Haarausfall: das Problem an der Wurzel packen

Gesundes Haarwachstum fördern mithilfe der Mikronährstoffmedizin

Stress, Hormonschwankungen, Veranlagung, Vitaminmangel: Haarausfall kann unterschiedliche Auslöser haben. Die Behandlung richtet sich daher nach der Ursache des Haarausfalls. Erfahren Sie, wie Sie mit Vitaminen, Aminosäuren, Fettsäuren sowie Mineral- und Pflanzenstoffen Haarausfall lindern und die Haargesundheit fördern können.

Ursachen und Symptome

Was versteht man unter Haarausfall?

Haarausfall ist ein natürlicher Vorgang: Etwa 50 bis 100 Haare verliert ein gesunder Mensch am Tag. Haare wachsen in einem Zyklus, der aus drei Phasen besteht:

  • Wachstumsphase: Das Haar wächst und wird dabei über die Haarwurzel mit Nährstoffen versorgt. Die Wachstumsphase dauert etwa zwei bis sechs Jahre.
  • Übergangsphase: Das Haar wird nicht mehr mit Nährstoffen versorgt und das Wachstum wird gestoppt. Diese Phase dauert ungefähr zwei Wochen.
  • Ruhephase: Sie dauert wenige Monate. Das Haar fällt aus und ein neuer Zyklus beginnt.

Da sich die Haare zu jedem Zeitpunkt in unterschiedlichen Phasen befinden, fällt es auch nicht auf, dass täglich alte Haare ausfallen. Von krankhaftem Haarausfall (Alopezie) spricht man erst, wenn über einen längeren Zeitraum mehr als 100 Haare am Tag ausfallen und dieser verstärkte Haarausfall auch sichtbar wird.

Ursachen von Haarausfall

Es gibt verschiedene Formen von Haarausfall mit ebenso unterschiedlichen Ursachen:

Die häufigste Form ist der erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie). Hierbei sind die Haarfollikel, aus denen das Haar wächst, genetisch so veranlagt, dass sie überempfindlich auf männliche Botenstoffe (Hormone) wie Testosteron reagieren. Testosteron, genauer gesagt seine aktivste Form Dihydrotestosteron (DHT), lässt die Haarwurzeln schrumpfen – die Haare werden dünner und fallen aus. Diese Form von Haarausfall tritt häufig bei Männern auf. Doch auch Frauen sind betroffen – insbesondere, wenn das hormonelle Gleichgewicht gestört ist, zum Beispiel durch eine Erkrankung, wie das polyzystische Ovarsyndrom.

Beim kreisrunden Haarausfall fallen die Haare meist schubweise an einzelnen Stellen aus. Es entstehen kreisrunde Kahlstellen auf der Kopfhaut. Die Ursache ist nicht abschließend geklärt. Mediziner gehen davon aus, dass kreisrunder Haarausfall als Folge einer Autoimmunreaktion entsteht: Der Körper greift vermutlich die eigenen Zellen in den Haarwurzeln an. Auch eine genetische Veranlagung wird als Auslöser vermutet.

Diffuser Haarausfall zeigt sich daran, dass die Haare am ganzen Kopf gleichmäßig ausfallen und ausgedünnt wirken. Diese Form von Haarausfall hat unterschiedliche Ursachen, zum Beispiel:

  • Infektions- und Stoffwechselerkrankungen (wie Diabetes mellitus) oder eine gestörte Funktion der Schilddrüse
  • einseitige Ernährung mit einem Mangel an Eiweiß oder Eisen
  • hormonelle Umstellung in der Schwangerschaft oder in der Stillzeit
  • Absetzen von hormonellen Verhütungsmitteln wie der Antibabypille
  • Nebenwirkungen durch Medikamente, zum Beispiel gegen Bluthochdruck (ACE-Hemmer, Betablocker), Thrombosen (Heparin) oder gegen Krebs (Chemotherapie und Strahlentherapie)
  • Belastungsfaktoren wie Stress
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Ziele der Behandlung

Wie wird Haarausfall klassisch behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach der Form und Ursache von Haarausfall:

Bei erblich bedingtem Haarausfall kommt der Wirkstoff Minoxidil (Loniten®, Regaine®) als Lösung oder Schaum zum Einsatz, der in die Kopfhaut einmassiert wird. Minoxidil stärkt das Haarwachstum, indem es bewirkt, dass die Haare vermehrt von der Ruhe- in die Wachstumsphase übergehen. Auch Tabletten mit Finasterid (Prosmin®, Finastad®) werden zur Behandlung von Männern mit erblich bedingtem Haarausfall eingesetzt. Finsaterid blockiert das Enzym, das Testosteron in DHT umwandelt. Dadurch bleiben die Haarfollikel verschont – die Haare fallen nicht aus. Für Frauen ist der Wirkstoff allerdings nicht zugelassen. In manchen Fällen werden kahle Stellen durch eine Eigenhaartransplantation aufgefüllt.

Die Behandlung des kreisrunden Haarausfalls kann mit Kortikosteroiden wie Triamcinolon (zum Beispiel Lederlon®, Triam®) erfolgen. Sie werden auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen oder in Form von Tabletten oder Lösungen verabreicht. So werden die Angriffe des Immunsystems gegen die Haarzellen unterdrückt. Die größte Wirksamkeit zeigt eine Behandlung mit den Substanzen Diphenylcyclopropenon oder Quadratsäure-Dibutylester. Durch das Auftragen dieser Stoffe wird an der haarlosen Stelle eine allergische Hautreaktion (Ekzem) ausgelöst. Dadurch wird das Immunsystem abgelenkt, es bekämpft nicht mehr die Haarzellen und die Haare können wieder nachwachsen.

Info

Kreisrunder Haarausfall wird in der klassischen Medizin vor allem bei Kindern auch mit Zink behandelt. Zink reguliert das Immunsystem und hat weniger Nebenwirkungen.

Bei diffusem Haarausfall wird sehr genau auf die Ursache geschaut. Lösen Erkrankungen den Haarausfall aus, müssen diese behandelt werden. Ebenso sollte eine Fehlernährung korrigiert und starker Stress verringert werden. Reichen diese Veränderungen nicht aus, kann die Kopfhaut wie beim erblich bedingten Haarausfall zusätzlich mit einer Minodixil-Lösung behandelt werden.

Ziele der Mikronährstoffmedizin

Grundsätzlich ist es Ziel der Mikronährstoffmedizin, einen Vitamin- oder Mineralstoffmangel auszugleichen, der Haarausfall verursachen kann. Außerdem unterstützen Vitamine, Aminosäuren, Pflanzen- und Mineralstoffe das natürliche Haarwachstum und schützen die Zellen vor Zerstörung – zum Beispiel infolge von oxidativem Stress.

  • Biotin aktiviert das Wachstum der Haare.
  • Eisen gleicht einen Mangel aus.
  • Zink ist wichtig für die Zellteilung und könnte gegen Haarverlust helfen.
  • L-Cystein unterstützt den Haaraufbau.
  • Omega3-Fettsäuren  schützen die Haarwurzeln.
  • Silizium beeinflusst die Haarstruktur positiv.
  • Vitamin D hilft gegen einen möglichen Mangel.
  • Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Kupfer und Selen bekämpfen oxidativen Stress.
  • Grüntee-Extrakt verringert möglicherweise erblich bedingten Haarausfall.
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Behandlung mit Mikronährstoffen

Biotin stärkt das Wachstum der Haare

Wirkweise von Biotin

Haare bestehen zum größten Teil aus Keratin, einem wichtigen Struktureiweiß. Biotin ist an der Verwertung von Eiweißen beteiligt – so am Aufbau von Keratin. Zudem reguliert Biotin die Feuchtigkeit der Haut und aktiviert das Haarwachstum. Ein Biotinmangel kommt zwar selten vor, kann aber bei den Betroffenen zu Haarausfall führen. Dies verdeutlicht eine erste Beobachtungsstudie: Einige Frauen, die an Haarausfall leiden, haben niedrige Biotinspiegel.

Fallberichte von 18 Patienten mit Haarausfall geben zudem Hinweise, dass Biotin bei einer nachgewiesenen Unterversorgung das Haarwachstum stärken kann. Zehn der Patienten wiesen dabei einen erblich bedingten Mangel an Enzymen auf, die für die Aktivität von Biotin wichtig sind. Dass Biotin das Haarwachstum bei Menschen ohne einen Mangel verbessert, konnte bisher allerdings nicht wissenschaftlich belegt werden. Ob Biotin also allen Menschen mit Haarausfall helfen kann, muss in hochwertigen Studien weiter untersucht werden. Da Haarausfall jedoch ein Anzeichen eines Biotinmangels ist, kann eine hoch dosierte Biotinkur versucht werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Biotin bei Haarausfall

Bei Haarausfall wird empfohlen, täglich 2.500 bis 5.000 Mikrogramm Biotin einzunehmen. Da Haare nur langsam wachsen, sollte Biotin mindestens sechs Monate eingenommen werden. Auch eine regelmäßige Kur mit Biotin ist sinnvoll: Dabei wird die empfohlene Menge drei- bis viermal im Jahr über mindestens sechs Wochen eingenommen.

Biotin sollte zu einer Mahlzeit eingenommen werden, da so die Verträglichkeit am besten ist. Idealerweise wird die Gesamtmenge über den Tag verteilt, damit ein gleichmäßiger Blutspiegel erreicht wird – zum Beispiel dreimal täglich 900 Mikrogramm.

Tipp

Biotin mit Zink kombinieren: In einer ersten Studien an Patienten mit erblichem Haarausfall wurde durch die Kombination ein verstärktes Nachwachsen der Haare beobachtet im Vergleich zum Scheinmedikament.

Eisen gleicht einen Mangel aus

Wirkweise von Eisen

Haarfollikel gehören zu den Körpergeweben, deren Zellen sich schnell teilen müssen. Eisen spielt für diese Gewebe eine wichtige Rolle: Es unterstützt die Bildung neuer Zellen. Auch einige Gene im Haarfollikel können durch Eisen reguliert werden. Ein Eisenmangel gehört weltweit zu den häufigsten Mangelerscheinungen überhaupt – ein typisches Anzeichen hierfür ist Haarausfall.

Bezüglich der Eisenversorgung von Haarausfall-Patienten ist die Studienlage uneinheitlich: Einige Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang zwischen Eisenstatus und Haarausfall, andere nicht. Wahrscheinlich spielt die Form des Haarausfalls eine Rolle: Eisenmangel scheint weniger bei diffusem, sondern eher bei erblichem und kreisrundem Haarausfall eine Rolle zu spielen – vorausgesetzt eine unausgewogene Ernährung mit einem Eisenmangel ist nicht die direkte Ursache des diffusen Haarausfalls. Die Forscher vermuten, dass Eisenmangel möglicherweise ein auslösender Faktor von erblichem und kreisrundem Haarausfall sein kann, der jedoch nicht allein einen jahrelang andauernden krankhaften Haarausfall verursacht.

Eine Vorstudie an Frauen mit erblichem Haarausfall, die mit Hormonen behandelt wurden, liefert erste positive Hinweise: Die Haardichte der mit Hormonen behandelten Frauen nahm ab einem Eisenwert von 40 Mikromol pro Liter Blut zu, darunter nicht. Der Zusammenhang von Eisen und Haarausfall und der Nutzen einer zusätzlichen Eisenzufuhr muss in weiteren Studien untersucht werden, um allgemeingültige Empfehlungen machen zu können. Ein Mangel an Eisen sollte jedoch in jedem Fall vermieden werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Eisen bei Haarausfall

Bei einem Eisenmangel als Auslöser von Haarausfall empfehlen Mikronährstoff-Experten täglich 20 bis 40 Milligramm Eisen (leichter Mangel). Bei einem schweren Mangel können auch zwischen 50 und 100 Milligramm Eisen pro Tag nötig sein, um den Mangel auszugleichen. Ohne einen nachgewiesenen Mangel und Rücksprache mit dem Arzt sollten Sie nicht mehr als 5 bis 10 Milligramm Eisen einnehmen, da Eisen überdosiert werden kann.

Nehmen Sie Eisentabletten etwa zwei bis drei Stunden vor einer Mahlzeit ein. So kann der Körper Eisen am besten aufnehmen. Allerdings führt die Einnahme auf leeren Magen oft zu Magenproblemen. Müssen Sie Eisen deshalb zu einer Mahlzeit einnehmen, achten Sie drauf, dass keine „Eisenräuber“ dabei sind wie Vollkornprodukte, Milch, Kaffee, Tee oder Cola. Vitamin C, Vitamin B2 und Kupfer optimieren dagegen die Eisenaufnahme im Darm.

Eisen im Labor bestimmen lassen

Bei Haarausfall wird empfohlen, die Eisenwerte überprüfen zu lassen, denn bei einem starken Mangel können höhere Eisendosierungen nötig sein. Dazu sollte der Arzt verschiedene Laborparameter überprüfen, da ein einziger Wert keine eindeutige Aussage zur Eisenversorgung angibt. Oft wird das Eisenspeichereiweiß Ferritin sowie das Transporteiweiß Transferrin (Transferrin-Sättigung) bestimmt.

Die Normalwerte für Ferritin liegen bei Frauen bei 23 bis 110 Mikrogramm pro Liter und bei Männern bei 34 bis 310 Mikrogramm pro Liter. Die Transferrin-Sättigung sollte bei Frauen und Männern bei 35 ± 15 Prozent liegen.

Eisen: zu beachten bei Medikamenteneinnahme und Erkrankungen

Gichtmedikamente mit dem Wirkstoff Allopurinol (Zyloric®, Allobeta®) können die Speicherung von Eisen in der Leber erhöhen. Das ist auf Dauer schädlich. Wenn Sie diese Medikamente einnehmen, sollten Sie auf Eisenpräparate verzichten.

Eisen kann die Aufnahme und Wirkung bestimmter Medikamente herabsetzen. Das betrifft zum Beispiel:

  • Blutdrucksenker aus der Gruppe der ACE-Hemmer wie Benazepril (Lotensin HCT®) oder Captopril (Tensobon®)
  • Medikamente gegen Osteoporose (Bisphosphonate) wie Alendronat (Fosamax®) oder Pamidronat (Aredia®)
  • Schilddrüsenmedikamente mit dem Wirkstoff Thyroxin (L-Thyroxin®)

Weitere Beispiele finden Sie im Text zu Eisen. Nehmen Sie diese Medikamente immer um zwei bis drei Stunden zeitversetzt zu einem Eisenpräparat ein.

Wenn Sie an einer schweren Erkrankung der Leber oder Niere leiden sowie Entzündungen oder Geschwüre im Magen oder Darm haben, besprechen Sie mit dem Arzt, ob Sie zusätzlich Eisenpräparate einnehmen dürfen. Bei einer Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) und bei Störungen der Eisenverwertung (zum Beispiel Mittelmeeranämie) sollte kein Eisen eingenommen werden.

Zink könnte den Haarausfall hemmen

Wirkweise von Zink

Zink ist wichtig für die Zellbildung. Das gilt insbesondere in Geweben wie den Haarfollikeln, in denen sich die Zellen schnell teilen und vermehren müssen. Ein Mangel an Zink kann dazu führen, dass die Haare vorzeitig in die Ruhephase übertreten und schneller ausfallen. Das führt dazu, dass das Kopfhaar insgesamt lichter wird. Zink wird außerdem für ein Enzym benötigt, das oxidativen Stress bekämpft, der vor allem bei kreisrundem Haarausfall eine Rolle spielt.

Beobachtungsstudien zeigen, dass Menschen mit Haarausfall, insbesondere mit kreisrundem Haarausfall, verringerte Zinkspiegel haben. Ob die zusätzliche Einnahme von Zink bei dieser Form von Haarausfall helfen kann, ist bisher jedoch nicht eindeutig bewiesen: In einer Vorstudie besserte sich der Haarausfall bei 60 Prozent der Teilnehmer durch die Ergänzung von Zink; eine kleine hochwertige Studie konnte dies jedoch nicht bestätigen.

Positive Ergebnisse liefert eine weitere kleine hochwertige Untersuchung dagegen bei Frauen mit polyzystischem Ovarsyndrom: Im Vergleich zu einem Scheinmedikament hemmte die Einnahme von 50 Milligramm Zink den Verlust der Haare.

Der therapeutische Nutzen von Zink muss in weiteren hochwertigen Studien untersucht werden. Aufgrund der geringen Nebenwirkungen im Vergleich zu anderen Behandlungsmöglichkeiten wird Zink vor allem bei Kindern mit Haarausfall angewendet. Ein Mangel an Zink sollte vermieden werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Zink bei Haarausfall

Bei Zinkmangel und Haarausfall wird eine tägliche Dosis von 20 bis 35 Milligramm Zink über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten empfohlen. Dauerhaft sollte eine Dosierung von 25 Milligramm allerdings nicht überschritten werden. Nehmen Sie Zink zu einer Mahlzeit ein, da es auf leeren Magen zu Magenproblemen kommen kann.

Tipp

Die Aminosäure Histidin steigert die Aufnahme von Zink im Darm. Kaufen Sie daher am besten ein Zinkpräparat, das auch Histidin enthält.

Zink: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Personen mit Nierenerkrankungen (Niereninsuffizienz) sollten Zink nicht zusätzlich einnehmen, da schwache Nieren Zink nicht richtig ausscheiden können und der Blutspiegel zu hoch ansteigen würde.

Hohe Mengen an Zink (über 40 Milligramm) können einen Kupfermangel verursachen. Wenn Sie über einen längeren Zeitraum Zink einnehmen, sollten Sie Ihren Kupferspiegel bestimmen lassen und, falls nötig, Zink mit Kupfer kombinieren.

Zink kann bestimmte Medikamente binden und sie unwirksam machen. Dazu zählen Antibiotika mit Wirkstoffen wie Ciprofloxacin (Ciloxan®, Ciprobay®) oder Tetracyclin (Achromycin®, Supramycin®) sowie Osteoporose-Medikamente (Bisphosphonate) mit den Wirkstoffen Alendronat (Fosamax®, Tevanate®) oder Clodronat (Bonefos®). Halten Sie einen Abstand von zwei bis drei Stunden zwischen der Einnahme ein.

L-Cystein hilft beim Haaraufbau

Wirkweise von L-Cystein

Die Aminosäure L-Cystein ist ein wichtiger Baustein des Keratins der Haare und beeinflusst die Stabilität und die Wachstumsrate der Haare. Ein Mangel an L-Cystein kann sich daher negativ auf die Haargesundheit auswirken.

Eine hochwertige Studie sowie eine Vorstudie deuten auf die Wirksamkeit von L-Cystein bei Haarausfall hin: Ein Mischpräparat mit L-Cystein und zum Beispiel Pantothensäure hatte bei Frauen mit Haarausfall die Wachstumsphase normalisiert, den Haarverlust gehemmt und die Haarqualität verbessert. Ähnlich positive Ergebnisse wurden auch durch eine Kombination von L-Cystein und Gelatine sowie Retinol (eine Form von Vitamin A) in einer kleinen hochwertigen Untersuchung und in einer Vorstudie beobachtet: Die Haardichte wurde gestärkt und die Wachstumsphase der Haare verlängerte sich. Gleichzeitig wurde ein Rückgang der Ruhephase beobachtet, in welcher die Haare normalerweise ausfallen.

Ob L-Cystein allein bei Haarausfall helfen kann, muss erst in weiteren hochwertigen Studien gezeigt werden. Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse bisheriger Untersuchungen ist die Ergänzung jedoch einen Versuch wert – insbesondere in Kombination mit anderen Mikronährstoffen, die für gesunde Haare gebraucht werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von L-Cystein bei Haarausfall

Bei Haarausfall empfehlen Mikronährstoff-Experten, 100 Milligramm L-Cystein am Tag einzunehmen. Diese Dosierung wurde auch in Studien in den Mischpräparaten eingesetzt.

Nehmen Sie L-Cystein zu einer Mahlzeit ein. Dadurch verbessert sich die Verträglichkeit für den Magen.

L-Cystein: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit

Über die Anwendung von L-Cystein in der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie zur Sicherheit mit Ihrem Arzt Rücksprache halten. Es liegen noch keine ausreichenden Studien vor, um die Einnahme empfehlen zu können.

Omega-3-Fettsäuren schützen die Haarwurzeln

Wirkweise von Omega-3-Fettsäuren

Fette, insbesondere ungesättigte Fette wie Omega-3-Fettsäuren, spielen eine wichtige Rolle für die Haargesundheit: Sie befeuchten Haar und Kopfhaut und stärken die Hautschichten, in denen die Haare fest verankert sind. Mangelt es dem Körper an diesen Fettsäuren, können die Haare ausfallen. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass ungesättigte Fettsäuren ähnlich wie der zur Behandlung von Haarausfall eingesetzte Wirkstoff Finasterid wirken können: Sie blockieren das Enzym, das Testosteron in seine für die Haarwurzeln gefährliche Form DHT überführt.

In einer vorläufigen Studie zeigte sich, dass die Haare von Frauen, die Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren in Kombination mit Antioxidantien einnahmen, weniger ausfielen als die Haare der Frauen in der Vergleichsgruppe, die diese Stoffe nicht eingenommen hatte. Zudem war das Haar insgesamt dichter. Die Einnahme erfolgte über einen Zeitraum von sechs Monaten. Ob auch die Gabe von Omega-3-Fettsäuren allein von Nutzen ist, muss weiter untersucht werden. Da Omega-3-Fettsäuren jedoch insgesamt entzündungshemmend wirken, könnten sie die Zellen schützen.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Omega-3-Fettsäuren

Bei Haarausfall wird empfohlen, täglich 1.000 bis 3.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren einzunehmen. Ideal sind Präparate, welche die Omega-3-Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) enthalten, da hauptsächlich EPA Entzündungen eindämmt. EPA kommt zum Beispiel in Fischöl vor.

Nehmen Sie Omega-3-Präparate am besten zusammen mit einer Mahlzeit ein. Denn mit dem Fett aus der Nahrung gelangen sie besser aus dem Darm ins Blut. Achten Sie bei Fischölkapseln zudem auf die Qualität und kaufen Sie nur speziell gereinigte Präparate: Durch die Reinigung werden Schadstoffe und unerwünschte Rückstände entfernt.

Omega-3-Status im Labor bestimmen lassen

Möchten Sie wissen, ob Sie ausreichend mit Omega-3-Fettsäuren versorgt sind, kann der Omega-3-Index bestimmt werden. Dabei wird im Labor der Anteil an Omega-3-Fettsäuren in den roten Blutzellen (Erythrozyten) gemessen und geschaut, wie viele von 100 Fettsäuren hochwertige Omega-3-Fettsäuren sind. Dieser Anteil ist dann der Omega-3-Index in Prozent. Der Omega-3-Index sollte idealerweise bei über 8 Prozent liegen.

Omega-3-Fettsäuren: zu beachten bei Medikamenteneinnahme, Erkrankungen und vor Operationen

Omega-3-Fettsäuren wirken blutverdünnend. Ab einer Dosierung von 1.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren kann der Bedarf an blutverdünnenden Medikamenten abnehmen – zum Beispiel bei Wirkstoffen wie Warfarin (Coumadin®) oder Phenprocoumon (Marcumar®). Sprechen Sie deshalb mit Ihrem Arzt. Ihr Arzt kann die Gerinnungswerte engmaschig kontrollieren.

Wenn Sie eine Blutgerinnungsstörung haben, sollten Sie die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zuvor mit dem Arzt abklären. Ist bei Ihnen eine Operation geplant, fragen Sie am besten Ihren Arzt, ob sie die Omega-3-Präparate absetzen sollten, um übermäßige Blutungen zu vermeiden.

Bei akuten Leber-, Bauchspeicheldrüsen- oder Gallenblasenentzündungen sollten Omega-3-Fettsäuren nicht eingenommen werden.

Silizium fördert die Struktur der Haare

Wirkweise von Silizium

Silizium ist ein wichtiger Mineralstoff im menschlichen Körper und ist unter anderem in den Haaren, der Haut und den Nägeln zu finden. Wissenschaftler vermuten, dass Silizium eine Wechselwirkung mit Keratin, dem Hauptbestandteil der Haare, eingeht und die Haare damit festigt. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass ein hoher Siliziumgehalt in den Haarfasern das Haar glänzender macht und Haarausfall verringern könnte.

Mit einer hochwertigen Studie konnte nachgewiesen werden, dass sich die Ergänzung von Silizium positiv auf die Haarstruktur auswirkte: Die Teilnehmer der Studie hatten durch die Einnahme von zweimal täglich 10 Milligramm Silizium weniger brüchige Haare. In einer anderen kleinen hochwertigen Studie an Frauen mit dünnem Haar zeigte sich außerdem eine Erhöhung der Haardicke und -elastizität. Darüber hinaus wurde Silizium bereits in Kombination mit anderen Mikronährstoffen getestet – wie Biotin und Zink. Die Gabe des Mischpräparats wirkte sich förderlich auf das Haarwachstum aus und konnte den Haarausfall der Teilnehmer senken. Dies zeigt eine größere sowie eine kleine hochwertige Studie.

Der Nutzen von Silizium bei Haarausfall muss insgesamt aber noch in weiteren großen Studien untersucht werden. Aufgrund der positiven Wirkungen auf die Struktur der Haare ist Silizium jedoch vielversprechend und einen Versuch wert.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Silizium

Bei Haarausfall empfehlen Mikronährstoff-Experten eine tägliche Dosis von 10 bis 20 Milligramm Silizium. Diese Dosierung war auch in Studien wirksam. Nehmen Sie Silizium mit etwas Flüssigkeit zusammen mit einer Mahlzeit ein.

Tipp

Silizium ist natürlicherweise in Bambus-, Hirseextrakt oder Kieselerde enthalten. Bei einigen Präparaten stehen sie deshalb in der Inhaltsstofftabelle oder Zutatenliste. Ideal sind allerdings Präparate, auf denen auch der Gehalt an Silizium angegeben ist, damit die in Studien wirksame Dosierung erreicht wird.

Silizium: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit

Obwohl der Verzehr von siliziumreichen Lebensmitteln wie Hirse in Schwangerschaft und Stillzeit als wahrscheinlich sicher gilt, gibt es keine ausreichenden Untersuchungen über die Anwendung von Silizium-Präparaten in dieser Zeit. Sprechen Sie die Einnahme daher mit Ihrem Arzt ab.

Vitamin D gegen einen möglichen Mangel

Wirkweise von Vitamin D bei Haarausfall

Vitamin D ist an der Bildung des Haarbaustoffs Keratin beteiligt und wird vermutlich für ein gesundes Haarwachstum gebraucht: In der Haarwurzel befinden sich Andockstellen von Vitamin D (Vitamin-D-Rezeptoren), die auf Vitamin D reagieren und eine Vitaminwirkung in Gang setzen. Eine Beobachtungsstudie zeigt, dass Menschen mit kreisrundem Haarausfall weniger solcher Andockstellen haben als Gesunde. Eine Fehlfunktion von Vitamin D oder ein Mangel könnten somit mit Haarausfall in Verbindung stehen.

Wissenschaftler deckten zudem auf, dass Menschen mit kreisrundem und diffusem Haarausfall häufig schlecht mit Vitamin D versorgt sind. Eine weitere Beobachtungsstudie hingegen zeigt keinen Zusammenhang zwischen der Vitamin-D-Zufuhr oder dem Vitamin-D-Status und dem Auftreten eines kreisrunden Haarausfalls.

Wurde Vitamin D direkt auf die Hautstellen aufgetragen, zeigen erste Vorstudien positive Ergebnisse: Die Haare der Patienten wuchsen vollständig nach. Allerdings ist auch hier die Studienlage uneinheitlich, denn in einer kleinen hochwertigen Studie konnte dieser Effekt nicht bestätigt werden. Studien zur Einnahme von Vitamin-D-Präparaten fehlen bisher. Wegen seiner möglichen Rolle beim Haarwachstum empfehlen Wissenschaftler bei Haarausfall jedoch, den Vitamin-D-Spiegel zu kontrollieren. Ein bestehender Mangel sollte ausgeglichen werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin D bei Haarausfall

Um einen Vitamin-D-Mangel bei Haarausfall zu vermeiden, sollten Sie täglich 1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten Vitamin D einnehmen. Das sind allerdings nur grobe Richtwerte: Liegt bereits ein Mangel vor, sind meist höhere Dosierung für einen gewissen Zeitraum nötig, um den Mangel auszugleichen.

Nehmen Sie Vitamin D immer zusammen mit einer Mahlzeit ein. Dies verbessert die Aufnahme von Vitamin D im Darm.

Vitamin D im Labor bestimmen lassen

Bei Haarausfall sollte der Vitamin-D-Status im Blut kontrolliert werden, damit ein möglicher Mangel wirksam ausgeglichen werden kann. Dazu wird im Labor die Transportform 25(OH)-Vitamin-D (Calcidiol) im Blutserum gemessen. Das Blutserum ist die Flüssigkeit des Blutes ohne die Blutzellen. Idealerweise sollte der Vitamin-D-Spiegel zwischen 40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter liegen.

Vitamin D: zu beachten bei Medikamenteneinnahme und Erkrankungen

Vitamin D erhöht den Calciumspiegel im Blut. Entwässerungsmedikamente aus der Wirkstoffgruppe der Thiazide (Disalunil®, Esidrix®) verringern die Ausscheidung von Calcium über die Nieren und dürfen nicht mit Vitamin-D-Präparaten kombiniert werden, da sonst der Calciumspiegel im Blut zu hoch ansteigen könnte.

Aus demselben Grund dürfen Personen mit Nierenschwäche (Niereninsuffizienz) keine hoch dosierten Vitamin-D-Präparate einnehmen. Denn auch hier kann Calcium nicht richtig ausgeschieden werden und es besteht die Gefahr erhöhter Calciumspiegel.

Menschen mit der entzündlichen Bindegewebserkrankung Sarkoidose haben häufig hohe Calciumspiegel im Blut. Sie sollten keine Vitamin-D-Präparate einnehmen.

Antioxidantien: Vitamin C, Vitamin E, Kupfer und Selen schützen die Haarzellen

Wirkweise von Antioxidantien

Die Vitamine C und E sowie die Mineralstoffe Kupfer und Selen schützen als Antioxidantien vor oxidativem Stress, der die Zellen schädigt. Beobachtungsstudien geben Hinweise, dass bei Menschen mit kreisrundem Haarausfall das oxidative Gleichgewicht gestört ist: Sie haben hohe Werte an oxidativem Stress und einen niedrigen Antioxidantien-Status. Deshalb sind diese antioxidativen Vitamine und Mineralstoffe wichtig für gesundes Haar:

Vitamin C reduziert nicht nur oxidativen Stress. Der Körper braucht Vitamin C auch, um Eisen optimal aufzunehmen. Eine gute Vitamin-C-Versorgung ist daher insbesondere wichtig für Personen, bei denen der Haarausfall durch einen Eisenmangel begünstigt wird.

Vitamin E schützt als Antioxidans die Haar- und Hautzellen. Ohne Vitamin E würde die Haut austrocknen − mit möglicherweise schweren Folgen für die Haare. In einer kleinen Vorstudie erhöhte die Einnahme von Vitamin-E-Präparaten mit Tocotrienolen als Unterform die Anzahl der Haare im Vergleich zum Scheinmedikament.

Kupfer ist für die Festigkeit des Haarbaustoffs Keratin wichtig und sorgt dafür, dass das Haar stark und elastisch bleibt – und nicht abbricht. Eine kleine Beobachtungsstudie zeigt, dass Menschen mit kreisrundem Haarausfall im Vergleich zu Gesunden weniger Kupfer im Blut und im Haar haben. Andere Beobachtungsstudien konnten diesen Zusammenhang jedoch nicht bestätigen.

Auch Selen weist eine antioxidative Wirkung auf. Einige Patienten mit kreisrundem Haarausfall haben niedrige Selenwerte, andere nicht. In einer kleinen Vorstudie konnte Selen Haarausfall bei Kindern lindern. In einer anderen ersten Untersuchung fielen bei Frauen, die sich aufgrund von Eierstockkrebs einer Chemotherapie unterzogen, weniger stark die Haare aus, wenn sie Selen einnahmen.

Antioxidantien sind bei Haarausfall vielversprechend. Große hochwertige Studien müssen den Nutzen bei den verschiedenen Haarausfallformen allerdings noch genauer bestätigen. Da oxidativer Stress jedoch zu Haarausfall beitragen kann, könnte die Einnahme von Antioxidantien positiv wirken.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Antioxidantien bei Haarausfall

Bei Haarausfall empfehlen Mikronährstoff-Experten folgende Dosierungen an Antioxidantien pro Tag:

  • 200 bis 500 Milligramm Vitamin C
  • bis 50 Milligramm Vitamin E
  • 1 bis 3 Milligramm Kupfer
  • 50 bis 100 Mikrogramm Selen

Nehmen Sie Selen und Kupfer am besten während des Essens ein – das verbessert die Verträglichkeit im Magen. Auch die Wirksamkeit von Vitamin E erhöht sich zusammen mit einer Mahlzeit, da es so besser im Darm aufgenommen wird.

Tipp

Wenn Sie Selen in Multivitaminpräparaten mit Vitamin C kombinieren, achten Sie darauf, dass diese Präparate Selen in Form von Natriumselenat enthalten und nicht als Natriumselenit. Denn: Natriumselenit kann der Körper nicht gleichzeitig mit Vitamin C aufnehmen.

Antioxidativen Status und Selen im Labor bestimmen lassen

Ob Sie ausreichend mit Antioxidantien versorgt sind, kann im Labor bestimmt werden. Dazu gibt es verschiedene Untersuchungen mit einer Blut- oder Urinprobe. Der antioxidative Status sagt aus, ob ein Gleichgewicht zwischen freien Radikalen und Antioxidantien besteht oder ob oxidativer Stress wegen eines Mangels an Antioxidantien überwiegt. Die angewendeten Messmethoden und die Werte können je nach Labor schwanken. Bei den Ergebnissen zählen die Angaben des jeweiligen Labors.

Nehmen Sie Selen längere Zeit in hoher Dosierung (über 300 Mikrogramm) ein, kann Selen überdosiert werden. Ein Selenüberschuss bewirkt im Körper genau das Gegenteil – nämlich unter anderem Haarausfall. Deshalb wird empfohlen, den Selenspiegel kontrollieren zu lassen. Die Messung kann im Blutserum oder im Vollblut erfolgen. Da die Messung im Vollblut die Langzeitversorgung widerspiegelt, ist diese Messung sinnvoller. Normwerte für Selen im Vollblut liegen zwischen 120 und 150 Mikrogramm pro Liter.

Antioxidantien: zu beachten bei Medikamenteneinnahme und Erkrankungen

Unerwünschte Wirkungen zwischen Vitamin C und Medikamenten sind in der Regel nicht zu befürchten, sodass es begleitend eingenommen werden kann. Ausnahme ist der Wirkstoff Bortezomib (zum Beispiel Velcade®), der in der Krebstherapie eingesetzt wird: Vitamin C setzte im Tierversuch die Wirkung des Blutkrebs-Medikaments herab. Besprechen Sie die Einnahme in diesem Fall zur Sicherheit mit Ihrem Arzt.

Vitamin C fördert die Eisenaufnahme. Wenn Sie an einer Eisenspeicherkrankheit (Hämochromatose) leiden, sollten Sie Vitamin C nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen.

Schwache Nieren können Selen nicht richtig ausscheiden. Um eine Überdosierung zu vermeiden, sollten Personen mit Nierenerkrankungen Selen nur in Rücksprache mit ihrem Arzt und unter engmaschiger Kontrolle der Selenspiegel einnehmen.

Grüntee-Extrakt verringert möglicherweise erblich bedingten Haarausfall

Wirkweise von Grüntee-Extrakt

Grüner Tee enthält Pflanzenstoffe wie Epigallocatechingallat (EGCG), die bei erblich bedingtem Haarausfall helfen könnten. EGCG blockiert das Enzym, das Testosteron in seine aktive Form DHT umwandelt. DHT lässt empfindliche Haarwurzeln schrumpfen – die Haare fallen aus.

Ergebnisse aus Labor- und Tierversuchen geben Hinweise, dass die Pflanzenstoffe aus grünem Tee das Haarwachstum anregen können. Am Menschen wurde die Wirkung der Pflanzenstoffe aus grünem Tee auf Haarausfall noch nicht ausreichend untersucht. Eine erste Vorstudie mit erblichem Haarausfall liefert lediglich erste positive Hinweise zum Einsatz eines Kombinationspräparats. Es enthielt neben Grüntee-Extrakt (vermutlich antiandrogen) unter anderem Isoflavone (östrogenartige Wirkung), Beta-Stitosterol (antiandrogen) sowie Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren. Durch die Einnahme hatte sich die Anzahl der Haare bei Menschen mit erblich bedingtem Haarausfall erhöht. Auch die Haardicke nahm zu.

Weitere Studien müssen nun zeigen, ob auch Grüntee-Extrakt allein bei Haarausfall wirken kann oder ob die Kombination mit den anderen Substanzen ausschlaggebend ist.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Grüntee-Extrakt bei Haarausfall

Bei Haarausfall empfehlen Mikronährstoff-Mediziner ein Kombinationspräparat mit Grüntee-Extrakt und anderen Nährstoffen, die für das Haarwachstum wichtig sind. Sinnvoll sind Dosierungen von 100 bis 200 Milligramm Grüntee-Catechine pro Tag mit 50 bis 100 Milligramm EGCG. Grüntee-Extrakt sollte immer zu einer Mahlzeit eingenommen werden.

Info

Einige Wirkstoffe in grünem Tee mindern die Aufnahme von Eisen. Nehmen Sie daher Eisenpräparate wegen eines Eisenmangels nicht zeitgleich mit grünem Tee oder Grüntee-Extrakt ein.

Grüntee-Extrakt: zu beachten in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Für die Einnahme von Grüntee-Extrakt in Schwangerschaft und Stillzeit liegen noch keine Studien vor. Daher sollten Schwangere keinen Grüntee-Extrakt einnehmen. Auch die Unbedenklichkeit von Grüntee-Extrakt bei Kindern ist noch nicht hinreichend untersucht, weshalb ein Arzt über die Einnahme entscheiden sollte. Sollten Sie Leberprobleme haben oder kommen diese in Ihrer Familie vor, sprechen Sie die Einnahme am besten ebenfalls mit Ihrem Arzt ab.

Die Inhaltsstoffe von grünem Tee blockieren die Aufnahme von blutdrucksenkenden Arzneimitteln im Darm, zum Beispiel von Bisoprolol (Bisoprolol®, Concor®) oder Nifedipin (Adalat®, Aprical). Nehmen Sie diese Medikamente und Grüntee-Extrakt daher zeitversetzt mit einem Abstand von mindestens vier Stunden ein. Auch bindet EGCG den in bestimmten Krebsmedikamenten eingesetzten Wirkstoff Bortezomib (Velcade®) und kann ihn unwirksam machen. Sprechen Sie eine Grüntee-Extrakt-Einnahme unter Krebstherapie daher immer mit dem behandelnden Arzt ab.

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung pro Tag bei Haarausfall

 

Vitamine

Biotin

2.500 bis 5.000 Mikrogramm (µg)

Vitamin D

1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten (IE)

Vitamin C

200 bis 500 Milligramm (mg)

Vitamin E

bis 50 Milligramm

  
 

Mineralstoffe

Eisen

5 bis 10 Milligramm oder je nach Laborwert

Zink

20 bis 35 Milligramm

Silizium

10 bis 20 Milligramm

Kupfer

1 bis 3 Milligramm

Selen

50 bis 100 Mikrogramm

  
 

Sonstige

L-Cystein

100 Milligramm

Omega-3-Fettsäuren

1.000 bis 3.000 Milligramm

Grüntee-Extrakt (Catechine)

100 bis 200 Milligramm

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Haarausfall

 

Normalwerte

Eisen

Ferritin:

Frauen: 23 bis 110 Mikrogramm pro Liter (µg/l)

Männer: 34 bis 310 Mikrogramm pro Liter

 

Transferrin-Sättigung:

35 ± 15 Prozent (%)

Omega-3-Index

über 8 Prozent

Vitamin D

40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml)

Selen (Vollblut)

120 bis 150 Mikrogramm pro Liter

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Zusammenfassung

Etwa 50 bis 100 Haare verliert ein gesunder Mensch am Tag. Wenn Haare übermäßig stark ausfallen, das Haar ausdünnt und sich kahle Stellen zeigen, spricht man von krankhaftem Haarausfall. Hormone, Stress, Krankheiten oder eine erbliche Veranlagung können zu Haarausfall führen. Auch ein Vitaminmangel kommt als Ursache infrage. Die Mikronährstoffmedizin kann die Behandlung von Haarausfall deshalb wirksam unterstützen.

Biotin kann das Haarwachstum aktivieren. Biotin ist an der Bildung des Struktureiweißes Keratin beteiligt. Keratin ist wiederum ein Hauptbestandteil der Haare. Eisen und Vitamin D gleichen einen möglichen Mangel aus. Vor allem ein Eisenmangel kann zu Haarausfall führen. Besonders Zellen der Haarfollikel müssen sich schnell teilen und benötigen dafür Eisen. Zink wird ebenfalls für die Zellteilung benötigt und könnte den Verlust der Haare senken.

Die Aminosäure L-Cystein ist Bestandteil von Keratin und kann deshalb den Haaraufbau fördern. Omega-3-Fettsäuren stärken die Haarwurzeln und könnten die Bildung von DHT hemmen, das für erblich bedingten Haarausfall verantwortlich ist. Silizium ist direkter Bestandteil unserer Haare und verbessert deren Struktur. Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Kupfer und Selen schützen die Zellen von Haut und Haaren vor oxidativem Stress. Darüber hinaus könnte Grüntee-Extrakt erblich bedingten Haarausfall verringern – ähnlich wie Omega-3-Fettsäuren.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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