Sarkoidose: Therapie mit Mikronährstoffmedizin unterstützen

Vitamine und Co. können Entzündungen und oxidativen Stress in der Lunge lindern

Bei Sarkoidose entwickeln sich entzündliche Knötchen im Bindegewebe. Hauptsächlich sind Lunge und Bronchien betroffen. Besonders heimtückisch ist: Obwohl Sarkoidose sehr oft keine Probleme macht und von allein ausheilt, kann sie in schweren Fällen lebensgefährlich sein. Lesen Sie, wie Vitamine und andere Stoffe den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können.

Ursachen und Symptome

Definition und Ursachen

Sarkoidose (Morbus Boeck) ist eine entzündliche Erkrankung. Es entwickeln sich Knötchen im Bindegewebe (Granulome). Die Knötchen finden sich vor allem in Lunge, Bronchien und in den Lymphknoten. Doch Sarkoidose kann auch alle anderen Organe befallen – zum Beispiel Leber, Nieren, Milz, Herz, Augen, Haut oder Nervensystem.

Die Ursache von Sarkoidose ist bisher nicht bekannt. Mediziner gehen davon aus, dass ein überaktives Immunsystem für die Knötchenbildung verantwortlich sein könnte. Möglicherweise lösen auch bestimmte Bakterien (wie Tuberkulosebakterien), Viren (Herpesviren) oder Staubteilchen die Erkrankung aus. Auch eine erblich bedingte Ursache wird diskutiert sowie oxidativer Stress.

Sarkoidose-Symptome: Woran erkennt man die Krankheit?

Die Symptome sind je nach Organ unterschiedlich. Sarkoidose verursacht zum Beispiel trockenen Husten, geschwollene Lymphknoten, allgemeines Unwohlsein, grippeähnliche Symptome, Ausschlag auf der Haut oder Muskelschmerzen. Die Entzündungsreaktionen können außerdem zu Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme und Müdigkeit führen. Bei sehr vielen Patienten verläuft die Erkrankung völlig unbemerkt. Sarkoidose ist oft ein Zufallsbefund.

Es gibt zwei Verlaufsformen:

  • Bei einer akuten Sarkoidose beginnen die Symptome plötzlich: Hohes Fieber, Leistungsabfall, schmerzhafte Knoten unter der Haut sowie Luftnot bei Anstrengung sind typische Anzeichen.
  • Eine chronische Sarkoidose beginnt schleichend: Die Symptome sind eher schwach ausgeprägt und steigern sich mit fortschreitendem Krankheitsverlauf.

Selten kommen Komplikationen vor, sodass Sarkoidose tödlich verläuft – zum Beispiel durch Herzversagen.

Stadien einer Sarkoidose

Ärzte unterteilen Sarkoidose anhand von Röntgenaufnahmen des Brustkorbs in folgende Stadien:

  • In Stadium 0 ist keine Veränderung sichtbar, obwohl außer der Lunge noch ein weiteres Organ betroffen ist.
  • In Stadium I sind vergrößerte Lymphknoten zwischen den beiden Lungenflügeln erkennbar.
  • In Stadium II sieht man zusätzlich knötchenartige Veränderungen in der Lunge. Auch ein ausschließlicher Befall der Lunge wird zu Stadium II gezählt. Ab diesem Stadium ist die Lungenfunktion beeinträchtigt.
  • Stadium III ist dadurch gekennzeichnet, dass die Lunge dauerhaft geschädigt ist: Das Gewebe wurde umgebaut (Lungenfibrose).
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Ziele der Behandlung

Wie wird Sarkoidose klassisch behandelt?

Die Therapie einer Sarkoidose richtet sich danach, wie schwer und lange die Krankheit verläuft, welche Organe befallen sind und wie stark die Beschwerden sind.

In vielen Fällen heilt eine Sarkoidose von allein aus – eine Therapie ist nicht notwendig. Wenn sehr starke Beschwerden auftreten, die Lungenfunktion abnimmt oder andere Organe befallen sind, kommen Medikamente zum Einsatz:

  • Kortison (Glucocorticoide) hemmt die Entzündungen und kann Organschäden verhindern. Dazu gehören Wirkstoffe wie Prednison zum Beispiel PredniHEXAL®. Glucocorticoide gibt es in Form von Tabletten.
  • Die Wirkstoffe Azathioprin (wie Imurek®) und Methotrexat (wie Lantarel®) können das Immunsystem bremsen.
  • Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) lindern bei akuten Schüben Schmerzen und Entzündungen. Zu ihnen gehören Wirkstoffe wie Ibuprofen (wie Ibuhexal®, Ibufug®) oder Diclofenac (Diclac®, Diclophlogont®).

Ziele der Mikronährstoffmedizin

Die Mikronährstoffmedizin kann die klassische Therapie von Sarkoidose ideal ergänzen. Es werden Stoffe eingesetzt, die Entzündungsprozesse hemmen und oxidativen Stress verringern. Oxidativer Stress spielt möglicherweise eine Rolle im Krankheitsverlauf.

Wichtige Mikronährstoffe bei Sarkoidose sind:

Zudem verringern einige Mikronährstoffe die Nebenwirkungen von Medikamenten.

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Behandlung mit Mikronährstoffen

Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink verringern oxidativen Stress bei Sarkoidose

Wirkweise

Forscher gehen davon aus, dass ein Überschuss an freien Radikalen eine Rolle bei der Entstehung von Sarkoidose spielen könnte. Freie Radikale erzeugen oxidativen Stress, der die Zellen schädigt. Zudem können sie Entzündungsprozesse verstärken. Antioxidantien wie Vitamin C und E oder die Mineralstoffe Selen und Zink fangen freie Radikale ab und machen sie unschädlich. Dadurch schützen sie die Zellen. Außerdem wirken Vitamin E und Zink direkt gegen Entzündungen.

Beobachtungsstudien zeigen: Die Spiegel an Antioxidantien im Blut von Sarkoidose-Patienten sind rund ein Viertel niedriger als bei Gesunden.Auch der Gehalt an entzündungsfördernden Botenstoffen war bei Betroffenen deutlich höher; der Vitamin-C-Spiegel hingegen geringer. Dieses Missverhältnis scheint sich zunehmend zu verschärfen, je weiter die Krankheit fortschreitet: Patienten im letzten Stadium haben im Durchschnitt den geringsten Antioxidantien-Spiegel.

Die Ergänzung von antioxidativen Vitaminen und Mineralstoffen könnte bei Sarkoidose positiv wirken. Es gibt aber noch keine Studien, die eine Wirkung belegen. Dennoch sollten Sarkoidose-Patienten auf eine ausreichende Zufuhr achten, da sie oft mangelversorgt sind.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink

Mikronährstoff-Experten empfehlen, bei Sarkoidose eine Kombination aus unterschiedlichen Antioxidantien einzunehmen. So sind Betroffene gut versorgt. Sinnvoll sind pro Tag:

  • 200 bis 400 Milligramm Vitamin C
  • 25 bis 50 Milligramm Vitamin E
  • 50 bis 100 Mikrogramm Selen
  • 5 bis 10 Milligramm Zink

Nehmen Sie die Präparate am besten zusammen mit einer Mahlzeit ein. Das verbessert die Verträglichkeit. Außerdem braucht das fettlösliche Vitamin E das Fett aus der Nahrung, um aufgenommen zu werden.

Tipp

Achten Sie bei einem Kombinationspräparat darauf, dass Selen in Form von Natriumselenat enthalten ist. Denn Vitamin C hemmt die Aufnahme von Selen in Form von Natriumselenit.

Antioxidantien-Status im Labor bestimmen lassen

Da Sarkoidose durch oxidativen Stress gekennzeichnet ist, kann es sinnvoll sein, den Antioxidantien-Status zu überprüfen. So kann zum Beispiel herausgefunden werden, ob die Dosis der Antioxidantien ausreicht, um freie Radikale abzufangen.

Dazu gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Sie unterscheiden sich von Labor zu Labor. Eine Möglichkeit ist es, den Status eines bestimmten Antioxidans im Blut zu messen, zum Beispiel Selen. Der Selenspiegel im Vollblut sollte zwischen 120 und 150 Mikrogramm pro Liter liegen. 

Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Vitamin C verbessert die Aufnahme von Eisen. Bei der Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) sollten Vitamin-C-Präparate nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Vitamin C könnte die Wirkung von Krebsmedikamenten mit dem Wirkstoff Bortezomib (Velcade®) herabsetzen. Sprechen Sie eine Vitamin-C-Einnahme vorher mit dem behandelnden Arzt ab.

Raucher sollten eine Dosierung von 50 Milligramm Vitamin E pro Tag nicht überschreiten. Es könnte die Gefahr für Hirnblutungen und Lungenkrebs steigern.

Selen und Zink werden von schwachen Nieren schlecht ausgeschieden. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollten Menschen mit Nierenerkrankungen (Niereninsuffizienz) ohne Rücksprache mit dem Arzt keine Präparate einnehmen.

Zink kann bestimmte Antibiotika binden und sie unwirksam machen. Dazu gehören Wirkstoffe wie Ciprofloxacin (Ciloxan®, Ciprobay®), Tetracyclin (Achromycin®, Supramycin®) oder Doxycyclin (Supracyclin®, Vibramycin®). Halten Sie daher einen Abstand von mindestens zwei Stunden ein. Gleiches gilt für Osteoporose-Medikamente (Biphosphonate) mit Wirkstoffen wie Alendronat (Fosamax®, Tevanate®) oder Clodronat (Bonefos®).

OPC, Resveratrol und Quercetin senken oxidativen Stress und lindern Entzündungen

Wirkweise

Oxidativer Stress könnte zur Entstehung von Sarkoidose beitragen. Auch sekundäre Pflanzenstoffe fangen freie Radikale ab. Zudem wirken sie entzündungshemmend. Wichtige Pflanzenstoffe sind:

  • Oligomere Proanthocyanidine (OPC) kommen vor allem in roten Trauben vor und zählen zu den stärksten Antioxidantien. Außerdem helfen sie, andere Antioxidantien wie Vitamine und Glutathion  zu regenerieren. Zusätzlich regulieren sie das Immunsystem und wirken so entzündungshemmend.
  • Resveratrol kommt ebenfalls in roten Trauben vor und zeigt ähnliche Effekte.
  • Quercetin findet man dagegen in roten Zwiebeln. Auch seine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung ist belegt.

Da bei Sarkoidose-Patienten der Spiegel an entzündungsfördernden Botenstoffen erhöht und der Antioxidantien-Spiegel verringert ist, könnten auch Pflanzenstoffe helfen: In einer Vorstudie verringerte Quercetin entzündungsfördernde Botenstoffe und oxidativen Stress bei Betroffenen. Die Langzeitwirkung und die Effekte auf die Lunge müssen aber noch genauer untersucht werden.

Auch wenn es bisher noch keine hochwertigen Studien gibt, zeigen die bisherigen Erkenntnisse, dass Pflanzenstoffe wie OPC, Resveratrol und Quercetin bei Sarkoidose vielversprechend sind.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von OPC, Resveratrol und Quercetin

Bei Sarkoidose empfehlen Mikronährstoff-Experten eine möglichst breite Kombination aus Antioxidantien. Deshalb sollten neben Vitaminen und Mineralstoffen auch Pflanzenstoffe Bestandteil sein – zum Beispiel in einer täglichen Dosierung von:

  • 50 bis 100 Milligramm OPC
  • 5 bis 10 Milligramm Resveratrol
  • 200 Milligramm Quercetin

Die Einnahme zu einer Mahlzeit verbessert die Verträglichkeit. Menschen mit unempfindlichem Magen sollten OPC aber eher auf nüchternen Magen einnehmen: Eiweiße aus der Nahrung hemmen die Aufnahme. Die Aufnahme von Resveratrol ist morgens am höchsten.

OPC, Resveratrol und Quercetin: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Da keine ausreichenden Daten zur Einnahme in der Schwangerschaft und Stillzeit vorliegen, sollten vorsorglich keine Präparate mit den Pflanzenstoffen eingenommen werden.

Hoch dosierte OPC und Resveratrol könnten die Blutgerinnung beeinflussen. Falls Sie Blutgerinnungshemmer wie Phenprocoumon (Falithrom®, Marcumar®), Warfarin (Coumadin®) oder Heparin (Clexane®) einnehmen, sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt sprechen. Der Arzt kann zum Beispiel die Blutgerinnungswerte kontrollieren.

Quercetin sollte bei Nierenerkrankungen nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Schwache Nieren könnten Quercetin schlecht ausscheiden.

Quercetin und Resveratrol blockieren Enzyme, die Medikamente abbauen. Das kann deren Wirkung beeinflussen. Wenn Sie Medikamente einnehmen, sollten Sie die Einnahme von Quercetin mit Ihrem Arzt besprechen. Das gilt zum Beispiel für Statine (Zocor®, SimvaHEXAL®), Immunsuppressiva wie Azathioprin (Azafalk®, Azaimun®), Ciclosporin (Cicloral®, Immunosporin®), Antibiotika wie Ciproflaxin (Ciprobay®) oder Blutgerinnungshemmer.

N-Acetylcystein und Glutathion können die Lungenzellen schützen

Wirkweise

N-Acetylcystein (NAC) ist eine schwefelhaltige Verbindung, die insbesondere bei Atemwegserkrankungen zum Einsatz kommt. NAC kann gegen Entzündungen wirken – vor allem in der Lunge, die am häufigsten von Sarkoidose betroffen ist. Außerdem ist NAC ein Antioxidans, das direkt und indirekt wirkt: Es fängt freie Radikale ab und der Körper braucht es, um Glutathion zu bilden. Glutathion ist wiederum unverzichtbar für körpereigene antioxidative Enzyme. Außerdem hilft Glutathion dabei, „verbrauchtes“ Vitamin C und E zu regenerieren.

Forscher beobachteten, dass die Menge an reduziertem (unverbrauchtem) Glutathion bei Sarkoidose-Patienten verringert ist. Eine kleine hochwertige Studie zeigt, dass die Ergänzung von NAC die Menge an reduziertem Glutathion bei Sarkoidose-Patienten erhöhen kann. Allerdings konnte diese Studie nicht belegen, dass NAC entzündungsfördernde Botenstoffe verringerte – ein Effekt, der in Laborversuchen bereits nachgewiesen wurde.

In Zukunft sind weitere Studien nötig, die die Wirkung von NAC und Glutathion bei Sarkoidose belegen. Die ersten Hinweise zeigen jedoch, dass sich die Ergänzung lohnen könnte.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von N-Acetylcystein und Glutathion

Mikronährstoff-Experten empfehlen bei Sarkoidose täglich 50 bis 100 Milligramm NAC sowie 100 Milligramm Glutathion. Nehmen Sie die Kapseln oder Tabletten zwischen den Mahlzeiten ein. So wird die Aufnahme der Stoffe nicht durch andere Bestandteile aus der Nahrung behindert.

N-Acetylcystein und Glutathion: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Bisher liegen keine ausreichenden Daten zu NAC und Glutathion für Schwangere und Stillende vor. Daher sollten Sie die Einnahme mit Ihrem Arzt besprechen.

Asthmatiker sollten die Einnahme von NAC mit dem Arzt besprechen. In seltenen Fällen kann es zu allergischen Reaktionen mit Atemwegsverengungen kommen. Die ärztliche Rücksprache gilt auch bei einem Magen- oder Darmgeschwür. Hier besteht die Gefahr, dass NAC Blutungen auslöst. NAC bremst den Abbau von Histamin und sollte bei einer Histaminintoleranz nicht eingenommen werden.

Zudem sind Wechselwirkungen mit Medikamenten möglich:

  • NAC kann die Wirkung von Antibiotika mit Wirkstoffen wie Tetracyclin (Tetracyclin Wolff®), Streptomycin (Strepto-Fatol®) oder Amikacin (Amikacin®, Amikin®) herabsetzen. Halten Sie daher einen Einnahmeabstand von mindestens zwei Stunden ein.
  • NAC könnte die Wirkung von blutgefäßerweiternden Medikamenten verstärken. Dazu gehört der Wirkstoff Nitroglycerin (Corangin®, Nitrangin®). Klären Sie die Einnahme mit dem Arzt ab, wenn sie blutgefäßerweiternde Medikamente einnehmen.
  • Nehmen Sie NAC nicht zusammen mit Hustenstillern ein, die Wirkstoffe wie Codein (Codicaps®, Tussoret®), Noscapin (Capval®) oder Dextromethorphan (Dextro Bolder®, Silomat®) enthalten. Dadurch besteht die Gefahr, dass Schleim in den Atemwegen nicht abgehustet werden kann.
  • Glutathion könnte die Wirksamkeit einer Chemotherapie herabsetzen. Sprechen Sie bei Krebs daher mit dem Arzt.

Omega-3-Fettsäuren stoppen Entzündungen

Wirkweise

Die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) können Entzündungen vorbeugen oder sogar gezielt bremsen: Sie setzen die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe herab. Aufgrund ihrer antientzündlichen Eigenschaften kommen sie bei einer Reihe von entzündungsbedingen Krankheiten zum Einsatz. Hochwertige Daten liegen zum Beispiel bei Rheuma oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen vor.

Daher ist es durchaus möglich, dass Omega-3-Fettsäuren auch bei Sarkoidose positive Effekte erzielen – selbst wenn es noch keine Studien gibt, die dies belegen. Die Einnahme kann einen Versuch wert sein. Omega-3-Fettsäuren sind gut verträglich.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Omega-3-Fettsäuren bei Sarkoidose

Bei Sarkoidose empfehlen Mikronährstoff-Experten Omega-3-Fettsäuren in einer Dosierung von 2.000 Milligramm pro Tag. Sinnvoll ist ein Präparat, das einen hohen Gehalt an EPA hat, da EPA stark entzündungshemmend wirkt. Gut geeignet ist zum Beispiel Fischöl.

Tipp

Achten Sie bei Fischöl auf die Qualität und kaufen Sie nur Kapseln, die speziell gereinigtes Öl enthalten. Das garantiert, dass keine Rückstände wie Schwermetalle enthalten sind.

Omega-3-Präparate sollten zum Essen eingenommen werden. Denn zusammen mit dem Fett aus der Mahlzeit gelangen sie besser aus dem Darm in das Blut.

Omega-3-Status im Labor bestimmen lassen

Da Sarkoidose zu Herzproblemen führen kann, kann die Bestimmung des Omega-3-Index sinnvoll sein. Denn eine gute Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren ist auch wichtig für die Herzgesundheit.

Beim Omega-3-Index wird im Labor der Anteil von EPA und DHA in den roten Blutzellen (Erythrozyten) gemessen. Der Index wird in Prozent angegeben und sollte idealerweise mehr als 8 betragen. Dann sind mindestens 8 von 100 Fettsäuren hochwertige Omega-3-Fettsäuren.

Omega-3-Fettsäuren: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Menschen mit einer Gerinnungsstörung (Bluterkrankheit) oder plötzlich auftretenden Lebererkrankungen, einer akuten Bauchspeicheldrüsen- oder einer Gallenblasenentzündung sollten auf die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren verzichten.

Da hoch dosierte Omega-3-Fettsäuren blutverdünnend wirken, könnten sie das Blutungsrisiko während einer Operation erhöhen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Omega-3-Präparate abgesetzt werden müssen.

Ab einer Dosierung von 1.000 Milligramm täglich sind auch Wechselwirkungen mit Blutverdünnern möglich. Dies gilt zum Beispiel für Phenprocoumon (Falithrom®, Marcumar®), Warfarin (Coumadin®) oder Heparin (Clexane®). Besprechen Sie die Einnahme mit dem Arzt.

Vitamin D macht sich stark für das Immunsystem

Wirkweise

Vitamin D reguliert das Immunsystem. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel könnte die Entzündung in den Sarkoidose-Knötchen verschlimmern. Beobachtungsstudien zeigen zudem: Ein Vitamin-D-Mangel steht möglicherweise mit dem Auftreten von Sarkoidose in Zusammenhang. Darüber hinaus könnte eine Unterversorgung das Fortschreiten ins nächste Stadium fördern.

Die Einnahme von Vitamin D bei Sarkoidose muss der Arzt jedoch sorgfältig abwägen: Betroffene haben oft zu hohe Calciumwerte. Da Vitamin D die Calciumaufnahme steigert, könnten die Werte weiter steigen. Außerdem wird bei Sarkoidose oft zu viel Vitamin D im Körper aktiviert. Eine Vorstudie zeigt, dass die Ergänzung von Vitamin D bei vielen Sarkoidose-Patienten zu einem Calciumüberschuss führte. Dies kann schwerwiegende Folgen haben – zum Beispiel eine Arterienverkalkung.

Dennoch hat Vitamin D positive Effekte auf das Immunsystem, von denen Sarkoidose-Patienten unter ärztlicher Kontrolle profitieren könnten. Ein Vitamin-D-Mangel sollte daher nicht vorliegen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin D

Die Vitamin-D-Dosierung, um einen Mangel zu vermeiden, legt der Arzt fest. Im Normalfall werden 1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten pro Tag empfohlen. Bei Sarkoidose-Patienten müssen jedoch unbedingt die Blutwerte von Vitamin D und Calcium kontrolliert werden, damit es nicht zu einer Überdosierung kommt. Sind die Calciumwerte hoch, sollte kein Vitamin D ergänzt werden.

Vitamin D ist ein fettlösliches Vitamin. Es braucht Fett aus Lebensmitteln, zum Beispiel aus Ölen, um ideal aufgenommen zu werden. Nehmen Sie Vitamin D daher immer zu einer Mahlzeit ein.

Vitamin-D- und Calcium-Status im Labor bestimmen lassen

Bei Sarkoidose müssen bei der Einnahme von Vitamin D sowohl die Vitamin-D-Spiegel als auch die Calciumspiegel überwacht werden.

Bei Vitamin D wird seine Transportform im Blutserum bestimmt, das 25(OH)-Vitamin D (Calcidiol). Blutserum ist die Flüssigkeit des Blutes ohne Blutzellen. Der Vitamin-D-Spiegel sollte idealerweise zwischen 40 und 60 Nanogramm pro Milliliter liegen.

Calcium wird im Blutplasma gemessen. Dies ist die Blutflüssigkeit ohne Eiweiße, die dafür sorgen, dass das Blut gerinnt. Der Wert sollte zwischen 2,2 und 2,65 Millimol pro Liter liegen.

Vitamin D: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Vitamin D steigert die Calciumaufnahme, sodass dessen Gehalt im Blut steigt. Kranke Nieren können Calcium jedoch nicht gut ausscheiden – es besteht die Gefahr eines Überschusses. Daher sollten Personen mit Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) Calcium nur in Rücksprache mit dem Arzt einnehmen. Auch Personen mit calciumhaltigen Nierensteinen sollten vorher mit ihrem Arzt sprechen.

Entwässerungsmedikamente aus der Gruppe der Thiazide setzen die Calciumausscheidung über die Nieren herab. Vitamin D sollte dann nur eingenommen werden, wenn der Calciumspiegel kontrolliert wird. Dazu gehören Hydrochlorothiazid (Disalunil®, Esidrix®), Indapamid (Inda Puren®, Sicco®) oder Xipamid (Aquaphor®, Neotri®).

Dosierungen auf einen Blick

 Empfehlung pro Tag bei Sarkoidose
 Vitamine
Vitamin C200 bis 400 Milligramm (mg)
Vitamin E25 bis 50 Milligramm
Vitamin Dnur in Rücksprache mit dem Arzt
 Mineralstoffe
Selen50 bis 100 Mikrogramm (µg)
Zink5 bis 10 Milligramm
 Pflanzenstoffe
OPC50 bis 100 Milligramm
Resveratrol5 bis 10 Milligramm
Quercetin200 Milligramm
 Sonstige
N-Acetylcystein (NAC)50 bis 100 Milligramm
Glutathion100 Milligramm
Omega-3-Fettsäuren2.000 Milligramm mit hohem EPA-Anteil

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

 Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Sarkoidose
 Normalwerte
Selen (Vollblut)120 bis 150 Mikrogramm pro Liter (µg/l)
Vitamin D40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml)
Calcium (Plasma)2,2 bis 2,65 Millimol pro Liter (mmol/l)
Omega-3-Indexmindestens 8 Prozent (%)
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Unterstützung von Medikamenten mit Mikronährstoffen

Vitaminmangel bei Azathioprin-Einnahme vermeiden

Azathioprin (zum Beispiel Imurek®) könnte zu einem Mangel an Folsäure und Vitamin B12 führen. Die genauen Mechanismen sind allerdings unbekannt. Folsäure und Vitamin B12 sind für die Teilung und Reifung von Zellen notwendig. Herrscht ein Mangel, kann es zu Blutarmut (Anämie) kommen, da die roten Blutkörperchen nicht ausreifen.

Auch zeigen kleine Studien, dass bei einer Therapie mit Azathioprin die Homocysteinwerte ansteigen können. Für den Abbau des schädlichen Stoffwechselprodukts braucht der Körper Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6.

Um einen Mangel und zu hohe Homocysteinwerte zu verhindern, empfehlen Mikronährstoff-Experten die Einnahme von 200 bis 800 Mikrogramm Folsäure, 500 Mikrogramm Vitamin B12 und 5 Milligramm Vitamin B6.

Vitamin C schützt den Magen bei Schmerzmittel-Einnahme

Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) können die Magenschleimhaut angreifen – vor allem, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Dies wird hauptsächlich durch oxidativen Stress ausgelöst. Beispielwirkstoffe sind Ibuprofen (wie Ibuhexal®, Ibufug®), Diclofenac (Diclac®, Diclophlogont®) sowie Acetylsalicylsäure (wie Aspirin®, Colfarit®).

Deshalb empfehlen Mikronährstoff-Experten die Ergänzung von Antioxidantien. Das wichtigste Antioxidans im Magen ist Vitamin C. In einer Vorstudie verringerte der Wirkstoff Acetylsalicylsäure innerhalb von sechs Tagen den Vitamin-C-Gehalt der Magenschleimhaut um 10 Prozent. Die begleitende Ergänzung kann daher dazu beitragen, dass Vitamin C im Magen nicht abnimmt. Empfehlenswert ist eine Dosierung von bis zu 1.000 Milligramm während der Therapie. Vitamin C sollte über den Tag verteilt eingenommen werden.

Dosierungen auf einen Blick

 Empfehlung pro Tag bei Medikamenteneinnahme
Azathioprin 
Folsäure200 bis 800 Mikrogramm (µg)
Vitamin B12500 Mikrogramm
Vitamin B65 Milligramm (mg)
Schmerzmittel (NSAR) 
Vitamin Cbis zu 1.000 Milligramm

 

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Zusammenfassung

Sarkoidose ist eine entzündliche Erkrankung, bei der sich kleine Knötchen im Gewebe entwickeln. Hauptsächlich befallen die Knötchen die Lunge und Lymphknoten. Sie können sich aber auch auf andere Organe ausbreiten, zum Beispiel auf das Herz. Die Symptome von Sarkoidose unterscheiden sich je nach betroffenem Organ. Typisch bei einem Befall der Lunge sind trockener Husten, grippeähnliche Symptome oder Fieber. Manchmal treten auch keine Symptome auf.

Die Mikronährstoffmedizin kann die Therapie unterstützen. Bestimmte Mikronährstoffe können helfen, die Entzündungen einzudämmen und das Immunsystem zu regulieren: Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink verringern oxidativen Stress. Auch die sekundären Pflanzenstoffe OPC, Resveratrol und Quercetin senken oxidativen Stress. Zudem lindern sie Entzündungen. N-Acetylcystein (NAC) und Glutathion können die Lungenzellen schützen. Vitamin D reguliert das Immunsystem und Omega-3-Fettsäuren wie Pflanzenstoffe stoppen die Entzündungen.

Zudem können Folsäure, Vitamin B12 und B6 einen Vitaminmangel bei einer Therapie mit Azathioprin vermeiden. Vitamin C schützt dagegen den Magen bei regelmäßiger Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln (NSAR).

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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Gröber, U. (2011): Mikronährstoffe. Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. 3. Aufl. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart.

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