war bei den mit Präbiotika behandelten Studienteilnehmern geringer als bei denjenigen, die nur die Standardtrinklösung bekamen. Eine schnellere Erholung durch resistente Stärke zeigte sich auch in einer vorläufigen Studie mit Kindern, die ebenfalls an wässrigem Durchfall litten.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Präbiotika

Zur Vermeidung von Reisedurchfall empfehlen Experten der Mikronährstoffmedizin etwa 25 Gramm resistente Stärke pro Tag. Um die Wirkung zu optimieren, nehmen Sie die Stärke am besten verteilt über den Tag zu den Hauptmahlzeiten zu sich. Lösen Sie das Pulver dazu in einem Glas kalter oder warmer Flüssigkeit – zum Beispiel Wasser, Suppen oder Brühen – oder auch in Müsli oder Joghurt.

Anfänglich kann es bei der Einnahme von resistenter Stärke bei empfindlichen Menschen zu Blähungen kommen. Es empfiehlt sich deshalb, zunächst mit einem Drittel der Tagesdosis – also 8 Gramm – zu beginnen und die Dosis langsam zu steigern. In der Regel ist es nach etwa sieben bis 14 Tagen möglich, die Dosis auf 25 Gramm zu erhöhen.

Probiotika: zu beachten bei Erkrankungen

Für Menschen, die ein sehr stark geschwächtes Immunsystem haben, könnten Probiotika gefährlich werden. Daher sollten Schwerkranke, frisch Operierte oder sehr alte Personen sowie Menschen, die eine Chemotherapie bekommen, nur in Rücksprache mit dem Arzt Probiotika einnehmen.

Vitamin C, D und Zink für ein starkes Immunsystem

Wirkweise von Vitamin C, D und Zink

Person steht bei Sonnenuntergang an einem Geländer
Der Körper kann Vitamin D mithilfe von Sonnenstrahlen in der Haut selbst bilden. Allerdings verringern Sonnenschutzmittel die Bildung. Auch in der Abendsonne ist die körpereigene Produktion geringer. Bild: nicoletaionescu/iStock/Getty Images Plus

Ein gesundes Immunsystem ist wichtig, um Krankheitserreger abzuwehren – also auch Bakterien und Viren, die Reisedurchfall verursachen. Mikronährstoffe wie Vitamin C und D und der Mineralstoff Zink stärken das Immunsystem.

Vitamin C unterstützt vor allem die Immunantwort der Haut und Schleimhaut (wie im Darm). Durch Vitamin C werden Immunbotenstoffe produziert. Diese locken Abwehrzellen zum Ort des Geschehens, wodurch Krankheitserreger schnell abgewehrt werden können.

Vitamin D aktiviert das Immunsystem und wird gebraucht, um Abwehrstoffe zur Beseitigung von Krankheitserregern herzustellen. Darüber hinaus sorgt es für gesunde Schleimhäute, auch für eine gesunde Darmschleimhaut. So können Durchfall auslösende Bakterien oder Viren besser abgewehrt werden.

Zusätzlich braucht der Körper Zink für die Zellteilung. Der Mineralstoff ist also vor allem für Immunzellen oder Darmzellen wichtig, da sie sich schnell teilen. Auch die Funktion der Immunzellen hängt von Zink ab. So erhöht es zum Beispiel die Aktivität natürlicher Killerzellen, die Krankheitserreger unschädlich machen.

Das Zusammenspiel von Vitamin C, D und Zink macht das Immunsystem stark gegen Krankheitserreger. Man sollte daher auf eine optimale Versorgung achten, um Reisedurchfall vorzubeugen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin C, D und Zink

Vitamin D wird im besten Fall nach Bestimmung der Blutwerte dosiert. Ist der Spiegel nicht bekannt, empfehlen Mikronährstoff-Experten zur Unterstützung des Immunsystems eine tägliche Dosis von 1.000 Internationalen Einheiten im Sommer und 2.000 Internationalen Einheiten im Winter.

Zusätzlich sinnvoll sind 200 bis 400 Mlligramm Vitamin C und 10 bis 15 Milligramm Zink pro Tag.

Nehmen Sie Präparate mit Vitamin C, D und Zink am besten zum Essen. So erhöht sich zum einen die Verträglichkeit (Vitamin C und Zink) und auch die Aufnahme in den Körper (Vitamin D und Zink).

Vitamin D: Laboruntersuchungen

Mikronährstoff-Experten raten dazu, den Vitamin-D-Spiegel zweimal im Jahr bestimmen zu lassen – am besten im Herbst und im Frühjahr. Dabei wird die Transportform im Serum (Flüssigkeit des Blutes) gemessen – das sogenannte 25(OH)-Vitamin D (Calcidiol).

Die Werte sollten in jedem Fall über 30 Nanogramm pro Milliliter liegen. Mikronährstoff-Experten gehen sogar davon aus, dass Werte zwischen 40 und 60 Nanogramm pro Milliliter den größten Nutzen für die Gesundheit haben.

Da Vitamin C die Eisenaufnahme verbessert, sollte Vitamin C bei einer Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.

Vitamin C setzte im Tierversuch die Wirkung des Blutkrebsmedikaments Bortezomib (Velcade®) herab. Es sollte deshalb während einer solchen Therapie nur nach Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Personen mit Nierenerkrankungen sollten Zink nicht einnehmen. Bei Vitamin D ist eine Rücksprache mit dem Arzt nötig: Nierenpatienten haben einen gestörten Mineralstoffhaushalt und manchmal zu hohe Calciumspiegel. Da Vitamin D die Calciumaufnahme aus dem Darm fördert, können die Spiegel im Blut zu stark ansteigen. Auch Personen mit Nierensteinen (calciumhaltige Steine) müssen aufpassen.

Bei der entzündlichen Bindegewebserkrankung Sarkoidose (Morbus Boeck) sollte Vitamin D nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden: Auch Sarkoidose-Patienten haben häufig hohe Calciumspiegel im Blut.

Entwässerungsmedikamente (Diuretika) aus der Gruppe der Thiazide senken die Ausscheidung von Calcium über die Nieren – der Calciumspiegel im Blut ist erhöht. Da auch Vitamin D den Calciumspiegel hochtreibt, darf Vitamin D nur zusammen mit Thiaziden eingenommen werden, wenn der Calciumspiegel regelmäßig überprüft wird. Dazu gehören Hydrochlorothiazid (Esidrix®), Xipamid (Aquaphor®) und Indapamid (Natrilix®).

Zinkreduziert die Wirkung bestimmter Antibiotika. Dies gilt für Gyrasehemmer (zum Beispiel Ciprobay®, Ciloxan®) und Tetracycline (zum Beispiel Doxybene®, Doxycyclin®). Auch bestimmte Osteoporose-Medikamente (Bisphosphonate wie Fosamax®, Bondronat®) werden durch Zink gehemmt. Zwischen der Einnahme sollte ein Abstand von mindestens zwei Stunden liegen.

Grüner Tee hat antiinfektiöse Effekte

Wirkweise von grünem Tee

Grüntee in einer Schale
Pflanzenstoffe aus Grüntee können das Wachstum von krankmachenden Bakterien hemmen. Bild: barol16/iStock/Getty Images Plus

Grüner Tee hat viele positive Wirkungen, die unter anderem auf die enthaltenen Polyphenole wie Epigallocatechingallat(EGCG) zurückzuführen sind. EGCG hat antiinfektiöse Eigenschaften und wirkt gegen Bakterien, Viren und Pilze. Polyphenole aus grünem Tee hemmen außerdem das Wachstum krankmachender Bakterien im Darm, ohne die gesundheitsförderlichen Bakterien (wie Laktobazillen) zu stören. Deswegen können die Pflanzenstoffe möglicherweise auch vor Reisedurchfall schützen.

Außerdem könnte EGCG bei bestehenden Infektionen im Darm aufgrund seiner antientzündlichen Wirkung helfen. Darüber hinaus wird oxidativer Stress durch EGCG gebremst, der bei entzündlichen Vorgängen im Körper ansteigt.

Neben EGCG enthält Tee viele weitere Polyphenole, zum Beispiel Gerbstoffe (Tannine). Gerbstoffe werden schon lange zur Vorbeugung und Therapie von Durchfall eingesetzt. In einer hochwertigen Studie mit Ägypten-Urlaubern zeigte die Einnahme eines speziellen Tannin-Präparates (Tanninalbuminat und Antiseptikum) gute Effekte: Nur knapp die Hälfte der Reisenden litt an Durchfall. Im Vergleich: Mit einem Scheinmedikament waren es über 80 Prozent. In der Tannin-Gruppe waren die Symptome außerdem weniger stark ausgeprägt.

Tannine aus Pflanzen können auch einen bestehenden Durchfall lindern. Das zeigt eine Studie mit Kindern und akuter Entzündung der Schleimhäute von Magen und Darm. Die Kinder hatten die Gerbstoffe zusammen mit Kamille-Extrakt eingenommen. Doch auch allein waren Tannine wirksam, wie in weiteren Studien festgestellt wurde.

Fazit: Aufgrund der antiinfektiösen Wirkung von grünem Tee ist regelmäßiger Teekonsum oder die Einnahme von Grüntee-Extrakt zur Vermeidung von Reisedurchfall einen Versuch wert.

Info

Auch zum schwarzen Tee gibt es erste Ergebnisse aus Labor- und Tierstudien: Der Konsum von schwarzem Tee schützt die Darmflora und kann Durchfall lindern. In einem Tierversuch senkte schwarzer Tee das Auftreten von Durchfall um 20 Prozent.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von grünem Tee

In der Mikronährstoffmedizin werden bei Reisedurchfall 100 bis 300 Milligramm Grüntee-Extrakt pro Tag empfohlen. Ein Extrakt hat den Vorteil, dass die aktiven Wirkstoffe wie das Catechin EGCG in konzentrierter Form vorliegen.

Grüntee-Extrakt gibt es meist in Kapselform. Die Kapseln sollten mit etwas Flüssigkeit zu einer Mahlzeit eingenommen werden. Eine Einnahme auf nüchternen Magen ist zu vermeiden.

Info

Grüntee-Extrakt sollte nicht dauerhaft in hohen Mengen genommen werden, ohne den Mikronährstoffhaushalt im Auge zu behalten: Tannine aus grünem Tee binden zum Beispiel Eisen und Folsäure und könnten dadurch einen Mangel begünstigen.

Grüner Tee: zu beachten bei Schwangerschaft, Erkrankungen und Medikamenteneinnahme.

Es gibt noch keine Studien zur Sicherheit von Grüntee-Extrakt in der Schwangerschaft. Daher sollten Schwangere kein Grüntee-Extrakt einnehmen. Ob Kinder unter 18 Jahren Grüntee-Extrakt einnehmen dürfen, sollte ein Arzt entscheiden.

Bestimmte Stoffe in grünem Tee blockieren die Aufnahme von Wirkstoffen wie dem Betablocker Bisoprolol (zum Beispiel Bisoprolol®, Concor®) oder dem Blutdrucksenker Nifedipin (etwa Adalat®, Aprical®, Nifical®). Zwischen der Einnahme dieser Medikamente und dem Teetrinken oder der Einnahme der Grüntee-Kapseln sollten deshalb mindestens vier Stunden liegen.

Auch sind Wechselwirkungen zwischen Grüntee-Extrakt und Medikamenten möglich. Die Stoffe können Enzyme hemmen, die für den Abbau von Medikamenten zuständig sind. Die Wirkungen und Nebenwirkungen könnten verstärkt werden. Deshalb sollte die Einnahme zur Sicherheit mit dem Arzt abgesprochen werden. Darüber hinaus könnte grüner Tee die Wirkung von Krebsmedikamenten mit dem Wirkstoff Bortezomib (Velcade®) aufheben.

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung pro Tag bei Reisedurchfall

 

Pro- und Präbiotika

Probiotika

1 bis 20 Milliarden (1 bis 20 x 109) koloniebildende Einheiten (KBE)

(mit Saccharomyces boulardii)

Resistente Stärke

25 Gramm (g)

  
 Vitamine

Vitamin C

200 bis 400 Milligramm (mg)

Vitamin D

1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten (IE)

  
 

Mineralstoffe

Zink

10 bis 15 Milligramm

  
 

Pflanzenstoffe

Grüntee-Extrakt

100 bis 300 Milligramm

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Reisedurchfall

 

Normalwerte

Vitamin D (Calcidiol)

40 bis 60 Nanogramm pro Deziliter (ng/dl)

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Unterstützung von Medikamenten mit Mikronährstoffen

Probiotika bringen die Darmflora bei Antibiotika-Therapie wieder ins Gleichgewicht

Tablettenblister
Manchmal wird Durchfall mit Antibiotika behandelt. Antibiotika greifen jedoch auch die Darmflora an. Deshalb empfehlen Mikronährstoff-Experten begleitend Probiotika. Bild: Fahroni/iStock/Getty Images Plus

Durchfall kann in begründeten Fällen mit Antibiotika behandelt werden. Zum Teil sind Antibiotika sogar als vorbeugende Maßnahme gegen Reisedurchfall im Gespräch. Aber: Antibiotika töten alle Bakterien, ohne Rücksicht darauf, ob sie gut oder schlecht für die Gesundheit sind. In der Folge können sich antibiotikaresistente Bakterien vermehren und den Darm schädigen. Das kann sich durch hartnäckigen Durchfall als Nebenwirkung ab Beginn der Antibiotika-Therapie zeigen.

Als begleitende Maßnahme zu Antibiotika unterstützen Probiotika eine gesunde Darmflora und beugen Durchfällen vor. Besonders bewährt haben sich Bifidobakterien und Laktobazillen (zum Beispiel Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus casei). Damit die Darmflora bei einer Antibiotika-Behandlung nicht zerstört wird, empfehlen Mikronährstoff-Experten, täglich 1 bis 20 Milliarden (1 bis 20 x 109) koloniebildende Einheiten einzunehmen. Allerdings sollte man sie nicht gleichzeitig mit dem Antibiotikum einnehmen, da es auch die probiotischen Bakterien schädigen würde. Ideal ist ein Abstand von zwei bis drei Stunden.

Tipp

Eine Alternative ist die Hefe Saccharomyces boulardii. Sie ist gegen gängige Antibiotika unempfindlich und kann auch zeitlich zur Antibiotika-Einnahme eingesetzt werden. Eine erste Studie an älteren Menschen mit Durchfall verdeutlicht dies: Das Auftreten von Antibiotika-bedingtem Durchfall hat sich durch die Einnahme des Hefepilzes verringert. Es gibt auch Kombinationspräparate mit Bifidobakterien, Laktobazillen und Hefe.

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung pro Tag bei Antibiotika

Probiotika

1 bis 20 Milliarden Keime (1 bis 20 x 109 koloniebildende Einheiten (KBE)

(mit Saccharomyces boulardii)

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Zusammenfassung

Reisedurchfall macht einigen Urlaubern einen Strich durch die Rechnung: Statt am Strand zu liegen, quälen sich bis zu 25 Prozent der Reisenden mit Bauchkrämpfen und Durchfall. Gut vorbereitet ist man, wenn man eine kleine Reiseapotheke mit in den Urlaub nimmt und auf die Hygiene achtet. Auch die Mikronährstoffmedizin kann vorbeugend helfen.

Probiotika und Präbiotika sorgen für eine optimale Zusammensetzung der Darmflora und verhindern, dass sich Durchfall auslösende Erreger ansiedeln und vermehren können. Probiotika verringern auch die Nebenwirkungen von Antibiotika. Diese werden in manchen Fällen von Reisedurchfall nötig.

Vitamin C, D und Zink stärken das Immunsystem und verbessern die Darmbarriere. Krankmachende Keime können so schnell bekämpft werden. Darüber hinaus wirken die Pflanzenstoffe aus grünem Tee antiinfektiös und werden schon lange traditionell zur Behandlung von Durchfall eingesetzt.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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