Blähungen lindern mit Mikronährstoffmedizin

Wie bestimmte Stoffe gasbildende Bakterien im Darm verdrängen und die Verdauung der Lebensmittel unterstützen

Blähungen entstehen durch Luftansammlungen im Bauch. Die Luft bläht den Bauch auf und kann in Form von Blähungen (Flatulenzen) entweichen. Betroffene fühlen sich oft unwohl und leiden zudem an Völlegefühl oder Schmerzen. Bestimmte Stoffe stärken die gesunde Darmflora und beugen der Entstehung von Blähungen vor. Hier erfahren Sie, welche Stoffe das sind und wie sie im Rahmen der Mikronährstoffmedizin bei Blähungen eingesetzt werden.

Illustration eines Magen-Darm-Trakts
Blähungen entstehen durch Luftansammlungen im Bauch oder durch Gasbildung im Darm. Im Darm bilden sich die Gase vor allem durch die Verstoffwechselung von unverdaulichen Nahrungsbestandteilen durch die Darmbakterien. Bild: Tharakorn/iStock/Getty Images Plus

Ursachen und Symptome

Wie entstehen Blähungen?

Im Darm entstehen bei der Verdauung der Nahrung Gase. Etwa 80 Prozent dieser Gase entweichen über den Darm. Die restlichen 20 Prozent gelangen ins Blut und werden über die Lunge abgeatmet. Die meisten Menschen spüren von den Darmgasen nichts. Werden aber zu viele Gase gebildet, kann es zu Luftansammlungen im Bauch kommen (Meteorismus). Betroffene leiden dann an einem Blähbauch und einem Spannungsgefühl.

Diese Luftansammlungen können als Blähungen abgehen. Blähungen werden auch Flatulenzen genannt und können unangenehm riechen oder stinken. Grund für den Geruch ist das Gas Schwefelwasserstoff. Andere Gase wie Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan sind geruchslos.

Ursachen von Blähungen

Eine Person schneidet eine Zwiebel
Zu blähenden Lebensmitteln gehören zum Beispiel Zwiebeln. Bestimmte Kohlenhydrate (Ballaststoffe) werden nicht verdaut und gelangen in den Darm, wo Bakterien sie verstoffwechseln und Gase entstehen. Die gute Nachricht: Der Darm kann sich aber nach und nach daran gewöhnen, denn Ballaststoffe sind für eine gesunde Ernährung wichtig. Bild: Anna Rolandi/iStock/Getty Images Plus

Oft sind die Ernährung und Lebensweise der Auslöser von Blähungen: Bestimmte Kohlenhydrate sind schwer oder gar nicht verdaulich – etwa aus Zwiebeln, Erbsen und grobem Vollkornbrot. Weitere blähende Lebensmittel sind Bohnen und Linsen oder Kohlgemüse wie Wirsing und Weißkohl. Gleiches gilt für Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit und Süßstoffe sowie fettreiche Speisen. Diese Lebensmittel sollte man bei Blähungen meiden.

Ebenso können kohlensäurehaltige Getränke und zu hastiges Trinken und Essen (Luftschlucken) Blähungen auslösen. Ob Blähungen nach dem Verzehr auftreten, ist aber individuell verschieden: Zum Beispiel haben die Menge der Lebensmittel, die Zusammensetzung der Darmflora (Mikrobiota) sowie Stress oder körperliche Bewegung einen Einfluss.

Blähungen sind keine Krankheit. Sie treten aber oft als Symptom verschiedener Erkrankungen auf. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Unverträglichkeiten und Allergien: Können Fruchtzucker (Fruktose) oder Milchzucker (Laktose) nicht richtig verwertet werden, gelangen sie in den Dickdarm. Bakterien verstoffwechseln sie, sodass Gase entstehen und es zu Blähungen kommen kann. Zudem sind Blähungen bei bestimmten Immunerkrankungen wie einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) besonders häufig. Auch bei einer Kuhmilcheiweiß-Allergie oder anderen Lebensmittelallergien können Blähungen durch die unvollständige Verdauung auftreten.
  • Verdauungsschwäche: Bilden Magen, Darm oder Bauchspeicheldrüse zu wenig Enzyme oder es fließt zu wenig Galle, können Bestandteile der Nahrung im Dünndarm nicht vollständig gespalten werden. Kohlenhydrate und Fette gelangen in den Dickdarm und verursachen Blähungen.
  • Darmflora-Störung: Schädliche oder krankmachende Bakterien bringen den Darm aus dem Gleichgewicht, sodass zu viele Gase gebildet werden. Besonders eine schlechte Ernährung fördert das Kippen des Gleichgewichts.
  • Magen-Darm-Infektionen: Bestimmte Bakterien und Viren wie Escherichia coli oder Noroviren können Blähungen verursachen. Oft treten bei Infekten auch Durchfall auf sowie Übelkeit und Erbrechen.
  • Reizdarmsyndrom: Bei einem Reizdarm kann eine gestörte Darmbewegung Blähungen begünstigen. Gleichzeitig reagiert das Nervensystem empfindlich auf die Dehnung durch die Luftansammlung. Unwohlsein und Schmerzen sind hier besonders belastend.
  • Krebs: In seltenen Fällen können Blähungen als Symptom bei Krebs im Darm auftreten.  
  • Medikamente: Medikamente können negativ auf die Darmflora und Darmbewegung wirken.Blähungen sind daher oft eine Nebenwirkung. Beispiele sind: Säureblocker(Protonenpumpenhemmer) wie Omeprazol (zum Beispiel Antra MUPS®), Antibiotika (zum Beispiel Amoclav® und Ciloxan®) oder Schmerzmittel wie Opioide mit Wirkstoffen wie Tramadol (zum Beispiel Tramabian®). 
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Ziele der Behandlung

Wie werden Blähungen klassisch behandelt?

Frau steht vor einem Medikamenten-Regal und hält verschiedene Blister in den Händen
Es gibt Medikamente gegen Blähungen. Besser ist es aber, die Ernährung umzustellen und eine gesunde Mikrobiota im Darm aufzubauen. Bild: MJ_Prototype/iStock/Getty Images Plus

Die Therapie von Blähungen richtet sich nach der Grunderkrankung. Ist die Ursache die Ernährung, eine Unverträglichkeit oder eine Allergie, sollten problematische Lebensmittel gemieden werden.

Ein gängiges Medikament gegen Blähungen ist Simeticon (zum Beispiel Espumisan®) oder Dimeticion (zum Beispiel Lefax®). Die Wirkstoffe entschäumen den Nahrungsbrei im Magen und Darm: Viele Gasbläschen lösen sich so besser auf und das Gas kann leichter ins Blut gelangen und abtransportiert werden. Medikamente gegen Blähungen werden bei unkomplizierten Zuständen eingesetzt, wenn die Ursache harmlos oder vorübergehend ist.

Info

Bei starken oder tagelangen Blähungen ist immer eine medizinische Abklärung durch den Arzt sinnvoll. Um die Lebensqualität beizubehalten, ist begleitend eine zertifizierte Ernährungsberatung empfehlenswert.

Ziele der Mikronährstoffmedizin

Die Mikronährstoffmedizin hat das Ziel, eine gesunde Darmfunktion zu unterstützen oder wiederherzustellen. Dadurch kann zum Beispiel verhindert werden, dass bestimmte Nahrungsbestandteile in den Dickdarm gelangen, wo aus ihnen Gase entstehen. Zudem können bestimmte Subtanzen die Regulation der Mikrobiota fördern.

Besonders bewährt haben sich folgende Stoffe:

Oft müssen bei einer Diät gegen Blähungen bestimmte Lebensmittel gemieden werden. Fehlen allerdings wichtige Lebensmittel – wie calciumreiche Milchprodukte bei einer Laktoseintoleranz oder Obst bei einer Fruktosemalabsorption – kann es zu einer Mangelernährung kommen. Oft empfehlen Mikronährstoff-Experten deshalb eine Basisabsicherung mit allen wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen.

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Behandlung mit Mikronährstoffen

Weniger Blähungen durch Probiotika

Wirkweise von Probiotika

Illustrative Darstellung von Bakterien
Probiotika können im Darm gasbildende Bakterien verdrängen und dadurch Blähungen vermeiden. Bild: Dr_Microbe/iStock/Getty Images Plus

Je nachdem, welche Bakterien im Darm überwiegen, wird viel oder wenig Gas gebildet. Da Probiotika ein gesundes Bakteriengleichgewicht fördern, können sie bei Blähungen helfen: Eine Vorstudie zeigt, dass Laktobazillen und Bifidobakterien Blähungen mindern. Dabei wurde die Menge eines bestimmten gasbildenden Bakteriums verringert (Methanobrevibacter).

Zudem helfen Probiotika bei Unverträglichkeiten oder Darmerkrankungen, die mit Blähungen einhergehen können:

  • Laktoseintoleranz: Bestimmte Probiotika bilden das Enzym Laktase und können so Laktose spalten. Die Ergebnisse aus einem Übersichtsartikel bestätigen, dass die Einnahme von Probiotika die Symptome bei einer Laktoseintoleranz verbessern. Allerdings gilt dies noch nicht als abschließend bewiesen. Andere Forscher kommen zu weniger eindeutigen Ergebnissen.
  • Reizdarm: In einer kleinen hochwertigen Studie verringerte die Einnahme eines Probiotikums Blähungen bei Reizdarm-Patienten. Sie erhielten ein Präparat mit verschiedenen Laktobazillen und Bifidobakterien sowie einem Streptococcus-Bakterium. Bei Patienten mit einem Scheinmedikament gab es keine Besserung. Auch bestätigen andere Forscher durch eine Studienauswertung, dass Probiotika Blähungen und Bauchschmerzen bei Reizdarm-Betroffenen lindern können im Vergleich zu Scheinmedikamenten.

Probiotika werden bei vielen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt, bei denen Blähungen auftreten. Dazu zählen Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), Verstopfungen und Durchfall, einem “undichten Darm” (Leaky-Gut-Syndrom) sowie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Bei Darmpilz scheinen Probiotika besonders wirksam zu sein, wenn Blähungen und Darmpilz als Nebenwirkung einer Antibiotika-Therapie auftreten.  

Treten Blähungen bei einer Darmerkrankung oder Unverträglichkeit auf, können Probiotika auf vielfältige Weise die gesunde Darmfunktion unterstützen und die Blähungen abmildern. Die Anwendung ist daher einen Behandlungsversuch wert.

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Dosierung und Einnahmeempfehlung von Probiotika

Bei Blähungen empfehlen Mikronährstoff-Experten eine Bakterienmenge von 10 bis 20 Milliarden (10 bis 20 x 109) koloniebildenden Einheiten (KBE). Nur so kommen ausreichend viele lebende Bakterien im Darm an. Besonders empfehlenswert sind Präparate, die ein breites Spektrum an unterschiedlichen Bakterien enthalten. Das verbessert nach derzeitigem Wissen die Wirkung.

Probiotika sind in Kapselform oder als Pulver erhältlich. Pulver kann Lebensmitteln wie Joghurt oder Getränke untergerührt werden. Die Speisen sollten jedoch nicht heißt sein – höchstens lauwarm.

Info

Babys leiden in den ersten Lebensmonaten oft an Blähungen und Bauchschmerzen. Erste Studien liefern Hinweise, dass Probiotika auch hier helfen können. Die Gabe eines Präparats sollte jedoch mit dem Kinderarzt abgesprochen werden. Nicht jede Bakterienart ist für Kinder unter zwölf Monaten geeignet. Für Babys gibt es deshalb spezielle Präparate.

Damit gesundheitsförderliche Effekte spürbar werden, müssen Probiotika über einen längeren Zeitraum regelmäßig eingenommen werden. Sobald man damit aufhört, nimmt die Zahl der probiotischen Bakterien im Darm wieder ab.

Probiotika: zu beachten bei Erkrankungen

Personen mit Histaminintoleranz sollten bei der Einnahme von Probiotika vorsichtig sein: Einige Probiotika können Histamin im Darm bilden und bei einer Histaminintoleranz Beschwerden auslösen. Betroffen sind vermutlich folgende Bakterienstämme: Lactobacillus casei, Lactobacillus delbrueckii ssp. bulgaricus, Lactobacillus reuteri, Lactococcus lactis und Enterococcus faecium.

Patienten mit einem stark unterdrückten Immunsystem sollten keine Probiotika einnehmen. Gleiches gilt, wenn ein zentraler Venenzugang (etwa bei Chemotherapie) besteht, bei Krankheiten der Herzklappen oder einem Kurzdarmsyndrom.

Frühgeborene Säuglinge sollten keine Probiotika bekommen.

Resistente Stärke: Besonderer Ballaststoff gegen Blähungen und Entzündungen

Wirkweise von resistenter Stärke

Viele kennen Ballaststoffe wie resistente Stärke als Verursacher von Blähungen: Bei der Verstoffwechselung von Ballaststoffen durch Darmbakterien entstehen Gase, die Blähungen verursachen. Langfristig fördern Ballaststoffe aber eine gesunde Mikrobiota, was wiederum Blähungen vermeiden kann. Gesundheitsfördernde Darmbakterien nutzen Ballaststoffe als Nahrungsquelle und vermehren sich. Man zählt solche Ballaststoffe deshalb zu den Präbiotika.

Info

Was ist resistente Stärke? Resistente Stärke ähnelt im Aufbau „normaler“ Stärke.  Allerdings kann sie von den Verdauungsenzymen nicht gespalten werden. Resistente Stärke kommt natürlicherweise etwa in reifen Bananen vor sowie in gekochtem Reis oder Kartoffeln.

Vor allem wasserlösliche Ballaststoffe wie resistente Stärke sind für empfindliche Menschen langfristig gut verträglich. Einige fasrige und wasserunlösliche Ballaststoffe können dagegen Beschwerden verursachen. Sie sind in Lebensmitteln wie grobkörniges Vollkornbrot und Weizenkleie enthalten und können zu Blähungen führen.

Zudem entstehen aus resistenter Stärke kurzkettige Fettsäuren. Die Zellen im Dickdarm brauchen diese Fettsäuren für die Energiegewinnung. Auch machen kurzkettige Fettsäuren den Darminhalt sauer. Im sauren Milieu können sich krankmachende Bakterien kaum vermehren: Blähungsfördernde Keime werden zurückgedrängt. Zudem wirken die Fettsäuren entzündungshemmend. Resistente Stärke wird in der Mikronährstoffmedizin vor allem bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen empfohlen (sofern keine aktive Entzündung vorliegt).

Eine kleine hochwertige Studie bestätigt, dass die Ergänzung eines Ballaststoffpräparats aus Mais bei Blähungen gut verträglich ist. Mais enthält unter anderem resistente Stärke. Allerdings fehlen noch große Studien, die dies bestätigen. Einen Anwendungsversuch ist resistente Stärke auf jeden Fall wert – vor allem in Kombination mit Probiotika.

Resistente Stärke in Pulverform
Resistente Stärke ist als Pulver erhältlich und kann ideal in andere Speisen eingerührt werden – zum Beispiel in Joghurt oder Quark. Bild: bdspn/iStock/Getty Images Plus
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Dosierung und Einnahmeempfehlung von resistenter Stärke

Bei Blähungen empfehlen Mikronährstoff-Experten zur langfristigen Regulation der Darmgesundheit die Einnahme von 10 bis 30 Gramm resistente Stärke pro Tag. Bei gleichzeitigen Verstopfungen sind auch Flohsamen schalen gut geeignet oder Hafer-Beta-Glucane.

Da sich der Darm erst an die höhere Ballaststoffzufuhr gewöhnen muss, sollte die Menge langsam  gesteigert werden. Es kann sonst zu einer Verschlimmerung der Blähungen kommen. Starten Sie mit der Hälfte der minimalen empfohlenen Tagesdosis – sprich 5 Gramm. Bei guter Verträglichkeit können Sie die Einnahmemenge jede Woche um weitere 5 Gramm steigern.

Enzyme: Verdauungshelfer zur Vermeidung von Blähungen

Wirkweise von Enzymen

Blähungen können die Folge von Verdauungsstörungen sein. Bei einer schwachen Verdauung (Dyspepsie) werden Lebensmittelbestandteile entweder schlecht gespalten oder zu wenig aufgenommen. Sie gelangen in den Dickdarm und werden von den Bakterien unter Gasproduktion zersetzt. Das führt zu Völlegefühl, Bauchschmerzen und Blähungen. Bei einer schwachen Verdauung kann die Ergänzung von Enzymen Abhilfe verschaffen:

  • Proteasen aus tierischen Bauchspeicheldrüsen verdauen Eiweiße. Eine pflanzliche Alternative ist Bromelain aus Ananas.
  • Lipasen verdauen Fette. Besonders wichtig sind sie bei Störungen der Fettverdauung – zum Beispiel bei einer Schwäche der Bauchspeicheldrüse oder Galle.
  • Bei Beschwerden durch unverdauten Kohlenhydraten werden Amylasen eingesetzt.
  • Bei speziellen Unverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz kann das milchzuckerspaltende Enzym Laktase ergänzt werden.

Da oft gleichzeitig mehrere Enzyme fehlen, werden meist Enzymmischungen verwendet. Neben Völlegefühl und Blähungen werden sie auch bei vielen Erkrankungen eingesetzt – zum Beispiel bei Zöliakie, Morbus Crohn und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Die Wirksamkeit wird durch Studien bestätigt:

  • Enzymmangel: Mehrere Vorstudien ergaben, dass Bromelain Beschwerden wie Schmerzen, Blähungen und häufigen Stuhlgang verbessert. Getestet wurde Bromelain zusammen mit anderen Verdauungsenzymen, die aus tierischen Bauchspeicheldrüsen gewonnen wurden.
  • Laktoseintoleranz: Bei einer Laktoseintoleranz fehlt das Enzym Laktase, das den Milchzucker (Laktose) spaltet. Erste Studien zeigen, dass Laktasepräparate die Gasproduktion reduzieren können. Allerdings gibt es einen dosisabhängigen Effekt: je höher die Laktosemenge, desto mehr Laktase ist nötig.

Blähungen durch eine schwache Verdauung könnten durch Enzympräparate gelindert werden. Hochwertige Studien fehlen aber bislang. Oft ist das Ansprechen von Person zu Person unterschiedlich. Ärzte und Therapeuten haben in der Praxis aber gute Erfahrungen gemacht. Die Ergänzung ist deshalb einen Versuch wert.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Enzymen

Bei Blähungen durch eine zu schwache Verdauung kann ein Enzympräparat hilfreich sein. Mikronährstoff-Experten empfehlen oft folgende tägliche Dosierungen:

  • Proteasen: 800 bis 2.700 Units Ph. Eur. Units (Pharmacopoea Europaea Einheiten)
    • speziell Bromelain: 200 bis 800 Federation Internationale Pharmaceutique-Einheiten (F.I.P.-Einheiten)
  • Lipasen: 100 bis 500 Ph. Eur. Units (Pharmacopoea Europaea Einheiten). Bei einer schwachen Bauchspeicheldrüse (Pankreasinsuffizienz) ist eine Dosis von 2.000 Ph. Eur. Units pro Gramm Nahrungsfett nötig.
  • Amylasen: 3.600 bis 10.000 Ph. Eur. Units (Pharmacopoea Europaea Einheiten)
  • Laktase: 10.000 bis 15.000 Food-Chemical-Codex-Einheiten (FCC) pro laktosehaltiger Mahlzeit. Bei Bedarf sollte die Laktasemenge erhöht werden.

Die Einnahme von Bromelain sollte für acht bis zehn Tage erfolgen, idealerweise verteilt auf zwei bis drei Einzeldosen – zum Beispiel morgens, mittags und abends jeweils 100 F.I.P.-Einheiten. Die Dosierung von Proteasen, Lipasen und Amylasen wird idealerweise vom Arzt auf die Krankheit abgestimmt.

Tipp

Folgende Tipps können bei einer festgestellten Laktoseintoleranz helfen, wenn Laktase nicht ausreichend wirkt:

  1. Einnahme zum richtigen Zeitpunkt: Bei manchen Personen kann es länger dauern, bis sich Kapseln oder Tabletten lösen und die Laktase freisetzen. Es hilft, wenn Kapseln geöffnet oder die Tabletten gekaut werden. Testen Sie zudem den idealen Einnahmeabstand zur Mahlzeit aus.
  2. Ausreichend trinken: Wasser verdünnt Magensäure und verhindert, dass die Säure die Laktase zerstört.
  3. Ergänzung der richtigen Enzymmenge: Wenn viel Milch getrunken wird, sinkt die Wirksamkeit. Dann sollte die Dosierung gesteigert werden. 

Enzyme: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen, vor Operationen und bei Medikamenteneinnahme

Schwangere Frau hält ihren Bauch fest
In der Schwangerschaft sollte die Einnahme von Enzymen mit dem Arzt besprochen werden. Es liegen noch keine ausreichenden Studien vor, um Präparate in dieser Zeit generell empfehlen zu können. Bild: Helios8/iStock/Getty Images Plus

Schwangere und Stillende sollten die Einnahme von Enzymen mit dem Arzt absprechen. Probleme durch Bromelain in der frühen Schwangerschaft können nicht ganz ausgeschlossen werden.

Je nachdem, wie die Enzyme hergestellt werden, können sie bei Allergikern Beschwerden hervorrufen: Bromelain wird aus Ananas gewonnen, während andere Enzyme aus dem Verdauungstrakt von Schweinen genommen werden (Allergie gegen Schweineeiweiß).

Liegt eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis) vor, sollten keine Verdauungsenzyme eingenommen werden. Auch wurde bei Personen mit Mukoviszidose (erbliche Stoffwechselerkrankung) nach der Einnahme von hoch dosierten Verdauungsenzymen vom Schwein Darmverengungen beobachtet. Dies kann einen gefährlichen Darmverschluss auslösen. Treten Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und starke Schmerzen auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Vor einer geplanten Operation sollten keine Präparate mit Bromelain eingenommen werden. Bromelain kann blutverdünnend wirken. Vorsicht gilt auch für Menschen mit Blutgerinnungsstörungen.

Bromelain könnte die Aufnahme einiger Antibiotika im Darm erhöhen und deren Wirksamkeit steigern. Betroffen sind Wirkstoffe wie Erythromycin (zum Beispiel EryHexal®) und Clarithromycin (zum Beispiel Klacid®). Die gleichzeitige Einnahme sollte daher mit dem Arzt abgesprochen sein.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten zur Hemmung der Blutgerinnung, kann die Gefahr für Blutungen steigen. Betroffene Wirkstoffe sind beispielsweise Phenprocoumon (zum Beispiel Marcumar® und Marcuphen®) und Acetylsalicylsäure (ASS) (zum Beispiel Godamed®).

Ingwer und Artischocke: wirksame Unterstützer gegen einen Blähbauch

Wirkweise von Ingwer und Artischocke

Viele traditionelle Heilpflanzen sind bekannte Hausmittel bei Blähungen. Sie können zum Beispiel als Kräutertee zubereitet werden. Die Inhaltstoffen helfen, indem sie die Gasbildung verhindern oder herabsetzen. Zudem verbessern einige Pflanzenstoffe die Durchblutung und entspannen die Darmmuskulatur. Besonders bekannt sind beispielsweise Fenchel, Kamille, Melisse und Ingwer.

Auch bei einer schwachen Verdauung können bestimmte Heilpflanzen Blähungen vermeiden oder abschwächen: Bitterstoffe aus zum Beispiel Artischocke und Kurkuma regen die Produktion von Verdauungsenzymen an. Dadurch fördern sie die Verwertung der Nährstoffe aus der Nahrung.

Abbildung von Artischocken
Die Bitterstoffe aus Artischocke regen die Bildung von Enzymen an. Artischocke ist deshalb ein traditionelles Hausmittel bei Verdauungsproblemen und Blähungen. Bild: JuanCi/iStock/Getty Images Plus

Eine hochwertige Studie mit 126 Teilnehmern zeigt, dass die Einnahme von Ingwer- und Artischocken-Extrakt zu einer deutlichen Verringerung von Blähungen führt. Insbesondere ein harter, angespannter Blähbauch ließ durch die Pflanzenstoffe nach. Aber auch andere Beschwerden, die oft zusammen mit Blähungen auftreten, wurden gelindert – zum Beispiel Völlegefühl, Bauchschmerzen und Übelkeit. Die 61 Teilnehmer, die ein Scheinmedikament bekamen, profitierten dagegen nicht. Eine weitere hochwertige Studie bestätigt die Wirkung auch für Artischocken-Extrakt allein: Die Symptome konnten verringert und die Lebensqualität verbessert werden.

Heilpflanzen werden seit langer Zeit bei Verdauungsproblemen angewendet. Allerdings liegen nur wenige hochwertige Studien vor, die eine Wirkung bei Blähungen belegen. Durch die lange Erfahrung, die gute Verträglichkeit sowie die einfache Anwendung sind sie aber einen Versuch wert.

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Dosierung und Einnahmeempfehlung von Ingwer und Artischocke

Mikronährstoff-Experten befürworten bei Blähungen die Einnahme von Ingwer- und Artischocken-Extrakt. Sinnvoll sind Dosierungen zwischen 20 und 50 Milligramm Ingwer-Extrakt pro Tag sowie 100 bis 600 Milligramm Artischocken-Extrakt. Präparate sollten mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden, idealerweise zum Essen.

Ingwer und Artischocke: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf die Einnahme von Artischocken-Extrakt verzichtet werden – es sei denn, die Anwendung ist mit dem Arzt abgesprochen.

Personen mit Gallensteinen, sollten gallentreibenden Artischocken- und Ingwer-Extrakt nicht einnehmen. Wird der Gallenfluss gefördert, kann ein möglicher Gallenstein die Gallengänge verstopfen und eine Kolik auslösen.

Ingwer kann die Blutgerinnung herabsetzen. Daher sollten Patienten mit Blutgerinnungsstörungen keine Ingwer-Präparate einnehmen.

Ingwer- und Artischocken-Extrakt können die Wirksamkeit von Blutgerinnungshemmern abschwächen. Die Einnahme sollte mit dem Arzt besprochen werden. Betroffen sind Wirkstoffe wie Warfarin (Coumadin®).

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung pro Tag bei Blähungen
 

Probiotika

Probiotika

10 bis 20 Milliarden (10 bis 20 x 109) koloniebildende Einheiten (KBE)

 

 

 

Ballaststoffe

resistente Stärke

10 bis 30 Gramm (g)

 

 

 

Enzyme

Bromelain

200 bis 800 Federation Internationale Pharmaceutique-Einheiten (F.I.P.-Einheiten)

Proteasen 

800 bis 2.700 Pharmacopoea Europaea Einheiten (Ph. Eur. Units)

Lipasen

100 bis 500 Pharmacopoea Europaea

Amylasen

3.600 bis 10.000 Pharmacopoea Europaea

Laktase

10.000 bis 15.000 Food-Chemical-Codex-Einheiten (FCC) oder 600 bis 1.800 U pro laktosehaltige Mahlzeit

 

 

 

Pflanzenstoffe

Ingwer-Extrakt

20 bis 50 Milligramm (mg)

Artischocken-Extrakt

100 bis 600 Milligramm

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Zusammenfassung

Blähungen haben verschiedene Auslöser. Meist ist die Ernährung die Ursache. Aber auch Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Lebensmitteln und Zusatzstoffen sowie Allergien verursachen oft Blähungen. Zudem sind Blähungen ein häufiges Symptom bei Erkrankungen wie einem Reizdarmsyndrom, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder von Magen-Darm-Infektionen. Mit Hilfe der Mikronährstoffmedizin kann die klassische Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankungen unterstützt werden. Zudem helfen bestimmte Stoffe direkt, Blähungen zu reduzieren.

Um eine oft vorkommende gestörte Darm-Mikrobiota wiederaufzubauen und krankmachende Bakterien zu verdrängen, sind Probiotika gut geeignet. Auch resistente Stärke als Ballaststoff trägt langfristig zur Linderung von Blähungen bei, denn sie fördern die Darmgesundheit. Der Darm muss sich allerdings nach und nach an resistente Stärke gewöhnen.

Auch Enzympräparate können helfen, wenn Blähungen die Folge einer Verdauungsschwäche sind. Dazu gehören Bromelain aus Ananas, Proteasen, Lipasen oder Amylasen. Das Enzym Laktase kann dagegen Blähungen bei einer Laktoseintoleranz in vielen Fällen vermeiden. Zudem können traditionelle Heilpflanzen wie Ingwer- und Artischocken-Extrakt Blähungen gut lindern. Ihre Anwendung beruht auf langjährigem Erfahrungswissen.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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