Darmflora-Störungen behandeln

Wie die Mikronährstoffmedizin das Gleichgewicht im Dickdarm wiederherstellt

Unser Dickdarm ist von unzähligen Mikroorganismen besiedelt, vor allem von Bakterien. Diese werden in ihrer Gesamtheit als Darmflora bezeichnet. Darmbakterien übernehmen wichtige Stoffwechselaufgaben und unterstützen das Immunsystem. Überwiegen schädliche oder krank machende Bakterien, gerät der Darm aus dem Gleichgewicht. Dann spricht man von einer Darmflora-Störung oder Dysbiose. Symptome wie Verdauungsstörungen, zum Beispiel Durchfall oder Verstopfung, aber auch Müdigkeit und Kopfschmerzen können die Folge sein. Erfahren Sie, wie die Mikronährstoffmedizin die Darmflora im Dickdarm wieder in Balance bringt und die gesundheitsfördernden Bakterien bei ihren Aufgaben unterstützen kann.

Ärztin hält ein Tablet mit einer Grafik eines Darms
Bei einer Darmflorastörung ist das Verhältnis zwischen gesundheitsförderlichen und krankmachenden Bakterien im Dickdarm gestört. Bild: Natali_Mis/iStock/Getty Images Plus

Ursachen und Symptome

Was versteht man unter einer Dysbiose?

Der Verdauungstrakt, vor allem der Dickdarm, ist von einer Vielzahl an Kleinstlebewesen (Mikroorganismen) besiedelt, in erster Linie Bakterien. Im Darm sind mehr Bakterien als der Körper Zellen hat. Ihre Gesamtheit nennt man Darmflora (Mikrobiom). Sie bewahrt den Darm vor Infektionen, aktiviert das Immunsystem, produziert kurzkettige Fettsäuren sowie Vitamine und sorgt für einen optimalen pH-Wert. All das funktioniert nicht mehr, wenn krankmachende Bakterien überwiegen. Man spricht dann von einer Dysbiose (Ungleichgewicht).

Ursachen einer Darmflora-Störung

Die Darmflora ist ein empfindliches System, das durch unterschiedliche Faktoren aus dem Gleichgewicht gebracht werden kann – zum Beispiel durch:

  • Infektionen: Durchfallbakterien oder der Magenkeim Helicobacter pylori reizen die Schleimhaut.
  • falsche Ernährung: Eine ungesunde Ernährung mit fett- und zuckerreichen Lebensmitteln fördert das Wachstum ungesunder Bakterien.
  • Stress: Auch durch körperlichen und seelischen Stress wird die Darmflora beeinflusst. Schädliche Bakterien haben leichteres Spiel.
  • Verdauungsschwäche: Unverdaute Stoffe, die im Darm liegen bleiben, können eine Entgleisung der Darmflora bewirken. Darum stören auch Nahrungsmittelintoleranzen wie GlutenunverträglichkeitLaktose- oder Fruktoseintoleranz das Gleichgewicht im Darm.
  • Alkohol schadet den Bakterien und der Schleimhaut des Magen- und Darmtrakts. Dadurch beeinträchtigt er die Dichtigkeit der Darmwand.
  • Umweltgifte: Beispielsweise können Quecksilber und Blei über die Nahrung aufgenommen werden und eine Dysbiose begünstigen.
  • Medikamente: Nicht nur Antibiotika töten Bakterien im Darm. Sehr viele Medikamente beeinflussen die Darmflora mehr oder weniger stark. Zum Beispiel Magenmittel (PPI), Abführmittel, Antidiabetika (Metformin) oder die Antibabypille können das Gleichgewicht stören.

Symptome der Darmflora-Störung

Eine Darmflora-Störung äußert sich meist durch einen Blähbauch, oft verbunden mit Blähungen oder Verdauungsstörungen, Völlegefühl und Übelkeit. Auch Durchfall und Verstopfung treten häufig auf. Die Dysbiose kann aber nicht nur die Verdauung stören. Es kann auch zu Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen kommen. Menschen mit Darmflora-Störungen sind darüber hinaus anfälliger für Infekte.

Folgen einer Darmflora-Störung

Illustartion verschiedener Bakterien
Zu den gesundheitsfördernden „guten“ Bakterien gehören zum Beispiel Bifidobakterien und Laktobazillen. Auch E. coli gehört dazu, obwohl er oft mit Lebensmittelvergiftungen in Verbindung gebracht wird. Denn die meisten E.-coli-Stämme sind harmlos und Teil unserer natürlichen Darmflora. Bild: Bezvershenko/iStock/Getty Images Plus

Die Darmflora bestimmt, auf welche Stoffe unser Immunsystem reagiert. Bei einer Fehlbesiedelung kann das Immunsystem entweder sehr sensibel oder zu wenig reagieren. Dadurch kann es Bestandteile des Körpers angreifen – was sich in Autoimmunkrankheiten äußern kann – oder es kann zu Infektionen kommen. Durch die Dysbiose kann auch die Darmschleimhaut undicht werden: Giftstoffe oder Bakterien dringen dann in den Körper ein. Man spricht von einem durchlässigen Darm oder dem Leaky-Gut-Syndrom.

Verschiedene Erkrankungen können in Zusammenhang mit einer Darmflora-Störung stehen. Allerdings ist bisher nicht klar, ob eine Dysbiose Ursache oder Folge dieser Krankheiten ist. Beispiele sind:

Neuerdings wird bei sehr viel mehr Erkrankungen eine Verbindung zur Darmflora vermutet:  Multiple Sklerose, Depressionen, Migräne, Krebs, Diabetes mellitus, starkes Übergewicht (Adipositas) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Welchen Einfluss der Darm auf die Entstehung dieser Krankheiten hat, wird derzeit intensiv erforscht.

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Ziele der Behandlung

Wie wird die Darmflora-Störung klassisch behandelt?

Eine klassische Therapie für Darmflora-Störungen gibt es derzeit nicht, ebenso fehlen Behandlungsleitlinien. Grundsätzlich gilt es, schädliche Einflüsse zu vermeiden. Da zum Beispiel Antibiotika die Zusammensetzung der Darmflora massiv verändern, müssen das Risiko und der Nutzen kritisch hinterfragt werden. Oft werden in der klassischen Therapie nur die Symptome behandelt, wie Durchfall, Blähungen oder Verstopfung.

In Zukunft muss man vermehrt auf die eigentlichen Ursachen achten, wie Medikamente. Auch eine ungünstige Ernährung hat grundlegende Folgen für die Darmflora. Vorteilhaft sind ballaststoffreiche Lebensmittel sowie wenig Zucker und Fette. Individuell unverträgliche Lebensmittel sowie Gifte wie Konservierungsstoffe und Alkohol sollten vermieden werden. Eine Ernährungsberatung und ein abgestimmter Ernährungsplan unterstützen die Behandlung einer Darmflorastörung.

Manchmal wird eine Darmsanierung zur Therapie einer gestörten Darmflora empfohlen. Dabei werden unterschiedliche Methoden angewandt – wie eine Darmreinigung über Einläufe, Abführmittel, Fastenkuren sowie eine Wiederherstellung der gesunden Darmflora (Darmsymbioselenkung) mit nützlichen Darmbakterien (Probiotika) und Ballaststoffen (Präbiotika).

Ziele der Mikronährstoffmedizin

Grundlegendes Ziel der Mikronährstoffmedizin ist es, die gesunde Darmflora wiederherzustellen – ähnlich wie in der klassischen Medizin. Bestimmte Stoffe können die Darmschleimhaut unterstützen und damit die Darmbarriere und die Immunabwehr stärken. Dies bringt den Darm wieder ins Gleichgewicht und verdrängt die schlechten Darmbakterien. In der Mikronährstoffmedizin hat sich Folgendes bewährt:

Tipp

Sehr oft empfehlen Mikronährstoff-Experten bei einer Darmflora-Störung ein Kombinationspräparat, das B-Vitamine enthält. B-Vitamine sind wichtig für eine gesunde Darmschleimhaut. Der Körper benötigt sie zum Beispiel für die Zellteilung im Darm und für die Energiegewinnung in den Zellen. Vor allem bei entzündlichen Darmerkrankungen kann ein Mangel bestehen.

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Behandlung mit Mikronährstoffen

Resistente Stärke dient Darmbakterien als Nahrung

Wirkweise von resistenter Stärke

Resistente Stärke ist ein Ballaststoff, der nicht verdaut werden kann. Für unsere Darmbakterien ist er jedoch sehr wichtig: Sie können daraus kurzkettige Fettsäuren herstellen, die den Zellen im Dickdarm Energie liefern. Insbesondere die kurzkettige Buttersäure (Butyrat) wirkt entzündungshemmend. Darüber hinaus senken kurzkettige Fettsäuren den pH-Wert und stellen somit optimale Bedingungen für eine gesundheitsfördernde Darmflora her. Erste teilweise hochwertige Studien bestätigen die Wirkung: Wurde die Ernährung um resistente Stärke ergänzt, veränderte sich die Bakterienzusammensetzung im Darm positiv.

Möglicherweise kann die Einnahme von resistenter Stärke auch bei Durchfallerkrankungen helfen: In einer ersten Studie mit 183 Kindern konnte die Dauer des Durchfalls deutlich verkürzt werden im Vergleich zur Standardtherapie. Auch eine weitere Vorstudie an Erwachsenen mit wässrigen Durchfällen belegt das: Im Vergleich zu einer Zuckerlösung senkte resistente Stärke die Dauer der Durchfälle um 55 Prozent und verringerte das Stuhlgewicht (und damit das verlorene Wasser) bereits nach 12 Stunden.

Fazit: Viele Daten belegen, dass resistente Stärke die Darmbesiedelung und Darmgesundheit verbessern kann. Dies hilft nicht nur bei Durchfall. Es dürfte günstig auf die Darmfunktion und den Stoffwechsel wirken. Weitere Studien werden folgen, um dies zu bestätigen.

Lebensmittel die reich an Ballaststoffen sind
Ballaststoffe wie resistente Stärke aus Mais dienen den Darmbakterien als Nahrung. Sie sind deshalb ein wichtiger Bestandteil der Mikronährstoffmedizin bei einer Darmflorastörung. Bild: robynmac/iStock/Getty Images Plus

Resistente Stärke: Dosierung und Einnahmeempfehlung

Bei einer Störung der Darmflora im Dickdarm empfehlen Mikronährstoff-Experten bis zu 25 Gramm resistente Stärke täglich. Nehmen Sie resistente Stärke (zum Beispiel in Form von Pulver) über den Tag verteilt zu den Mahlzeiten ein – zum Beispiel dreimal täglich jeweils 8 Gramm. Begleitend dazu ist es wichtig, viel zu trinken.

Tipp

Zu Beginn der Einnahme kann resistente Stärke Blähungen verursachen. Empfehlenswert ist es, mit der Einnahme langsam zu beginnen, bis sich der Darm an eine höhere Ballaststoffzufuhr gewöhnt hat. Sinnvoll sind zum Beispiel zuerst 8 Gramm für den ganzen Tag. Wenn resistente Stärke vertragen wird, kann die Dosis erhöht werden.

Resistente Stärke: zu beachten bei Erkrankungen

Verzichten Sie auf Ballaststoffe wie resistente Stärke bei akuten Entzündungen im Darm, etwa bei Divertikulitis oder einer akuten chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Ballaststoffe könnten die Symptome in dieser Zeit verschlimmern.

Probiotika können helfen, das bakterielle Ungleichgewicht zu beheben

Wirkweise von Probiotika

Probiotika enthalten lebende gesundheitsfördernde Bakterien, zum Beispiel Milchsäurebakterien. Nach der Einnahme von Probiotika siedeln sich die Bakterien im Dickdarm an und haben gesundheitsfördernde Effekte: Zum Beispiel konkurrieren sie mit schlechten Bakterien um Nährstoffe und beeinflussen so die Zusammensetzung der Darmflora positiv. Probiotika trainieren auch das Immunsystem und helfen dem Körper, sich gegen Krankheitserreger zu wehren. Zum Beispiel aktivieren sie die Produktion schützender Antikörper. Außerdem wird die Barriere des Darms gestärkt und es wird verhindert, dass schädliche Stoffe durch die Darmschleimhaut in den Körper eindringen.

Eine Einnahme von Laktobazillen und Bifidobakterien kann das Gleichgewicht auf die Seite der nützlichen Bakterien verschieben. Dies zeigen zwei Übersichtsarbeiten.

Besonders Personen mit Reizdarmsyndrom könnte geholfen werden: In einer ersten Studie verringerten sich Blähungen und Schmerzen nach einer Kur mit Lactobacillus plantarum. Eine Besserung der Reizdarm-Beschwerden belegt auch eine hochwertige Studie, in der eine probiotische Mixtur aus Laktobazillen, Bifidobakterien und Streptococcus thermophilus eingesetzt wurde.

Probiotika wurden auch im Zusammenhang mit einer Antibiotikaeinnahme untersucht. Eine Übersichtsarbeit ergab, dass Antibiotika-bedingte Durchfälle durch Probiotika seltener auftraten. Bakterienarten wie Lactobacillus rhamnosus und die Hefe Saccharomyces boulardii waren dabei besonders effektiv.

Fazit: Bei einer Darmflorastörung ist die Lenkung der Darmbesiedelung (Symbioselenkung) mit Prä- und Probiotika eine sehr wichtige Maßnahme. Abschließende Urteile sind meist jedoch noch nicht möglich. Da es aber viele Hinweise aus Studien gibt, ist die Einnahme einen Versuch wert.

Illustration von Bakterien
Die Ergänzung von probiotischen Bakterien hilft, die gestörte Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Es konnten in Studien zum Beispiel Blähungen, Durchfall und Schmerzen reduziert werden. Bild: Rost-9D/iStock/Getty Images Plus

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Probiotika

Um die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen, müssen Probiotika täglich über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Damit die guten Bakterien im Dickdarm ankommen, sollten die Präparate mindestens eine Milliarde Keime enthalten (1 x 109 koloniebildenden Einheiten). In einer ersten Studie an Reizdarm-Patienten wurde eine Dosierung von 50 Millionen (5 × 107) eingesetzt.

Mikronährstoff-Experten empfehlen für eine gute Wirkung aber meist mehr – zum Beispiel mindestens 10 Milliarden Keime (10 x 109). Zudem raten sie meist zu einem Kombinationspräparat mit verschiedenen Laktobazillen und Bifidobakterien. Es wird vermutet, dass sie sich in ihrer Wirkung ergänzen.

Probiotika gibt es in Form von Pulver oder Kapseln. Optimal ist die Wirkung, wenn Sie Probiotika zu einer leichten Mahlzeit einnehmen. So können die Keime den Magen schnell passieren und werden durch die Magensäure nicht zu sehr geschädigt.

Tipp

Auch Sauerkraut, Joghurt und Käse können lebende Bakterien enthalten, jedoch häufig nicht in ausreichender Menge. Die Menge ist abhängig von der Zubereitung, Konservierung und Lagerungsdauer. Auch wenn eine hochwertige Studie zeigt, dass ein probiotischer Joghurt generell wirksam war, empfehlen Mikronährstoff-Experten meist ein Präparat mit einer genau definierten Keimanzahl.

Stuhluntersuchung (Mikrobiomanalyse)

Um zu untersuchen, ob Probiotika anschlagen, kann eine Stuhluntersuchung durchgeführt werden. Dazu muss eine Stuhlprobe in ein Labor geschickt werden. Wichtig ist, dass die Anweisungen vom Arzt oder Labor genau eingehalten werden: Wird die Stuhlprobe zum Beispiel nicht konserviert, vermehren sich bestimmte Bakterien stark, was das Ergebnis verfälscht.

Im Labor gibt es verschiedene Verfahren. Derzeit am besten geeignet ist die Analyse der Erbinformation der Bakterien (DNA-Sequenzierung). Der Test gibt Auskunft über die Bakterienvielfalt im Darm und darüber, ob zu viele krankmachende Bakterienarten im Darm leben. Die Normwerte gibt das Labor an.

Probiotika: zu beachten bei Erkrankungen und Medikamenteneinnahme

Einige probiotische Bakterien bilden möglicherweise Histamin im Darm. Dazu zählen: Lactobacillus casei, Lactobacillus delbrueckii ssp. bulgaricus, Lactobacillus reuteri, Lactococcus lactis und Enterococcus faecium. Daher kann eine Probiotikaeinnahme bei einer Histaminintoleranz Beschwerden hervorrufen.

Für Menschen, die ein stark geschwächtes Immunsystem haben, könnten Probiotika gefährlich werden. Daher sollten Schwerkranke, frisch Operierte oder sehr alte Personen nur in Rücksprache mit dem Arzt Probiotika einnehmen. Patienten mit zentralen Venenzugängen (zum Beispiel bei Chemotherapie), Herzklappenerkrankungen, Kurzdarmsyndrom und Frühgeborene sollten keine Probiotika bekommen.

Probiotika sollten nicht gleichzeitig mit Antibiotika eingenommen werden, da Antibiotika die probiotischen Bakterien abtöten würden. Um ihre Wirkung nicht zu beeinträchtigen, halten Sie einen Einnahmeabstand von zwei bis drei Stunden ein.

Omega-3-Fettsäuren wirken Entzündungen entgegen

Wirkweise von Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren lindern Entzündungen: Der Körper kann aus Omega-3-Fettsäuren, vor allem aus Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), Stoffe herstellen, die antientzündlich wirken. Gleichzeitig hemmen sie die Produktion von entzündungsfördernden Botenstoffen.

Beobachtungsstudien zeigen, dass eine gestörte Darmflora mit chronischen Entzündungsprozessen und Stoffwechselstörungen in Verbindung steht. Diese können zu Erkrankungen wie Fettleibigkeit (Adipositas) oder Diabetes führen. Omega-3-Fettsäuren haben sich generell bei entzündungsbedingten Erkrankungen bewährt: In teils hochwertigen Studien hatten Omega-3-Fettsäuren eine positive Wirkung bei rheumatoider Arthritis und bei Verkalkungen der Blutgefäße. Auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen könnten sie helfen.

Eventuell haben Omega-3-Fettsäuren auch einen förderlichen Effekt auf die Darmflora und liefern – wie Ballaststoffe – unverdauliche Bestandteile, die den guten Bakterien als Nahrung dienen. Zwei Übersichtsarbeiten erster Studien lassen annehmen, dass Omega-3-Fettsäuren eine Darmflorastörung lindern können. Es zeigte sich eine Abnahme potenziell schädlicher Darmbakterien, die zum Beispiel bei Reizdarm-Patienten erhöht sind. Gleichzeitig stieg die Zahl an nützlichen Bakterien, die entzündungshemmende kurzkettige Fettsäuren produzieren.

Fazit: Bei Entzündungen sind Omega-3-Fettsäuren wichtige Helfer. Auch könnten sie einer der Bausteine sein, um die Darmflora günstig zu beeinflussen. Weitere Studien müssen folgen. Da unsere Ernährung meist arm ist an Omega-3-Fettsäuren, sollte man bei einer Darmflorastörung bewusst darauf achten.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Omega-3-Fettsäuren

Bei entzündungsbedingten Erkrankungen empfehlen Mikronährstoff-Experten täglich 1.000 bis 2.000 Milligramm Omega-3-Fettsäuren – idealerweise aus Fisch- oder Krillöl, da es EPA und DHA enthält. Achten Sie dabei auf einen höheren Gehalt an EPA (zum Beispiel 1.400 Milligramm), da EPA stark entzündungshemmend wirkt. 

Omega-3-Fettsäuren wirken am besten, wenn die Einnahme mit etwas Fett aus der Mahlzeit ergänzt wird. Nehmen Sie die Präparate deshalb zu einer Mahlzeit ein.

Tipp

Bei Omega-3-Präparaten gibt es große Qualitätsunterschiede: Achten Sie auf Präparate, die gereinigt wurden. Sie sind frei von Schadstoffen wie Schwermetallen.

Omega-3-Fettsäuren im Labor bestimmen lassen

Ob Sie gut mit Omega-3-Fettsäuren versorgt sind, erfahren Sie durch den Omega-3-Index. Dabei misst das Labor den Anteil der Omega-3-Fettsäuren in den roten Blutzellen (Erythrozyten). Der Omega-3-Index wird in Prozent angegeben und sollte optimalerweise über 8 liegen. Dies bedeutet, dass 8 von 100 Fettsäuren in den roten Blutzellen hochwertige Omega-3-Fettsäuren sind.

Omega-3-Fettsäuren: zu beachten bei der Medikamenteneinnahme, Erkrankungen und vor Operationen

Da Omega-3-Fettsäuren blutverdünnend wirken, könnten sie ab einer Dosierung von 1.000 Milligramm die Wirkung von Blutgerinnungshemmern verstärken. Besprechen Sie daher die Einnahme mit Ihrem Arzt. Er kann die Blutgerinnungszeit (Quick-Wert) regelmäßig kontrollieren. Zu den Blutverdünnern zählen:

  • Cumarin-Derivate (wie Marcumar® und Coumadin®)
  • Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin®)
  • Heparin (Clexane®)
  • neue orale Antikoagulanzien: Apixaban (Eliquis®), Dabigatran (Pradaxa®), Edoxaban (Lixiana®) und Rivaroxaban (Xarelto®)

Möglicherweise beeinflussen Omega-3-Fettsäuren den Blutzucker. Daher sollten Diabetiker, die Medikamente einnehmen, ihre Blutzuckerwerte zu Beginn der Einnahme häufiger kontrollieren, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Eventuell ist eine Anpassung der Medikamente nötig.

Bei akuten Lebererkrankungen, einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung oder einer Gallenblasenentzündung sollten Omega-3-Fettsäuren nicht eingenommen werden. Auch wenn Sie eine Blutgerinnungsstörung haben oder sich einer Operation unterziehen müssen, sollten Sie die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zuvor mit dem Arzt abklären. Einige Ärzte empfehlen, ein bis zwei Wochen vor der Operation auf Omega-3-Präparate zu verzichten.

Glutamin für eine starke Darmbarriere

Wirkweise von Glutamin

Die Aminosäure Glutamin ist vor allem im Dünndarm der wichtigste Lieferant für Energie. Außerdem reguliert Glutamin spezielle Eiweiße, welche die Darmwand abdichten. Daneben fördert es die Regeneration. Insgesamt stärkt Glutamin die Darmbarriere. Insbesondere bei einem „löchrigen Darm“ (Leaky-Gut-Syndrom) scheint eine Ergänzung daher vielversprechend: Erste Studien belegen, dass sich nach der Einnahme von Glutamin die Darmbarriere verbesserte – zum Beispiel bei Kindern und schwerkranken Personen.

Eine Störung der Darmflora steht vermutlich mit dem Auftreten von Übergewicht in Verbindung. In einer Vorstudie erhielten übergewichtige Teilnehmer 30.000 Milligramm Glutamin täglich. Dies konnte bereits nach zwei Wochen das Verhältnis der Darmbakterien Firmicutes und Bakteroidetes positiv verändern. Bei normalgewichtigen Menschen sind Bacteroidetes in der Überzahl, bei übergewichtigen Personen Firmicutes.

Info

Die Bakterienzusammensetzung beeinflusst direkt die Nutzung der Energie aus der Nahrung: Durch ein Überangebot an Firmicutes kann die Nahrung vermutlich besser aufgespalten und verwertet werden. Das führt leichter zu Übergewicht. Glutamin könnte die Bakterienzusammensetzung und die Energieausbeute verändern und so dabei helfen, Übergewicht zu reduzieren.

Die chemische Formel für Glutamin
Glutamin ist eine Aminosäure, die die Darmbarriere stärkt. Glutamin reguliert spezielle Eiweiße, die die Darmwand abdichten. Bild: Zerbor/iStock/Getty Images Plus, Bulgnn/iStock/Getty Images Plus

Dosierung und Einnahmeempfehlungen von Glutamin

Die empfohlene Dosis zur Stärkung der Darmbarriere beträgt 4.000 bis 10.000 Milligramm Glutamin täglich. Glutamin ist in Form von Kapseln oder Pulver erhältlich. Am besten verwertet der Körper Glutamin, wenn er es in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt zur Verfügung hat. Verteilen Sie die Gesamtdosis daher über den Tag. Ideal ist die Einnahme eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten: So hat Glutamin genügend Vorsprung, bevor andere Aminosäuren aus der Nahrung seine Aufnahme im Darm verringern.

Glutamin: zu beachten bei Erkrankungen und Chemotherapien

Bei Nieren- und Leberschäden sollte kein Glutamin eingesetzt werden. Wird Glutamin abgebaut, entsteht Stickstoff (Ammonium), der wiederum entgiftet werden muss. Bei Störungen der Nieren- und Leberfunktion ist die Entgiftung jedoch beeinträchtigt.

Bei einer Krebstherapie sollte der Einsatz von Glutamin immer mit dem Arzt abgestimmt werden. Unter anderem können Chemotherapien die Niere schädigen. Wenn größere Mengen an Glutamin zur Senkung der Nebenwirkungen einer Chemotherapie eingesetzt werden (zum Beispiel bei einer Therapie mit Cisplatin wie Teva® oder Cisplatin Accord®), sollte die Nierenfunktion zuvor geprüft werden. Glutamin könnte demgegenüber jedoch auch das Überleben der Krebszellen fördern.

Flavonoide beeinflussen möglicherweise die Darmflora und hemmen Entzündungen

Wirkweise von Flavonoiden

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe. Ihre gesundheitsfördernde Wirkung ist teilweise gut untersucht. Über ihren Effekt auf die Darmbakterien ist bisher jedoch wenig bekannt. Flavonoide beeinflussen möglicherweise nicht nur die Zusammensetzung der Darmflora, auch die Darmflora beeinflusst die Verfügbarkeit und Wirkung von Flavonoiden: Darmbakterien verändern bestimmte Flavonoide zu ähnlichen Verbindungen.

In mehreren Studien wirkte sich eine Ernährung mit Pflanzenstoffen wie Flavonoiden bei Menschen positiv auf die Darmflora aus. Je nach Studie förderten sie nützliche Darmbakterien, hemmten schädliche Arten und erhöhten die Vielfalt der Bakterienstämme. Zudem wurde die Darmbarriere, die Stoffwechselaktivität der Darmflora und das Entzündungsgeschehen im Darm verbessert. Eine Übersichtsarbeit lässt diesen Effekt auch beim Trinken großer Mengen Grüntee (1 Liter) annehmen. Er enthält das Flavonoid Epigallocatechingallat (EGCG).

Wichtige Flavonoide für den Darm sind darüber hinaus Rutin und Quercetin. Die Darmflora wandelt Rutin in Quercetin um. Beide Flavonoide haben eine antientzündliche Wirkung. In Tierversuchen besserten sie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Studien an erkrankten Personen gibt es jedoch noch nicht.

Fazit: Flavonoide beeinflussen die Darmflora. Studien haben diesen Zusammenhang belegt. Inwieweit sie jedoch bei Darmerkrankungen helfen, muss weiter untersucht werden. Aufgrund ihrer entzündungshemmenden Eigenschaften sollten Flavonoide jedoch Bestandteil der Nahrung sein.

Dosierung und Einnahmeempfehlung von Flavonoiden

Mikronährstoff-Experten empfehlen bei einer Darmflora-Störung grundsätzlich eine Ernährung, die reich ist an Flavonoiden – das bedeutet viel Obst und Gemüse. Zur Ergänzung können auch Präparate mit Rutin und Quercetin hilfreich sein. Sinnvoll sind zum Beispiel 150 Milligramm Rutin und 150 Milligramm Quercetin zusammen mit einer Mahlzeit.

Flavonoide: zu beachten in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Erkrankungen sowie Medikamenteneinnahme

Schwangere und Stillende sollten auf eine Einnahme von Quercetin verzichten. Es fehlen Untersuchungen zur Unbedenklichkeit. Die Einnahme von Rutin sollte mit dem Arzt abgesprochen sein.

Da Rutin und Quercetin über die Leber und Nieren ausgeschieden werden, ist bei Erkrankungen dieser Organe Vorsicht geboten. Nehmen Sie in diesen Fällen ohne ärztlichen Rat keine Präparate mit Rutin und Quercetin ein. Auch bei Wassereinlagerungen infolge von Herzerkrankungen ist die Einnahme von Rutin nicht angezeigt.

Da Quercetin und Rutin antioxidativ wirken, könnte in hoher Dosierung die Wirkung von Krebsmedikamenten gehemmt werden. Sprechen Sie eine Einnahme daher mit dem Arzt ab.

Quercetin könnte den Medikamentenabbau hemmen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die kombinierte Einnahme mit dem Arzt abzusprechen. Quercetin sollte zum Beispiel nicht eingenommen werden mit: Benzodiazepinen (wie Diazepam®, Stesolid® oder Valiquid®), Calciumkanalblockern (Norvasc®, Amlovasc®), Immunsuppressiva (Azafalk®, Azaimun®), Statinen (wie Zocor®, SimvaHEXAL®), Antibiotika wie Gyrasehemmern und Chinolonen (wie Ciloxan®) oder Makrolidantibiotika (wie Claromycin®). Denkbar ist auch eine verstärkende Wirkung von Blutgerinnungshemmern (zum Beispiel Marcumar®).

Dosierungen auf einen Blick

Empfehlung am Tag bei Darmflora-Störung

 

Probiotika und Ballaststoffe

Probiotika (zum Beispiel mit Laktobazillen und Bifidobakterien)

10 Milliarden (10 x 109) koloniebildende Einheiten (KBE)

Resistente Stärke

25 Gramm (g)

  
 

Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren

1.000 bis 2.000 Milligramm (mg) mit hohem EPA-Gehalt (zum Beispiel 1.400 Milligramm EPA)

  
 

Aminosäuren

Glutamin

4.000 bis 10.000 Milligramm (mg)

  
 

Pflanzenstoffe

Flavonoide

zum Beispiel 150 Milligramm Quercetin und 150 Milligramm Rutin

 

Sinnvolle Laboruntersuchungen auf einen Blick

Sinnvolle Blutuntersuchungen bei Darmflora-Störung

 

Optimalwerte

Stuhluntersuchung (Zusammensetzung der Darmflora)

je nach Labor 

Omega-3-Index

8 Prozent (%)

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Zusammenfassung

Eine gesunde Darmflora ist Voraussetzung für unsere Gesundheit. Liegt ein Ungleichgewicht von nützlichen zu schädlichen Bakterien vor, spricht man von einer Darmflora-Störung (Dysbiose). Es kann zu unterschiedlichen Symptomen wie Blähbauch, Durchfall und Müdigkeit kommen. Eine Darmflora-Störung steht außerdem mit verschiedenen Erkrankungen wie dem Leaky-Gut-Syndrom, Diabetes mellitus, Depressionen und Übergewicht in Verbindung.

Die Mikronährstoffmedizin kann helfen, die Darmflora wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Hierbei haben sich vor allem Probiotika bewährt. Probiotika sind gesundheitsfördernde Bakterien wie Laktobazillen. Sie siedeln sich im Darm an und konkurrieren mit schädlichen Bakterien um Nährstoffe. Ballaststoffe, wie resistente Stärke, unterstützen die nützlichen Bakterien und liefern ihnen Energie.

Zudem wirken Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend und können möglicherweise auch die Zusammensetzung der Darmflora günstig beeinflussen. Glutamin ist ein wichtiger Nährstoff für die Darmzellen und hilft dabei, den Darm abzudichten und den Körper vor Giftstoffen zu schützen. Flavonoide, wie Quercetin und Rutin, könnten darüber hinaus die Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen unterstützen.

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Verzeichnis der Studien und Quellen

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