Borreliose natürlich behandeln mit Mikronährstoffmedizin

Wie Vitamine und andere Nährstoffe bei einer Borreliose helfen können und wie sie die Entstehung von Folgeerkrankungen vermeiden helfen

Borreliose ist eine Infektionskrankheit durch Bakterien. Der Körper kann sie nur schwer bekämpfen, weshalb Borreliose oft zu einer dauerhaften Infektion wird. Es kommt zu Hautrötungen, Gelenkschmerzen und Nervensymptomen. Mikronährstoffe schützen die Nerven, regen die Immunantwort an und lindern die Entzündung. Lesen Sie hier, welche Mikronährstoffe Borreliose bessern und die Heilung fördern.

Ein Warnschild für Zecken hängt an einem Baum
Borreliose wird durch Zecken übertragen, die mit bestimmten Bakterien infiziert sind. In Deutschland können bis zu 35 Prozent der Zecken infiziert sein. Um eine Borreliose zu verhindern, sollten Sie Zeckengebiete meiden. Bild: gabort71/iStock/Getty Images Plus

Ursachen und Symptome

Was ist Borreliose?

Eine Borreliose ist eine durch bestimmte Bakterien (Borrelien) hervorgerufene Infektionskrankheit. Ärzte nennen die Erkrankung auch Lyme-Borreliose. Borrelien befallen meist die Haut, seltener die Nerven und andere Organe. 

Übertragen wird Borreliose hauptsächlich durch Zecken, die das Blut infizierter Tiere gesaugt haben. Schätzungen zufolge sind in Deutschland 6 bis 35 Prozent der Zecken von Borrelien befallen. Glücklicherweise wird die Erkrankung nicht durch jeden Zeckenbiss übertragen: Nur in 1,5 bis 6 Prozent der Fälle kommt es zu einer Infektion und bei 0,3 bis 1,4 Prozent letztendlich zu einer Erkrankung. Das Immunsystem bekämpft die Erreger in der Regel erfolgreich. Eine Borreliose ist somit relativ selten.

Wie äußert sich eine Borreliose?

Durch den Zeckenbiss ist die Haut rund um die Einstichstelle gerötet und juckt. Dies ist eine normale Entzündungsreaktion, die normalerweise innerhalb weniger Tage zurückgeht. Allerdings sollte die Einstichstelle sechs Wochen lang beobachtet werden: Bleibt die Haut um die Einstichstelle in einem Umkreis von mindestens fünf Zentimetern entzündet oder hat sich die Rötung kreis- oder ringförmig ausgebreitet, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Diese Wanderröte (Erythema migrans) ist ein typisches Symptom einer beginnenden Borreliose.  

Die Bakterien breiten sich über das Blut aus und rufen grippeähnliche Anzeichen wie Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen hervor.

Info

Bei einem Zeckenbiss sollte die Zecke schnellstmöglich entfernt werden – zum Beispiel mit einer Zeckenkarte. In den ersten 24 Stunden ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Erreger übertragen werden. Achten Sie außerdem darauf, nicht den Körper der Zecke zusammenzudrücken. Der Grund: Borrelien besiedeln den Darm der Zecke. Wird die Zecke gequetscht, steigt das Risiko einer Infektion. Wird eine Zecke nicht entfernt, steigt mit zunehmender Dauer das Risiko für eine Übertragung.

Ärztin entfernt eine zecke von der Schulter ihres Patienten
Je schneller die Zecke entfernt wird, desto geringer ist das Risiko, sich mit Borrelien zu infizieren. Prüfen Sie nach Aufenthalten in der freien Natur den Körper nach Zecken gründlich ab. Haben Sie eine Zecke entdeckt, dann nutzen Sie dazu eine spezielle Zeckenzange oder Zeckenkarte, um die Zecke zu entfernen. Die Zecke sollte dabei nicht zusammengedrückt werden, da dies dafür sorgt, dass die Bakterien vermehrt in unseren Körper gelangen. Bild: andriano_cz/iStock/Getty Images Plus

Welche Folgeerkrankungen können durch eine Borreliose entstehen?

Die Infektion kann sich in seltenen Fällen auf Nerven und Gehirn ausweiten und so zu einer Neuroborreliose führen. Dadurch sind Gesichtslähmungen, Blasenschwäche, Bewegungsstörungen oder eine Hirnhautentzündung möglich. Auch kann es zu Nervenentzündungen kommen, mit Taubheitsgefühlen oder schmerzhaftem Prickeln. Daneben können sich psychische Symptome wie Psychosen entwickeln.

Auch noch Jahre nach einer unbehandelten Infektion kann sich die sogenannte Lyme-Arthritis entwickeln. Dabei breiten sich die Bakterien in die Gelenke aus und führen zu schmerzhaften Gelenkentzündungen und Schwellungen.

Einige Menschen leiden auch Monate oder Jahre nach einem Zeckenbiss an Muskel- oder Gelenkbeschwerden, die mit starker Müdigkeit oder Gedächtnisstörungen verbunden sein können (chronische Borreliose oder Post-Lyme-Syndrom). Da solche Beschwerden jedoch auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten und es keine Möglichkeit gibt, das Post-Lyme-Syndrom zweifelsfrei nachzuweisen, ist dies keine allgemein anerkannte Krankheit.

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Ziele der Behandlung

Wie wird Borreliose klassisch behandelt?

Ziel der Behandlung einer Borreliose ist es, die Krankheitserreger zu eliminieren, damit keine Spätfolgen wie eine Neuroborreliose oder Lyme-Arthritis entstehen.

Die Borreliose, Neuroborreliose und Lyme-Arthritis werden mit Antibiotika behandelt. Zu den Antibiotika, die zuerst gegeben werden, gehören Amoxicillin (zum Beispiel Amoclav®, AmoxiHEXAL® oder Amoxicillin Aristo®) oder Doxycyclin (zum Beispiel Doxam®, Doxycyclin STADA® oder Doxycyclin-ratiopharm®). Andere Medikamente, die der Arzt alternativ verordnen kann, sind Cefuroxim (zum Beispiel CefuHEXAL®, Cefurax®, Cefuroxim-saar®), Azithromycin (zum Beispiel AZI-TEVA®, Azithromyzin Sandoz® oder Zithromax®) und eventuell Clarithromycin (zum Beispiel Clarilind®, Clarithromycin dura® oder Klacid®). Die Medikamente müssen zwischen zehn und 21 Tage lang eingenommen werden.

Ziele der Mikronährstoffmedizin

Bei einer Borreliose gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie die Mikronährstoffmedizin den Körper im Heilungsprozess unterstützen kann. Zum einen helfen bestimmte Vitamine und Fettsäuren, die Entzündung zu hemmen. Zum anderen unterstützen bestimmte Stoffe das Immunsystem und senken das Risiko, Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Außerdem wird die Blut-Hirn-Schranke gestärkt, um eine Neuroborreliose zu verhindern.

Folgende Mikronährstoffe leisten dazu einen wichtigen Beitrag:

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Behandlung mit Mikronährstoffen

Vitamin D zum Abdichten der Blut-Hirn-Schranke

Wirkweise von Vitamin D

Arzt hält ein Tablet in seiner Hand
Forscher vermuten, dass Vitamin D auch eine Schutzfunktion für das Gehirn hat, es könnte für die Abdichtung der Blut-Hirn-Schranke von Bedeutung sein. Die Blut-Hirn-Schranke reguliert, welche Substanzen in das Gehirn gelangen, damit sie dort keinen Schaden verursachen. Bild: utah778/iStock/Getty Images Plus

Vitamin D hat eine fundamentale Bedeutung für das Immunsystem und aktiviert es im Fall einer Infektion. Neu ist die Erkenntnis, dass Vitamin D auch wichtige Funktionen für das Gehirn hat: Erste Untersuchungen zeigen, dass es zum Beispiel die Blut-Hirn-Schranke abdichtet. Das schützt das Gehirn, denn so können nur ausgewählte Stoffe in diese empfindliche Region gelangen. Außerdem konnte gezeigt werden, dass bei einem Vitamin-D-Mangel die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen bakterielle Infektionen beeinträchtigt ist.

Die genaue Wirkweise von Vitamin D bei Borreliose ist bisher nicht genau erforscht. Voruntersuchungen liefern jedoch vielversprechende Ergebnisse: Bei Mäusen verhinderte die Einnahme von Vitamin D eine durch Borrelien hervorgerufene Gelenkentzündung. Gelenkschmerzen sind ein typisches Anzeichen einer Lyme-Arthritis, die auch beim Menschen auftreten können, wenn die Bakterien die Gelenke besiedeln. Zusätzlich unterstützt eine Vitamin-D-reiche Ernährung der Mäuse die Abwehr von Bakterien und wirkt Entzündungsprozessen im zentralen Nervensystem entgegen.

Wie gut Vitamin D bei einer Borrelieninfektion wirkt, müssen nun Studien an Menschen zeigen. Wegen seiner Bedeutung für ein starkes Immunsystem sollte ein Vitamin-D-Mangel jedoch generell bei Infektionen ausgeglichen werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Vitamin D

Die Dosierung von Vitamin D sollte sich nach den Vitamin-D-Werten im Blut richten. Anhand der Werte kann der Arzt über die geeignete Dosierung von Vitamin D entscheiden. Bei einem starken Mangel ist für einen festgelegten Zeitraum oft eine höhere Dosierung nötig, um den Mangel auszugleichen.

Falls Sie Ihre Vitamin-D-Werte nicht kennen, können Sie bei Borreliose täglich 1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten Vitamin D einnehmen. Vitamin D sollte zum Essen eingenommen werden: Es ist ein fettlösliches Vitamin; das Fett aus den Lebensmitteln verbessert deshalb die Aufnahme im Darm.

Vitamin-D-Spiegel im Labor bestimmen lassen

Bei einer Borreliose sollte der Vitamin-D-Wert kontrolliert werden. Das Labor misst, wie viel Vitamin D im Blutserum, also in der Blutflüssigkeit ohne Blutzellen, enthalten ist. Ideal sind Werte von 40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter. Es empfiehlt sich, den Vitamin-D-Spiegel mindestens zweimal pro Jahr kontrollieren zu lassen.

Vitamin D: zu beachten bei Entwässerungsmedikamenten und Erkrankungen

Vitamin D erhöht den Calciumspiegel im Blut, da es die Calciumaufnahme aus dem Darm steigert. Die gleiche Wirkung haben auch Entwässerungsmedikamente aus der Gruppe der Thiazide, da sie die Calciumausscheidung über die Niere hemmen. Wenn Sie Thiazide und Vitamin D gleichzeitig einnehmen, sollte Ihr Calciumspiegel im Blut vom Arzt kontrolliert werden. Beispiele für Thiazide sind: Disalunil®, Esidrix®, Inda Puren®, Sicco® oder Aquaphor®.

Sarkoidose-Patienten haben häufig erhöhte Calciumspiegel und sollten deshalb keine Vitamin-D-Präparate einnehmen. Besondere Vorsicht gilt außerdem für Personen, die zu calciumhaltigen Nierensteinen neigen. Bei ihnen kann das Rückfallrisiko steigen. Ein Vitamin D-Mangel sollte dann nur unter ärztlicher Kontrolle ausgeglichen werden.  

Personen mit einer Nierenschwäche sollten vor der Einnahme von Vitamin D mit ihrem Arzt sprechen. Der Grund: Vitamin D steigert die Calciumaufnahme im Darm. Kranke Nieren können Calcium nicht gut ausscheiden, sodass es zu einer Überdosis an Calcium kommen könnte.

Vitamin-B-Komplex: Unterstützung gegen neurologische Symptome

Wirkweise von B-Vitaminen

B-Vitamine sind für ein gesundes Nervensystem unverzichtbar, denn sie sind am Aufbau der Nervenzellen und des sogenannten Myelins beteiligt. Myelin ist ein spezielles Gewebe, das die Nervenfasern ummantelt und sie so vor Schäden schützt. Eine weitere wichtige Rolle spielen B-Vitamine bei der Regeneration der Nervenzellen nach einer Schädigung und bei der Herstellung von Botenstoffen des Nervensystems – unter anderem von Glückshormonen.

Erste Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen weisen darauf hin, dass B-Vitamine bei neurologischen Symptomen, die durch eine Borreliose hervorgerufen werden, den Heilungsprozess unterstützen können. Dazu gehören Gelenk- und Rückenschmerzen an der Wirbelsäule oder Nervenschädigungen, die sich durch Kribbeln und Brennen beispielweise in den Füßen bemerkbar machen. Hochwertige Studien müssen künftig zeigen, wie gut B-Vitamine anderen Betroffenen mit einer Borreliose helfen. Besonders bei Nervenbeschwerden scheinen sie vielversprechend zu sein.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von B-Vitaminen

Kapseln mit verschiedenen Vitamin-B-Präparaten
B-Vitamine sollten als Kombinationspräparat bei der Behandlung einer Borreliose nicht fehlen, sie sind wichtig für unser Nervensystem und können bei Nervenbeschwerden den Heilungsprozess unterstützen. Bild: Bet_Noire/iStock/Thinkstock

Zum Schutz vor neurologischen Symptomen einer Borreliose empfehlen Mikronährstoff-Mediziner, die Versorgung mit B-Vitaminen sicherzustellen. Folgende Dosierungen sind sinnvoll:

  • Vitamin B1, B2 und B6: jeweils 2 bis 3 Milligramm
  • Vitamin B12: 5 bis 10 Mikrogramm (als Methylcobalamin)
  • Folsäure: 200 bis 400 Mikrogramm (als direkt verwertbare 5-Methyltetrahydrofolsäure)
  • Biotin: 100 bis 200 Mikrogramm
  • Niacin: 30 bis 50 Milligramm
  • Pantothensäure: 10 bis 20 Milligramm

Da B-Vitamine im Stoffwechsel eng zusammenarbeiten, werden sie meist als Kombinationspräparat empfohlen. Dabei sind die Dosierungen der verschiedenen Vitamine aufeinander abgestimmt. Für eine bessere Magenverträglichkeit sollten B-Vitamine zur Mahlzeit eingenommen werden.

Vitamin-B-Komplex: zu beachten bei Schwangerschaft, Stillzeit und Nierenerkrankungen

Ob schwangere und stillende Frauen bei einer Borreliose eine zusätzliche Einnahme von B-Vitaminen über Präparate benötigen, sollten sie mit dem Arzt absprechen. Welche Empfehlungen für Schwangere allgemein gelten, lesen Sie im Text zur Schwangerschaft .

Vitamin B12 sollten Nierenpatienten nicht in Form von Cyanocobalamin, sondern als Methylcobalamin einsetzen. Cyanocobalamin ist für Nierenpatienten vermutlich hoch dosiert schädlich.

Pilz-Beta-Glucan für eine starke Immunantwort

Wirkweise von Pilz-Beta-Glucan

Beta-Glucan kommt unter anderem in Hefe und verschiedenen Pilzsorten wie Shiitake vor und hat wichtige Funktionen für das Immunsystem, denn es kurbelt Prozesse zur Abwehr von Krankheitserregern an. Die genaue Wirkung von Pilz-Beta-Glucan bei Borreliose ist zwar bisher nicht bekannt, aber erste Untersuchungen haben gezeigt: Pilz-Beta-Glucan aktiviert bei Infektionen mit Bakterien das Immunsystem und unterstützt es so, gegen die Krankheitserreger vorzugehen. Auch bei einer Infektion mit Borrelien kann dies von Vorteil sein. Studien mit Borreliose-Patienten fehlen aber noch.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Pilz-Beta-Glucan

Zur unterstützenden Behandlung bei einer Borreliose eignen sich Kombipräparate mit 600 bis 1.800 Milligramm Beta-Glucan aus Extrakten verschiedener Pilzsorten – zum Beispiel Shiitake, Cordyceps oder Maitake. Präparate sind als Kapseln erhältlich und sollten für eine bessere Verträglichkeit zur Mahlzeit eingenommen werden.

Info

Beta-Glucan ist auch in Hafer enthalten. Allerdings wirken diese als Ballaststoffe. Beta-Glucane aus Hafer sind zum Beispiel dazu geeignet, die Verdauung anzuregen und den Cholesterinspiegel zu senken.

Carnitin unterstützt die Energieproduktion, das Immunsystem und schützt das Nervensystem

Wirkweise von Carnitin

Carnitin (genauer L-Carnitin) ist für die Energiegewinnung in den Zellen unverzichtbar. Es hilft, Fettsäuren in die Kraftwerke der Zellen (Mitochondrien) zu transportieren und in Energie umzusetzen. Darüber hinaus unterstützt Carnitin die Abwehr von Krankheitserregern, indem es auch den Zellen des Immunsystems Energie liefert. Zusätzlich hat es eine Schutzfunktion für das Nervensystem.

In einer kleinen Studie fanden Forscher heraus, dass bei Patienten, die an einer Neuroborreliose oder an chronischer Lyme-Borreliose erkrankt waren, die Carnitinwerte im Blut erniedrigt waren. Eine Unterversorgung kann das Nervensystem schwächen und schädigen. Um dies zu verhindern, kann es hilfreich sein, bei einer Borreliose Carnitin einzunehmen. In hochwertigen Studien muss allerdings noch geprüft werden, wie gut Carnitin tatsächlich helfen kann, die Beschwerden einer Neuroborreliose oder chronischen Lyme-Borreliose zu bessern.

Illustration einer Mitochondrien
Carnitin ist wichtig für die Energiegewinnung. Die Zellkraftwerke (Mitochondrien) benötigen es, um aus langkettigen Fettsäuren Energie zu gewinnen. Ein Mangel geht mit Müdigkeit und Muskelbeschwerden einher. Bild: iLexx/iStock/Getty Images Plus

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Carnitin

Zur unterstützenden Behandlung bei Borreliose kann die Einnahme von 1.000 Milligramm Carnitin sinnvoll sein. Um es für den Körper besser verfügbar zu machen, sollte es zweimal täglich in Kapselform außerhalb der Mahlzeiten und über den Tag verteilt eingenommen werden. Eine Kapsel enthält meist etwa 500 Milligramm Carnitin.

Carnitin: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Menschen mit Funktionsstörungen der Niere (chronische Niereninsuffizienz) sollten die Einnahme von hoch dosierten Carnitin-Präparaten (über 1.000 Milligramm) mit dem Arzt absprechen. Auch bei Krebserkrankungen sollte die Einnahme zuvor mit dem Arzt abgesprochen werden.

Bei Diabetikern kann Carnitin die Zuckerwerte verbessern. Wird es gleichzeitig mit blutzuckersenkenden Medikamenten eingenommen, besteht die Gefahr einer Unterzuckerung. Hierzu zählen unter anderem Metformin (Diabesin®, Siofor® und Glucophage®) und Sulfonylharnstoffe (Euglucon®, Semi-Euglucon® oder Maninil®). Eventuell muss die Dosierung der Medikamente angepasst werden. Eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels und eine Absprache mit dem Arzt sind empfehlenswert.

Carnitin kann in sehr seltenen Fällen die Wirkung von Blutgerinnungshemmern vom Cumarin-Typ (Vitamin-K-Antagonisten) verstärken. Zu diesen Medikamenten zählen Phenprocoumon (Marcuphen®, Falithrom®, Marcumar®) und Warfarin (Coumadin®). Die Einnahme von Carnitin sollte deshalb bei Einnahme dieser Medikamente mit dem Arzt abgesprochen werden. Der Arzt kann den Gerinnungsfaktor (INR-Wert) kontrollieren.

Alpha-Liponsäure zum Schutz des Gehirns vor Neuroborreliose

Wirkweise von Alpha-Liponsäure

Alpha-Liponsäure unterstützt als Antioxidans den Schutz der Nervenzellen, indem es vor oxidativen Schäden durch freie Radikale schützt. Zusätzlich stabilisiert Alpha-Liponsäure die Kontaktstellen zwischen den Zellen und trägt so dazu bei, dass die Blut-Hirn-Schranke abgedichtet ist. Alpha-Liponsäure selbst kann jedoch die Blut-Hirn-Schranke passieren und so direkt im Hirn seine antioxidative Wirkung entfalten.

Bei einer Borreliose schütten die Bakterien spezielle Gifte aus, die die dichten Kontaktstellen zwischen den Zellen angreifen. Dadurch können die Bakterien die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und eine Neuroborreliose hervorrufen. Wegen seiner antioxidativen und schützenden Eigenschaften für das Nervensystem kann Alpha-Liponsäure bei einer Borreliose unterstützend eingenommen werden.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Alpha-Liponsäure

Zum Schutz des Nervensystems können bei einer Borreliose täglich 300 bis 600 Milligramm Alpha-Liponsäure eingenommen werden. Alpha-Liponsäure sollte idealerweise auf nüchternen Magen eingenommen werden – zum Beispiel eine Stunde vor dem Essen. Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium und Eisen aus der Nahrung hemmen die Aufnahme im Darm. Die Einnahme zu den Mahlzeiten wirkt sich deshalb negativ auf die Bioverfügbarkeit aus – das heißt, es kommt etwas weniger im Körper an.

Tipp

Bei einer langfristigen Einnahme von Alpha-Liponsäure sollte zusätzlich Biotin eingenommen werden (100 bis 500 Mikrogramm am Tag). Alpha-Liponsäure hemmt die Wirkung von Biotin. Gute Präparate mit Alpha-Liponsäure enthalten deshalb zusätzlich Biotin.

Alpha-Liponsäure: zu beachten bei Diabetes, Schwangerschaft und Stillzeit

Ein paar Omega-3-Kapseln
Omega-3-Kapseln werden generell bei entzündlichen Erkrankungen empfohlen. Auch bei Borreliose könnten sie helfen, um entzündliche Restsymptome zu lindern, dazu gehören chronische Schmerzen. Bild: bankrx/iStock/Thinkstock

Alpha-Liponsäure kann die blutzuckersenkende Wirkung von Insulin und anderen Diabetesmedikamenten (Antidiabetika) verstärken und so eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) begünstigen. Aus diesem Grund ist am Anfang der Therapie eine engmaschige Blutzuckermessung sinnvoll. Zu den betroffenen Medikamentenwirkstoffen gehören zum Beispiel Glibenclamid (wie Euglucon®, Glib-rationpharm® und Maninil®), Glimepirid (zum Beispiel Amaryl®, Glimmegama® und Glimipid Aristo®) oder Metformin (zum Beispiel Competact®, Diabesin® und Janumet®).

Schwangere und stillende Frauen sollten Alpha-Liponsäure nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen, da große Studien fehlen, die die Sicherheit belegen. Erste Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Einnahme von 600 Milligramm Alpha-Liponsäure am Tag keine negativen Auswirkungen auf Mutter und Kind hatte.

Omega-3-Fettsäuren: Hilfe nach bekämpfter Bakterieninfektion

Wirkweise von Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren haben eine elementare Funktion für das Immunsystem, denn aus ihnen werden im Körper entzündungshemmende Botenstoffe (Eicosanoide) gebildet. Sie tragen direkt dazu bei, Entzündungen aufzulösen – und verhindern, dass andere entzündungsfördernde Stoffe hergestellt werden.

Die genaue Wirkung von Omega-3-Fettsäuren bei Borreliose ist beim Menschen bislang nicht genau untersucht worden. Omega-3-Fettsäuren können aber wegen ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften eingesetzt werden, um nach der erfolgreichen Behandlung mit Antibiotika entzündliche Restsymptome (zum Beispiel Schmerzen) zu bekämpfen. Hochwertige Studien müssen noch zeigen, ob Omega-3-Fettsäuren nach einer Borreliose wirksam sind. Bei entzündlichen Erkrankungen allgemein hat sich ihr Einsatz schon bewährt.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Omega-3-Fettsäuren

Nach erfolgreicher Behandlung einer Borreliose können etwa 1.500 Milligramm Omega-3-Fettsäuren eingenommen werden – zum Beispiel in Form von Fischöl. Achten Sie auf Präparate mit einem möglichst hohen Gehalt an der Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA): EPA wirkt stark entzündungshemmend.

Omega-3-Präparate sollten zu einer Mahlzeit mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden: Das Fett aus der Mahlzeit unterstützt die Aufnahme im Darm.

Expertenwissen

Wegen ihrer antientzündlichen Wirkungen sind Omega-3-Fettsäuren möglicherweise ungeeignet, wenn die Infektion aktiv ist und die Krankheitszeichen stark ausgeprägt sind. Zur erfolgreichen Bekämpfung einer Infektion braucht es Entzündungssignale, die jedoch durch die Einnahme hoch dosierter Omega-3-Fettsäuren unterdrückt werden könnten.

Omega-3-Index im Labor bestimmen lassen

Der Omega-3-Index gibt an, wie gut der Körper mit Omega-3-Fettsäuren versorgt ist. Hierzu wird im Labor bestimmt, wie hoch der Anteil an Omega-3-Fettsäuren in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ist. Der Omega-3-Index wird in Prozent angegeben. Ein Ergebnis von 8 bedeutet beispielsweise, dass 8 von 100 Fettsäuren wertvolle Omega-3-Fettsäuren sind. Ein Wert über 8 Prozent gilt als Zeichen für eine gute Versorgung.

Omega-3-Fettsäuren: zu beachten bei Einnahme von Gerinnungshemmern, vor Operationen und bei Erkrankungen

Menschen, die Blutverdünner wie zum Beispiel Aspirin®, Clexane®, Marcumar®, Pradaxa®, Rivaroxaban® oder Coumadin® einnehmen, müssen beachten, dass hoch dosierte Omega-3-Fettsäuren die Wirkung dieser Medikamente verstärken können. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie mehr als 1.000 Milligramm einnehmen wollen und lassen Sie während der Einnahme von Omega-3-Fettsäuren Ihre Blutgerinnungszeit regelmäßig kontrollieren.

Auch vor einer geplanten Operation sollten Sie aufgrund der verlängerten Blutgerinnungszeiten mit Ihrem Arzt besprechen, ob es sinnvoll ist, die Omega-3-Fettsäuren abzusetzen oder niedriger zu dosieren.

Menschen mit einer plötzlich auftretenden (akuten) Leber-, Gallen- oder Bauchspeicheldrüsen-Erkrankung sollten keine Omega-3-Fettsäuren ergänzen. Bei einer Blutgerinnungsstörung wie zum Beispiel der Bluterkrankheit (Hämophilie) ist es ratsam, vor der Einnahme einen Arzt zurate zu ziehen.

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung am Tag bei Borreliose

 

Vitamine

Vitamin D

1.000 bis 2.000 Internationale Einheiten (IE)

Vitamin B1

2 bis 3 Milligramm (mg)

Vitamin B2

2 bis 3 Milligramm

Vitamin B6

2 bis 3 Milligramm

Vitamin B12

5 bis 10 Mikrogramm (µg)

Folsäure

200 bis 400 Mikrogramm

Biotin

100 bis 200 Mikrogramm

Niacin

30 bis 50 Milligramm

Pantothensäure

10 bis 20 Milligramm

  
 

Sonstige Stoffe

Pilz-Beta-Glucan, zum Beispiel aus Shiitake, Cordyceps oder Maitake

600 bis 1.800 Milligramm

L-Carnitin

1.000 Milligramm

Alpha-Liponsäure

300 bis 600 Milligramm

Omega-3-Fettsäuren

1.500 Milligramm mit hohem EPA-Gehalt

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

 

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Borreliose

 

Optimalwerte

Vitamin D

40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml)

Omega-3-Index

über 8 Prozent (%)

 

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Unterstützung von Medikamenten mit Mikronährstoffen

Probiotika verringern Nebenwirkungen von Antibiotika

Borreliose wird mit Antibiotika behandelt. Diese bekämpfen jedoch nicht nur die krankheitserregenden Bakterien, sondern auch nützliche Darmbakterien. Das kann die Darmflora stören und zu Durchfällen führen. Diese können selbst dann noch bestehen bleiben, wenn das Antibiotikum nicht mehr eingenommen wird.

Probiotische Präparate bringen die Darmflora nach der Antibiotikatherapie wieder ins Gleichgewicht. Sie enthalten verschiedene Stämme nützlicher Milchsäurebakterien wie zum Beispiel Lactobacillus acidophilus sowie die Hefe Saccharomyces boulardii. Die Präparate helfen dabei, antibiotikabedingte Durchfälle zu lindern oder sogar ganz zu verhindern. Es empfiehlt sich, ein Kombinationspräparat mit einer Mischung verschiedener Bakterienstämme und Hefe einzunehmen. Geeignete Dosierungen liegen zwischen 1 bis 20 Milliarden Keime – ideal sind etwa 10 Milliarden Keime pro Tag.

Info

Achtung: Bei zeitgleicher Einnahme schädigen Antibiotika die in den Probiotika enthaltenen gesundheitsförderlichen Bakterien. Darum ist es ratsam, dass Sie die beiden Mittel immer mit zwei bis drei Stunden Abstand getrennt voneinander einnehmen.

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung am Tag bei Einnahme von Antibiotika

Probiotika mit

Laktobazillen und der Hefe Saccharomyces boulardii

1 bis 20 Milliarden Keime (1 bis 20 x 109 kolonienbildende Einheiten (KBE))

 

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Zusammenfassung

Bei einer Borreliose handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die durch einen Zeckenbiss auf den Menschen übertragen wird. Bleibt sie unbehandelt, kann sich die Erkrankung ausbreiten und zu einer Neuroborreliose oder einer chronischen Borreliose führen.

Vitamin D unterstützt bei einer Borreliose den Heilungsprozess, indem es das Immunsystem aktiviert und die Blut-Hirn-Schranke stabilisiert, sodass die Erreger nicht ins Gehirn gelangen können. B-Vitamine schützen vermutlich das Nervensystem und könnten Nervenschädigungen wie Kribbeln und Brennen der Füße sowie Rücken- und Gelenkschmerzen lindern. Pilz-Beta-Glucan kann das Immunsystem anregen, gegen die Bakterien vorzugehen.

L-Carnitin liefert Energie für die Abwehrkräfte und schützt das Nervensystem. Als Antioxidans, das die Blut-Hirn-Schranke passieren kann, schützt Alpha-Liponsäure ebenfalls vor Nervenschäden. Gleichzeitig stabilisiert es die Blut-Hirn-Schranke zur Abwehr schädlicher Stoffe. Omega-3-Fettsäuren könnten nach überstandener Infektion helfen, entzündliche Restsymptome zu beseitigen.

Bei der Behandlung einer Borreliose kommen Antibiotika zum Einsatz. Sie können allerdings die „guten“ Bakterien im Darm (Darmflora) schädigen und so zu Durchfall führen. Probiotika verringern die Nebenwirkungen von Antibiotika, indem sie den Erhalt und den Wiederaufbau der Darmflora unterstützen.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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