Ist Ingwer bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen hilfreich?

Können bioaktive Inhaltsstoffe des Ingwers wie Gingerol die Herz-Kreislauf-Medikation sinnvoll ergänzen?

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weit verbreitet und können das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen. Der Verzehr von Ingwer(produkten) kann bei der Vorbeugung unterstützen. Bild: megaflopp/iStock/Getty Images Plus

Zur Vorbeugung und Linderung verschiedener Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden traditionell auch Heilkräuter eingesetzt. Eine aktuelle Übersichtsarbeit befasst sich mit den bioaktiven Verbindungen aus der Ingwerwurzel. Sie beleuchtet deren positiven Eigenschaften und fasst zusammen, welche Effekte sie auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausüben.

Wie wirkt Ingwer auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen?

Viele Menschen leiden an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weltweit auch zu den häufigsten Todesursachen zählen. Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • eine ungesunde Ernährung,
  • Rauchen,
  • Bluthochdruck,
  • Fettleibigkeit (Adipositas)
  • Diabetes,
  • Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie),
  • chronische Entzündungen.

Die Ernährung hat dabei einen großen Einfluss, da sie viele Risikofaktoren beeinflussen kann. Daher ist eine gesunde Ernährung ein entscheidender Baustein bei der Vorbeugung, aber auch bei der Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ingwer (Zingiber officinale) wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gewählt. Es ist eine in Südostasien weit verbreitete, kultivierte Pflanze, die dort vielen Speisen als Gewürz beigegeben wird. Genutzt wird dafür der Wurzelstock (das Rhizom). Er enthält als bioaktive Verbindungen insbesondere Scharfstoffe: Gingerole und Shogaole, die antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Daneben sind ätherische Öle (1–3 %) vorhanden.

Ingwer und seine Bestandteile wirken laut Studien mildernd auf zahlreiche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, chronische Entzündungen, Diabetes, Fettleibigkeit (Adipositas) und Fettstoffwechselstörungen (Hyperlipidämie).

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Info

Die Gelbwurz oder Kurkuma (Curcuma longa) sowie der Thai-Ingwer (Alpinia galanga), auch als Großer Galgant bezeichnet, zählen ebenfalls zu den Ingwergewächsen (Zingiberaceae). Der wichtigste Wirkstoff der Gelbwurz ist das Curcumin.

Welche entzündungshemmende Wirkung hat Ingwer?

Arterielle Entzündungen sind ein Risikofaktor für Herzerkrankungen. Denn bei chronischen Entzündungen werden proentzündliche Botenstoffe freigesetzt, die zu Gewebeschäden führen können. Im Falle der Arterien betrifft dies die innere Gefäßwand. Ist diese geschädigt, kann dies Arteriosklerose – die „Verkalkung“ der Blutgefäße – fördern. Die Ablagerungen (Plaques) verengen die Gefäße und können auch Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel (Thromben) begünstigen. Das kann Herzinfarkte oder Schlaganfälle auslösen.

Ingwerbestandteile können die Produktion von entzündungsfördernden Zytokinen, also Botenstoffen des Immunsystems, hemmen. Dazu gehören zum Beispiel Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α), Interferon-gamma (IFN-γ) und Interleukin-6 (IL-6). Zudem bremsen sie auch, analog zu COX-Hemmern, die Bildung der Prostaglandine – entzündungsfördernder Gewebshormone.

Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 fand signifikante Effekte einer Ingwer-Supplementierung auf die Senkung der Spiegel von C-reaktivem Protein (CRP) und hochsensitivem CRP (hs-CRP) sowie von TNF-α. Jedoch konnte sie keinen signifikanten Einfluss auf die IL-6-Spiegel nachweisen. Sie hatte 16 randomisierte, kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 1010 Teilnehmern eingeschlossen.
Dagegen kam eine kurz vorher veröffentlichte Metaanalyse einer anderen Arbeitsgruppe zu einem abweichenden Ergebnis. Sie hatten 20 Volltextartikel mit insgesamt 25 Einzelstudien berücksichtigt. Ihr Ergebnis zeigte, dass eine Ingwer-Einnahme einen statistisch signifikanten Effekt auf die Spiegel von CRP, TNF-α sowie auf IL-6 hatte.

Welche antioxidative Aktivität weist Ingwer auf?

Bestandteile wie 6-Gingerol, 6-Shogaol und Zingeron sind für die antioxidative Fähigkeiten der Ingwerwurzel verantwortlich. Sie sind in der Lage, reaktive Sauerstoffspezies (wie beispielsweise HO•, O₂⁻• und O₂⁻), sogenannte Radikale, abzufangen. Damit können sie oxidativen Stress reduzieren. Zudem kann 6-Gingerol die Aktivität der antioxidativen Enzyme Superoxiddismutase und Katalase steigern.
Dabei hängt die antioxidative Kapazität vom Erntezeitpunkt des Ingwerrhizoms ab: Junger Ingwer ist potenter als älterer.

Oxidativer Stress kann zum Beispiel durch erhöhte Blutzuckerspiegel und erhöht vorliegende Fettsäuren vermittelt werden. In der Folge kommt es zu einer Fehlfunktion der innersten Blutgefäßschicht, was wiederum Arteriosklerose begünstigt.

Welche Wirkung hat Ingwer auf Fettleibigkeit (Adipositas)?

Starkes Übergewicht (Adipositas) ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Ingwer-Einnahme könnte bei der Gewichtsabnahme helfen. Bild: Doucefleur/iStock/Getty Images Plus

Starkes Übergewicht geht in der Regel mit Bluthochdruck, einer Fettleber sowie einem gestörten Fettstoffwechsel (Hyperlipidämie) einher und wirkt sich negativ auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus. Hier könnte Ingwer hilfreich sein, da er die Wärmeerzeugung (Thermogenese) und die Fettspaltung (Lipolyse) steigern, jedoch die Entwicklung von Fettzellen (Adipogenese) bremsen kann.

In einer 12-wöchigen Studie mit 80 übergewichtigen Frauen im Alter von 18–45 Jahren, die täglich 2 g Ingwerpulver einnahmen, sank der Body-Mass-Index (BMI) gegenüber der Placebo-Gruppe signifikant. Gleichzeitig nahmen der Seruminsulinspiegel und ein Blutwert zur Abschätzung der Insulinresistenz (HOMA-IR-Index) ab. Insulinresistenz bedeutet, die Körperzellen reagieren nicht mehr adäquat auf das Hormon Insulin. Der Körper muss daraufhin vermehrt Insulin ausschütten, welches allerdings den Fettabbau hemmt und die Umwandlung von überschüssigem Zucker in Fett anregt.

Eine Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass Ingwer das Gewicht und den Nüchternblutzucker senken und das HDL-Cholesterin erhöhen kann, ohne Insulin, Triglyceride, Gesamtcholesterin oder LDL zu beeinflussen.

Die Effekte eines speziellen Ingwer-Extraktes bei übergewichtigen Erwachsenen im Alter von 18–60 Jahren untersuchte eine koreanische Studie. Die 80 Teilnehmenden nahmen entweder täglich 480 mg gedämpften Ingwer oder Placebo ein. Nach 12 Wochen zeigte die Ingwergruppe eine signifikante Abnahme

  • des Körperfettanteils und der Körperfettmasse
  • des Körpergewichts
  • des Body-Mass-Index (BMI)
  • des Taillen- und Hüftumfangs

Die Blutwerte für Triglyceride und Gesamtcholesterin waren in der Ingwergruppe ebenfalls signifikant niedriger als in der Placebo-Gruppe.

Wie wirkt Ingwer auf das Fett-Profil im Blut?

Erhöhte Blutfettwerte und Arteriosklerose hängen eng zusammen. Auch hier könnte eine Ingwer-Einnahme hilfreich sein – wobei die Effekte unterschiedlich zu sein scheinen. So zeigte eine Übersichtsarbeit, die 12 Studien mit zusammen 586 Teilnehmenden umfasste, eine positive Wirkung von Ingwer auf die Triglyceride und das LDL-Cholesterin (das „schlechte“ Cholesterin). Beide Konzentrationen im Blut sanken. Auf das Gesamtcholesterin und das HDL-Cholesterin hatte – über alle Studien hinweg – eine Ingwer-Einnahme keinen signifikanten Effekt.
Wurde nach der Ingwerdosierung ausgewertet, ergab sich jedoch ein abweichendes Bild: In Studien mit ≤ 2 g Ingwer pro Tag wurden das Gesamtcholesterin und die Triglyceride signifikant reduziert. In Studien mit > 2 g Ingwer pro Tag zeigte sich dies nicht.

In einer Studie mit 80 neu diagnostizierten Typ-2-Diabetes-Betroffenen, die das Medikament Metformin erhielten und ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten änderten, bekam eine Hälfte für acht Wochen zusätzlich Ingwerpulver (täglich drei Kapseln mit je 600 mg) und die andere Hälfte Placebo. Die Ingwer-Einnahme führte im Vergleich zur Placebogruppe zu einer signifikanten Reduktion 

  • des Gesamtcholesterins,
  • des LDL -Cholesterins, 
  • der Triglyceride

und einer signifikanten Erhöhung des HDL-Cholesterinspiegels.

Wie wirkt Ingwer auf Blutzucker und Diabetes?

Die Stoffwechselstörung Diabetes ist durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet. Der Inhaltsstoff 6-Gingerol aus Ingwer könnte den Glukoseeintritt in die Skelettmuskulatur erhöhen und so Insulinresistenz und Blutzuckerspiegel senken.

In der oben genannten Studie mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes konnte die Einnahme von Ingwerpulver im Vergleich zu Placebo mehrere positive Effekte aufweisen. Es gab eine signifikante Reduktion:

  • des BMI
  • des Nüchternblutzuckers
  • des 2-Stunden-Blutzuckers nach dem Essen
  • des glykierten Hämoglobins (HbA1 beziehungsweise HbA1c) (mit Zuckerresten verknüpftes Hämoglobin)
  • des Nüchterninsulin-Spiegels und
  • des HOMA2-IR-Index (berechneter Blutwert zur Abschätzung der Insulinresistenz)

Im Vergleich zur Placebogruppe erhöhte Ingwer zudem signifikant das Maß für die Beta-Zell-Funktion (HOMA2-%β-Index) und das Maß für die Insulinsensitivität (HOMA2-%S-Index).

Ingwer findet insbesondere in der indischen Küche Verwendung, besitzt aber auch therapeutisches Potential. Bild: baibaz/iStock/Getty Images Plus

Welche Wirkung hat Ingwer auf den Blutdruck?

Eine nigerianische Studie aus dem Jahr 2014 an 60 gesunden Teilnehmenden zeigte signifikante senkende Effekte auf den systolischen und diastolischen Blutdruck nach zwei und nach vier Stunden durch die Einnahme von 100 mg Ingwerextrakt (aus dem getrockneten Rhizom) pro Kilogramm Körpergewicht (mg/kg KG). Bei Studienteilnehmenden, die 50 mg/kg KG verzehrt hatten, sank nur der systolische Blutdruck deutlich. Allerdings sind das Mengen, die mit der normalen Ernährung kaum erreicht werden. Die Forschenden vermuten, dass für die blutdrucksenkende Wirkung auch die in Ingwer enthaltenen Mineralstoffe, insbesondere Kalium, eine Rolle spielen.

Eine Übersichtsarbeit über sechs randomisierte klinische Studien mit zusammen 345 Teilnehmenden ergab ebenfalls, dass die Einnahme von Ingwerpräparaten sowohl den systolischen als auch den diastolischen Blutdruck senken kann. Nach Einteilung der Studien nach der Ingwerdosierung und der Einnahmedauer sowie dem mittleren Alter der Teilnehmenden zeigte sich eine signifikante Senkung des systolischen und diastolischen Blutdrucks allerdings nur in einer Untergruppe: für Menschen mit einem mittleren Alter bis maximal 50 Jahren, einer Nachbeobachtungsdauer von bis zu acht Wochen und einer Ingwerdosierung von mindestens 3 g/Tag.

Eine Querschnittsstudie, die den Zusammenhang zwischen dem täglichen Ingwerkonsum und dem Auftreten chronischer Erkrankungen untersuchte, kam zu dem Schluss, dass Ingwer ein potenzielles vorbeugendes Potenzial gegen Bluthochdruck und koronare Herzkrankheit besitzt. Denn die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung nahm mit zunehmender täglicher Ingweraufnahme ab.

Aufgrund der geringen Studien- beziehungsweise Teilnehmerzahlen sind weitere Untersuchungen notwendig, um genauere Aussagen hinsichtlich der blutdrucksenkenden Wirkung von Ingwer beim Menschen zu treffen. In Versuchen an Tieren wurden mögliche Mechanismen aufgeklärt. So kann Ingwer beispielsweise die Gefäßerweiterung verbessern.

Auch die Zusammenballung von Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) kann Ingwer senken, wie eine Studie mit gesunden Menschen, die fettreiche Nahrung zu sich nahmen, gezeigt hat. Dabei hatten fünf Gramm Ingwer täglich einen signifikanten Effekt.  Eine tägliche Dosis von 4 g Ingwer über drei Monate war jedoch bei der Behandlung einer koronaren Herzkrankheit (KHK) unwirksam.

Eine Übersichtsarbeit zu Ingwer und Herzgesundheit aus dem Jahr 2021 kam zu dem Schluss, dass Ingwer herzschützende (kardioprotektive) Effekte besitzt, die auf seinen blutdruck- und fettsenkenden sowie gerinnungshemmenden Eigenschaften beruhen.

Welche bioaktiven Verbindungen enthält Ingwer?

Insgesamt sind etwa 400 verschiedene Inhaltsstoffe aus Ingwer bekannt. Den wichtigsten Anteil bioaktiver Stoffe machen ätherische Öle (1-3 Prozent) in Form von Terpenen, genauer Sesquiterpenen (3 Isopren-Einheiten, 15 Kohlenstoff-Atome) sowie phenolische Verbindungen aus.

Vorkommende Sesquiterpene sind zum Beispiel α-Zingiberen und Camphen. Die nicht-flüchtigen phenolischen Verbindungen umfassen Gingerole, Shogaole, Paradole und Zingeron, die als Scharfstoffe wirken.
In frischem Ingwer kommt am häufigsten 6-Gingerol vor, welches sich durch längere Lagerung und Dehydrierung in 6-Shogaol umwandelt. Dieses ist stabiler – kann aber auch zu 6-Paradol umgebaut werden.

Auch Harze und Harzsäuren sind enthalten. Extrakte aus Ingwer (mittels unterschiedlicher Lösungsmittel) werden als Ingwer-Oleoresine bezeichnet. Dabei weist Oleo auf die ätherischen Öle und Resin auf die Harze, Wachse und anderen sekundären Pflanzenstoffe hin.

Daneben enthält die Ingwerwurzel auch Stärke, Fette und Eiweiße sowie Mineralstoffe und Vitamine. Insbesondere der Kaliumgehalt ist erwähnenswert.

Die Wirkung von Ingwer hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Rolle spielen unter anderem

  • die Dosierung,
  • die Ingwersorte,
  • der Gehalt bioaktiver Inhaltsstoffe,
  • die Verarbeitung.
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Sekundäre Pflanzenstoffe: vielfältig und antioxidativ

Neben einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die nachweislich herzschützend wirken, spielen viele verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe eine wichtige Rolle für die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Sie können zum Beispiel bei Arteriosklerose, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen und Bluthochdruck ergänzend eingesetzt werden, da sie in ganz unterschiedliche Mechanismen eingreifen.

Andererseits können bestimmte Kräuter – vor allem bei langfristiger Einnahme oder Überdosierung – auch Bluthochdruck und Herzrasen bewirken – oder die Leber belasten. Hier sollte bei Bedarf ein kundiger Therapeut beziehungsweise eine kundige Therapeutin konsultiert werden.

Sekundäre Pflanzenstoffe umfassen viele Substanzgruppen, wie zum Beispiel:

  • Carotinoide: fettlösliche Pigmente (gelb, orange, rot) wie beispielsweise Beta-Carotin, Lutein und Lycopin 
  • Polyphenole:
  • Tocotrienole: gehören zu Vitamin E-Gruppe und besitzen starke antioxidative Eigenschaften
  • Isothiocyanate (Senföle): Sulforaphan (zum Beispiel in Brokkoli enthalten)

Sie können vielfach Entzündungen und oxidativen Stress hemmen und so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen. Insbesondere Polyphenole und Flavonoide gelten aufgrund ihrer antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften als herzschützend (kardioprotektiv).

Zusammenfassung

Entzündungen und oxidativer Stress spielen eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die weit verbreitet sind. Ingwer enthält verschiedene Inhaltsstoffe mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften, allen voran die Scharfstoffe Gingerol und Shogaol. Sie können unter anderem entzündungsfördernde Botenstoffe hemmen und Sauerstoffradikale abfangen.

Die bioaktiven Inhaltsstoffe von Ingwer können wichtige Risikofaktoren für Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems positiv beeinflussen: Entzündungen, Fettleibigkeit (Adipositas), zu hohe Cholesterinwerte, Diabetes und Bluthochdruck. Allerdings sind manche Studienergebnisse widersprüchlich, wobei die Ergebnisse unter anderem von der Dosierung und der Studienpopulation beeinflusst werden. Auch der Erntezeitpunkt der Ingwerwurzel und damit die Menge der jeweiligen bioaktiven Verbindungen spielen dabei eine Rolle.

Neben den Scharfstoffen enthält Ingwer auch ätherische Öle und Mineralstoffe wie Kalium, die zu den positiven Effekten der Wurzel beitragen können.

Sekundäre Pflanzenstoffe umfassen zahlreiche Verbindungen aus unterschiedlichen Stoffklassen. Sie kommen vielfach in Obst und Gemüse, aber auch in Nüssen und Samen sowie in Tee und Kaffee vor. Viele davon haben in Studien gezeigt, dass sie Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen positiv beeinflussen können.

FAQ

Ist Ingwer gut für das Herz-Kreislauf-System?

Ingwer kann positive Effekte auf das Herz-Kreislauf-System haben, da seine bioaktiven Inhaltsstoffe wie Gingerole und Shogaole entzündungshemmend und antioxidativ wirken. Studien zeigen, dass Ingwer Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, chronische Entzündungen, Diabetes, erhöhte Blutfette und Übergewicht günstig beeinflussen kann. Daher kann der Verzehr oder die Einnahme von Ingwer bei der Vorbeugung helfen, aber auch bei bestehenden Erkrankungen hilfreich sein.
Ingwer sollte jedoch nur ergänzend zu einer gesunden Lebensweise und medizinischen Behandlung eingesetzt werden.

Kann Ingwer den Blutdruck senken?

Es gibt Hinweise darauf, dass Ingwer den Blutdruck senken kann. Einige Studien zeigen eine Reduktion sowohl des systolischen als auch des diastolischen Blutdrucks. Dazu nötig war eine Einnahme von mindestens 3 Gramm Ingwer pro Tag über mehrere Wochen. Die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich, weshalb weitere Forschung notwendig ist.

Wie viel Ingwer sollte man täglich zu sich nehmen?

Die wissenschaftlichen Studien nutzen ganz unterschiedliche Dosierungen, häufig zwischen 1 und 3 Gramm Ingwer pro Tag. Einige Effekte – etwa auf den Blutdruck – wurden erst bei höheren Mengen beobachtet, die über die normale Ernährung schwer zu erreichen sind – und zu Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich wie zum Beispiel Durchfall führen können. Die optimale Dosis hängt zudem von individuellen Faktoren ab. Allerdings sollte die Tagesdosis zwei bis maximal vier Gramm nicht übersteigen.

Hinweis: In höheren Dosierungen kann Ingwer die Blutgerinnung beeinflussen. Daher sollte bei der Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten oder von Menschen mit Blutgerinnungsstörungen vor der Anwendung von Ingwer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wirkt Ingwer bei allen Menschen gleich gut?

Die Wirkung von Ingwer kann individuell unterschiedlich sein. Dabei spielen Faktoren wie Alter, Gesundheitszustand, bestehende Erkrankungen, Dosierung sowie Erntezeitpunkt und die Form des Ingwers (frisch, Pulver, Extrakt) eine Rolle. Zudem zeigen Studien teils widersprüchliche Ergebnisse, weshalb weiter geforscht werden muss.

Kann Ingwer Medikamente bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ersetzen?

Ingwer kann bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen durchaus unterstützend wirken, ersetzt aber keine ärztlich verordnete Therapie. Besonders bei bestehenden Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder koronarer Herzkrankheit sollte Ingwer nur ergänzend und in Absprache mit dem Arzt oder der Ärztin eingesetzt werden.

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